Franz Oppelt
Franz Oppelt (* 6. April 1843 in Maxdorf [Gemeinde Bürgstein, heute Sloup v Čechách] in Nordböhmen; † 20. November 1918 in Maxglan)[1] war akademischer Bildhauer und Schulleiter der k. k. Fachschule für Holz- und Steinbearbeitung − der späteren Höheren Technischen Bundeslehranstalt − in der Tennengauer Bezirkshauptstadt Hallein.
Leben
Der Weberssohn Franz Oppelt sollte in Bürgstein das Schlosserhandwerk lernen, fand aber mehr Gefallen an den Arbeiten eines dortigen Bildhauers und benützte jede Gelegenheit, um zu zeichnen, zu modellieren und zu schnitzen. Eine gefährliche Verletzung, die sich der Bub im Dienst des Schlossers zugezogen hatte, veranlasste schließlich den Vater, den Bitten der Mutter nachzugeben und dem Sohn den Berufswechsel zu gestatten. Franz kam, 15 Jahre alt, nach Wien und erlernte die Bildhauerei zunächst gewerblich, dann auch, nachdem ihm eine Probearbeit die Akademie der bildenden Künste geöffnet hatte, künstlerisch. Nach Vollendung seiner Studien gründete Oppelt in Wien ein florierendes Atelier. Er heiratete am 7. Februar 1872 in Wien-Wieden 28‑jährig die 20‑jährige, aus Ostböhmen gebürtige Haushälterin Anna Kuhn.[2]
Nachdem Oppelt auf der Wiener Weltausstellung 1873 durch seine Skulpturen große Anerkennung gefunden hatte, bot ihm der Handelsminister, dem die Fachschulen damals unterstanden, bot die Leitung der Fachschule für Glasindustrie und Holzschnitzerei im nordböhmischen Haida (heute Nový Bor) an, und die Heimatliebe bewog Oppelt, das Amt anzunehmen. Er beklagte es aber nachher oft, dass er durch Unterrichten und Verwaltung fast ganz an der Ausübung seiner Kunst gehindert wurde. Eine Frucht seines künstlerischen und pädagogischen Talentes war sein Schnitzerei-Lehrgang, der den Schüler schrittweise vom einfachsten Motiv zum reichen Ornament führte. Dieser Lehrgang wurde an allen österreichischen Fachschulen für Holzindustrie und an vielen ausländischen Schulen eingeführt.
Im Jahr 1881 wurde Oppelt überredet, die Leitung der Fachschule in Cles im Nonstal im heutigen Trentino zu übernehmen. Er sollte diese Schule, die nicht gedieh, zu neuem Leben erwecken, erkannte aber bald, dass die Bedingungen dazu dort nicht vorhanden waren. Im Jahr 1882 wurde er an die Staatsgewerbeschule in Innsbruck als Leiter ihrer Lehrwerkstätten, im Jahr 1885 an das Technologische Gewerbemuseum in Wien als Leiter des Kurses für künstlerische Hausindustrie berufen.
im Jahr 1887 wurde ihm die Leitung der Halleiner Fachschule übertragen. Diese befand sich in einem solchen Zustand, dass ihre Auflassung erwogen worden war. Auf Wunsch der Halleiner Gemeindevertretung entschloss sich das Ministerium jedoch, einen letzten Versuch mit dieser Schule zu unternehmen, und berief Oppelt nach Hallein. Die Schule beschäftigte sich damals nur mit der Schnitzerei und ihr Lehrkörper bestand aus bloß zwei Personen. Oppelt wandte den größten Fleiß, seine ganze Energie, sein künstlerisches und organisatorisches Talent auf, um die Schule zunächst lebensfähig zu machen und dann zu ungeahnter Blüte zu bringen. Zuvor hatte sich diese nur mit Zeichnen und Holzschnitzen befasst; Oppelt schuf nach und nach die Abteilungen für Tischlerei, Drechslerei, Zimmerei und Steinbearbeitung und erweiterte sie so zur "Fachschule für Holz- und Steinbearbeitung". Er gliederte die gewerbliche Fortbildungsschule, die bis dahin mit der Volksschule verbunden gewesen war, der Fachschule an, veranstaltete Zeichenkurse für Volksschüler, für Gehilfen und für Meister usw. und errichtete einen offenen Zeichensaal für Männer. Um auch ganz armen Schülern de» Besuch der Schule zu ermöglichen, organisierte er ein erfolgreiches Unterstützungswesen; er gründete eine "Schülerlade" und erwirkte zahlreiche Stipendien, die Hunderten von Schülern den Besuch der Schule erst ermöglichten. Am Ende seiner Amtszeit zählte der Lehrkörper zwölf Personen. Da durch diese Entwicklung das alte Haus zu klein geworden war, machte Oppelt gegenüber dem Ministerium und der Gemeindevertretung die Notwendigkeit eines neuen Schulgebäudes geltend. Die Pläne für dieses Gebäude wurden noch während seiner Dienstzeit entworfen. Auf die dringenden Bitten seiner Familie trat Oppelt allerdings, nach 19 Jahren und 33-jähriger Dienstzeit, schon mit 1. Jänner 1907 in den Ruhestand, als er die Errichtung eines neuen Schulgebäudes gesichert sah; dessen Einweihung erfolgte am 2. Dezember 1907.
Im Jahr 1893 war nach langem Siechtum Oppelts Tochter Bertha, die von ihm das künstlerische Talent geerbt hatte, im Alter von 18 Jahren gestorben[3]. Nachdem er im im Mai 1912 nach 42-jähriger glücklicher Ehe auch seine Frau verloren hatte,[4] wurde Oppelt zum ersten Mal schwer krank und erholte sich nie mehr völlig. Er erlitt Anfang November 1912 auf der Salzburger Staatsbrücke einen Schlaganfall[5] und im Jahr 1916 einen oder zwei weitere, und sein Gemüt verdüsterte sich immer mehr. Er starb im Alter von 75 Jahren in der Landesheilanstalt für Geisteskranke an hypostatischer Pneumonie[1].
Quellen
- Salzburger Chronik, 23. Dezember 1908, S. 4 f.: Der Neubau der k. k. Fachschule in Hallein
- Volksfreund, 30. November 1918, S. 3: Franz Oppelt.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Sterbebuch der Pfarre Hallein, Bd. XII S. 189
- ↑ Trauungsbuch der Pfarre St. Elisabeth auf der Wieden, Trauungsregister 1873 Fol. 24
- ↑ Sterbebuch der Pfarre Hallein, Bd. IX S. 356
- ↑ Salzburger Volksblatt, 19. Mai 1912, S. 3
- ↑ Salzburger Volksblatt, 3. November 1912, S. 14: Vom Schlage getroffen
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Schulleiter der k. k. Fachschule für Holz- und Steinbearbeitung 1887–1906 |
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