Sidonie Friedhuber von Grubenthal
Sidonie Friedhuber von Grubenthal, ab 1919 (Adelsaufhebung) Friedhofer-Grubenthal (* 11. Juli 1870 in Brünn, Mähren), war eine Salzburger Volksschullehrerin und ‑direktorin.
Aus ihrem Leben
Sidonie (Sidonia Helena) Friedhuber von Grubenthal war Tochter des Michael Friedhuber, Ritters von Grubenthal, Kontrollors bei der Brünner Tramwaygesellschaft (eines Sohnes des Alexander, Ritters von Grubenthal, k.k. Münzamts…), und der Dorothea geb. Kreyczi.[1]
Sie war Unterlehrerin an der Volksschule Altenmarkt, als ihr im Mai 1896 die neusystemisierte Lehrerinnenstelle an der dreiklassigen Volksschule in Badgastein verliehen wurde.[2]
Im September 1899 wurde ihr die definitive Lehrerinnenstelle an der vierklassigen Volksschule in Radstadt,[3] im November 1903 die Lehrerinnenstelle an der Volksschule Maxglan verliehen.[4] Als sie am 9. Februar 1904 Radstadt verließ, um ihren neuen Posten als Lehrerin in Maxglan anzutreten, wurde ihr ein sehr ehrenvoller Abschied bereitet, der in einem nahezu hymnischen Zeitungsartikel geschildert wird:[5]
Radstadt, 9. Februar. (Abschiedsfeier.)
Heute verließ das geehrte Fräulein Lehrerin Sidonie Friedhuber von Grubenthal Radstadt, um ihren neuen Posten als Lehrerin in Maxglan anzutreten. Durch mehr als 4 Jahre wirkte das genannte Fräulein als Lehrerin und Handarbeitslehrerin an der hiesigen vierklassigen Schule mit stetem, unverdrossenem großem Pflichteifer und mit voller Hingabe an die anvertrauten Kinder. Diesem Pflichtbewußtsein gesellten sich natürliche Einfachheit und Anspruchslosigkeit und gemütstiefe Herzlichkeit im gesellschaftlichen Verkehre zu, so daß sich die treffliche Lehrerin die allseitige Hochschätzung und Zuneigung erwarb und ihr Scheiden allgemein, insbesonders aber seitens der Eltern der schulbesuchenden Kinder auf das lebhafteste bedauert wurde. Beweis dieser erworbenen Achtung und Liebe war auch der großartige Besuch der von den Lehrern Schintlmaißer, Kosumblick und Mader veranstalteten Abschiedsfeier am Abend des 31. Jänner im Saale des Gasthofes „zum Stöckl". Der Herr Bürgermeister, der Leiter der Schule, der hochw. Herr Stadtpfarrer als Katechet und Herr Ortsschulinspektor Rußegger widmeten der Scheidenden Worte der vollsten Anerkennung und des herzlichsten Dankes für ihr pflichttreues und ersprießliches Wirken in der Schule. Die "Gesellschaft der Musikfreunde" hatte in liebenswürdiger Weise ihre Kunst in den Dienst der Geselligkeit gestellt und es gestaltete sich durch deren Chor- und Sologesangs-Vorträge und Vorträge der Streichmusik der Abend zu einem sehr animierten.
Herzlich gestaltete sich auch noch die gestrige Abschiedsfeier in der Schule. Schüler der ersten und zweiten Klasse boten ihrer geliebten Lehrerin unter Überreichung eines wunderschönen Rosenbuketts poetische Abschiedsgrüße und eine Abordnung der Mädchen der 3. und 4. Klasse sprach dem verehrten Fräulein als Handarbeitslehrerin den innigsten Dank aus. Die Mädchen der 4. Klasse hatten ihre Sparheller zusammengelegt zum Ankaufe eines herrlichen Blumenbuketts, das von der ältesten Schülerin als Sprecherin zur dankbaren Erinnerung überreicht wurde. Die mitanwesenden Lehrer und der hochw. Herr Stadtpfarrer Kostenzer, Katechet der 1. Klasse, nahmen nach einer kurzen Ansprache des Leiters der Schule an die Kinder gleichfalls Anlaß, der scheidenden Kollegin herzliche Abschiedsworte zu widmen und sie des freundlichsten Gedenkens zu versichern.
Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß auch der k. k. Bezirksschulrat St. Johann dem Fräulein v. Grubenthal im Enthebungsdekrete für ihre vieljährige, sehr ersprießliche Tätigkeit auf dem Gebiete des Unterrichtes und der Erziehung im Bezirke St. Johann (an den Schulorten Altenmarkt, Badgastein und Radstadt) seine volle Anerkennung und seinen Dank aussprach und auch der Ortsschulrat Radstadt zufolge Sitzungsbeschlusses derselben seine vollste Anerkennung und seinen besten Dank schriftlich zufertigte.
Möge das geehrte Fräulein nochmals nebst den besten herzlichsten Wünschen zum Geleite an ihren neuen Wirkungsort die Versicherung mitnehmen, daß ihr ausgezeichnetes Wirken hier stets in freundlicher, dankbarer Erinnerung bleiben wird."
Sidonie Friedhuber von Grubenthal blieb in Maxglan, bis sie die ihr im April 1910 verliehene Oberlehrerinstelle an der Mädchenvolksschule in Bischofshofen[6] antrat. Im Juli 1918 wurde ihr die Oberlehrerinstelle an der im Jahr 1908 aus der Teilung der Volksschule St. Andrä hervorgegangenen[7] öffentlichen Jubiläums-Mädchen-Volksschule in der Stadt Salzburg verliehen (gleichzeitig erhielt ihre Kollegin Eleonore Scholz die Oberlehrerinstelle an der Volksschule St. Andrä).[8] Im Dezember 1921 verlieh ihr der Bundesminister für Unterricht "in Anerkennung vieljährigen, sehr erfolgreichen Wirkens im öffentlichen Schuldienste" den Titel "Direktorin".[9] Als Direktorin Sidonie Friedhuber-Grubenthal im Oktober von der Schule schied, sah sich deren Elternvereinigung veranlasst, ihr öffentlich ihren herzlichsten Dank auszusprechen. Sie habe es wie selten jemand verstanden, sich die Liebe und Wertschätzung der Jugend zu sichern, und ihr Scheiden löse daher auch in Elternkreisen herzliches Bedauern aus.[10]
Sidonie Friedhuber–Grubenthal lebte noch 1960 in der Stadt Salzburg.[11]
Quellen
- ↑ Taufbuch der Pfarre Alt-Brünn (Mariä Himmelfahrt), 1870–1875, S. 36 (via Acta Publica, Moravský zemský archiv v Brně [Mährisches Landesarchiv in Brünn)
- ↑ Salzburger Chronik, 11. Mai 1896, S. 3
- ↑ Salzburger Chronik, 28. September 1899, S. 3
- ↑ Salzburger Volksblatt, 19. November 1903, S. 3
- ↑ Salzburger Chronik, 11. Februar 1904, Beilage
- ↑ Salzburger Chronik, 15. April 1910, S. 2
- ↑ Salzburger Wacht, 3. Dezember 1908, S. 4
- ↑ Salzburger Volksblatt, 29. Juli 1918, S. 4
- ↑ Salzburger Volksblatt, 17. Dezember 1921, S. 5
- ↑ Salzburger Volksblatt, 27. Oktober 1923, S. 7
- ↑ Adressbuch der Stadt Salzburg, Jg. 1960
| Vorgängerin |
Schulleiterin der Jubiläums-Mädchen-Volksschule 1918?−1923 |
Nachfolgerin |
| Vorgänger |
Schulleiterin der Mädchenvolksschule Bischofshofen 1910−1918 |
Nachfolgerin |