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| + | Zu den Aufgaben des Archivs gehören die Übernahme, Ordnung und Aufbewahrung sowie Ausfolgung von Schriftgut und ist historische Auskunftsstelle für die Landesgeschichte. In ihren Beständen finden sich Urkunden ab etwa [[1130]], Urbare<ref>Urbare sind Verzeichnisse der Besitzrechte von Grundherren mit Angabe der Leistungen der Untertanen. Im Unterschied zu den Grundbüchern einseitige Aufzeichnungen der Eigentümer ohne öffentlich-rechtliche Gültigkeit. Quelle: [http://aeiou.iicm.tugraz.at/aeiou.encyclop.u/u886792.htm aeiou Österreich]</ref> und Steuerbücher, Vermessungs-Operate seit [[1825]], Karten und Risse, Graphiken, [[Fotografie|Fotosammlungen]], Nachlässe und anderes. | ||
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| + | == Archivdirektoren == | ||
| + | Seit [[1. August]] [[2010]] fungiert [[Oskar Dohle]] als Direktor des Salzburger Landesarchivs. | ||
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| + | *[[1823]]–1853: Johann Nepomuk Schönauer | ||
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| + | *[[1901]]–1905: [[Richard Schuster]] | ||
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| + | *[[1924]]–1950: [[Franz Martin]] | ||
| + | *[[1950]]–1970: [[Herbert Klein]] | ||
| + | *[[1971]]–1981: [[Franz Pagitz]] | ||
| + | *[[1981]]–1997: [[Friederike Zaisberger]] | ||
| + | *[[1997]]–2010: Fritz Koller | ||
| + | *seit 2010: Oskar Dohle | ||
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| + | == Das Salzburger Archivgesetz == | ||
| + | Aufgaben, Tätigkeit und Nutzung des Salzburger Landesarchivs sind gesetzlich geregelt. Der Langtitel des Salzburger Archivgesetzes in der derzeit (2017) geltenden Fassung lautet ''Gesetz vom 23. April 2008 über die Sicherung und Nutzung von öffentlichem Archivgut sowie die Tätigkeit der damit betrauten Archive (Salzburger Archivgesetz)''. Es enthält Begriffsbestimmungen und bezieht sich auf das Salzburger Landesarchiv und auf die Gemeindearchive. Es regelt Anwendungsbereich, Archivierung, Schutzfristen, Benutzung, sowie Erhaltung und Schutz des Archivgutes.<ref>[https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrSbg&Gesetzesnummer=20000576 Salzburger Archivgesetz im Rechtsinformationssystem des Bundes]</ref> | ||
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| + | == Daten == | ||
| + | 19 000 Urkunden aus den alten Archiven der [[Salzburger Erzbischöfe]] waren bis [[2009]] bereits digitalisiert. Im virtuelle Urkundenarchiv Europas im Internet<ref>siehe [http://www.monasterium.net/ www.monasterium.net]</ref> kann man bereits Tausende Urkunden online ansehen. Die Digitalisierung dieser Dokumente dauerte etwa ein Jahr und kostete das Land Salzburg 5.000 Euro, sowie je 25.000 Euro zahlten Bund und Land nochmals für die Mikroverfilmung. | ||
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| + | Dem früheren Leiter des Salzburger Landesarchivs, [[Fritz Koller]], gelang es im Laufe der Jahre, etliche Dokumente im Tausch gegen im Salzburger Besitz befindliche bayerische Urkunden, wieder nach Salzburg zu bringen. Es sollen bisher (2009) an die 300 historische Papiere sein. | ||
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| + | * [[Fritz Koller|Koller, Fritz]], ''Das Salzburger Landesarchiv'', 1. Auflage 1987. Universitäts[[verlag Anton Pustet]] Salzburg | ||
| + | * [[Camp Marcus W. Orr (Buch)]] | ||
| − | == | + | == Quellen == |
{{Quelle Kulturlexikon}} | {{Quelle Kulturlexikon}} | ||
| + | * [https://www.salzburg.gv.at/themen/salzburg/landesarchiv www.salzburg.gv.at] | ||
| + | *[https://www.ris.bka.gv.at/Ergebnis.wxe?Suchworte=Salzburger+Landesarchiv&x=0&y=0&Abfrage=Gesamtabfrage www.ris.bka.gv.at], Eintragungen zum Salzburger Landesarchiv | ||
| + | *[[Fritz Koller|Koller, Fritz]], ''Das Salzburger Landesarchiv'', 1. Auflage 1987 Universitätsverlag Anton Pustet Salzburg | ||
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| + | == Einzelnachweise == | ||
| + | <references/> | ||
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Aktuelle Version vom 20. Juni 2025, 15:21 Uhr
Das Salzburger Landesarchiv befindet sich im Amtsgebäude Michael-Pacher-Straße 40 in der Stadt Salzburg im Stadtteil Salzburg Süd.
Geschichte
1805, als das Fürsterzbistum Salzburg säkularisiert wurde, kamen Tausende Dokumente der Hofrats-Registratur, dem eigentlichen Hofrat für Justizsachen und dem Kammerrat für Finanzangelegenheiten, darunter die Kammerbücher nach Wien in das Österreichische Staatsarchiv. Die Akten des Hofkriegsrates wurden fast zur Gänze vernichtet. Im selben Jahr begann Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld mit der Erstellung einer Central-Registratur für Salzburg.
1816, als die Bayern nach kurzer Herrschaft Salzburg verließen, nahmen auch sie etwa tausend Urkunden mit, die sich heute im Münchner Staatsarchiv befinden. Durch Entführung, Teilung und Skartierung erlitten so die einst reichen Bestände an historischen Archivalien der Zentralstellen in Salzburg arge Verluste.
1825 wurde endlich eine Zentralregistratur eingerichtet, die jedoch dem Ministerium für Inneres in Wien unterstand und bis zu ihrem Ende 1853 wenig Ersprießliches leistete, da es an Beamten mangelte, insbesondere an geschulten und sich für die Bestände auch kein geeignete Lokal finden ließ. 1829 wurde Johann Nepomuk Schönauer, zuvor gewesener Rentamtbeamter, als funktionierender Landesarchivar in der Zentralregistratur besetzt, der diese Stelle bis zu seinem Tode innehatte und sich redlich und erfolgreich darum bemühte, die ältere Geschichte, die Quellen der Rechts- und Verfassungsgeschichte, sowie der Verwaltung mit den Kenntnissen eines erfahrenen Kameralisten zu ordnen.[1] 1853 wurde die Zentralregistratur oder das damalige k. k. Regierungsarchiv in Salzburg unter die Aufsicht der Landesregierung gestellt, wodurch es zunächst weiter abwärts ging.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Akten über die politischen Angelegenheiten, soweit deren Bestände noch in den Akten bei den verschiedenen Behörden lagerten, herausgefiltert und deren Protokolle (1588–1806) dem neuen Archiv zugeführt.
Im Jahr 1868 wurde die Stelle des Leiters des alten Regierungsarchivs mit Friedrich Pirckmayer neu besetzt. Pirckmayer ordnete die Bestände fachlich neu und fand auch eine geeignete Unterbringung für das nunmehrige k. k. Landesregierungsarchiv, das Salzburger Regierungsarchiv.[2].
Bis 1970 war das Landesarchiv in St. Peter untergebracht gewesen.
Aufgaben
Zu den Aufgaben des Archivs gehören die Übernahme, Ordnung und Aufbewahrung sowie Ausfolgung von Schriftgut und ist historische Auskunftsstelle für die Landesgeschichte. In ihren Beständen finden sich Urkunden ab etwa 1130, Urbare[3] und Steuerbücher, Vermessungs-Operate seit 1825, Karten und Risse, Graphiken, Fotosammlungen, Nachlässe und anderes.
Archivdirektoren
Seit 1. August 2010 fungiert Oskar Dohle als Direktor des Salzburger Landesarchivs.
Landesarchivare bzw. Leiter des Landesarchivs waren bisher:
- 1823–1853: Johann Nepomuk Schönauer
...
- 1868–1901: Friedrich Pirckmayer
- 1901–1905: Richard Schuster
- 1905–1924: Andreas Mudrich
- 1924–1950: Franz Martin
- 1950–1970: Herbert Klein
- 1971–1981: Franz Pagitz
- 1981–1997: Friederike Zaisberger
- 1997–2010: Fritz Koller
- seit 2010: Oskar Dohle
Das Salzburger Archivgesetz
Aufgaben, Tätigkeit und Nutzung des Salzburger Landesarchivs sind gesetzlich geregelt. Der Langtitel des Salzburger Archivgesetzes in der derzeit (2017) geltenden Fassung lautet Gesetz vom 23. April 2008 über die Sicherung und Nutzung von öffentlichem Archivgut sowie die Tätigkeit der damit betrauten Archive (Salzburger Archivgesetz). Es enthält Begriffsbestimmungen und bezieht sich auf das Salzburger Landesarchiv und auf die Gemeindearchive. Es regelt Anwendungsbereich, Archivierung, Schutzfristen, Benutzung, sowie Erhaltung und Schutz des Archivgutes.[4]
Daten
19 000 Urkunden aus den alten Archiven der Salzburger Erzbischöfe waren bis 2009 bereits digitalisiert. Im virtuelle Urkundenarchiv Europas im Internet[5] kann man bereits Tausende Urkunden online ansehen. Die Digitalisierung dieser Dokumente dauerte etwa ein Jahr und kostete das Land Salzburg 5.000 Euro, sowie je 25.000 Euro zahlten Bund und Land nochmals für die Mikroverfilmung.
Dem früheren Leiter des Salzburger Landesarchivs, Fritz Koller, gelang es im Laufe der Jahre, etliche Dokumente im Tausch gegen im Salzburger Besitz befindliche bayerische Urkunden, wieder nach Salzburg zu bringen. Es sollen bisher (2009) an die 300 historische Papiere sein.
Bilder
Salzburger Landesarchiv – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Publikationen
- Pagitz, Franz, Der Neubau des Salzburger Landesarchivs, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Bd. 112, 1972, S. 201 – 214, bes. S. 211 ff
- Koller, Fritz, Das Salzburger Landesarchiv, 1. Auflage 1987. Universitätsverlag Anton Pustet Salzburg
- Camp Marcus W. Orr (Buch)
Quellen
- Haslinger, Adolf, Mittermayr, Peter (Hrsg.): "Salzburger Kulturlexikon", Residenz Verlag, Salzburg-Wien-Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-7017-1129-1
- www.salzburg.gv.at
- www.ris.bka.gv.at, Eintragungen zum Salzburger Landesarchiv
- Koller, Fritz, Das Salzburger Landesarchiv, 1. Auflage 1987 Universitätsverlag Anton Pustet Salzburg
Einzelnachweise
- ↑ anno.onb.ac.at/Neue Salzburger Zeitung 3. Februar 1854, Johann Nepomuk Schönauer, Nachruf
- ↑ anno.onb.ac.at, "Salzburger Zeitung", 4. Februar 1868, Amtsblatt, Stellenausschreibung
- ↑ Urbare sind Verzeichnisse der Besitzrechte von Grundherren mit Angabe der Leistungen der Untertanen. Im Unterschied zu den Grundbüchern einseitige Aufzeichnungen der Eigentümer ohne öffentlich-rechtliche Gültigkeit. Quelle: aeiou Österreich
- ↑ Salzburger Archivgesetz im Rechtsinformationssystem des Bundes
- ↑ siehe www.monasterium.net