Pabenschwandt

Pabenschwandt ist ein alter Gutshof mit Meierhof in der Flachgauer Gemeinde Plainfeld. Er zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Gemeinde.
Allgemeines
Der Gutshof befindet sich im Besitz der Benediktinererzabtei St. Peter. Die Liegenschaft ist voll arrondiert (rund um die Meierei gelegen), dazu gehören auch größere umliegende Waldflächen. Mitten durch die Liegenschaft fließt der Plainfelder Bach, und obwohl der Bach über längere Zeit hinweg oft kaum Wasser führt, kann er sich nach Unwettern immer wieder zu einem Wildbach entwickeln und dabei Schäden verursachen.
Geschichte
Erstmals erwähnt werden Meierei und Edelsitz im Hofurbar des Pfleggericht Wartenfels im Jahr 1505. 1705 kaufte dann Abt Placidus Mayrhauser Pabenschwandt um 5.500 Gulden für das Benediktinerstift St. Peter vom Pfleger Josef Pock von Arnholz. Es könnte sein, dass Abt Mayrhauser hier einen Sommersitz schaffen wollte, denn er suchte um die Baugenehmigung eines aufwendigen Kirchengebäudes an, ähnlich der heutigen Stadtpfarrkirche St. Erhard in der Stadt Salzburg. Das Vierfache der Kaufsumme investierte Mayrhauser in Pabenschwandt; dann wurde ihm 1711 Schloss Goldenstein angeboten. Dieses Schloss wurde schließlich der bevorzugte Aufenthaltsort der Äbte und des Konvents.
Pabenschwandt zur Zeit des Nationalsozialismus
Im Gut Pabenschwandt im Flachgau bestand während der NS-Zeit ein Außenlager des KZ Dachau. Einige Namen der dort eingesetzten KZ-Gefangenen konnten ermittelt werden.
"Nun ist man da in Pabenschwandt, das unser Forscher herrlich fand", heißt es in einem Gedicht, das der Arzt Karl Fahrenkamp 1943 über seine Tätigkeit auf dem Gutshof verfasste. "Im Tal der Bach. Der Wald bekränzt. Das Land, das an den Nachbar grenzt. So also liegt das Forschungsgut, die Einsamkeit ist 'absolut'." Fahrenkamp (* 1889; † 1945 im Salzburger Landeskrankenhaus) war SS‑Stabsarzt und ab 1943 bis zum Kriegsende Kommandoführer im KZ‑Versuchsgut Pabenschwandt. Er führte dort Versuche an Pflanzen und Tieren durch, um Erträge für die Nahrungsmittelsicherheit zu steigern.
Wie im Gedicht angedeutet, schätzte Fahrenkamp die abgeschiedene Lage des Guts. "Er wollte völlige Abgeschiedenheit", beschreibt der Salzburger Historiker und Musikwissenschafter Werner Rainer. Rainer veröffentlichte seine Forschungen in der Schriftenreihe des Salzburger Landesarchivs (Band 40). Er zitiert darin ein Schreiben Fahrenkamps an den SS‑Reichsführer, in dem dieser ein Betretungsverbot für den zum Gut gehörenden Wald verlangte, da die Bevölkerung ihn "als ihren Garten" betrachte.
Die Nationalsozialisten konnten das Anwesen nur nutzen, weil es 1941 enteignet und an die Waffen‑SS verpachtet worden war. Pabenschwandt fungierte fortan als KZ‑Außenstelle von Dachau. Fahrenkamp stand wegen seiner Forschungen in Kritik und konnte aufgrund einer jüdischen Großmutter keinen "arischen" Abstammungsnachweis vorlegen. Als Arzt von Heinrich Himmlers Familie und anderer NS‑Größen genoss er jedoch Schutz durch das Regime.
Gefangene waren Zeuginnen Jehovas
In Pabenschwandt wurden überwiegend Frauen aus dem KZ Ravensbrück eingesetzt, vor allem Zeuginnen Jehovas. Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaft galten den Nationalsozialisten als gehorsam und arbeitsam und wurden daher häufig Außenlagern zugeteilt, etwa auch beim Bau der Sommervillen für KZ‑Kommandanten in St. Gilgen.
Die Gefangenen arbeiteten vor allem in der Gartenarbeit, der Küche und im Haushalt. Ob sie auch bei Fahrenkamps Forschungen eingesetzt wurden, ist aus den Quellen nicht eindeutig zu erkennen. Durch ihre Tätigkeit in der Küche hatten sie Zugang zu Essen. "Es ist nicht so, dass das Gut wie ein KZ geführt wurde; es war ein KZ‑unterstütztes Lager, betreut von einer SS‑Mannschaft. Die Frauen waren jedoch stark isoliert", so Rainer.

Keine Versuche an den KZ-Häftlingen belegt
In Baracken auf dem Areal war vermutlich die SS‑Mannschaft untergebracht. Überlieferungen, wonach an den Gefangenen Versuche durchgeführt worden wären, konnten laut Rainer nicht belegt werden. Von der Gefangenen Martha Hagen existieren schriftliche Erinnerungen; ihr Enkel verfasste eine Biografie über sie. "Sie gibt Aufschluss darüber, wie es den Häftlingen in Plainfeld ergangen ist", sagt Rainer.
Einige Gefangene erlebten das Kriegsende in Plainfeld. Bereits zu Ostern 1945 soll das Anwesen weitgehend verwaist gewesen sein. Die Familie Fahrenkamp – der Arzt nutzte den Hof als Arbeits- und Wohnort – blieb jedoch zunächst. Rainer konnte anhand von Archivmaterial rekonstruieren, dass die US‑Besatzungsmacht Fahrenkamps Forschung zunächst unter Schutz stellte: Er leiste wichtige Arbeit und dürfe nicht von der österreichischen Polizei verhaftet werden.
Fahrenkamp fungierte daher vorerst weiter als Administrator. Er stellte Martha Hagen nach Kriegsende sogar ein Arbeitszeugnis aus, in dem er ihren "großen Fleiß und ihre Zuverlässigkeit" hervorhob. Das Zeugnis erhielt sie per Post.
Fahrenkamps Zeit in Plainfeld endete jedoch abrupt. Er verstarb am 21. September 1945 nach einem Besuch im Henndorfer Strandbad im Landeskrankenhaus, vermutlich durch einen Schlaganfall; es gab aber auch Berichte über einen möglichen Suizid.
In den "Salzburger Nachrichten" vom 27. September 1945 hieß es im Nachruf: "Obwohl er vor 1933 der Freimaurerloge angehörte und der Nazipartei nie beitrat, war er doch der Leibarzt verschiedener Parteigrößen des Dritten Reiches." Rainer verortet Fahrenkamp ideologisch als Opportunisten: "Er konnte gut mit der NS‑Oberschicht, dann aber auch sehr gut mit den Amerikanern. Er war Arzt aus Überzeugung – und überzeugt von seiner Forschung."
Ein Jahr nach seinem Tod mussten auch seine Witwe und die Kinder nach Bayern ausreisen. Das Gut kam wieder in den Besitz von St. Peter. Die Schicksale der Gefangenen nach ihrer Zeit in Pabenschwandt sind jedoch schwer zu rekonstruieren. "Viele gingen nach Kriegsende nach Deutschland und traten wieder als Zeuginnen Jehovas in Erscheinung. Die Spuren verlieren sich aber oft", so Rainer.
Ähnliches berichtet die Historikerin Walpurga Penninger, die einige der Frauen ausfindig machen konnte. An der St.-Leonhard-Kapelle erinnert eine Gedenktafel an die "namenlosen Opfer" von Pabenschwandt. Penninger regte eine Zusatztafel mit den belegbaren Namen der Frauen an: "Es ist schade, dass sie bis heute als namenlos gelten. Das NS‑Regime wollte ihnen ihre Identität nehmen. Das soll sich ändern."
Jakob Auer, Erzabt von St. Peter, bestätigt die Pläne: "Gerade an die Opfergruppe der Zeugen Jehovas ist erst spät gedacht worden. Nun sollen ihre Namen sichtbar werden."
Namensherkunft und Besitzabfolge des Gutes Pabenschwandt
- 1269: Erste Nennung der Ritter von Pabenschwandt.
- 16. und 17. Jahrhundert: Es kommt zu einem häufigen Besitzerwechsel des Adelssitzes.
- 1699: Zwangsversteigerung von Pabenschwandt.
- 1705: Abt Placidus Mayrhauser von St. Peter erwirbt Hof und Gut und kauft weitere Liegenschaften zu.
Literatur
- Kunsthistorische Informationen über Pabenschwandt enthält die Österreichischen Kunsttopographie 11 (1916), S. 439.
Bilder
Pabenschwandt – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Weblinks
- Erzabtei St. Peter Pabenschwandt
- Internetauftritt der Gemeinde Plainfeld
- Festschrift der Pfarre Plainfeld
Quellen
- Archiv der Erzabtei St. Peter
- Homepage der Gemeinde Plainfeld
- Franz Fuchs
- St. Peter in Salzburg, das Begleitbuch zur 3. Landesausstellung, der Landesausstellung St. Peter in Salzburg, 1982, Seite 263
- sn.at, 10. Februar 2026: Arzt führte KZ-Versuchsgut in Plainfeld: Zusatztafel für bisher "namenlose Opfer" geplant, ein Beitrag von Simona Pinwinkler