Erstbesteigung des Großglockners: Unterschied zwischen den Versionen
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| + | [[File:Großglockner Hacquet.jpg|thumb|Der Kupferstich von [[Belsazar Hacquet]] aus dem Jahr 1782 gilt als erste Abbildung des Großglockners.]] | ||
| + | Wohl ist die '''Großglockner Erstbesteigung''' am [[28. Juli]] [[1800]] eine ''Kärntner Sache'' im Grunde gewesen, aber unter Mitwirkung bedeutender Wissenschafter, die in der [[Stadt Salzburg]] tätig waren. Darüber hinaus hat der [[Großglockner (Berg)|Großglockner]] für das [[Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] eine wirtschaftliche Bedeutung durch die [[Großglockner Hochalpenstraße]] und eine geschichtliche Bedeutung im Rahmen des [[Alpinismus]]. | ||
==Wie es zur Erstbesteigung kam== | ==Wie es zur Erstbesteigung kam== | ||
| − | Ob es frühere Versuche als den nachstehenden gab, ist dem Autor dieses Beitrags nicht bekannt. Der aus der Bretagne ([[Frankreich]]) stammende Abenteurer und Wissenschafter [[Belsazar Hacquet|Belsazar Hacquet de la Motte]] war bereits [[1779]] bis zur [[Pasterze]] aufgestiegen, um einen Weg auf den Gipfel des Großglockners zu erkunden. [[1791]] unternahm Sigmund Graf von Hohenwart | + | Ob es frühere Versuche als den nachstehenden gab, ist dem Autor dieses Beitrags nicht bekannt. Der aus der Bretagne ([[Frankreich]]) stammende Abenteurer und Wissenschafter [[Belsazar Hacquet|Belsazar Hacquet de la Motte]] war bereits [[1779]] bis zur [[Pasterze]] aufgestiegen, um einen Weg auf den Gipfel des Großglockners zu erkunden. [[1791]] unternahm Sigmund Graf von Hohenwart, Generalvikar des [[Bistum Gurk|Bistums Gurk]] und ab [[1812]] Bischof von [[Linz]], der Vetter von Franz Josef Graf von Hohenwart, einem Naturwissenschafter und Freund von Hacquet, eine botanische Expedition zur Pasterze. |
| − | Durch die Beziehungen von Hohenwart zu [[Bischof von Gurk]] [[Franz II. Xaver von Salm-Reifferscheidt-Krautheim]] | + | Durch die Beziehungen von Hohenwart zu [[Bischof von Gurk]] [[Franz II. Xaver von Salm-Reifferscheidt-Krautheim]], dem letzten Bischof des Bistums Gurk, der den Titel ''Fürst''bischof trug, wurde das Interesse an einer Besteigung des "Klockners" geweckt. Von Salm begeisterte sich sehr für Wissenschaften und unterstützte zahlreiche wissenschaftliche Projekte. Darunter auch die Erstellung genauer Landkarten. Somit war das Motiv einer Erstbesteigung des höchsten Berges von Österreich ein rein wissenschaftliches: die genaue Vermessung von Höhe und Lage des Berges, sowie geologische und physikalische Untersuchungen. Entsprechend dieser Anforderung wählte von Salm auch die Wissenschafter aus, die ihn bei der Erstbesteigung begleiten sollten. |
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| − | Als | + | Als "Ewige Schande für die Geographie" bezeichnete [[1804]] der Arzt J. A. Schultes in seinem Reiseführer "Reise auf den Glockner" das Nichtvorhandensein einer genauen Karten der [[Glocknergruppe]]. Die damals beste verfügbare Karte stammte von Peter Ainch, einem Bauern aus [[Nordtirol]], der in Anerkennung der außerordentlichen Höhe des Glockners diesen auf seiner Karte als schlanke Spitze eintrug - das war aber auch alles, was dieser aus dem Glocknergebiet eintrug. |
===Erster Versuch 1799=== | ===Erster Versuch 1799=== | ||
| − | Von Salm veranlasste im Frühjahr [[1799]] den [[Pfleger]] im Mölltal, einen begehbaren Weg vom Mölltal aus auf den Sattel unterhalb des Glockners zu finden und auf halbem Weg eine Hütte zu errichten, die spätere [[Salmhütte]]. Der schon vor 20 Jahren von Hacquet entdeckte Weg von [[Heiligenblut]] über das Leitertal wurde dann vorgeschlagen. Auf 2 | + | Von Salm veranlasste im Frühjahr [[1799]] den [[Pfleger]] im Mölltal, einen begehbaren Weg vom Mölltal aus auf den Sattel südöstlich unterhalb des Glockners zu finden und auf halbem Weg eine Hütte zu errichten, die spätere [[Salmhütte]]. Der schon vor 20 Jahren von Hacquet entdeckte Weg von [[Heiligenblut]] über das Leitertal wurde dann vorgeschlagen. Auf 2 638 [[m ü. A.]] errichtete man im Verlauf des Frühjahrs dann die Salmhütte. Von dort wollte man dann über die Hohenwart-Scharte (3 182 m ü. A.) zur [[Adlersruhe]] (3 451 m ü. A.) aufsteigen, von wo aus man den Gipfel (3 798 m ü. A.) angehen wollte. |
| − | Im Juni 1799 wäre es fast den beiden Zimmerer-Brüdern Klotz bei ihrem ersten Erkundungsgang gelungen, den Gipfel zu erklimmen. Aber ein Schneesturm hinderte sie daran und auch ein zweiter Versuch im Juli gelang nicht: das 144 m lange Seil reichte nicht, es fehlte eine zwölf bis 15 m lange Leiter. | + | Im Juni 1799 wäre es fast den beiden Zimmerer-Brüdern Klotz bei ihrem ersten Erkundungsgang gelungen, den Gipfel zu erklimmen. Aber ein Schneesturm hinderte sie daran und auch ein zweiter Versuch im Juli gelang nicht: das 144 m lange Seil reichte nicht, es fehlte eine zwölf bis 15 m lange Leiter. |
| − | Die Salmhütte stand dann Ende Juli 1799 und Anfang August begann man mit dem Transport der nötigen mathematischen Instrumente, die man für die Vermessung brauchte, auf die Salmhütte. Am [[16. August]] reiste der Fürstbischof mit den Herren Sigmund von Hohenwart und seinem Lehrer Franz Freiherr von Wulfen, einem Theologen und Botaniker | + | Die Salmhütte stand dann Ende Juli 1799 und Anfang August begann man mit dem Transport der nötigen mathematischen Instrumente, die man für die Vermessung brauchte, auf die Salmhütte. Am [[16. August]] reiste der Fürstbischof mit den Herren Sigmund von Hohenwart und seinem Lehrer Franz Freiherr von Wulfen, einem Theologen und Botaniker (bekannt geworden mit der ''Wulfenia'') und weiteren fünf Herren, die weiter unten erläutert werden, sowie großem Gefolge an. Drei Tage brauchte man für die 175 km von Klagenfurt nach Heiligenblut in der Kutsche. Am [[19. August]] stieg die "Großexpedition" trotz schlechtem Wetters zur Salmhütte auf. Das Personal bestand aus 30 Personen und dreizehn Pferde. In der Salmhütte kochte Salms Koch ein hervorragendes Abendessen, das u. a. mit einem Fässchen [[Wein]] und Ananas verfeinert wurde - in 2 600 Seehöhe! Aber das schlechte Wetter blieb und nach vier Tagen stieg man wieder nach Heiligenblut ab. |
| − | ==Der Kleinglockner ist nicht der Großglockner== | + | ===Der Kleinglockner ist nicht der Großglockner=== |
| − | Einige der Gesellschaft blieben aber noch und ihnen gelang am [[26. August]] dann doch noch der Aufstieg auf den vermeintlichen "Großglockner", der sich aber bei Vermessungen als der [[Kleinglockner]] herausstellte. Die Erkenntnis dieser Vermessung brachte, dass der bisher angenommene "höchste Gipfel" jener des Kleinglockners war und der Großglocknergipfel 28 Meter höher ist. | + | Einige der Gesellschaft blieben aber noch und ihnen gelang am [[26. August]] dann doch noch der Aufstieg auf den vermeintlichen "Großglockner", der sich aber bei Vermessungen als der [[Kleinglockner]] herausstellte. Die Erkenntnis dieser Vermessung brachte, dass der bisher angenommene "höchste Gipfel" jener des Kleinglockners war und der Großglocknergipfel 28 Meter höher ist. Obwohl also dieser erste Versuch der Besteigung des höchsten Berges von Österreich nicht ganz den erwünschten Erfolg brachte, gab es doch reichlich Erfahrung für Hochgebirgsexpeditionen. So machte man Bekanntschaft mit reinem und stark verschmutztem Quellwasser. Letzteres führte schon damals bekanntermaßen zu Durchfall. Aus Vorsicht trank man daher auch das reine Quellwasser nur vermischt mit Wein. |
| − | + | ==Der Gipfelsieg== | |
| + | Für den Sommer 1800 wurde also eine zweite Expedition vorbereitet. Professor David Hoppe (* [[1760]]; † [[1846]]) von der Universität [[Regensburg]], Arzt und Naturwissenschafter, einer der seinerzeit bedeutendsten Botaniker Europas, [[Ulrich Schiegg]], [[Benediktiner]], Professor für Physik, Mathematik, [[Astronomie]] und Landwirtschaft an der [[Benediktineruniversität Salzburg]] mit seinem Assistenten [[Valentin Stanig]], Erstbesteiger des [[Hoher Göll|Hohen Gölls]] und des [[Watzmann]]s, [[Franz Michael Vierthaler]], Gründer des [[Salzburger Lehrerbildungsanstalt|Salzburger Lehrerseminars]] und Direktor des [[Salzburger Schulgeschichte|Salzburger Schulwesen]]s sowie der Salzburger Chemiker Dr. von Schallhammer, ein reiseerfahrener Mann, waren die Begleiter von Salm. | ||
| − | + | Am [[23. Juli]] 1800 "...reisten zwey Packwägen mit Lebensmitteln, unseren Geräthschaften und Instrumenten in Begleitung des Kammerdieners, Koches und eines Bedienten und Reitknechtes von Klagenfurt ab...". Am [[24. Juli]] reisten auch von Salm, Hohenwart und Wulfen von Klagenfurt ab - das Reisetempo von Kutschen lag damals bei vier bis sieben Kilometer pro Stunde (!). Ankunft in Heiligenblut war dann am 26. Juli wo bereits Hoppe, Vierthaler, Schallhammer, Schiegg und Stanig warteten. Ergänzt wurden die Persönlichkeiten durch die Pfarrer von Dellach im Drautal, Mathias Hautzendorfer, und Rangersdorf, Franz Joseph Orrasch (auch Horasch genannt) sowie Bergrat Dillinger. | |
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| − | Am [[ | + | Am [[26. Juli]] traf die Gesellschaft in Heiligenblut ein und am [[27. Juli]] begann die Karawane ihren neuerlichen Aufstieg gegen den Glocknergipfel und erreichte die Salmhütte. Am nächsten Tag, dem [[28. Juli]] stieg man zur Adlersruhe auf. Bereits in den frühen Morgenstunden war an diesem Tag eine kleine Gruppe der Karawane auf den Gipfel vorausgeeilt: vier Zimmerleute, sowie Pfarrer Hautzendorfer und Stanig, der am Gipfel des Großglockners einen Kasten mit einem Barometer aufstellte, der bis [[1852]] dort stehen sollte. Währenddessen erklommen Vierthaler, Hoppe und Hohenwart den Kleinglockner. |
| − | + | Dass Hautzendorfer der Erste auf dem Gipfel war,<ref>[https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/kunst-kultur/museum/Museen_in_Tirol/Fachartikel_A-Z_2010-2022/Kals-Glocknerhaus_OdM_08-2014_SM.pdf www.tirol.gv.at], pdf</ref> gilt erst seit der Entdeckung eines Expeditionsberichts von Franz Joseph Orrasch im Jahre [[1993]] als gesichert. Aufgrund fehlerhafter Beschreibungen des mit Bischof Salm auf der Adlersruhe zurückgebliebenen Franz Michael Vierthaler galt lange Zeit aus Franz Joseph Orrasch, der nach heutigem Wissensstand nur als erster Teilnehmer den Kleinglockner erreicht hatte, als Erstbesteiger.<ref>Marianne Klemun: ... mit Madame Sonne konferieren. Die Großglockner-Expeditionen 1799 und 1800, S. 163–167. sowie Pusch, Baumgartner: Großglockner, S. 24–25.</ref> | |
| − | Die Hauptarbeiten an diesen Tagen lagen jedoch bei Schiegg, der vor allem die Vermessung des Großglockners erledigte: er berechnete die genaue geografische Länge und Breite, ermittelte den Siedepunkt des Wasser auf der Hohenwart-Scharte (3 182 m ü A.), der bei 92 °C lag | + | Die Hauptarbeiten an diesen Tagen lagen jedoch bei Schiegg, der vor allem die Vermessung des Großglockners erledigte: er berechnete die genaue geografische Länge und Breite, ermittelte den Siedepunkt des Wasser auf der Hohenwart-Scharte (3 182 m ü A.), der bei 92 °C lag - ein halber Liter [[Wasser]], befeuert von einem Weingeistfeuer, brauchte zehn Minuten -, er verglich seinen Ruhepuls (93) mit jenem im Tal (72). Er klärte die genaue Höhe vom [[Wiesbachhorn]] - 134 m niedriger als der Großglockner und anderes mehr. Die Messung des Großglocknergipfels ergab 1 998 Klafter (= 3 653,94 m) oder 11 988 Pariser Fuß. |
| − | Am Nachmittag des 28. Juli wurde noch das das 3,8 m hohe [[Großglockner Gipfelkreuz|Gipfelkreuz]] auf den Gipfel transportiert, das am nächsten Tag, den [[29. Juli]], von den vier Zimmerleuten aufgestellt wurde. | + | Am Nachmittag des 28. Juli wurde noch das das 3,8 m hohe [[Großglockner Gipfelkreuz|Gipfelkreuz]] auf den Gipfel transportiert, das am nächsten Tag, den [[29. Juli]], von den vier Zimmerleuten, den Brüdern Martin und Sepp Klotz, Martin Reicher mit einem unbekannten Zimmermann,<ref>[https://www.hikr.org/gallery/photo582636.html www.hikr.org]</ref> aufgestellt wurde. |
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* [[Salzburger Intelligenzblatt]] vom 23. August 1800 (siehe [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibs&datum=18000823&seite=1&zoom=33&query=%22Glockner%22&ref=anno-search ANNO-Suche Ergebnis] | * [[Salzburger Intelligenzblatt]] vom 23. August 1800 (siehe [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibs&datum=18000823&seite=1&zoom=33&query=%22Glockner%22&ref=anno-search ANNO-Suche Ergebnis] | ||
* [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150418&query=%22Erstbesteigung+des+Gro%c3%9fglockners%22&ref=anno-search&seite=10 ANNO], [[Salzburger Chronik]], Ausgabe vom 18. April 1915, Seite 10, ''Die Erstbesteigung des Großglockners'' | * [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150418&query=%22Erstbesteigung+des+Gro%c3%9fglockners%22&ref=anno-search&seite=10 ANNO], [[Salzburger Chronik]], Ausgabe vom 18. April 1915, Seite 10, ''Die Erstbesteigung des Großglockners'' | ||
| + | * [https://kaernten.orf.at/radio/stories/3314728/ kaernten.orf.at], 27. Juli 2025: "225 Jahre Großglockner-Erstbesteigung" | ||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
Version vom 27. Juli 2025, 10:04 Uhr
Wohl ist die Großglockner Erstbesteigung am 28. Juli 1800 eine Kärntner Sache im Grunde gewesen, aber unter Mitwirkung bedeutender Wissenschafter, die in der Stadt Salzburg tätig waren. Darüber hinaus hat der Großglockner für das Land Salzburg eine wirtschaftliche Bedeutung durch die Großglockner Hochalpenstraße und eine geschichtliche Bedeutung im Rahmen des Alpinismus.
Wie es zur Erstbesteigung kam
Ob es frühere Versuche als den nachstehenden gab, ist dem Autor dieses Beitrags nicht bekannt. Der aus der Bretagne (Frankreich) stammende Abenteurer und Wissenschafter Belsazar Hacquet de la Motte war bereits 1779 bis zur Pasterze aufgestiegen, um einen Weg auf den Gipfel des Großglockners zu erkunden. 1791 unternahm Sigmund Graf von Hohenwart, Generalvikar des Bistums Gurk und ab 1812 Bischof von Linz, der Vetter von Franz Josef Graf von Hohenwart, einem Naturwissenschafter und Freund von Hacquet, eine botanische Expedition zur Pasterze.
Durch die Beziehungen von Hohenwart zu Bischof von Gurk Franz II. Xaver von Salm-Reifferscheidt-Krautheim, dem letzten Bischof des Bistums Gurk, der den Titel Fürstbischof trug, wurde das Interesse an einer Besteigung des "Klockners" geweckt. Von Salm begeisterte sich sehr für Wissenschaften und unterstützte zahlreiche wissenschaftliche Projekte. Darunter auch die Erstellung genauer Landkarten. Somit war das Motiv einer Erstbesteigung des höchsten Berges von Österreich ein rein wissenschaftliches: die genaue Vermessung von Höhe und Lage des Berges, sowie geologische und physikalische Untersuchungen. Entsprechend dieser Anforderung wählte von Salm auch die Wissenschafter aus, die ihn bei der Erstbesteigung begleiten sollten.
"Ewige Schande für die Geographie"
Als "Ewige Schande für die Geographie" bezeichnete 1804 der Arzt J. A. Schultes in seinem Reiseführer "Reise auf den Glockner" das Nichtvorhandensein einer genauen Karten der Glocknergruppe. Die damals beste verfügbare Karte stammte von Peter Ainch, einem Bauern aus Nordtirol, der in Anerkennung der außerordentlichen Höhe des Glockners diesen auf seiner Karte als schlanke Spitze eintrug - das war aber auch alles, was dieser aus dem Glocknergebiet eintrug.
Erster Versuch 1799
Von Salm veranlasste im Frühjahr 1799 den Pfleger im Mölltal, einen begehbaren Weg vom Mölltal aus auf den Sattel südöstlich unterhalb des Glockners zu finden und auf halbem Weg eine Hütte zu errichten, die spätere Salmhütte. Der schon vor 20 Jahren von Hacquet entdeckte Weg von Heiligenblut über das Leitertal wurde dann vorgeschlagen. Auf 2 638 m ü. A. errichtete man im Verlauf des Frühjahrs dann die Salmhütte. Von dort wollte man dann über die Hohenwart-Scharte (3 182 m ü. A.) zur Adlersruhe (3 451 m ü. A.) aufsteigen, von wo aus man den Gipfel (3 798 m ü. A.) angehen wollte.
Im Juni 1799 wäre es fast den beiden Zimmerer-Brüdern Klotz bei ihrem ersten Erkundungsgang gelungen, den Gipfel zu erklimmen. Aber ein Schneesturm hinderte sie daran und auch ein zweiter Versuch im Juli gelang nicht: das 144 m lange Seil reichte nicht, es fehlte eine zwölf bis 15 m lange Leiter.
Die Salmhütte stand dann Ende Juli 1799 und Anfang August begann man mit dem Transport der nötigen mathematischen Instrumente, die man für die Vermessung brauchte, auf die Salmhütte. Am 16. August reiste der Fürstbischof mit den Herren Sigmund von Hohenwart und seinem Lehrer Franz Freiherr von Wulfen, einem Theologen und Botaniker (bekannt geworden mit der Wulfenia) und weiteren fünf Herren, die weiter unten erläutert werden, sowie großem Gefolge an. Drei Tage brauchte man für die 175 km von Klagenfurt nach Heiligenblut in der Kutsche. Am 19. August stieg die "Großexpedition" trotz schlechtem Wetters zur Salmhütte auf. Das Personal bestand aus 30 Personen und dreizehn Pferde. In der Salmhütte kochte Salms Koch ein hervorragendes Abendessen, das u. a. mit einem Fässchen Wein und Ananas verfeinert wurde - in 2 600 Seehöhe! Aber das schlechte Wetter blieb und nach vier Tagen stieg man wieder nach Heiligenblut ab.
Der Kleinglockner ist nicht der Großglockner
Einige der Gesellschaft blieben aber noch und ihnen gelang am 26. August dann doch noch der Aufstieg auf den vermeintlichen "Großglockner", der sich aber bei Vermessungen als der Kleinglockner herausstellte. Die Erkenntnis dieser Vermessung brachte, dass der bisher angenommene "höchste Gipfel" jener des Kleinglockners war und der Großglocknergipfel 28 Meter höher ist. Obwohl also dieser erste Versuch der Besteigung des höchsten Berges von Österreich nicht ganz den erwünschten Erfolg brachte, gab es doch reichlich Erfahrung für Hochgebirgsexpeditionen. So machte man Bekanntschaft mit reinem und stark verschmutztem Quellwasser. Letzteres führte schon damals bekanntermaßen zu Durchfall. Aus Vorsicht trank man daher auch das reine Quellwasser nur vermischt mit Wein.
Der Gipfelsieg
Für den Sommer 1800 wurde also eine zweite Expedition vorbereitet. Professor David Hoppe (* 1760; † 1846) von der Universität Regensburg, Arzt und Naturwissenschafter, einer der seinerzeit bedeutendsten Botaniker Europas, Ulrich Schiegg, Benediktiner, Professor für Physik, Mathematik, Astronomie und Landwirtschaft an der Benediktineruniversität Salzburg mit seinem Assistenten Valentin Stanig, Erstbesteiger des Hohen Gölls und des Watzmanns, Franz Michael Vierthaler, Gründer des Salzburger Lehrerseminars und Direktor des Salzburger Schulwesens sowie der Salzburger Chemiker Dr. von Schallhammer, ein reiseerfahrener Mann, waren die Begleiter von Salm.
Am 23. Juli 1800 "...reisten zwey Packwägen mit Lebensmitteln, unseren Geräthschaften und Instrumenten in Begleitung des Kammerdieners, Koches und eines Bedienten und Reitknechtes von Klagenfurt ab...". Am 24. Juli reisten auch von Salm, Hohenwart und Wulfen von Klagenfurt ab - das Reisetempo von Kutschen lag damals bei vier bis sieben Kilometer pro Stunde (!). Ankunft in Heiligenblut war dann am 26. Juli wo bereits Hoppe, Vierthaler, Schallhammer, Schiegg und Stanig warteten. Ergänzt wurden die Persönlichkeiten durch die Pfarrer von Dellach im Drautal, Mathias Hautzendorfer, und Rangersdorf, Franz Joseph Orrasch (auch Horasch genannt) sowie Bergrat Dillinger.
Am 26. Juli traf die Gesellschaft in Heiligenblut ein und am 27. Juli begann die Karawane ihren neuerlichen Aufstieg gegen den Glocknergipfel und erreichte die Salmhütte. Am nächsten Tag, dem 28. Juli stieg man zur Adlersruhe auf. Bereits in den frühen Morgenstunden war an diesem Tag eine kleine Gruppe der Karawane auf den Gipfel vorausgeeilt: vier Zimmerleute, sowie Pfarrer Hautzendorfer und Stanig, der am Gipfel des Großglockners einen Kasten mit einem Barometer aufstellte, der bis 1852 dort stehen sollte. Währenddessen erklommen Vierthaler, Hoppe und Hohenwart den Kleinglockner.
Dass Hautzendorfer der Erste auf dem Gipfel war,[1] gilt erst seit der Entdeckung eines Expeditionsberichts von Franz Joseph Orrasch im Jahre 1993 als gesichert. Aufgrund fehlerhafter Beschreibungen des mit Bischof Salm auf der Adlersruhe zurückgebliebenen Franz Michael Vierthaler galt lange Zeit aus Franz Joseph Orrasch, der nach heutigem Wissensstand nur als erster Teilnehmer den Kleinglockner erreicht hatte, als Erstbesteiger.[2]
Die Hauptarbeiten an diesen Tagen lagen jedoch bei Schiegg, der vor allem die Vermessung des Großglockners erledigte: er berechnete die genaue geografische Länge und Breite, ermittelte den Siedepunkt des Wasser auf der Hohenwart-Scharte (3 182 m ü A.), der bei 92 °C lag - ein halber Liter Wasser, befeuert von einem Weingeistfeuer, brauchte zehn Minuten -, er verglich seinen Ruhepuls (93) mit jenem im Tal (72). Er klärte die genaue Höhe vom Wiesbachhorn - 134 m niedriger als der Großglockner und anderes mehr. Die Messung des Großglocknergipfels ergab 1 998 Klafter (= 3 653,94 m) oder 11 988 Pariser Fuß.
Am Nachmittag des 28. Juli wurde noch das das 3,8 m hohe Gipfelkreuz auf den Gipfel transportiert, das am nächsten Tag, den 29. Juli, von den vier Zimmerleuten, den Brüdern Martin und Sepp Klotz, Martin Reicher mit einem unbekannten Zimmermann,[3] aufgestellt wurde.
Am 30. Juli stieg dann die gesamte Expedition wieder nach Heiligenblut ab.
Weblinks
- anno, Salzburger Intelligenzblatt, Ausgabe vom 23. August 1800, darin kann man barometrische und Höhenmessungen aus dem Jahr der Erstbesteigung nachlesen
Quellen
- Großglockner Saumpfad Römerweg Hochalpenstraße
- Salzburger Intelligenzblatt vom 23. August 1800 (siehe ANNO-Suche Ergebnis
- ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 18. April 1915, Seite 10, Die Erstbesteigung des Großglockners
- kaernten.orf.at, 27. Juli 2025: "225 Jahre Großglockner-Erstbesteigung"
Einzelnachweise
- ↑ www.tirol.gv.at, pdf
- ↑ Marianne Klemun: ... mit Madame Sonne konferieren. Die Großglockner-Expeditionen 1799 und 1800, S. 163–167. sowie Pusch, Baumgartner: Großglockner, S. 24–25.
- ↑ www.hikr.org