Rupertiwinkel
Als Rupertiwinkel bezeichnet man einen Teil des historischen Salzburger Flachgaues westlich der Salzach im heutigen Bayern.
Geschichte
Ab dem 6. Jahrhundert gehörte das Gebiet des Salzburggaus zum Herzogtum Bayern. Nach dem Sturz des Herzogshauses der Agilolfinger 788, und der Eingliederung Bayerns in das Frankenreich teilte man das Land in Grafschaften ein, die von Grafen geleitet wurden. Im Auftrag des Königs hatten die Grafen vor allem für militärischen Schutz, die Rechtsprechung und die Einhebung der Steuern zu sorgen. Im Salzburggau gab es im Hochmittelalter mehrere Grafschaften: Das Adelsgeschlecht der Grafen von Plain, ihre Stammburg war die Plainburg bei Großgmain, war ab ungefähr 1100 mit der Grafschaft im oberen (südlichen) Salzburggau belehnt. Diese Grafschaft umfasste den südlichen Teil des heutigen Rupertiwinkels, westlich und südlich des Waginger Sees, das Gebiet südlich der Stadt Salzburg und das Salzachtal bis zum Pass Lueg. Nördlich davon, im unteren Salzburggau, hatten die Grafen von Lebenau ab 1104 eine Grafschaft inne. Sie stammten aus dem Geschlecht der mächtigen Spanheimer und nannten sich nach der Burg Lebenau bei Laufen. Ihre Grafschaft erstreckte sich über die nördliche Hälfte des späteren Rupertiwinkels, nördlich und östlich des Waginger Sees und den Nordwesten des heutigen Flachgaus. Daneben gab es im Reichenhaller Tal die nur auf die Stadt bezogene Hallgrafschaft und die ältere Grafschaft Reichenhall, aus der sich später das Pflegegericht Reichenhall entwickelt hat. Südlich des Untersbergs wurde 1102 das Augustiner-Chorherrenstift Berchtesgaden gegründet, das sich im Laufe der Zeit von den Plainer Grafen, welche die Hochgerichtsrechte über das Berchtesgadener Tal besaßen, unabhängig machen konnte.
Ablösung von Bayern
Die Salzburger Kirche verfügte seit frühester Zeit überall im Land verstreut über Besitzungen. So erwarb bereits Rupert von Worms kurz nach seiner Ankunft in Salzburg im Jahr 696 Güter im Dorf Piding. Zwischen 713 und 715 wurde das neu gegründete Benediktiner-Frauenstift Nonnberg unter anderem mit Gütern in Ainring, Tittmoning und Waging am See ausgestattet. Ein größeres zusammenhängendes Gebiet aber besaß die Salzburger Kirche nur im Pongau und östlich der Stadt Salzburg (von den Erzbischöfen vom 8. bis zum 11. Jahrhundert erworben). Die 739 gegründete Diözese Salzburg wurde 798 zum Erzbistum Salzburg erhoben und war damit zum Mittelpunkt der bayerischen Kirchenprovinz geworden. Dem Erzbistum Salzburg unterstanden die Suffraganbistümer Regensburg, Passau, Freising und Säben (Brixen, Südtirol). Die Erzbischöfe waren bestrebt, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet zu schaffen, was durch den Erwerb von Grafschaften und Hochgerichtsbezirken geschah. Salzburg hatte unter anderem 1213 alle Rechte im Lungau erworben und den Pinzgau, der zuvor ein an den Bayernherzog vergebenes Lehen war, 1228 erhalten.
Nachdem 1229 die Grafen von Lebenau ausgestorben waren, konnte sich der Salzburger Erzbischof Eberhard II. von Regensberg deren Grafschaft sichern. Mit dem Aussterben der Grafen von Plain im Jahre 1260 fiel ihr Herrschaftsgebiet schließlich an die Nachfolger Eberhards. Damit verfügten die Salzburger Erzbischöfe über ein verhältnismäßig großes geschlossenes Herrschaftsgebiet. Mit der weitgehenden Anerkennung der Salzburger Grenzen durch den Bayernherzog im Jahr 1275 kam die Ablösung Salzburgs von Bayern einen bedeutenden Schritt voran. Als Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz dann 1328 eine eigene Landesordnung erließ, war aus Salzburg ein eigenständiges Land innerhalb des Heiligen Römischen Reiches geworden. Dabei war der Besitz der Saline Hallein, die ab etwa 1200 Reichenhall als Marktführer im Salzhandel abgelöst hatte, die wichtigste wirtschaftliche Voraussetzung dafür, dass Salzburg als selbständiger Staat überhaupt existieren konnte. Die ehemaligen Grafschaften Plain und Lebenau, und damit der heutige Rupertiwinkel, waren Teile dieses neuen eigenständigen Landes. Sie gehörten zum salzburgischen „Flachen Land", das auch „Land vor dem Gebirg“ oder „Außergebirg“ genannt wurde. Schon einige Jahre zuvor hatte sich die Fürstpropstei Berchtesgaden von Bayern lösen können, sie wurde 1306 erstmals als „Land“ erwähnt.
Salzburgs Kornkammer
Wegen seines fruchtbaren Bodens und des im Vergleich zu den Gebirgsgauen milden Klimas war das Flache Land die „Kornkammer" Salzburgs. Der Weizen machte nur einen kleinen Teil des angebauten Getreides aus und er gedieh ganz im Norden um Tittmonig am besten. Am weitesten verbreitet war der Roggen, der das wichtigste Brotgetreide bildete. Aber auch der anspruchslosere Hafer wurde sehr viel angebaut. Dieser war nicht nur für die Pferdezucht von Bedeutung, sondern fand auch bei der Brotherstellung Verwendung und diente, etwa zu Haferbrei verkocht, als wichtiges Grundnahrungsmittel. Östlich des Waginger Sees wurde in größerem Umfang Flachs angebaut, der durch viele kleine Leinweber für Verleger (Großhändler) zu Leinen verarbeitet wurde. An den Ufern der Salzach lagen große Hopfengärten. Mit dem hier produzierten Hopfen versorgte man die Brauereien in der Umgebung, von denen jene in Teisendorf und Schönram noch heute bestehen. Im landwirtschaftlich geprägten Rupertiwinkel gab es aber auch ein bedeutendes Bergwerk bei Neukirchen, wo Eisenerz abgebaut wurde. Die Verhüttung erfolgte im Achthal (Bergbaumuseum Achthal) und später auch in Röhrenbach bei Anger. Dazu gehörte außerdem noch die 1537 gegründete Annahütte in Hammerau, wo in erster Linie Drahtseile, Waffen, Werkzeuge, Nägel und Bleche hergestellt wurden. Die Produkte verkaufte man außerhalb Salzburgs bis nach Ober- und Niederbayern, Tirol und Schwaben. Von den beiden Städten im heutigen Rupertiwinkel war Laufen als Zentrum der Salzschifffahrt und Sitz der adeligen SchiffsherrenReferenzfehler: Für ein <ref>-Tag fehlt ein schließendes </ref>-Tag. mit Sitz, Laufen an der Salzach, wurde 1964, als Nachfolger des von 1918 bis 1936 bestandenen „Verein der Heimatfreunde des Rupertiwinkel“ gegründet.
Vereinsziele sind, die Erforschung der Geschichte des Rupertiwinkels, die Förderung der Heimatkunde und der Volksbildung sowie die Erhaltung der Kulturgüter der Heimat.
Dazu werden im Jahreslauf zahlreiche Vorträge, Führungen und Exkursionen durchgeführt.
Zweimal jährlich erscheint die Zeitschrift SALZFASS[1] mit Forschungsbeiträgen und Vereinsnachrichten.
Das Deckblatt der Zeitschrift zeigt eine historische Abgrenzungskarte, sowie das Logo des Vereins, bestehend aus stilisierten Elementen, einem hölzernen Salzfass und den Wappen von Bayern und Salzburg.
Weblinks
- Historischer Verein Rupertiwinkel e. V. - Kurze Geschichte des Rupertiwinkels
- Heimatgeschichte der Region Chiemgau-Inn-Salzach (PDF)
- Artikel in den Ruperti Nachrichten über die Grenze Salzburg-Bayern
- Historische Rückschau
- Rupertiwinkel auf wikipedia.de]
Bildergalerie
Blick auf den südlichen Teil des Rupertiwinkels, in der Mitte das Staufengebirge
Ausblick vom Hofergut in Ainring
Ortschaft Aufham, mit der Pfarrkirche Aufham, Gemeinde Anger im Rupertiwinkel in Bayern
Schloss Staufeneck in der Gemeinde Piding, Zugang
- Hoeglwoerth 01.jpg
Die schlafende Hexe ist hier gut zu erkennen (zwischen Untersberg und Bad Reichenhall)
Blick von der Burg Tittmoning auf den Ort
Ausblick von der Burgwiese in Tittmoning, m Hintergrund das Kraftwerk Riedersbach in Oberösterreich
Quellen
- Höglwörth − Rupertiwinkel
- Wanderkarte Salz − Spuren zwischen Salzach und Inn, Fritsch Landkartenverlag
Quellen (Geschichte)
- Heinz Dopsch: Kleine Geschichte Salzburgs, Salzburg 2001.
- Dopsch/Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs, Band I/1, Salzburg 1999
- EuRegio Salzburg-Berchtesgadener Land- Traunstein: Heimat mit Geschichte und Zukunft, 2004.
- Clemens Hutter: Salzburg als ein Jeton im Spiel der Mächtigen, Heimatblätter Nr. 5, 24.05.2003.
- Fritz Koller/Rumschöttel (Hg.): Vom Salzachkreis zur EuRegio, Bayern und Salzburg im 19. und 20. Jahrhundert, Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns/ Salzburger Landesarchiv 2006.
- Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, Neustadt/Aisch 2009.
- Fritz Lošek: Notitia Arnonis und Breves Notitiae, in: MGSL 130,1990
- Helga Reindel-Schedl: Laufen an der Salzach, Die alt-salzburgischen Pfleggerichte Laufen, Staufeneck, Teisendorf, Tittmoning und Waging, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Heft 55.
- Hans Roth: Rupertiwinkel, nicht Rupertigau, in: Das Salzfaß 15, 1981.
- Hannes Scheutz (Hg.): Drent und herent, Dialekte im salzburgisch-bayerischen Grenzgebiet, EuRegio Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein 2007.
- Bernhard Schreglmann: Eine Stadt und ihre Teile, Salzburger Nachrichten v.13.06.2009, S. 33.
- Christian Soika (Hg.): Heimatbuch des Landkreises Traunstein, Band 5, Der nördliche Rupertiwinkel, Landkreis Traunstein 1990.
- Max Wieser: Pidinger Heimatbuch, Piding 1985.
- Max Wieser: Schloß Staufeneck, Piding 1978.
- Rainer Wilflinger: Grenzverlauf und Grenzsituation zwischen dem Erzstift Salzburg und Bayern im Bereich des nördlichen Rupertiwinkels, in: Das Salzfass, Historischer Verein Rupertiwinkel, 2002/Heft 2.
- Josef Wysocki: Leben im Berchtesgadener Land 1800-1990, Sparkasse BGL 1991.
- August Hirsch, Bad Reichenhall (Bearbeitung und Textgestaltung).