Mozarteumorchester Salzburg: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 4. Oktober 2013, 11:09 Uhr

Das Mozarteumorchester Salzburg in der Felsenreitschule
Mozarteumorchester c Wolfgang Krautzer.jpg

Das Mozarteumorchester ist das Berufssinfonieorchester von Land und Stadt Salzburg.

Geschichte

Das Orchester ging 1881 mit der Gründung des Mozarteums aus dem Klangkörper des Dommusikvereins und Mozarteums hervor. Bis dahin war es ab 1841 unter der Leitung von Alois Taux gestanden, später von Hans Schläger und Otto Bach übernommen worden, die beide Anton Bruckner als Leiter des Vereines vorgezogen worden waren.

Nachdem die Internationale Stiftung Mozarteum 1881 erfolgreich auf die Trennung von Dommusik und Mozarteum gedrängt hatte, formierte sich eine freie Orchestergemeinschaft ergänzt durch Schüler und Lehrer des Mozarteums unter der künstlerischen Leitung von Joseph Friedrich Hummel, dem mit 28 Jahren längstdienenden Vorstand des Orchesters. Hummel war gleichzeitig auch Leiter der Salzburger Liedertafel.

Obwohl rasch von renommierten Künstlern wie Gustav Mahler mit Lob bedacht, kam das Orchester schon bald in finanzielle Schwierigkeiten. Mit zeitgenössischer Musik (Brahms, Bruckner ...) konnte man nur wenige Salzburger dazu bewegen, regelmäßig die Konzerte des Mozarteumorchesters zu besuchen. Die ISM musste jährlich mehr als 200 Gulden zuschießen, um den Betrieb nur annähernd aufrecht zu erhalten.

Ab 1908 lautete der Name nun offiziell Mozarteumorchester, Joseph Reiter aus Braunau am Inn wurde neuer Leiter des Ensembles. Weitere wirtschaftliche Misserfolge erzwangen nach drei Jahren seine Demission. Es folgten ebenso erfolglose Jahre unter Paul Graener und Franz Ledwinka. Mitten im Ersten Weltkrieg sollte sich aber mit der Bestellung von Bernhard Paumgartner, später auch künstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele, die Geschichte des Orchesters zum Besseren wenden.

Unter Paumgartner feierte Herbert von Karajan am 22. Jänner 1929 im Großen Saal des Mozarteums sein Dirigierdebüt in Salzburg.

Die Nationalsozialisten wandelten das Mozarteumorchester 1938 in ein Berufsorchester um, nach der Ausrufung des Totalen Krieges kam aber jede Konzerttätigkeit zum Erliegen.

Das Mozarteumorchester formierte sich 1945 neu, um auf Anweisung der amerikanischen Besatzer maßgeblich an den Salzburger Festspielen mitzuwirken. Am Salzburger Landestheater wurde Mozarts Entführung aus dem Serail gegeben. In den Jahren des Wiederaufbaus startete das Orchester erste Tourneen, zuerst nach Italien, dann nach Deutschland, aber schon 1956 auch zu einer 42 Konzerte umfassenden Tour nach Amerika. Dem künstlerischen Erfolg der Tournee stand ein finanzielles Defizit von einer halben Million Schilling gegenüber.

Ab 1960 durften sich die Musiker des Orchesters als Landesbeamten bzw. Magistratsbeamten sehen und waren durch ihre Pragmatisierung unkündbar. Von 1969 bis 1981 stand das Mozarteumorchester unter der Leitung von Leopold Hager und damit stand erstmals ein echter Salzburger dem Klangkörper vor. Unter ihm wurde das Orchester schallplattenfähig, man begann Mozarts Jugendopern, die Konzertarien und Konzerte einzuspielen. Ein Werk, das Hans Graf in den 1980er Jahren fortsetzte, indem es ihm gelang, alle Sinfonien einzuspielen.

Mit 1. September 1994 war mit Hubert Soudant der bislang zweite Niederländer in der Geschichte des Orchesters zum Chefdirigenten ernannt worden. Durch seine stilistische Vielfalt, beispielsweise die Wiener Klassik (Beethovens Klavierkonzerte mit Waleri Afanassjew), die Romantik – etwa in Berios Verfremdung von Schuberts letzten sinfonischen Skizzen zu Rendering oder der Sinfonik Bruckners – sowie das französische Repertoire betreffend, durch seine internationale Erfahrung und intensive Arbeit gelang es ihm, den künstlerischen Ruf des Klangkörpers über die Milleniumswende hinweg weiter zu festigen.

Gegenwart

Orchesterhaus des Mozarteumorchesters in Nonntal

1991 wurde in der Erzabt-Klotz-Straße neben dem Petersbrunnhof des Schauspielhauses Salzburg das vom bekannten Salzburger Architekten Franz Fonatsch geplante neue Orchesterhaus eröffnet.

Seit 2004 ist der Engländer Ivor Bolton Chefdirigent des Mozarteumorchesters. Seit Beginn der Saison 2011/12 vertieft Trevor Pinnock als Erster Gastdirigent des Mozarteumorchesters seine Zusammenarbeit mit dem Orchester.

Das Mozarteumorchester ist Veranstalter zweier eigener Konzertreihen: die Sonntagsmatineen im Großen Festspielhaus bieten große Symphonik von der Klassik bis zur Gegenwart, interpretiert von bedeutenden Dirigenten und Solisten. Die Donnerstagskonzerte sind eine thematisch angelegte Konzertreihe, die eine spannungsreiche Balance zwischen berühmter Orchestermusik und Werken bietet, die es teils neu, teils erstmalig zu entdecken gilt. Im künstlerischen Mittelpunkt steht die Musik der Wiener Klassik, dennoch ist gerade bei den Sonntagsmatineen die stilistische Bandbreite groß wie etwa die Referenzaufführung von Messiaens Turangalîla-Symphonie im Frühjahr 2011 gezeigt hat.

Darüber hinaus spielt das Mozarteumorchester in großen Opernproduktionen: Bei den Salzburger Festspielen leitete Ivor Bolton 2009 Haydns Armida und 2011 Tschaikowskis Iolanta mit Anna Netrebko und Piotr Beczala sowie Strawinskys Le Rossignol. 2008 und 2010 interpretierte das Orchester – ebenfalls mit Anna Netrebko in der Titelrolle – Gounods Roméo et Juliette unter Yannick Nézet-Séguin. Im Jahr 2012 war das Mozarteumorchester für Peter von Winters Oper Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen - Der Zauberflöte zweyter Theil im Rahmen der Salzburger Festspiele engagiert. 2013 spielte das Orchester Felix Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik im Rahmen von Shakespeares Ein Sommernachtstraum. Auch für das Salzburger Landestheater spielt das Orchester die Musiktheatervorstellungen.

Einer der wichtigen konzertanten Fixpunkte sind die Mozart-Matineen bei den Salzburger Festspielen. Weiters stehen jährlich mehrere Konzerte im Rahmen der Salzburger Mozartwoche und für die Salzburger Kulturvereinigung auf dem Programm.

Auf seinen internationalen Tourneen repräsentiert das Mozarteumorchester Stadt und Land Salzburg und tritt als musikalischer Botschafter auf. Die Saison 2011/12 führte das Orchester nach Japan, Barcelona, Bilbao, Köln, Frankfurt und Baden-Baden. Im Herbst 2012 fand eine großangelegte Tournee durch China sowie ein Gastauftritt in Berlin statt. Am Osterwochenende 2013 spielte das Orchester zudem in Cuenca bei der 52. Semana de Música Religiose de Cuenca.

Das Orchester umfasst 91 Musiker und wurde von internationalen Gastdirigenten wie Giovanni Antonini, Robin Ticciati, Marc Minkowski, Yannick Nézet-Séguin, Mark Elder, Frans Bruggen, Andris Nelsons, Mark Wigglesworth und Thomas Dausgaard geleitet.

Ein Anliegen des Mozarteumorchesters ist die Arbeit mit jungen Musikfreunden: Seit 2010/11 gibt es eine jährliche Schulpatenschaft, in der SchülerInnen durch interaktive Workshops, Probenbesuche und Schulkonzerte an klassische Musik herangeführt werden. Darüber hinaus brachte das Mozarteumorchester 2008 im Rahmen seines Jugendprojektes ‚2 ORCHESTRAS’ sein erstes Auftragswerk für die Kombination professionelles Orchester und Jugendorchester zur Uraufführung. Das Projekt wurde 2010 mit einem Werk von Toshio Hosokawa fortgesetzt.

Die Arbeit des Mozarteumorchesters ist bestens auf Tonträgern dokumentiert. Die CD-Veröffentlichungen beim Label Oehms Classics umfassen u.a. zahlreiche Werke Mozarts, Haydns Oratorien Die Jahreszeiten und Die Schöpfung, Berlioz’ L’Enfance du Christ sowie einen begonnenen Zyklus mit den Symphonien Anton Bruckners. Mitte September 2013 erschien zudem eine CD-Aufnahme des Labels Sony Classical mit Werken von Mozart. Das Mozarteumorchester Salzburg spielte gemeinsam mit dem Harfenisten Xavier de Maistre sowie der Flötistin Magali Mosnier. Auf DVD sind u.a. Gounods Roméo et Juliette mit Rolando Villazon und Zarzuelas mit Placido Domingo erschienen.

Offizielle Hauptsponsoren des Mozarteumorchesters sind Mercedes-Benz Österreich und die Leica Camera AG.

Chefdirigenten

Namhafte Gastdirigenten

Eine kleine Auswahl namhafter Gastdirigenten in alphabetischer Reihenfolge:

Quellen

Weblinks