Josef-Mayburger-Kai

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Bild
Josef-Mayburger-Kai
Länge: ca. 1200 m
Startpunkt: Lehener Brücke
Endpunkt: Autobahnbrücke
Karte: Googlemaps

Der Josef-Mayburger-Kai ist eine Straße am rechten Salzachufer in den Stadtteilen Elisabeth-Vorstadt und Itzling in der Stadt Salzburg.

Name

Benannt wurde der Kai nach dem Landschaftsmaler Josef Mayburger junior (* 1814; † 1908), einem Lehrer Hans Makarts und einem der ersten Altstadterhalter Salzburgs. Der Beschluss zur Namensgebung wurde am 7. April 1924 gefasst.

Verlauf

Der Josef-Mayburger-Kai verläuft am orografisch rechten Salzachufer von der Lehener Brücke nach Norden bis zur Autobahnbrücke Salzburg-Nord der A 1 West Autobahn bis zur Stadtgrenze. Er ist etwa 1 200 m lang.

Mayburgerkai, Blick zur Lehener Brücke und nach Mülln

Gebäude

Am Mayburgerkai oder in unmittelbarer Nähe befinden sich unter anderem das Musische Gymnasium, das Kolpinghaus Salzburg und das Toni-Kronreif-Sportzentrum des ASKÖ. Im Bereich des Kais befand sich die Sohlstufe Lehen, an deren Stelle seit 2011 das Stützkraftwerk errichtet wurde und seit 2013 in Betrieb ist.

Brücken

für Radfahrer- und Fußgänger

Über den Josef-Mayburger-Kai

Austroflug-Bild von Froschheim in der Stadt Salzburg mit Blick in Richtung Bergheim. Bildmitte etwas rechts erkennt man einen Straßenkreuzung an der rechts ein großes Gebäude steht. Über dieser Straßenkreuzung beginn ein kleines Wäldchen, ein Park mit dem Caspisschlössl. Das große Gebäude ist die Plainschule, die im Herbst 1931 fertiggestellt worden war. Der weiß gestrichelte Weg rechts der Salzach ist der Josef-Mayburger-Kai.

Der heutige Josef-Mayburger-Kai besitzt nach wie vor eine besondere Atmosphäre und eine bemerkenswerte Lebensqualität.

Vor der Salzachregulierung war der heutige Bereich zwischen Mayburger-Kai und Bergheimer Straße Teil des Flussbettes der Salzach. Erst mit der Regulierung im Laufe der 1860er-Jahre wurde vermutlich auch dieser Abschnitt verlandet und befestigt.[1]

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Land als Trabrennbahn genützt und lag Anfang des 20. Jahrhunderts brach. Anfang der 1920er-Jahre war nur in den Randbereichen eine Bebauung durch Wohnhäuser vorhanden.[2] Im Jahrzehnt von 1920 bis 1930 bebaute man das Areal erstmals mit vorwiegend Mehrparteienhäusern,[3] von denen heute noch Häuser wie jene an der Jahnstraße – Nr. 2 – oder am Josef-Mayburger-Kai – Nr. 38A – markant sind.

Mayburger Salzachtal

1924 wurde der bis dato unbenannte Weg entlang der Salzach in Josef-Mayburger-Kai umbenannt.[4] Im Vergleich mit dem Gemälde "Mayburger Salzachtal" ist in dem Austroflug-Luftbild um 1930 der Wandel von einer Flusslandschaft zum bebauten Wohngebiet bereits deutlich erkennbar.

Ein frühes Beispiel für den Anspruch der Bewohner des Mayburger-Kais an ihre "besondere" Wohngegend ist ein Leserbrief vom 30. August 1932 im "Salzburger Volksblatt":[5]

Staubplage am Mayburger-Kai. Es wird uns geschrieben: Die Wohnungsinhaber am Mayburger-Kai leiden unter einer argen Staubplage dadurch, daß der dem Kai Autoverkehr vollkommen freigegeben ist. Es wird der Kai von mindestens 80 Prozent der Kraftfahrzeuge als Durchgangsstraße benützt. Die Straße ist weder geteert noch wird sie entsprechend besprengt. Die Wohnungsinhaber waren im guten Glauben, an einem Kai, der zugleich ein stark besuchter Spazierweg ist, eine staubfreie Wohnung zu haben, wurden aber arg getäuscht. Nun stellen die Bewohner des Kais an die Stadtgemeinde die gewiß gerechtfertigte Bitte, den vollkommen unnötigen Durchgangsverkehr über den May-burger-Kai für alle Kraftfahrzeuge zu verbieten und so der Staubplage abzuhelfen. Die Kraftfahrzeugbesitzer, die am Mayburger-Kai wohnen, werden gebeten, den anderen das Wohnen durch rasches Fahren nicht unmöglich zu machen.

Das Wohnen "an einem Kai, der zugleich ein stark besuchter Spazierweg ist" war also für die Bewohner bereits in den 1930er-Jahren etwas Außergewöhnliches. In einer solchen Lage sollte kein unnötig staubiger, städtischer Durchzugsverkehr herrschen. Am Mayburger-Kai besteht damit eine beachtenswerte Kontinuität von den 1930er-Jahren bis zu heutigen Vorstellungen und Ansprüchen vom "Wohnen am Fluss". Bis in die Gegenwart gelten Wohngegenden in der Nähe von Flüssen als besonders lebenswert.

Diese Wahrnehmung spiegelt sich auch in Erinnerungen ehemaliger Bewohner wie Emma Gmeilbauer (* 1940) wider. Gmeilbauer wohnte von 1963 bis 2022 im Haus Josef-Mayburger-Kai 40 und war gelernte speditionskaufmännische Angestellte bei einer Spedition am Salzburger Hauptbahnhof. Sie zog mit ihrem Ehemann zwei Kinder am Mayburger-Kai groß und erklärte sich für die Stadtteilgeschichte der Elisabeth-Vorstadt für ein Interview bereit (Quelle dieses Abschnitts). Darin berichtete sie ausführlich über ihr Leben am Mayburger-Kai.

In ihren Erinnerungen betonte Emma Gmeilbauer immer wieder die große Zufriedenheit mit der überaus ruhigen Lage am Fluss und die gute Wohnqualität. Nur im Ausnahmefall wurde die Salzach auch als Bedrohung wahrgenommen, sie konnte sich an ein oder zwei Situationen erinnern, in denen ihr Haus einer Überschwemmung nur knapp entgangen ist. Die Nahversorgung beschrieb sie als gut, der kleine Krämerladen der Familie Striednig deckte in den ersten Jahrzehnten, in denen sie dort wohnte, die Grundversorgung ab. Größere Einkäufe wurden außerhalb der Elisabeth-Vorstadt und mit dem Auto erledigt. Erst ab den Nullerjahren nutzte sie bei Waren, die nicht alltäglich gekauft werden mussten, das FORUM 1 am Hauptbahnhof. Das nachbarschaftliche Verhältnis beschrieb Emma Gmeilbauer als gut und korrekt, aber von einer richtigen Gemeinschaft konnte man ihrem Empfinden nach nicht sprechen. Damit ist eine wesentliche Eigenschaft von sozialen Netzwerken oder Beziehungen in der Stadt angesprochen: Freundschaftliche Beziehungen sind weitgehend unabhängig von der Nachbarschaft.

Entsprechend berichtete Gmeilbauer darüber, dass sie in der Freizeit vor allem Angebote außerhalb der Elisabeth-Vorstadt genutzt habe. Gegenüber den als gut empfundenen Wohn- und Nahversorgungsmöglichkeiten waren andere Aspekte des Lebens eher außerhalb des Stadtteils zu verorten. In den 1970er Jahren waren sie zudem eine der wenigen Familien mit kleinen Kindern am Mayburger-Kai und Treffen mit Freunden der Kinder mussten dementsprechend vorab vereinbart werden. Den Spielplatz an der Ecke "Mayburger-Kai" – "Erzherzog-Eugen-Straße" empfand sie als Treffpunkt mit migrantischen Kindern als ungeeignet, da ihr diese im Umgang mit den eigenen Kindern zu stürmisch waren. Es stellt sich die Frage, wie solche Schieflagen zwischen migrantischen und einheimischen Bevölkerungsgruppen entstanden. Es gab offenbar wenig Kommunikation und Verständigung. Dabei kann nicht genau gesagt werden, ob die Verständigungsprobleme zu negativen Wahrnehmungen führen oder die negative Wahrnehmung zu Kommunikationsproblemen.

Diese Erinnerungen lassen sich an die Vorstellung von Grenzen und Abgrenzungen innerhalb des Stadtteils anschließen. Die Bebauungsstruktur am Mayburger-Kai ist für das Wohnen in Einfamilien- und kleineren Mehrparteienhäusern typisch. Das steht im Gegensatz zu den bahnhofsnahen Wohngebieten mit Plattenbauten. Daran machte Frau Gmeilbauer und – ihrer Erinnerung nach – auch viele andere Personen einen Imageunterschied zwischen den salzachnahen und bahnhofsnahen Wohngebieten der Elisabeth-Vorstadt fest. In Bahnhofsnähe sei demnach die Lebensqualität aufgrund des starken Verkehrs schlecht und die sozialen Milieus werden teilweise als problematisch angesehen. Diesbezüglich ist interessant, dass Frau Gmeilbauer erwähnte, dass der Mayburger-Kai von Außenstehenden als Wohnort, im Gegensatz zum Rest der Elisabeth-Vorstadt, oft als sehr positiv wahrgenommen wurde und wird. Auch sie selbst erzählt einmal im Interview: "Das ist der Mayburger-Kai gewesen, und hinten war halt die Stadt, die Plainstraße, dann die Elisabethstraße" "Die Stadt" ist demnach woanders als am Mayburger-Kai: An Aspekte des Urbanen – wie z.B. starke Bebauung, hohe Einwohnerdichte und verschiedene urbane Milieus – werden teilweise negative Zuschreibungen gemacht. In Abgrenzung dazu steht demnach der Mayburger-Kai und seine "schöne und ruhige Lage" am Fluss mit aufgelockerter Baustruktur. Auch diese Wahrnehmungen der Andersartigkeit des Mayburger-Kais können zu unsichtbaren Bruchlinien im Stadtteil führen, die sich hinterfragen lassen.

Abschließend lässt sich sagen, dass am Mayburger-Kai für die Bewohner bis heute ein attraktives Wohnangebot besteht. Das Gebiet ist bekannt für die Lage an der Salzach, die mit einer ruhigen Umgebung in Zusammenhang gebracht wird. Spannend ist, wie früh dieses Bewusstsein für die hohe Lebensqualität am Josef-Mayburger-Kai bereits bestand – in einer Zeit, in der in vielen Städten das Leben am Fluss noch nicht besonders attraktiv war. Wohnbauprojekte der letzten Jahrzehnte zeigen, dass der Mayburger-Kai als Wohngebiet auch weiterhin sehr gefragt ist. Aber während der hohe Anspruch an die Wohnqualität heute typisch für städtische Wohngebiete am Fluss ist, war dies für die 1930er-Jahre nicht der Fall. Für die Geschichtsforschung ist weiters interessant, wie Imageunterschiede verschiedener Gebiete in einem Stadtteil zustande kommen und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelten. Der Mayburger-Kai ist hier insbesondere wegen der Unterschiede in der Wahrnehmung im Vergleich zum Rest der Elisabeth-Vorstadt bemerkenswert. Sich die Frage nach den historischen Ursachen für solche Unterschiede in der Wahrnehmung zu stellen, kann helfen aktuelle Zuschreibungen zu begreifen und zu hinterfragen.[6]

Panoramaaufnahme

Westliche Ansicht vom Makartkai aus, mit Kraftwerksbaustelle Sohlstufe Lehen

Stolpersteine

Bild 1: Stolperstein für Camill Weil vor Haus Josef-Mayburger-Kai 8.
Bild 2: Stolperstein für Hugo Rosenberg (* 1892; † (unbekannt) vor Haus Josef-Mayburger-Kai Nr. 28.
Bild 3: Stolperstein für Dr. David Samuel Margules vor dem Haus Josef-Mayburger-Kai 38.
Bild 4: Stolperstein für Rudolf Friedländer (* 1878; † 1942) vor Haus Josef-Mayburger-Kai Nr. 50a

Weitere Bilder

 Josef-Mayburger-Kai – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI

Weblink

  • dorfzeitung.com Das gelbe Kleinod am Mayburger-Kai Haus Trenker | Mayburgerkai 80

Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Wiesbauer, Heinz; Dopsch, Heinz, salzach macht geschichte, 2. Auflage, Salzburg 2019, 159.; Franz Valentin Zillner, Ueber den Einfluß der Witterung auf die Entstehung gastrischer Krankheiten in der Salzburger Stadtbevölkerung und über die Ursachen der Typhus-Epidemie des Jahres 1865 zu Salzburg, in: Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 6 (1866), 150 MGSLK 6, 1866, S. 71-168
  2. ↑ Vgl. Stadtplan, in: Stadtteilgeschichte der Elisabeth-Vorstadt, stadtteilgeschichte.at (01.05.2026)
  3. ↑ Vgl. Austroflug, Salzburg. Luftbild des nördlichen Stadtteiles gegen Maria Plain, ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung AF 3981
  4. ↑ Vgl. N.N., Aus Salzburg, Oberösterreich und Tirol. Umbenennung von Straßen, in: "Salzburger Volksblatt", 19.2.1924, 4, online unter: ANNO.
  5. ↑ ANNO, "Salzburger Volksblatt", Ausgabe vom 30. August 1932, Seite 7
  6. ↑ stadtteilgeschichte.at Elias Kirchtag: Stadtteilgeschichte Elisabeth-Vorstadt: Josef-Mayburger-Kai: Wohnen und Leben am Fluss. 2026. online eplus.uni-salzburg.at (Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz)