Nora Watteck
Prof. Eleonora "Nora" Watteck, geborene Borri (* 6. Oktober 1901 in Altenstadt bei Feldkirch, Vorarlberg; † 27. November 1993 in der Stadt Salzburg) war eine Salzburger Heimatforscherin, Volkskundlerin und Schriftstellerin.[1]
Leben
Nora Watteck wuchs zwischen Portorose (slowenisch Portorož), der Heimat ihres Vaters Silvio Borri, und Salzburg auf, wo ihr Großvater Wenzel Swatek lebte. Swatek, ein direkter Nachkomme von Jan Rosenauer, dem Erbauer des Schwarzenberg’schen Schwemmkanals in Böhmen, war einer der bekanntesten Antiquitätenhändler der Monarchie und ein enger Freund des Schriftstellers Arthur Schnitzler. Sein Antiquitätengeschäft befand sich in der Brodgasse 3 und ist bis heute im Besitz der Nachkommen. Möglicherweise ist Max Swatschek ein Verwandter (Schreibweisen änderten sich früher oft).
Ihr Interesse an Geschichte und Kultur wurde durch den Großvater früh geweckt und gefördert.
Archäologie und Volkskunde
Am 30. September 1932 legte Watteck als Mitarbeiterin des Kustos für Archäologie am Salzburger Museum Carolino-Augusteum (heute "Salzburg Museum") bei einer Grabung auf dem Dürrnberg die berühmte Schnabelkanne frei.[2]
Seit 1975 ist ihre umfangreiche Sammlung von Gebrauchs- und Einrichtungsgegenständen, Bekleidung und Werkzeug im Schloss Goldegg untergebracht.
Familie
Im Jahr 1923 heiratete sie den Salzburger Beamten Dr. Wilfried Watteck. Das Paar hatte zwei Kinder:
- Erentrudis (* 1924)
- Arno (* 1926)
Ihr Mann starb 1946, womit sie früh zur Witwe wurde.[1]
Das Oslmaiergut am Mönchsberg
Nach Jahren auf einem Bauerngut am Schlenken, das sie allein bewirtschaftete, erwarb Nora Watteck am 31. Mai 1949 das Oslmaiergut am Mönchsberg. Das Anwesen befand sich in schlechtem Zustand und verfügte weder über Wasser noch Strom. Größere Renovierungen waren notwendig, darunter die Erneuerung des gesamten Dachstuhls. Über Jahre hinweg holte Watteck das Wasser von der Monikapforte; dazu nutzte sie ein selbstgebautes Wägelchen aus einem alten Bettgestell und einer Milchkanne, das von einem Hund gezogen wurde.
Sie lebte bewusst einfach und verbrachte die Wintermonate meist in einer einzigen Stube, um Brennholz zu sparen. Gleichzeitig verwandelte sie das Haus im Laufe der Jahrzehnte in eine kleine Kunstkammer. Viele der im Haus befindlichen Bilder stammen von ihr selbst, andere aus dem Antiquitätenbestand ihres Großvaters Swatek. Die steinerne Treppe mit schmiedeeisernem Geländer wurde von ihrem Sohn und ihrem Schwiegersohn errichtet; die Geländerstützen brachte Watteck eigenhändig aus der Salzach zum Haus. Über der Haustür befindet sich ein von ihr gemaltes Wappen mit dem hl. Rupert über der Stadt Salzburg.
Nora Watteck lebte rund 40 Jahre im Oslmaiergut und bewohnte es bis zwei Jahre vor ihrem Tod im Jahr 1993. Sie ist auf dem Friedhof Morzg bestattet.[3]
Werke (Auswahl)
Die Affäre Rambousek. Salzburgs größter Skandal. Salzburg, Pfad Verlag Salzburg, 1978. ISBN 3-900108-40-4
Zahlreiche Aufsätze in den Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (MGSLK), darunter:
- Der Pfarrhof von Hallein auf einem Altarbild Albrecht Altdorfers, MGSLK 104 (1964), S. 139–142
- Zwei Totentanzlieder und ein Totenlied aus dem Salzburgischen, MGSLK 105 (1965), S. 239–252
- Zwei Bodenfunde, MGSLK 106 (1966), S. 247–252[4]
- Einiges über Salzburger Rosenkränze, MGSLK 108 (1968), S. 325–340
- Abergläubisches und Magisches für den Hausgebrauch und zum Erzsuchen, MGSLK 110/111 (1970/71), S. 365–380
- Bergkristallverarbeitung in Salzburg, MGSLK 112/113 (1972/73), S. 541–566
- Der Fagerstein bei der Wilhelmskapelle und seine Bedeutung, MGSLK 116 (1976), S. 159–174
- Lappen, Fexen und Sonderlinge in Salzburg, MGSLK 118 (1978), S. 225–256
- Gräfin Margit Szápáry. Ein Lebensbild, MGSLK 119 (1979), S. 261–280
- Die Pest in Salzburg, MGSLK 123 (1983), S. 191–210
- Empfangsfeierlichkeiten für die Kaiserbraut Amalia Wilhelmine von Braunschweig-Lüneburg in Salzburg, MGSLK 125 (1985), S. 449–468
- Zauberformeln aus Salzburg, MGSLK 130 (1990), S. 501–522
Literatur
- Arno Watteck: Professor Nora Watteck zum 100. Geburtstag, in: Salzburger Volkskultur, 26. Jg., Mai 2002, S. 129–130.
- F. Zaisberger, MGSLK 135 (1995), S. 869–873.
Quelle
- sn.at, 17. Juli 2026: Das Zuhause einer bemerkenswerten Frau: Nora Watteck verwandelte das Oslmaiergut auf dem Salzburger Mönchsberg in eine Wunderkammer