Glockengießerei Oberascher

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Die ehemaligen Werksanlagen in Salzburg-Kasern um 2010

Die Glockengießerei Oberascher bestand von 1618 bis 2009 in Salzburg.

Geschichte

1618 als fürsterzbischöfliche Hof- und bürgerliche Stuck- und Glockengießerei in Salzburg gegründet, war die Firma Oberascher von 1670 bis 2003 in Familienbesitz. Die ersten der Familie waren Johann Oberascher (* 1765; † 1797), Johann Oberascher Sohn (* 1797; † 1835) und Franz Oberascher (* 1835; † 1877).

Auf der Rückseite des Bruderhauses (Bruderhof) arbeitete im 19. Jahrhundert bis 1919 die Glockengießerei, die zuvor seit 1724 nächstgelegen in der Glockengasse ihre Betriebsstätte besaß.

Als Kasern, an der Grenze zwischen Bergheim und Hallwang gelegen im 20. Jahrhundert entstand, war die Glockengießerei einer der ersten Gewerbebetriebe, die sich 1919 ansiedelte. Sie musste vom Bruderhof wegen der mit dem Betrieb verbundenen Brandgefahr weichen. Zur eigenen Sicherheit legte der Betrieb in Kasern einen großen Feuerlöschteich an, der als Tümpel in Kasern erhalten ist.

Am 7. Juni 1950 vernichtet ein Brand in der Glockengießerei den Dachstuhl und richtet in der Maschinenhalle großen Schaden an.

1961 wurde bei Oberascher, unter der Leitung von Ing. Georg Sippel, das größte Geläut in Österreich und im süddeutschen Raum für den Salzburger Dom mit insgesamt 26.787 kg gegossen − ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Am 24. September 1961 läuteten die Glocken zum ersten Mal − ihre Gewichte: 14.256 kg, 8273 kg, 2518 kg, 1025 kg und 715 kg.

Im Jahre 2002 war der Guss der 3,11 m großen Friedensglocke "Concordia 2000", der zweitgrößten je in Österreich gegossenen Glocke, die zu den zehn größten frei schwingenden Glocken der Welt zählt. Sie ruft auf dem Kronplatz in Südtirol in 2.280 m Seehöhe jeden Sonntag zum Frieden. Sie ist mit ihrem Gewicht von 18,2 Tonnen die größte Glocke Italiens.

Im Jahre 2004 wurde die Firma Oberascher mit neuen Eigentümern als Manufaktur neu gegründet. Dort wurden überwiegend gewerbliche und industrielle Kleinserien, anspruchsvoller Kunstguss sowie individuelle Einzelstücke und Sonderanfertigungen gegossen. Aber leider musste dann auch die Oberascher Manufaktur Gießerei & Handelsgesellschaft mbH am 30. Dezember 2009 den Konkursantrag beim Salzburger Landesgericht stellen[1].

Die alten Firmenteile wurden in das Veranstaltungszentrum Gusswerk umgestaltet und dienen vor allem Festen und Firmenpräsentationen als interessanter Rahmen (z. B. präsentierte General Motors im August und September 2006 vor 5 400 Händlern aus aller Welt seinen neuen Opel Corsa).

Rüstungsbetrieb Glockengießerei Oberascher

Schon im Juli 1939 hatte die Glockengießerei Oberascher auf die Produktion von Haubitzen-Geschossen und Granaten umgestellt. Das war noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs und war später damit ein wichtiger Lieferant für die Wehrmacht. Friedrich Thomas aus Nürnberg war damals zum Betriebsleiter bestellt worden. Im Oktober 1939 wurden bei Razzien im Unternehmen mehrere Arbeiter festgenommen. Von ihnen wurden später zehn wieder freigelassen, einer davon war der frühere Betriebsleiter.

Ab 1940 wurde auch der Glockengießereibetrieb von der Einberufungswelle erfasst und so musste der Mangel an heimischen Facharbeitern durch Fremdarbeiter ausgeglichen werden. Diese kamen zunächst aus den verbündeten Staaten, später aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Im Oktober 1942 trafen bei Oberascher die ersten 104 Ostarbeiter ein, etwa ein Drittel waren Frauen, die Mehrheit unter 20 Jahre alt. Bei den Männern war der Jüngste noch keine 15 Jahre alt gewesen. Eine ehemalige Zwangsarbeiterin erinnerte sich an verregnete, kalte Baracken, in denen sie wohnen mussten. Auch die Verpflegung war schlecht.

Weidenholzer berichtet von Exekutionen, die die Gestapo am 20. August 1943 an vier entflohenen "Ostarbeitern" vermeldete. Weidenholzer konnte über Recherchen über den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen weitere Opfer in Erfahrung bringen. Und er ist der Meinung, dass es in diesem Betrieb weit mehr Tote gibt, als bekannt war bzw. man bisher angenommen hatte. Manche starben an den Folgen der Arbeit, andere wurden von der Glockengießerei in Konzentrationslager deportiert oder einfach vor Ort ermordet. So erging es der 17-jährigen Halina Staschko. Kurz vor der Befreiung am 1. Mai 1945 durch die Amerikaner erlag sie ihren Schussverletzungen. Eine Untersuchung dieses Falles hat es nicht gegeben.

Friedrich Thomas setzte sich nach 1945 nach Deutschland ab, wo ihm aber kein Verfahren nach dem Kriegsverbrechergesetz gemacht wurde.

Bildergalerie

Quellen


Fußnoten

  1. Quelle Salzburger Wirtschaft (Zeitung), 8. Jänner 2010, "Konkurse, Eröffnungen"