Joseph Kyselak: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Joseph Kyselak''' (* [[9. März]] [[1798]] in [[Wien]]; † [[17. September]] [[1831]] ebenda) war Alpinist und Hofkammerbeamter in Wien. Bekannt wurde er für seine merkwürdige Gewohnheit, auf Wanderungen seinen Namen auf öffentlichen Gebäuden, Torsäulen, Fels- und Hauswänden in großer Schrift zu hinterlassen.  
[[Datei:Joseph Kyselak eine Signatur.jpeg|thumb|Eine Signatur von Joseph Kyselak. Zum Schutz werden die Fundorte nicht publiziert.]]
[[Datei: Kyselak.gif|thumb|Kyselak]]
'''Joseph Kyselak''' (* [[9. März]] [[1798]] in [[Wien]]; † [[17. September]] [[1831]] ebenda) war Alpinist und Hofkammerbeamter in Wien. Bekannt wurde er für seine merkwürdige Gewohnheit, auf Wanderungen seinen Namen auf öffentlichen Gebäuden, Torsäulen, Fels- und Hauswänden in großer Schrift zu hinterlassen.  


== Leben ==
== Leben ==
Joseph Kyselak wurde 1798 in Wien als älterer von zwei Knaben geboren. Die Familie wohnte bis 1804 in Wien-Josefstadt, Haus Nr. 72, danach im Haus 28 (heute Strozzigasse 8). Sein Vater (* 1768; † 1829) war Kassier bei der Avitikal-Fondskassen-Oberdirektion (staatlicher Familienversorgungsfond). Kyselak besuchte sechs Klassen des Piaristengymnasiums in Wien-Josefstadt und anschließend Vorlesungen an der Universität Wien über die Staatsverrechnungs-Wissenschaft. Er praktizierte von 1818 bis 1823 bei der Dienststelle seines Vaters und wechselte dann zur Registraturs-Direktion, wo er eine Accessistenstelle (Probebeamter bzw. niedriger Rang für Beamte mit höherer Bildung) mit einem Jahresgehalt von 300 [[Gulden]] plus 100 Gulden Quartiergeld erhielt. Kyselak war sehr belesen, er hatte eine beachtliche Bibliothek, vorwiegend topographische Fachbücher und Reisebeschreibungen, aber auch belletristische Literatur. Er wird als enthusiastischer Naturfreund und redseliger und jederzeit wohlgelaunter Zeitgenosse beschrieben, der auch einen kräftigen Körperbau aufwies.
Joseph Kyselak wurde 1798 in Wien als älterer von zwei Knaben geboren. Die Familie wohnte bis [[1804]] in Wien-Josefstadt, Haus Nr. 72, danach im Haus 28 (heute Strozzigasse 8). Sein Vater (* [[1768]]; † [[1829]]) war Kassier bei der Avitikal-Fondskassen-Oberdirektion (staatlicher Familienversorgungsfond). Kyselak besuchte sechs Klassen des Piaristengymnasiums in Wien-Josefstadt und anschließend Vorlesungen an der Universität Wien über die Staatsverrechnungs-Wissenschaft. Er praktizierte von [[1818]] bis [[1823]] bei der Dienststelle seines Vaters und wechselte dann zur Registraturs-Direktion, wo er eine Accessistenstelle (Probebeamter bzw. niedriger Rang für Beamte mit höherer Bildung) mit einem Jahresgehalt von 300 [[Gulden]] plus 100 Gulden Quartiergeld erhielt. Kyselak war sehr belesen, er hatte eine beachtliche Bibliothek, vorwiegend topographische Fachbücher und Reisebeschreibungen, aber auch belletristische Literatur. Er wird als enthusiastischer Naturfreund und redseliger und jederzeit wohlgelaunter Zeitgenosse beschrieben, der auch einen kräftigen Körperbau aufwies.
 
[[Datei: Kyselak.jpg|thumb|250px|Helga Gschwandtner vor einer der beiden Torsäulen (Obelisken) beim Schloss Neuwaldegg, Schwarzenbergpark, Wien 17. (Hernals) mit dem von Kyselak um 1825 angebrachten Namenszug. Damals war Neuwaldegg noch außerhalb der heutigen Stadtgrenzen. Die Inschrift wurde zum dauerhaften Erhalt genau nachgemeißelt und mit schwarzer Farbe ausgefüllt.]]


== Wanderungen ==
== Wanderungen ==
1825 nimmt Kyselak Urlaub und geht auf Reisen. Durch sein Tagebuch "Skizzen einer Fußreise durch Österreich" wird er berühmt, zusätzlich durch seine Gewohnheit, mit schwarzer Farbe und Pinsel an besonders markanten Orten (Felsen, Schlossmauern,Torsäulen etc.) seinen Namenszug in schwarzen Großbuchstaben zu hinterlassen.
[[1825]] nahm sich Kyselak Urlaub und ging auf Reisen. Durch sein Tagebuch "Skizzen einer Fußreise durch Österreich" wurde er berühmt, zusätzlich durch seine Gewohnheit, mit schwarzer Farbe und Pinsel an besonders markanten Orten (Felsen, Schlossmauern,Torsäulen etc.) seinen Namenszug in schwarzen Großbuchstaben zu hinterlassen.


Auf seiner Fußreise kam [[1825]] Kyselak auch ins Salzburgische und beschrieb mit erzählerischem Talent Orte und Landschaft mit liebevoller Detail-Genauigkeit, beispielsweise die [[Gasteiner Ache]], "[[Böckstein|Pöckstein]]", [[Wildbad Gastein]], [[Badbruck|Badbrucken]], [[Bad Hofgastein|Hofgastein]], [[Clam]], [[Salzachtal|Salzatal]], [[Werfen]], [[Pass Lueg|Lueg]], [[Golling|Gölling]], [[Gollinger Wasserfall|Gulinger-Fall]] − "''diese herrlichen Cataracten, ungewiss ob ich diesen oder den zuvor bewunderten [[Salzachöfen|Öfen der Salzach]] den Preis der Merkwürdigkeit zusprechen sollte?''"<ref>Goffriller: Kyselak, S. 158</ref>.
Auf seiner Fußreise kam [[1825]] Kyselak auch ins Salzburgische und beschrieb mit erzählerischem Talent Orte und Landschaft mit liebevoller Detail-Genauigkeit, beispielsweise die [[Gasteiner Ache]], "[[Böckstein|Pöckstein]]", [[Wildbad Gastein]], [[Badbruck|Badbrucken]], [[Bad Hofgastein|Hofgastein]], Clam, [[Salzachtal|Salzatal]], [[Werfen]], [[Pass Lueg|Lueg]], [[Golling|Gölling]], [[Gollinger Wasserfall|Gulinger-Fall]] − "diese herrlichen Cataracten, ungewiss ob ich diesen oder den zuvor bewunderten [[Salzachöfen|Öfen der Salzach]] den Preis der Merkwürdigkeit zusprechen sollte?"<ref>[[Gabriele Goffriller]]: Kyselak, S. 158</ref>.


Von [[Hallein]] berichtete er:<br />
Von [[Hallein]] berichtete er:<br />
"''Übrigens hat man von Hallein in einem halben Tage genug, und begreift nur nicht, wie die Einwohner so geduldig ihre Lebenszeit den holprigen Straßen und engen, übel riechenden Gäßchen widmen mögen''"<ref>Goffriller: Kyselak, S. 161</ref>.
"Übrigens hat man von Hallein in einem halben Tage genug, und begreift nur nicht, wie die Einwohner so geduldig ihre Lebenszeit den holprigen Straßen und engen, übel riechenden Gäßchen widmen mögen"<ref>Goffriller: Kyselak, S. 161</ref>.
 
[[Dürrnberg (Hallein)|Dürrenberg]], [[Berchtesgaden]], [[Steinernes Meer]], [[Saalfelden]], [[Zeller See|Zellersee]] waren die nächsten Stationen seiner Reise. Weiter über [[Tirol]] und [[Südtirol]] kam er über [[Bayern]] und das [[Innviertel]] wieder zurück nach Salzburg und besuchte "Arinsdorf" ([[Arnsdorf]]) und am folgenden Tag dann die damalige Kreishauptstadt Salzburg, von der er schreibt: "[…]. Zu groß wirkt der herrliche Prospekt des paradiesischen Salzburg mit seiner grotesken Umgebung"<ref>Goffriller: Kyselak, S.369</ref>. Kyselak schreibt weiter von der Stadt mit 26 Kirchen und acht Klöstern, die trostbedürftig sei; keinen fröhlichen Menschen begegnete er, häufig seien die Straßen "begrast", die Gasthäuser und Kirchen fast leer, zu geringe Bevölkerung<ref>Goffriller: Kyselak, S. 370 f.</ref>. Man spürt aus seinen Berichten den Niedergang Salzburgs nach dem Anschluss an das [[Kaisertum Österreich]] [[1816]] und die Folgen des riesigen [[Stadtbrand Salzburg 1818|Stadtbrand]]es von [[1818]], die nur der prachtvollen Naturkulisse nichts anhaben konnten. Die Stadt hatte infolge der Ereignisse seit [[1803]] nur noch 12&nbsp;300 Einwohner.
 
Es wurde von seinem Vetter, dem Kriminalrat Franz Kyselak überliefert, dass Kyselak im geselligen Kreis, als man über ewigen Nachruhm und Unsterblichkeit debattiert hatte, gewettet habe, innerhalb von drei Jahren in der [[Habsburgermonarchie|Monarchie]] herumzureisen und seinen Namen überall bekanntzumachen "ohne ein ungeheures Verbrechen oder eine neue Art von Selbstmord zu begehen". Er begann an bemerkenswerten Orten leidenschaftlich mit Pinsel und Farbe zu werken. Bereits nach der halben Frist sprach man ihm den Gewinn der Wette zu.<ref>Ebner: Karriere als Namenskritzler, S. 5</ref> So betätigte er sich in vielen Gegenden der Monarchie und in Bayern und der Name Kyselak an Felsen und Mauern sprach sich schon herum.
 
In Salzburg z. B. blieb sein Graffiti in den [[Lammeröfen]] und auf dem Weg von Hallein über den Dürrnberg nach [[Berchtesgaden]] teilweise erhalten. Am bekanntesten ist heute sein Namenszug an einer Torsäule beim Schloss Neuwaldegg in Wien.  


[[Dürrnberg (Hallein)|Dürrenberg]], [[Berchtesgaden]], [[Steinernes Meer]], [[Saalfelden]], [[Zeller See|Zellersee]] sind die nächsten Stationen seiner Reise. Weiter über [[Tirol]] und [[Südtirol]] kam er über [[Bayern]] und das [[Innviertel]] wieder zurück nach Salzburg und besuchte "Arinsdorf" ([[Arnsdorf]]) und am folgenden Tag dann die damalige Kreishauptstadt Salzburg, von der er schreibt: "[…].'' Zu groß wirkt der herrliche Prospekt des paradiesischen Salzburg mit seiner grotesken Umgebung''<ref>Goffriller: Kyselak, S.369</ref>. Kyselak schreibt weiter von der Stadt mit 26 Kirchen und acht Klöstern, die trostbedürftig sei; keinen fröhlichen Menschen begegnete er, häufig seien die Straßen "begrast", die Gasthäuser und Kirchen fast leer, zu geringe Bevölkerung<ref>Goffriller: Kyselak, S. 370 f.</ref>. Man spürt aus seinen Berichten den Niedergang Salzburgs nach dem Anschluss an Österreich 1816 und die Folgen des riesigen [[Stadtbrand Salzburg (rechtes Salzachufer)|Stadtbrand]]es von 1818, die nur der prachtvollen Naturkulisse nichts anhaben konnten. Die Stadt hatte infolge der Ereignisse seit 1803 nur noch 12&nbsp;300 Einwohner.
Nach seiner Fußreise durch Österreich, die er in seinen Skizzen beschrieben hat, unternahm er im Zeitraum von [[1825]] bis [[1829]] weitere Reisen, die ihn nach [[Ungarn]], in die [[Schweiz]], nach [[Italien]], [[Deutschland#Preußen|Preußen]], [[Deutschland#Freistaat Sachsen|Sachsen]] und nach [[Böhmen]] und [[Mähren]] führten.


Es wurde von seinem Vetter, dem Kriminalrat Franz Kyselak überliefert, dass Kyselak im geselligen Kreis, als man über ewigen Nachruhm und Unsterblichkeit debattiert hatte, gewettet habe, innerhalb von drei Jahren in der Monarchie herumzureisen und seinen Namen überall bekanntzumachen "''ohne ein ungeheures Verbrechen oder eine neue Art von Selbstmord zu begehen''". Er begann an bemerkenswerten Orten leidenschaftlich mit Pinsel und Farbe zu werken. Bereits nach der halben Frist sprach man ihm den Gewinn der Wette zu<ref>Ebner: Karriere als Namenskritzler, S. 5</ref>. So betätigte er sich in vielen Gegenden der Monarchie und in [[Bayern]] und der Name Kyselak an Felsen und Mauern sprach sich schon herum.
=== Weitere Salzburgbezüge ===
Es kritisiert [[1829]] der empörte Kustos der k. k. [[Lyzeum Salzburg|Lyceum]]sbibliothek in Salzburg, Caspar Johann Stephan, Kyselaks Buch.  


In Salzburg z. B. blieb sein "Graffiti" in den [[Lammeröfen]] und auf dem Weg von Hallein über den [[Dürrnberg (Hallein)|Dürrnberg]] nach [[Berchtesgaden]] teilweise erhalten. Am bekanntesten ist heute sein Namenszug an einer Torsäule beim Schloss Neuwaldegg in Wien.  
In [[Bad Gastein]] sahen Zeitgenossen seine Signaturen und in den Öfen der Salzach auch, letztere erwähnt Karl Baedeker [[1855]] und noch [[1988]] [[Josef Brettenthaler]].  


Nach seiner Fußreise durch Österreich, die er in seinen Skizzen beschrieben hat, unternahm er im Zeitraum von 1825 bis 1829 weitere Reisen, die ihn nach [[Ungarn]], in die [[Schweiz]], nach [[Italien]], [[Deutschland#Preußen|Preußen]], [[Deutschland#Freistaat Sachsen|Sachsen]] und nach [[Böhmen]] und [[Mähren]] führten.
Man sah Signaturen von Kyselak in der [[Hellbrunner Allee]]; auf [[Festung Hohenwerfen|Hohenwerfen]] soll er sich über der Pforte "verewigt“ haben. (Goffriller, Kommentarband S. 60f).
 
Am [[Kapuzinerberg]], dort, wo Kyselak schrieb: "Nun still gehalten – der Erde freundlichster Punkt ist erreicht!“ (Goffriller, Skizzen, Band II Fortsetzung, S. 189), notierte [[1834]] ein spanischer Geologe eine Signatur:
<blockquote>"An einer Säule des Palastes sahen wir die berühmte Inschrift J. KYSELAK, welche in großen schwarzen Buchstaben auf den bekanntesten Plätzen aller deutschen Staaten prangt. Es ist der Name eines deutschen reisenden Studenten, der sich damit bekannt machen wollte, und immer eine Schachtel Schuhpaste und einen Pinsel mit sich führte.“ (Goffriller, Kommentarband, S.65)</blockquote>


== Beschwerden und Legenden ==
== Beschwerden und Legenden ==
Im Laufe der Zeit drangen viele Beschwerden von Orten der Monarchie nach Wien, dass es unerträglich sei, dass eine Art Sonderling namens Kyselak überall seinen Namen ohne Genehmigung male. Auch Legenden ranken sich um Kyselaks Reisen. So sollen die Beschwerden sogar zu Kaiser [[Franz I.]] (Kaiser von Österreich  1804 – 1835) gedrungen sein, welcher den Staatsbeamten Kyselak zu sich beordern ließ: "''Er verschandelt mir ja die ganze Monarchie!''" soll sein Vorwurf an den demütig auftretenden "Delinquenten" gelautet haben. Der Kaiser entließ ihn nicht ohne ihm das Versprechen abzunehmen, in Hinkunft seine Namensmalereien zu unterlassen. Als Kyselak das Audienzzimmer im Rückwärtsgang und sich mehrmals verneigend verlassen hatte, ging der Kaiser zu seinem Teetischchen und fand auf der Glasplatte mit Kreide geschrieben "KYSELAK".
Im Laufe der Zeit drangen viele Beschwerden von Orten der Monarchie nach Wien, dass es unerträglich sei, dass eine Art Sonderling namens Kyselak überall seinen Namen ohne Genehmigung male. Auch Legenden ranken sich um Kyselaks Reisen. So sollen die Beschwerden sogar zu Kaiser [[Franz I.]] gedrungen sein, welcher den Staatsbeamten Kyselak zu sich beordern ließ: "Er verschandelt mir ja die ganze Monarchie!" soll sein Vorwurf an den demütig auftretenden "Delinquenten" gelautet haben. Der Kaiser entließ ihn nicht ohne ihm das Versprechen abzunehmen, in Hinkunft seine Namensmalereien zu unterlassen. Als Kyselak das Audienzzimmer im Rückwärtsgang und sich mehrmals verneigend verlassen hatte, ging der Kaiser zu seinem Teetischchen und fand auf der Glasplatte mit Kreide geschrieben "KYSELAK".


Kyselak verstarb 1831 in Wien an einer gerade grassierenden Cholera, der er, ohne ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, nur auf seine kräftige Natur vertrauend, widerstehen wollte.
Kyselak verstarb 1831 in Wien an einer gerade grassierenden Cholera, der er, ohne ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, nur auf seine kräftige Natur vertrauend, widerstehen wollte.


== Quellen und Literatur==
== Literatur ==
* [[Gabriele Goffriller|Goffriller, Gabriele]]: "[[Kyselak (Buch)|Kyselak]]", Jubiläumsausgabe in 4 Bänden, 783 Seiten, fadengeheftet, Ergänzungsband 118 Seiten, [[EDITION TANDEM]], Februar 2026, ISBN 978-3-903516-33-5,
* Übersicht Bibliographie im Internet [https://kyselak.at/bibliographie/ kyselak.at]
 
== Quellen ==
* Lorenz, Michael: [http://michaelorenz.blogspot.co.at/2015/07/concerning-kyselak.html "Concerning Kyselak"], Wien 2015.
* Lorenz, Michael: [http://michaelorenz.blogspot.co.at/2015/07/concerning-kyselak.html "Concerning Kyselak"], Wien 2015.
* Goffriller, Gabriele (Hrsg.): ''Kyselak. Skizzen einer Fußreise durch Österreich.'', mit einem Vorwort von Gabrielle Goffriller und Chico Klein, Salzburg, Wien 2009.
* [[Gabriele Goffriller|Goffriller, Gabriele]] (Hrsg.): ''Kyselak. Skizzen einer Fußreise durch Österreich.'', mit einem Vorwort von Gabrielle Goffriller und Chico Klein, Salzburg, Wien 2009.
* Kyselak, Joseph: ''Skizzen einer Fußreise durch Österreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Bayern nach Wien, nebst einer romantisch pittoresken Darstellung mehrerer Ritterburgen und ihrer Volksagen, Gebirgsgegenden und Eisglätscher auf dieser Wanderung, unternommen im Jahre 1825 von Joseph Kyselak'', Wien 1829, in: Goffriller, Gabriele (Hrsg.): Kyselak. Skizzen einer Fußreise durch Österreich, mit einem Vorwort von Gabrielle Goffriller und Chico Klein, Salzburg, Wien 2009.
* Kyselak, Joseph: ''Skizzen einer Fußreise durch Österreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Bayern nach Wien, nebst einer romantisch pittoresken Darstellung mehrerer Ritterburgen und ihrer Volkssagen, Gebirgsgegenden und Eisglätscher auf dieser Wanderung, unternommen im Jahre 1825 von Joseph Kyselak'', Wien 1829, in: Goffriller, Gabriele (Hrsg.): Kyselak. Skizzen einer Fußreise durch Österreich, mit einem Vorwort von Gabrielle Goffriller und Chico Klein, Salzburg, Wien 2009.
* Ebner, Reinhard: ''Karriere als Namenskritzler. Leben und Legenden des "Logo-Künstlers" Joseph Kyselak'', in: Wiener Zeitung, 9./10. August 2002, S. 5.
* Ebner, Reinhard: ''Karriere als Namenskritzler. Leben und Legenden des "Logo-Künstlers" Joseph Kyselak'', in: Wiener Zeitung, 9./10. August 2002, S. 5.



Aktuelle Version vom 19. März 2026, 20:28 Uhr

Eine Signatur von Joseph Kyselak. Zum Schutz werden die Fundorte nicht publiziert.

Joseph Kyselak (* 9. März 1798 in Wien; † 17. September 1831 ebenda) war Alpinist und Hofkammerbeamter in Wien. Bekannt wurde er für seine merkwürdige Gewohnheit, auf Wanderungen seinen Namen auf öffentlichen Gebäuden, Torsäulen, Fels- und Hauswänden in großer Schrift zu hinterlassen.

Leben

Joseph Kyselak wurde 1798 in Wien als älterer von zwei Knaben geboren. Die Familie wohnte bis 1804 in Wien-Josefstadt, Haus Nr. 72, danach im Haus 28 (heute Strozzigasse 8). Sein Vater (* 1768; † 1829) war Kassier bei der Avitikal-Fondskassen-Oberdirektion (staatlicher Familienversorgungsfond). Kyselak besuchte sechs Klassen des Piaristengymnasiums in Wien-Josefstadt und anschließend Vorlesungen an der Universität Wien über die Staatsverrechnungs-Wissenschaft. Er praktizierte von 1818 bis 1823 bei der Dienststelle seines Vaters und wechselte dann zur Registraturs-Direktion, wo er eine Accessistenstelle (Probebeamter bzw. niedriger Rang für Beamte mit höherer Bildung) mit einem Jahresgehalt von 300 Gulden plus 100 Gulden Quartiergeld erhielt. Kyselak war sehr belesen, er hatte eine beachtliche Bibliothek, vorwiegend topographische Fachbücher und Reisebeschreibungen, aber auch belletristische Literatur. Er wird als enthusiastischer Naturfreund und redseliger und jederzeit wohlgelaunter Zeitgenosse beschrieben, der auch einen kräftigen Körperbau aufwies.

Helga Gschwandtner vor einer der beiden Torsäulen (Obelisken) beim Schloss Neuwaldegg, Schwarzenbergpark, Wien 17. (Hernals) mit dem von Kyselak um 1825 angebrachten Namenszug. Damals war Neuwaldegg noch außerhalb der heutigen Stadtgrenzen. Die Inschrift wurde zum dauerhaften Erhalt genau nachgemeißelt und mit schwarzer Farbe ausgefüllt.

Wanderungen

1825 nahm sich Kyselak Urlaub und ging auf Reisen. Durch sein Tagebuch "Skizzen einer Fußreise durch Österreich" wurde er berühmt, zusätzlich durch seine Gewohnheit, mit schwarzer Farbe und Pinsel an besonders markanten Orten (Felsen, Schlossmauern,Torsäulen etc.) seinen Namenszug in schwarzen Großbuchstaben zu hinterlassen.

Auf seiner Fußreise kam 1825 Kyselak auch ins Salzburgische und beschrieb mit erzählerischem Talent Orte und Landschaft mit liebevoller Detail-Genauigkeit, beispielsweise die Gasteiner Ache, "Pöckstein", Wildbad Gastein, Badbrucken, Hofgastein, Clam, Salzatal, Werfen, Lueg, Gölling, Gulinger-Fall − "diese herrlichen Cataracten, ungewiss ob ich diesen oder den zuvor bewunderten Öfen der Salzach den Preis der Merkwürdigkeit zusprechen sollte?"[1].

Von Hallein berichtete er:
"Übrigens hat man von Hallein in einem halben Tage genug, und begreift nur nicht, wie die Einwohner so geduldig ihre Lebenszeit den holprigen Straßen und engen, übel riechenden Gäßchen widmen mögen"[2].

Dürrenberg, Berchtesgaden, Steinernes Meer, Saalfelden, Zellersee waren die nächsten Stationen seiner Reise. Weiter über Tirol und Südtirol kam er über Bayern und das Innviertel wieder zurück nach Salzburg und besuchte "Arinsdorf" (Arnsdorf) und am folgenden Tag dann die damalige Kreishauptstadt Salzburg, von der er schreibt: "[…]. Zu groß wirkt der herrliche Prospekt des paradiesischen Salzburg mit seiner grotesken Umgebung"[3]. Kyselak schreibt weiter von der Stadt mit 26 Kirchen und acht Klöstern, die trostbedürftig sei; keinen fröhlichen Menschen begegnete er, häufig seien die Straßen "begrast", die Gasthäuser und Kirchen fast leer, zu geringe Bevölkerung[4]. Man spürt aus seinen Berichten den Niedergang Salzburgs nach dem Anschluss an das Kaisertum Österreich 1816 und die Folgen des riesigen Stadtbrandes von 1818, die nur der prachtvollen Naturkulisse nichts anhaben konnten. Die Stadt hatte infolge der Ereignisse seit 1803 nur noch 12 300 Einwohner.

Es wurde von seinem Vetter, dem Kriminalrat Franz Kyselak überliefert, dass Kyselak im geselligen Kreis, als man über ewigen Nachruhm und Unsterblichkeit debattiert hatte, gewettet habe, innerhalb von drei Jahren in der Monarchie herumzureisen und seinen Namen überall bekanntzumachen "ohne ein ungeheures Verbrechen oder eine neue Art von Selbstmord zu begehen". Er begann an bemerkenswerten Orten leidenschaftlich mit Pinsel und Farbe zu werken. Bereits nach der halben Frist sprach man ihm den Gewinn der Wette zu.[5] So betätigte er sich in vielen Gegenden der Monarchie und in Bayern und der Name Kyselak an Felsen und Mauern sprach sich schon herum.

In Salzburg z. B. blieb sein Graffiti in den Lammeröfen und auf dem Weg von Hallein über den Dürrnberg nach Berchtesgaden teilweise erhalten. Am bekanntesten ist heute sein Namenszug an einer Torsäule beim Schloss Neuwaldegg in Wien.

Nach seiner Fußreise durch Österreich, die er in seinen Skizzen beschrieben hat, unternahm er im Zeitraum von 1825 bis 1829 weitere Reisen, die ihn nach Ungarn, in die Schweiz, nach Italien, Preußen, Sachsen und nach Böhmen und Mähren führten.

Weitere Salzburgbezüge

Es kritisiert 1829 der empörte Kustos der k. k. Lyceumsbibliothek in Salzburg, Caspar Johann Stephan, Kyselaks Buch.

In Bad Gastein sahen Zeitgenossen seine Signaturen und in den Öfen der Salzach auch, letztere erwähnt Karl Baedeker 1855 und noch 1988 Josef Brettenthaler.

Man sah Signaturen von Kyselak in der Hellbrunner Allee; auf Hohenwerfen soll er sich über der Pforte "verewigt“ haben. (Goffriller, Kommentarband S. 60f).

Am Kapuzinerberg, dort, wo Kyselak schrieb: "Nun still gehalten – der Erde freundlichster Punkt ist erreicht!“ (Goffriller, Skizzen, Band II Fortsetzung, S. 189), notierte 1834 ein spanischer Geologe eine Signatur:

"An einer Säule des Palastes sahen wir die berühmte Inschrift J. KYSELAK, welche in großen schwarzen Buchstaben auf den bekanntesten Plätzen aller deutschen Staaten prangt. Es ist der Name eines deutschen reisenden Studenten, der sich damit bekannt machen wollte, und immer eine Schachtel Schuhpaste und einen Pinsel mit sich führte.“ (Goffriller, Kommentarband, S.65)

Beschwerden und Legenden

Im Laufe der Zeit drangen viele Beschwerden von Orten der Monarchie nach Wien, dass es unerträglich sei, dass eine Art Sonderling namens Kyselak überall seinen Namen ohne Genehmigung male. Auch Legenden ranken sich um Kyselaks Reisen. So sollen die Beschwerden sogar zu Kaiser Franz I. gedrungen sein, welcher den Staatsbeamten Kyselak zu sich beordern ließ: "Er verschandelt mir ja die ganze Monarchie!" soll sein Vorwurf an den demütig auftretenden "Delinquenten" gelautet haben. Der Kaiser entließ ihn nicht ohne ihm das Versprechen abzunehmen, in Hinkunft seine Namensmalereien zu unterlassen. Als Kyselak das Audienzzimmer im Rückwärtsgang und sich mehrmals verneigend verlassen hatte, ging der Kaiser zu seinem Teetischchen und fand auf der Glasplatte mit Kreide geschrieben "KYSELAK".

Kyselak verstarb 1831 in Wien an einer gerade grassierenden Cholera, der er, ohne ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, nur auf seine kräftige Natur vertrauend, widerstehen wollte.

Literatur

Quellen

  • Lorenz, Michael: "Concerning Kyselak", Wien 2015.
  • Goffriller, Gabriele (Hrsg.): Kyselak. Skizzen einer Fußreise durch Österreich., mit einem Vorwort von Gabrielle Goffriller und Chico Klein, Salzburg, Wien 2009.
  • Kyselak, Joseph: Skizzen einer Fußreise durch Österreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Bayern nach Wien, nebst einer romantisch pittoresken Darstellung mehrerer Ritterburgen und ihrer Volkssagen, Gebirgsgegenden und Eisglätscher auf dieser Wanderung, unternommen im Jahre 1825 von Joseph Kyselak, Wien 1829, in: Goffriller, Gabriele (Hrsg.): Kyselak. Skizzen einer Fußreise durch Österreich, mit einem Vorwort von Gabrielle Goffriller und Chico Klein, Salzburg, Wien 2009.
  • Ebner, Reinhard: Karriere als Namenskritzler. Leben und Legenden des "Logo-Künstlers" Joseph Kyselak, in: Wiener Zeitung, 9./10. August 2002, S. 5.

Einzelnachweise

  1. Gabriele Goffriller: Kyselak, S. 158
  2. Goffriller: Kyselak, S. 161
  3. Goffriller: Kyselak, S.369
  4. Goffriller: Kyselak, S. 370 f.
  5. Ebner: Karriere als Namenskritzler, S. 5