Schranne (Markt)

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Die Stadtpfarrkirche Sankt Andrä als dominanter Mittelpunkt der wöchentlichen Schranne
Mirabellplatz, Andräkirche und Schrannengebäude (Mitte) um 1900, Bild in der Landesausstellung 2016 Bischof Kaiser Jedermann im Salzburg Museum
Vorboten des Advents auf der novemberlichen Schranne
Eindrücke von der Schranne
Angebote auf der Schranne
Schrannenmarkt in Salzburg, Blumenverkaufsstand; im Hintergrund das Mirabellschloss
Schrannenmarkt, Verkauf von Preiselbeeren
Der "Kürbiskernölbaron" Manfred Theißl
Das steirische Kürbiskernöl

Als Schranne wird heute ein Wochenmarkt in der Neustadt von Salzburg (Andräviertel) bezeichnet.

Name

Das Wort Schranne bezeichnete ursprünglich den Ort der Rechtsprechung in einer Stadt, abgeleitet von dem althochdeutschen Wort scranna = (Stuhl, Bank) bzw. dem mittelhochdeutschen schranne = Tisch, Bank (vgl. das verwandte Wort Schranke und sowie das italienische Wort la scranna − der Richterstuhl); da dieser Ort meist auch sehr zentral lag, entstanden um ihn herum auch die Getreidemärkte, Fleischbänke und andere Märkte. Das Wort Schranne bezeichnet aber auch Lagerhallen.

Gerichtsplatz

Unter freiem Himmel fand im Mittelalter das Malefizgericht statt. Der Richterstab und die formenreiche Sprache waren für die Bevölkerung eine willkommene Abwechslung in ihrem Alltag. Diese Gerichtstage weiteten sich dann im Laufe der Zeit durch fahrende Händler, Zahnbrecher und Gaukler zu Märkten aus. Am Land hielt man Schranne an Taidingtischen.

Geschichte

In der Stadt Salzburg lag die ursprüngliche Schranne dort, wo sich heute der Waagplatz befindet. Dies war auch der erste Marktstandort der Stadt. Später verlagerte sich der Markt auf den Alten Markt, wobei auch die angrenzenden Straßen und Plätze für verschiedene Salzburger Märkte (etwa den Grünmarkt, den Strohmarkt, den Milchmarkt oder den Eiermarkt) verwendet wurden.

Schrannen im Sinne von Lagerhallen gab es auch zwei in der Stadt Salzburg: bis in den Zweiten Weltkrieg befand sich die Schrannenhalle an der rechten Seite der Stadtpfarrkirche St. Andrä in der Neustadt, wo ja noch heute der Schrannenmarkt stattfindet. Diese Schranne war ein von Erzbischof Colloredo 1788 erbauter Kornspeicher. Am 17. November 1944 wurde das Schrannengebäude durch einen Bombentreffer schwer beschädigt, die noch erhaltenen Reste mussten nach dem Krieg abgerissen werden. Die Schrannenhalle übersiedelte in der Folge in die Alpensiedlung, genauer in die Adolf-Schemel-Straße nächst dem Ginzkey-Platz in Richtung Salzach. Die dortigen Lagerhallen wurden aber ebenfalls schon vor vielen Jahren aufgelassen.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es keine Schranne im Sinne eines Markbetriebes. Am 14. Juli 1955 kehrte der Schrannenmarkt von der Franz-Josef-Straße und der Haydnstraße zur Andräkirche, wie vor 1938, zurück.

Preise von Seinerzeit

Am 4. Jänner 1951 gab es keine Butterknappheit mehr auf der Schranne. Auf dem ersten Schrannenmarkt im neuen Jahr kostet Butter 18,70 bis 19 Schilling pro Kilogramm. Eier werden zum Preis von 1,20 bis 1,30 Schilling gehandelt. Die weiteren Kilopreise: Kartoffeln 65 und Weißkraut 80 Groschen, Zwiebeln 2, Knoblauch 6, Sauerkraut 2,50 Schilling, Karotten 90 Groschen, Kohl 1,40 bis 1,50 Schilling. Reh- und Hirschfleisch gibt es zu 14 Schilling je Kilogramm, Fasane zu 25 Schilling je Stück. Back- und Suppenhühner werden um 17 bis 19, Gänse und Enten um 18 bis 20 und Äpfel um 1 bis 1,30 Schilling pro Kilogramm angeboten.

Die Schranne heute

Der wöchentliche Straßenmarkt wird jeweils von rund 9000 Besuchern frequentiert. Angeboten werden vor allem Lebensmittel mit Schwerpunkt auf Obst und Gemüse, aber auch Fleisch, Wurst, Speck und Fisch.

Es gibt 190 Marktstände auf insgesamt 3500 Quadratmetern Marktfläche. Zahlreiche Familien betreiben ihren Stand bereits in zweiter oder dritter Generation. Die Wartezeit für Neueinsteiger beträgt bis zu zehn Jahre.

Die Schranne als gesellschaftlicher Treffpunkt

Hauptartikel: Schranne (Gesellschaftliches)

Die Schranne genießt in weiten Teilen der Salzburger Bevölkerung auch den Status des Sehen-und-Gesehen-Werdens. So ist es nicht verwunderlich, dass die Schranne immer wieder auch Treffpunkt für gesellschaftliche Veranstaltungen wird: Schrannenrundgänge von den Salzburger Nachrichten mit Verkostungen oder, wie im September 2010, Ort der Buchpräsentation Das Schrannenkochbuch. Doch auch nur zum Hendlessen oder schlicht für einen Plausch ohne Kauf trifft man sich gerne auf diesem traditionellen Wochenmarkt.

Steirisches Kürbiskernöl

Das steirische Kürbiskernöl wird vom sogenannten "Kürbiskernölbaron" Manfred Theißl seit einigen Jahren auf der Schranne angeboten. Bei ihm kostete im November 2010 das Kürbiskernöl wie folgt: ein Liter 22 Euro, ein halber Liter 15 Euro und ein Viertelliter neun Euro. 2010 erhielt Manfred Theißl eine Auszeichnung für das Kürbiskernöl: Sein Öl errang den dritten Platz unter insgesamt 3.000 Teilnehmern[1]. 2011 setzte Manfred Theißl seinen Siegeszug fort. Der 3. Platz für das beste steirsche Kürbiskernöl ging ebenfalls an ihn. [2]

Termine

Jeden Donnerstag von 5 bis 13 Uhr. Ist der Donnerstag ein gesetzlicher Feiertag, wird der Markt am Mittwoch abgehalten, ebenso wenn der 24. und 31. Dezember auf einen Donnerstag fallen. Fallen diese beiden Tage auf einen Mittwoch, findet der Markt jeweils am Dienstag statt, fällt der 24. Dezember auf einen Dienstag, entfällt der Schrannenmarkt in dieser Woche.

Marktaufsicht

Für die Vergabe von Standplätzen und die Kontrolle zuständig:

Magistrat Salzburg, Markt- und Veterinäramt
Hubert-Sattler-Gasse 5
5024 Salzburg
Telefon: (06 62) 80 72-0
E-Mail: markt-veterinaeramt@stadt-salzburg.at

Quellen

Bildergalerie

Fußnote

  1. Quelle: Manfred Theißl auf der Schranne, am 18.11. 2010
  2. Quelle: Manfred Theißl auf der Schranne, am 22.06. 2011