Stadtärzte in Salzburg

Das ist die (unvollständige) Liste der Stadtärzte in Salzburg, seit es Nachrichten über in der Stadt Salzburg wirkende Stadtärzte gibt.
Geschichte
Die ursprüngliche Bezeichnung lautet "Stadtphysikus" oder "Stadtmedicus". Das Niederleghaus (heute Getreidegasse Nr. 18 bis 22 bzw. Griesgasse Nr. 17) war von 1659 bis 1814 die Wohnung des Stadtphysikers.[1]
Die Bestellungsvorschläge für die Stadtphysici durch Stadtsyndikus, Bürgermeister und Rat hatten nicht immer den Konsens der übergeordneten Stellen. So war im Oktober 1721 dem Mühldorfer Stadtphysikus Jakob Anton Lackermayr das Stadtphysikat von Salzburg mit Zustimmung des Hofrats bereits zugesprochen, als "Ihrer Hochfürstl. Gnaden pp Erzbischof Franz Anton Graf von Harrach", einfiel, dem Dr. med. Franz Thomas Stemeseder diese Stelle zu verleihen.[2] 1730 folgte diesem Dr. Andreas Frontiller, und 1754 wurde schließlich Dr. Joseph von Helmreich Stadtphysikus.[3]
Der Stadtphysikus war dem überwiegenden Teil seiner Amtstätigkeit nach Armenarzt.[4] Instruktiv ist ein Überblick, die Stadtarzt (1860–1867) August Jungwirth rückblickend über seine Tätigkeit als Stadtarzt (Stadtphysikus, Armen- und Polizeiarzt, Leichenbeschauer) gab. Dabei habe er etwa als zweiter Stadtarzt 80 Prozent der Armenpraxis abgedeckt, und zwar im Jahresdurchschnitt 1500 Arme (die in den städtischen Versorgungsanstalten untergebrachten, dann Hausarme mit und ohne Kurscheine eingerechnet) behandelt.[5]
Die Stadtphysiker/Stadtärzte
- 1593–1617: Johann Peuerle
- 1617–1626: Christoph Carl[6]
- 1626–1639: Urban Stroboeus
- 1639–1649: Franziskus Freysinger
- 1649–1658: Oswald Grems[7]
- 1658[8]–1687: Ruprecht Streicher, der erste im Niederleghaus wohnende "Stadtmedikus"
- 1687–1690: Johann Ludwig Miller/Muller
- 1690–1694: Franz Mayr[9]
- 1694–1721: Franz Duelli, Stadtphysikus und hochfürstlicher Rat (zuvor Landschaftsphysiker in Radstadt)
- 1721–1729: Franz Thomas Stemereder
- 1730–1755: Andreas Frontiller
- 1756–1800: Josef von Helmreich[10]
- 1801–1814: Michael Steinhauser
- 1814–1829: Wolfgang Oberlechner
- 1830 unbesetzt
- 1831-1832: prov. Johann Baptist Tuaillon[11]
- 1833–1842: Joseph von Lasser zu Zollheim[12]
- 1834–1851: Anton Fischer zweiter und bald erster Stadtarzt
- 1842–1860: Kornel Schwarz (ab 1842 zweiter, ab 1851 erster Stadtarzt)
- 1857–1867: Joseph Pichler (ab 1857 zweiter, ab 1860 erster Stadtarzt)
- 1860–1867: August Jungwirth zweiter Stadtarzt
- 1867–1881: Richard Franz Schlegel (* 1811; † 1881) erster Stadtarzt
- ab 1867: Kaspar Faistauer zweiter Stadtarzt (provisorisch ab 1867, definitiv wohl ab 1868)
- 1869: Schlegel und Faistauer als Stadtphysiker erwähnt[13]
- 1881–1905: Karl Sieber (ab 1881 Stadtarzt, ab 1892 Stadtphysikus, † 1905)
- 1886–1892: Kaspar Faistauer († 1892) erster Stadtarzt[14]
Weitere möglich Stadtphysiker
Besl nennt in seinem Werk über die Salzburger Bader einige Stadtphysiker als Prüfer, die in Oberlechners Liste nicht aufscheinen:
- Examen am 18. Juli 1640 bei Stadtphysikus Mistrutio und Apotheker Till.[15]
- Meisterprüfung am 12. Oktober 1637 vor Stadtphysikus Dr. Wiser und Apotheker Dill.[16]
Quellen
- Artikel "Stadt-Physiker zu Salzburg von 1593 bis 1820", Kaiserl. Königl. Oesterreichisches Amts- und Intelligenzblatt von Salzburg, 7. Juli 1820, 621-622.
- Pagitz-Roscher, Magda: Chronik des Niederleghauses, in: Mitt(h)eilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, MGSLK 110/111, 1970/71, 153–198.
- verlinkte Artikel zu den einzelnen Personen
Einzelnachweise
- ↑ Magda Pagitz-Roscher (1971): Chronik des Niederleghauses. – Mitt(h)eilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde – 110_111_1: 153–198.
- ↑ Gerhard Ammerer, Auf dem Weg zum Steuer- und Verwaltungsstaat. Geldbedarf, Abgabenerhöhung, Personalzuwachs – und Abgeltung von Reallohnverlusten? Notizen zum Salzburger Hofstaat um 1600, S. 2140.
- ↑ Friedrich R. Besl, Die Entwicklung des handwerklichen Medizinalwesens im Land Salzburg vom 15. bis zum 19. Jahrhundert 2. Teil, MGSL, 138 (1998), hier: 236.
- ↑ "Salzburger Zeitung", 27. Juni 1860, S. 1 f.: Dr. C. Schwarz, erster Stadtphysikus von Salzburg. Nachruf.
- ↑ "Salzburger Chronik", 1. März 1867, S. 6: Öffentliche Erklärung (wiedergegeben im Artikel "August Jungwirth")
- ↑ Georg Lecherer der Meister im Bruderhausbad wurde von Christoph Carb(?) geprüft, AStS, BU 44, Ratsprot. 1621, fol.203'.
- ↑ Prüfung im November 1651, AStS, BU 50, Ratsprot. 1651, fol. 84v, 104v u. 109r.
- ↑ Dr. Streicher wurde am 5. November 1658 zum Stadtphysikus ernannt, Stadtarchiv Salzburg, Pezolt-Akten 45, 1650, zit. in: Friedrich R. Besl (1998): Die Entwicklung des handwerklichen Medizinalwesens im Land Salzburg vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. – Mitt(h)eilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde – 138: 103–296, hier: 230.
- ↑ In Berchtesgaden: 1654 (Lesefehler?) war ein Dr. Mayer in Salzburg Medikus des Stiftes. Häufiger scheint es vorgekommen zu sein, dass die Kapitularen, Beamten und sonstige Stiftsleute sich zu einer ärztlichen Kur nach Salzburg begaben, hatten sie doch dorten freie Unterkunft und Verpflegung in dem den Stifte gehörigen Berchtesgadener Hof. "Herr Valdiran, der sechs Tag bei Doktor Mayer in Salzburg in Kur gewesen, hat zu Ehrung der Frau und Anderen gegeben 5 fl.", M. Roth, Die öffentliche Krankenpflege in Berchtesgaden zur Zeit der Fürstpröbste und in den ersten Jahrzehnten der bayer. Regierung, in: Bergheimat. Beilage zum Berchtesgadner Anzeiger, 23. August 1934, 33.
- ↑ Josef von Helmreich war Stadtphysikus und hochfürstlicher Rat. Er war 44 Jahre Stadt-Physiker, erst 1799 bat er hohen Alters wegen um Aushilfe und "erhielt selbe in der Funktion des unvergeßlichen Dr. Prex" (Kaiserl. Königl. Oesterreichisches Amts- und Intelligenzblatt von Salzburg, 7. Juli 1820, 621-622).
- ↑ Schematismus 1832, 289.
- ↑ Stadtphysikus, prov. Herr Johann von Lasser zu Zollheim, Med . Doctor, Polizey- und Criminal-Arzt, dann Hausarzt der städtischen Institute des Bürgerspitals und Bruderhauses, in: Schematismus 1833, 290.
- ↑ Salzburger Zeitung, 23. Juni 1870, S. 1
- ↑ Tageblatt der Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte, Band 59, 1886, 37.
- ↑ AStS, BU 151, Ratsprot. 1769, pag. 153.
- ↑ AStS, BU 47, Ratsprot. 1637, fol. 74r, 94v u. 107v.