Schüttdorf
Schüttdorf, heute ein Stadtteil von Zell am See, entwickelte sich nach der Wende zum 20. Jahrhundert als „Dorf“ in der Nähe des Schüttgutes.
Lage
Schüttdorf liegt am südwestlichen Ende des Zeller Sees, an der B 311, der Pinzgauer Straße, an der Westbahn und an der Pinzgauer Lokalbahn. Das namengebende Schüttgut am Fuße des Bruckbergs, früher Limberg genannt, gehört den Familien Piech und Porsche. Bekannt ist auch die Areitbahn, die Skifahrer und Wanderer auf die Schmittenhöhe befördert. Ihre Talstation befindet sich ebenfalls am Fuße des Bruckberges, vor der Haustür der Schüttdorfer. Im Osten grenzt der Stadtteil an das Naturschutzgebiet Zeller See, das durch mehrere Wege erschlossen und von drei Kanälen durchflossen wird.
Allgemeines
In diesem Stadtteil wohnen rund 5 400 Einwohner, die Beherbergungsbetriebe bieten 3 200 Gästebetten an (Stand Februar 2011).
Entstehung und Entwicklung
Nach Fertigstellung der im Volksmund als „Krimmlerbahn“ benannten Pinzgauer Lokalbahn im Jahr 1898, und ganz besonders ab dem Jahr 1920, wurden zahlreiche Häuser errichtet und das Dorf vergrößerte sich rasch.
Schulen, Infrastruktur und Lebensqualität
1955 wurde eine Volksschule namens "Ferdinand Porsche-Gedächtnisschule" errichtet. 1960 wurde der Kindergarten neben der Volksschule fertig gestellt und 1962 das Postamt eingeweiht. Dieses soll aber der Streichung der Postämter im ersten Quartal 2011 zum Opfer fallen. Auch eine Hauptschule wurde errichtet.
Im Jahr 1967 fand die Glockenweihe bei der neu errichteten und im Herbst 1967 eingeweihten Pfarrkirche Schüttdorf statt. Die Kirche wurde unter anderem von Bildhauer Josef Zenzmaier gestaltet. Von ihm stammt das Altarbild in Form eines Holzreliefs und der Tabernakel aus Bronze.
1974 wurde die Breiteckbahn an der Areithabfahrt fertiggestellt. Die Areitbahn, als Schüttdorfer Zubringer zur Schmittenhöhe, wurde nach ihrer Erbauung im Laufe der Jahre mehrfach modernisiert und vergrößert.
Zuletzt wurde mit Handelsschule, Handelsakademie und Gymnasium auch das wichtigste Zeller Schulzentrum erbaut. Eine große Postfernmeldezentrale nahm ihren Betrieb in den 1970er-Jahren auf, Hotels wurden neu erbaut, alte Gastbetriebe modernisiert und Klein- und Mittelbetriebe aller Branchen siedelten sich an. Alles ist heute noch fußwegig erreichbar, hat teilweise noch dörflichen Charakter und das mit sehr guter Infrastruktur. Neben der Versorgungslage sind Seeufer mit Strandbad, Naturschutzgebiet Zeller See, Tauernradweg und Langlaufloipen u.a.m. in Gehweite - auch für das Freizeitvergnügen Einheimischer und Touristen ist gesorgt.
Schüttdorf beherbergt auch eine Besonderheit: hier hat sich neben dem Porsche Design Studio auch die Fa. Storz angesiedelt. Beide Designbetriebe haben Weltruf.
Dorf, "Suburbia" und Raumordnung
Schüttdorf ist heute der bevölkerungsreichste Stadtteil. Er hat einerseits noch immer Dorfcharakter, andererseits ist Schüttdorf auch das „Suburbia“ von Zell am See geworden. Hier befinden sich der 1959 errichtete Flugplatz Zell am See, mit Tunnelausgangsportal und Umfahrungsverteiler bedeutende Straßenbauten, die großen Supermärkte, Möbelhäuser, Baumärkte und Autohäuser.
Die Errichtung der erwähnten Großbetriebe ist aus Sicht der Stadtentwicklung zu einem gewissen Grad einsichtig, aber raumordnerisch problematisch. Schüttdorf einerseits und Bruck an der Großglocknerstraße andererseits drohen durch den in den letzten Jahren erfolgten Supermarktboom zusammen zuwachsen und das Erscheinungsbild des Zeller Beckens nachhaltig zu beeinträchtigen.
Hochwasser
Der im Jahr 2010 von der Wildbach- und Lawinenverbauung präsentierte Gefahrenzonenplan erinnert alteingesessene Schüttdorfer an das Hochwasser im Jahr 1956, das mehrere Häuser unter Wasser setzte und an die Hochwasserkatastrophe im Jahr 1966, von der Schüttdorf ebenfalls betroffen war. Der neu erstellte Plan legt offen, dass fast ganz Schüttdorf Hochwasser gefährdet ist und geeignete Schutzmaßnahmen fehlen. Bei einem nächsten Jahrhundert-Hochwasser geht es nicht mehr um ein paar Häuser sondern um beinahe das ganze verbaute Gebiet von Schüttdorf mit seinen zahlreichen Wohnhäusern, den Schulen und den Großmärkten.
Quellen
- Ferdinand Hölzl, „1200 Jahre Zell am See“, herausgegeben im Eigenverlag des Autors, Zell am See 1973
- Eigenartikel von Christina Nöbauer
- "Salzburger Woche", Ausgabe "Pinzgauer Nachrichten", 24. Februar 2011