Bezirksgerichtsgebäude Neumarkt am Wallersee
Das Bezirksgerichtgebäude zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee.
Geschichte
Das an der Hauptstraße im Stadtzentrum stehende Gebäude entstand im 16. Jahrhundert.
In der Österreichischen Kunsttopographie von Hans Tietze steht:
K k. Bezirksgerichtsgebäude (ehemals hf. Pfleggericht). Nr. 1. Schon zu der Zeit, als noch der Pfleger auf Altentann saß, wohnte zu Neumarkt der Pfleg- oder Gerichtsschreiber. Der Brand von Altentann machte eine Vergrößerung oder einen Neubau des "Amtshauses" nötig; 1699 wurde die Winklersche Behausung erkauft und adaptiert (Landesregierungsarchiv, Alte Bauakten, P 11., 11). Am 21. Jänner 1728 schlug der Pfleger gelegentlich Herunterputzung des Gebäudes und Anmalung des Wappens des neuen Fürsterzbischofs einen Aufbau vor, "obzwar vor meine geringste Person mit auskömmlichen Wohnzimmern versehen, jedoch aber sich schon öffters begeben, dass bey dieser österr. Haubtstrassen kaiserl., herzogl., fürstl ., Cardinalen und andere hohe S tandespersonen allhie durchpassiert, auch über Mittag oder Nacht alhie verblieben und aus Ermanglung andrer Gelegenheit in dem gar schlecht accomodirlichen Postgasthaus alhie sich patientieren müssen, welches auch weiland!. hf. Gnaden höchstseligen Angedenkens selbsten und dero hohe Anverwandtschaft zum öfteren widerfahren, zumalen nun allhiesige nur eingädig gebaute hf. Behausung auf allen Seiten völlig freisteht und die Hauptmauer stark genueg ist. Auch Kaufmann Poschinger solle im nächsten Jahr sein Haus niederreissen und ganz neu aufbauen" (Landesregierungsarchiv, Hofk. Alt- und Lichtentann 1728 B). Ob es zustande kam, entzieht sich unserer Kenntnis, in dem genannten Jahre wohl sicher nicht. Nach HÜBNER (1, 181) wurde das Pfleghaus 1782 "beynahe ganz neu hergestellt. Die Akten erwähnen bei dieser Gelegenheit auch die St.-Johann-Nepomuk-Kapelle. Am 22. August frägt Pfleger bei der Hofkammer um die Deckung der Renovationskosten an: "An der Pfleggartenmauer gegen der Strasse befindet sich eine kleine gemauerte Kapelle mit dem Bildnis des hl. Johann von Nepomuk, wo man bei Prozessionen die Evangelien zu l esen, auch Segen und Gebetter zu halten pflegt... Obschon in den Akten nicht anzutreffen ist, wer diese Kapelle erbaut und bisher unterhalten habe, so läßt sich doch aus der Lage der Kapelle, die mehr in dem Pfleggarten als auf der Strasse steht, nicht undeutlich schließen, dass die Reparationskösten aus der hiesigen Amiskassa zu bestreiten sind" (Hofkammer Alt- und Lichtentann 1781 B).
Bereits als der Pfleger noch im Pfleggericht Alt- und Lichtenthann residierte wohnte der Pfleg- und Gerichtsschreiber in Neumarkt. Nach dem Brand von Altentann am 6. April 1680 wurde die Gerichtsbarkeit von Alten- und Lichtentann nach Neumarkt verlegt. Hier wollte man ein neues Amtsgebäude neben der bestehende Gerichtsschreiberei, der Fronfeste, errichten.
Man konnte das gegenüberliegende Bürgerhaus käuflich erwerben und so wurde die "Winkler'sche Behausung" 1699 für das Gericht adaptiert. Dieses Gebäude wurde auch als Absteigequartier für hohe Persönlichkeiten genutzt. So übernachtete am 14. April 1574 Herzog Alphons I. von Ferrara (Oberitalien) aufgrund eines Empfehlungsschreiben von Kaiser Maximilian II. für eine "saubere Herberig und Pettgewandt". Im Winter 1717–1718 weilte der englische Thronpräsident Jacob III. Stuart auf seiner Reise nach Neapel im Haus.
1816 ging das Haus aus dem Besitz der erzbischöflichen Hofkammer in das Eigentum des k.k. Kammerareals über. 1920 kam es in den Besitz der Republik Österreich. Zum Gebäude gehören ein Park mit Parkplatz, in dem ein achteckiger Gartenpavillon steht sowie die Nepomuk-Kapelle an der Gerichtsmauer. Früher befand sich auch das staatliche Eichamt, eine Außenstelle des Finanzamtes, auf diesem Areal, das 1963 zu einer Pkw-Garage umgebaut wurde.
Bezirksgerichtsgebäude mit historischer Bausubstanz wurde mehrmals verändert. Die letzte Generalsanierung wurde 1988 abgeschlossen, 2015 kam es zu einer neuen Fassadengestaltung.
Nutzung nach Schließung 2022
Wenn 2023 das neue zentrale Bezirksgericht in Seekirchen am Wallersee in Betrieb gehen wird, steht das Gebäude zum Verkauf. Für die Stadtgemeinde Neumarkt am Wallersee stand fest, dass sie das Bezirksgericht erwerben werde. Zur Nutzung sagte Bürgermeister DI Adi Rieger, die erste Option ist, das Stadtamt und die öffentliche Bücherei ins Gerichtsgebäude zu verlegen, einen Anbau sowie eine Tiefgarage auf der rückwärtigen, tiefer gelegenen Seite am Statzenbach zu errichten. Auch die Polizeiinspektion habe Bedarf an neuen Räumen, zumal am jetzigen Standort die zur Wallersee-Zentrale aufgewertete Raiffeisenbank wohl in Zukunft auch mehr Platz brauchen werde. Aber das Projekt "hat für uns nicht die Priorität", auch wegen der finanziellen Corona-Auswirkungen. Vorhaben wie Kindergarten, Vereinshaus und Sportzentrum hätten Vorrang, so der Bürgermeister.[1]
Im Sommer 2024 lag ein Angebot der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) für den Kauf vor: 1,6 Millionen Euro für die Immobilie. Davon würde das Land Salzburg etwa 60 Prozent übernehmen. Neumarkt müsste etwa 900.000 Euro für den Ankauf zahlen. SPÖ-Landesvorsitzender und Bürgermeister von Neumarkt David Egger-Kranzinger sah aber Probleme, dieses Angebot anzunehmen. Denn mit den Nebenkosten und den Adaptierungen für Polizei und Bibliothek rechnet der Stadtchef mit zwei Millionen Euro. Und diese Summe kann die Stadt derzeit nicht aufbringen. Weitere Details zur finanziellen Situation Neumarkts siehe Stadtgemeinde Neumarkt am Wallersee#Finanz- und Investitionssituation 2024.[2]
2025: Die Stadtgemeinde Neumarkt kauft das Objekt
Am 12. Dezember 2025 wurde bekannt, dass die Stadtgemeinde Neumarkt am Wallersee das Gebäude kaufen wird. Mit dieser Entscheidung kann der Kauf nach eineinhalb Jahren Verhandlungen mit BIG, dem Land Salzburg und der Stadtgemeinde Neumarkt über die Bühne gehen. Den Kaufpreis von 1,6 Millionen Euro übernähmen zu etwa 55 Prozent das Land Salzburg und zu 45 Prozent die Stadtgemeinde Neumarkt.
Das Gebäude wird an eine noch zu bestimmende Wohnbaugesellschaft übergeben, die eine Ablöse zahlt und es saniert. Dann sollen Polizei und Bücherei einziehen. Außerdem wird die Wohnbaugesellschaft ein zusätzliches Gebäude mit elf bis 13 geförderten Wohnungen errichten und dafür einen Baurechtzins an die Stadtgemeinde zahlen. Durch die Ablöse und den Baurechtszins finanziere die Stadtgemeinde den Kauf, sagt Egger.
Das Gebäude mit den Wohnung soll im hinteren Teil des großen Geländes gebaut werden. Von den insgesamt 2 500 Quadratmeter großen Grundstück nimmt das ehemalige Bezirksgerichtsgebäude nur etwa 400 Quadratmeter ein. Der restliche Teil des Gartens zwischen Alt- und Neubau werden öffentlich zugänglich sein, so Egger.[3]
Bilder
Bezirksgerichtsgebäude Neumarkt am Wallersee – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Weblink
- Lage auf www.openstreetmap.org
Quelle
- Deinhammer, Helmut: Haus- und Hofchronik Neumarkt am Wallersee, Neumarkt, im Selbstverlag des Autors, Druck Neumarkter Druckerei, 2001