Franz Ferstl

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Das Bild links unten zeigt das Ehepaar Ida und Franz Ferst als Sieger beim Straßenrennen in Gmünd, ., am 10. Juni 1951.

Franz Ferstl (* 10. Mai 1913 in Bernschlag, .) aus Goldegg (in manchen Ergebnislisten auch St. Johann im Pongau[1] war ein Salzburger Motorradrennfahrer. Er fuhr zusammen mit seiner Frau Ida Beiwagenrennen.

Meine Frau und Staatsmeisterin ...

Ein Beitrag von Helmut Krackowizer in den Salzburger Nachrichten vom 28. November 1949:[2]

Ehepaar Ferstl aus Goldegg wurde Beiwagen-Staatsmeister auf der Straße

Es vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht ein Sportsmann der zwar nicht sehr zahlreichen, dafür umso erfolgreicheren Salzburger Motorradsportler, einen Staatsmeister-Titel nach Hause bringt. So war es 1947, zwar noch nicht offiziell Toni Magnus, der den erfolgreichsten Beiwagenfahrer stellte, im vergangenen Jahr ging der Stern Helmut Volzwinklers auf, der 1948 gleich 2 Meistertitel, auf der Straße und am Berg, nach Hause brachte und heuer nur über den verzwickten Ausschreibungsmechanismus der Staatsmeisterschaft zu Fall kam und ohne offizieller Anerkennung aus Wien blieb, trotzdem ging Salzburg auch dieses Jahr nicht leer aus bei der Staatsmeisterschaft 1949.

Franz Ferstl, der ruhige und bescheidene Sportsmann, brachte mit seiner Frau als Seitenwagenpassagier den Titel des österreichischen Straßenmeisters der Beiwagenklasse nach Hause. Grund genug die dornenvolle motorsportliche Laufbahn des Postchauffeurs in Goldegg bei St. Johann näher zu beleuchten.

Am 10. Mai 1913 in Bernschlag, N.-Ö., geboren, erlernte Ferstl das Maschinenschlosser-Handwerk und kam nach 11jähriger Militärzeit 1945 als Postkraftwagen-Lenker nach St. Johann im Pongau und ist seitdem, wenn auch ein "Zuagroasta", so doch ein treuer Salzburger geworden. Wenn er sich im Motorsport erst nach dem Kriege seßhaft gemacht hat, so war er schon von 19321936 als Radrennfahrer und Skispringer unter den aktiven Sportlern zu finden. So überdauerte die Liebe zu den Rädern, auch die lange Militärzeit und während des Krieges kam Ferstl in den Besitz der Rudi Knees 200-ccm-NSU-Rennmaschine, die als sehr schnell bekannt war.

Das erste Mal tauchte Ferstl mit seiner NSU beim 1. Welser Bahnrennen im Frühjahr 1946 auf, doch nur als Zuschauer, deswegen aber kaum weniger beachtet als die Aktiven selbst, denn seine NSU, mit der er per Achse nach Wels gekommen war "wirbelte überall Staub auf" und hinterließ Rizinusdämpfe, die jedem Motorsportfanatiker das Herz höher schlagen ließen. So hatte sich Toni Zangerl, der bekannte Motorsportmann der Vorkriegszeit an Ferstls NSU herangemacht; doch sein "come back" gefiel ihm selbst nicht recht. Also stieg Franz Ferstl beim Nonntaler "Schnürlregen"-Rennen[3] im Herbst 1946 selbst in den Sattel. Doch aller Anfang ist schwer. So ein Rennrad hat seine Mucken. Auch der zweite Versuch im Heustadlwasser-Rennen wollte nicht recht glücken. 1947 sah man Ferstl als Solofahrer am Pötschen und in Innsbruck beim Hungerburg-Rennen, doch gegen die starke Konkurrenz konnte er nicht recht aufkommen. Dazu kam noch, daß ihm eine Kriegsverletzung an der Hand immer mehr zu schaffen machte und er schließlich das Spital mit dem Rennrad vertauschen mußte um sich erst einmal seinen Arm zurecht flicken zu lasen.

Dann kam ihm der Gedanke, oder wurde ihm von seiner Gattin souffliert! doch einmal mit drei Rädern den Versuch zu machen. Erstens schmeißt man mit drei Rädern nicht so leicht um und zweitens kann dann die tüchtige Gattin auch mithalten, die solange ihr Franzi Solo fuhr, vor Aufregung kaum Zusehen konnte und lieber mit ihrem Mann gemeinsam die Gefahren teilen wollte. Und so kam es, daß Ferstl das bekannt schnelle BMW-Gespann von Toni Magnus erwarb. Und damit hatte er das große Los gezogen.

Schon 1948 in der zweiten Hälfte der Saison wurde das Ehepaar Ferstl im Feld der Beiwagenfahrer bekannt und ob der Erfolge bald gefürchtet. Der erste Start beim Bahnrennen in Salzburg 1948[4] wurde ein guter dritter Platz hinter Mach und Eigner. In Vorarlberg beim Rankweiler und Lustenauer Rennen rückte er mit je einem 2. Platz mächtig auf und schloß das Jahr mit dem Sieg beim Salzburger Autobahnrennen[5] würdig ab.

1949 gab es eine schöne Erfolgserie, gemischt mit Pech. In Rankweil wurde er Zweiter und erster Österreicher in einem international schwer besetzten Rennen hinter dem Schweizer Meister Haldemann. Mit seinen ersten Plätzen und Plazierungen bei den Straßenrennen in Graz, Waidhofen, Lustenau und Stockerau erreichte er mit großem Vorsprung den Titel des österreichischen Beiwagen-Staatsmeisters 1949. Wenn man im Verhältnis zur anwesenden Konkurrenz seine größten Erfolge nennen will, so sind dies neben seinem 2. Platz beim Internationalen Rankweiler Rennen, sein 4. Platz in Bad Reichenhall und gegen die gesamte deutsche Elite der 5. Platz beim letzten deutschen Meisterschaftslauf in Nürnberg bei 17 gestarteten Fahrern. Dies kann nur der würdigen, der weiß, mit welch unterlegenem Maschinenmaterial Ferstl seine Erfolge errungen hat.

Nicht wegzudenken von dem bei allen Rennen gern gesehenen, ruhigen und unaufdringlichen Salzburger ist seine Frau, deren Beiwagenakrobatik höchste Bewunderung erregt und die, zu ihrer Ehre sei’s gesagt, trotzdem immer ein lustiger und bescheidener Lebenskamerad geblieben ist. So ist es auch zu hoffen, daß im kommenden Jahr das Ehepaar Ferstl wieder überall mit dabei sein wird, wo in Österreich die Motoren donnern und die Gespanne in verwegener Fahrt ihre Runden ziehen werden. Darüber hinaus will Ferstl natürlich brennend gerne den Einladungen nach Deutschland und der Schweiz Folge leisten, Salzburgs Motorsport hat einen neuen erfolgreichen Repräsentanten: Franz Ferstl mit Gemahlin im Seitenwagen. Man darf den Eheleuten für ihre weitere Ehe mit den Motorsport ein kräftiges "Hals- und Beinbruch" wünschen.

Helmut Krackowitzer[6]

Rennergebnisse

  • 1947: 15. August: Pötschen-Bergrennen (oberösterreichisches inneres Salzkammergut)
4. in der Klasse für Motorräder bis 350 cm³, Gruppe der Lizenzfahrer (von zwölf Teilnehmern), auf NSU 350
3. in der Klasse für Motorräder bis 500 cm³, Gruppe der Lizenzfahrer (von vier Teilnehmern), auf NSU 350
Anmerkung: früher war es möglich mit kleineren Maschinenhubräumen auch in größeren Klassen mitzufahren
9. Mai: 2. Int. Straßenrundrennen Rankweil, Vorarlberg
2. in der Klasse Motorräder mit Beiwagen bis 1 000 cm³ auf BMW 496, eine Runde zurück, hinter Konrad Eckschlager
15. August: 4. Motorrad-Straßenrennen in Lustenau, Vorarlberg
2. im 5. Rennen Klasse F/C bis 1 000 cm³ Beiwagen mit Ida Ferstl (Beiwagen), 29:06 min.
12. September: Autobahnrennen Salzburg-Liefering
Sieger in der Beiwagenklasse auf BMW mit einer Zeit von 30:45 min. = 82,15 km/h vor Häusle/Vinatzer (Dornbirn, Zündapp) und Konrad Eckschlager/Peter Friedhuber (BMW)
19. September: Ries-Bergrennen in Graz vor 40 000 Zuschauern, Distanz 5,05 km:
Dritte in der Beiwagenklasse auf BMW in einer Zeit von 03:46 min. hinter Beer/Zingele (Feldkirch, Norton, 03:11 min. = 95,33 km/h) und Eckschlager/Friedhuber (BMW, 03:36 min.)
15. Mai: Internationales Motorradrennen Rankweil, Vorarlberg
2. in der Klasse F Beiwagen bis 600 cm³ (30 Runden) auf BWM (Beifahrer Peter Friedhuber), 46:26,4 min., eine Runde zurück
11. September: Straßenrundrennen in Lustenau, Vorarlberg
3. in der Beiwagenklasse bis 600 cm³, eine Runde zurück[7]
  • 1949 wurden Ida und Franz Ferstl österreichische Staatsmeister in der Beiwagenklasse
7. Mai: Internationales Auto- und Motorradrennen Erlen, Schweiz
7. in der Klasse Beiwagen international bis 600 cm³, 25 Runden - 70 Kilometer auf BWM (25/23 Runden) in einer Zeit von 44:51,3 min.
11. Juni: Großer Preis von Österreich in Feldkirch - Rankweil, Vorarlberg
3. in der Klasse Beiwagen bis 600 cm³ 20 Runden à 4,7 km, mit Ida Ferstl, 1:00:19,7 Std.
27. August, Zugspitz-Bergrennen, Ehrwald-Obermoos: Sieg im Beiwagenrennen[8]
8. Oktober, Motorradrennen um das Heustadelwasser in Wien: Sieger in der Beiwagenklasse bis 1 200 cm³ und schnellste Runde mit 95,7 km/h[9]
15. Oktober, Auto- und Motorrad-Rennen in Stockerau, NÖ.: In der Beiwagenklasse bis 1 000 cm³ kam Ferstl als Favorit schon mit Getriebe-Defekt an den Start. Er führte trotzdem vom Start weg weitaus überlegen bis in die 14. Runde, in der er noch einen Kupplungsdefekt dazubekam und zurückfiel. Es gelang ihm aber dennoch den 2. Platz zu belegen.[10]
Straßenrennen Gmünd, .: Sieger in der Gespannklasse[11]
26. August:
Stuttgart, Deutschland, auf der Solitude beim "Großer Preis von Deutschland": Im Rennen der "schweren Seitenwagen" kam das Ehepaar wegen eines Getriebeschadens nur auf den vorletzten Platz[12]

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1947, 15. August: Pötschen-Bergrennen (oberösterreichisches inneres Salzkammergut)
  2. ANNO, Salzburger Nachrichten, Ausgabe vom 28. November 1949, Seite 3
  3. siehe 1. Motorrad-Nachkriegsrennen Salzburg Nonntal
  4. 2. Mai auf der Trabrennbahn
  5. 12. September, siehe 1. Mai Rennen
  6. "Uralter" Fehler zahlreichen Medien - Krackowizer mit tz zu schreiben, Anm. des Sohnes Peter Krackowizer
  7. ANNO, Salzburger Nachrichten, Ausgabe vom 10. September 1950, Seite 6 und ANNO, Salzburger Nachrichten, Ausgabe vom 14. September 1949, Seite 3
  8. Austro-Motor, 10/1950, Seite 351
  9. www.sn.at, Archiv der Salzburger Nachrichten, Ausgabe vom 10. Juli 1950
  10. Austro-Motor, 11/1950, Seite 410
  11. Austro-Motor, 7/8, 1951, Seite 354
  12. "Salzburger Nachrichten", 27. August 1951