Augustiner Bräustübl Mülln: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | Das '''Augustiner Bräustübl Mülln''' (auch ''Müllner Bräustübl'') ist eine aus | + | [[Bild:Logo Augustiner Bräu.jpg|thumb|Emblem des Bräustübls]] |
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| + | [[Datei:Augustiner Bräu, westliche Panoramaansicht .jpg|thumb|Augustiner Bräu, westliche Panoramaansicht]] | ||
| + | [[Datei:Stadtansicht von Kulstrunk 1916 Mülln Detail.jpg|thumb|[[Stadtansicht von Kulstrunk]], Bildmitte das Augustiner Bräustübl und die Brauerei, rechts ein Eisteich.]] | ||
| + | [[Datei:Abgang ins müllner bräustübl.jpg|thumb|Verbindungsstiege von der [[Augustinergasse (Salzburg)|Augustinergasse]] ins Bräustübl]] | ||
| + | Das '''Augustiner Bräustübl Mülln''' (auch ''Müllner Bräustübl'') ist eine aus Salzburg-Stadt nicht mehr wegzudenkende Institution Stadtteil [[Mülln]] im ehemaligen [[Augustinerkloster Salzburg]]. Es ist das einzige [[Bräustübl]] in der Stadt Salzburg, in das man sich noch selbst die Jause mitnehmen darf. Es wird von der [[Augustiner Bräu Kloster Mülln OG]] betrieben. Das Gebäude zählt zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützten Objekten]] in der [[Stadt Salzburg]]. | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
| − | Als [[ | + | Als [[Erzbischof#Fürsterzbischöfe|Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]] [[1605]] aus München ([[Bayern]]) die [[Augustiner-Eremiten-Kloster Salzburg|Augustiner-Eremiten]] nach Salzburg holte, brachten diese noch etwas Wichtiges im Zusammenhang mit München und den Augustiner-Eremiten nach Salzburg: das [[Bier]]brauen verstanden sie sehr gut (noch heute ist es in München die älteste Münchner Braustätte). [[1621]] eröffnete also das "Augustiner Bräu". Der Verkauf des Bieres erfolgte aber auch an der Klosterpforte. Und bald besaßen die Augustiner-Eremiten so viel Geld, dass sie das in Mülln gelegene [[Wirtshaus am Bach]], das auch eine Fleischhauerei besaß, erwerben konnten. [[1663]] folgte noch das "Wirtshaus zum Schwarzen Bären", der heutige [[Bärenwirt (Stadt Salzburg)|Bärenwirt]] beim [[Bärengässchen]] – ebenfalls noch heute im Besitz der Mönche. |
| − | Doch nach einer Blütezeit des Klosters und Bräus erfolgte im Zuge der Aufklärung Ende des [[ | + | Doch nach einer Blütezeit des Klosters und Bräus erfolgte im Zuge der Aufklärung Ende des [[18. Jahrhundert]]s ein Niedergang. Der Nachwuchs blieb aus und die in Salzburg einmarschierenden [[Salzburg unter Napoleon|napoleonischen Truppen]] besetzten das riesige Gebäude für ihre Einheiten. Kaum waren die Franzosen abgezogen, brauchte es der in Salzburg regierende [[Kurfürstentum Salzburg|Kurfürst]] [[Ferdinand III. von Toskana]] für das [[Regiment Jordis]]. |
| − | Bis [[1851]] dauerte dann die Nutzung als Kaserne. Dann war es Erzbischof [[Augustin Johann Joseph Gruber|Augustin Gruber]], der einen Neubeginn einleitete. Zunächst versuchte er über das Mutterhaus der Augustiner Nachwuchs nach Salzburg zu bekommen. Doch dieses sah sich außerstande das Kloster mit | + | Bis [[1851]] dauerte dann die Nutzung als Kaserne. Dann war es Erzbischof [[Augustin Johann Joseph Gruber|Augustin Gruber]], der einen Neubeginn einleitete. Zunächst versuchte er über das Mutterhaus der Augustiner Nachwuchs nach Salzburg zu bekommen. Doch dieses sah sich außerstande das Kloster mit Patres zu besetzen. Daher wandte sich der Erzbischof an die [[Benediktinerabtei Michaelbeuern]], die gerade wirtschaftlich hart zu kämpfen hatte. Am [[9. Juni]] [[1835]] übernahm dann die Benediktinerabtei Michaelbeuern Kloster und Bräu in Mülln. Als 1851 das Militär ausgezogen war, wurden Teile der Gebäude zu Mietwohnungen umgebaut. Die Erweiterung des Gastgartens, genannt "Gambrinushain", aber brachte den Durchbruch bei der Salzburger Bevölkerung. Regelrecht gestürmt wurde das 'Augustiner Bräu sonn- und feiertags. |
| − | + | Die Mönche aus [[Michaelbeuern]] investierten auch kräftig. So entstand dann [[1912]] das Brauhaus, wie es heute noch steht. Pro Jahr werden dort etwa 9 000 Hektoliter [[Bier]] gebraut, das nach wie vor aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser besteht. Es wird nicht pasteurisiert, was die Haltbarkeit zwar begrenzt, aber neben den 70 Prozent in Fässern gelagerten Bier gehen die restlichen 30 Prozent über Ladentische ausgewählter Betriebe – und zwar sehr schnell, denn das Augustiner Bier ist auch heute noch etwas Besonderes. | |
| − | + | Nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] beherbergte das beschlagnahmte Bräustübl ein [[Displaced Persons|jüdisches Flüchtlingslager]] und eine jüdische Berufsschule. Am [[3. Mai]] [[1949]] wurde es in österreichische Verwaltung übergeben und eröffnete wieder am Pfingstsamstag, den [[4. Juni]] 1949. Eine wahre Völkerwanderung setzte an diesem Tag zum Bräu ein und am Abend waren 2 056 Liter Bier ausgeschenkt. In diesem Jahr erwarben die [[Benediktiner]] auch das [[Gasthaus Krimpelstätter]], das schon seit [[1548]] bestand. Der letzte Schritt zur noch heute bestehenden Autarkie war der Erwerb einer alten [[Fasspicherei]], die dann im Brauhaus aufgestellt wurde. So werden nun im Haus die Holzfässer innen geharzt, was man gepicht nennt. | |
| − | + | Neben dem Märzenbier werden ausschließlich von [[Aschermittwoch]] bis Ostern das [[Fastenbier]] und von [[Advent]] bis [[Weihnachten]] das Weihnachtsbockbier gebraut und ausgeschenkt. Beide Biere haben jeweils eine höhere Stammwürze und einen etwas höheren Alkoholgehalt. | |
| − | + | === 2004: Großbrand === | |
| + | Am [[29. Juni]] [[2004]] brach um 19:30 Uhr im Dachstuhl im Bräustübl ein [[Brände in der Stadt Salzburg|Großbrand]] aus. Die Brandstelle lag in einem Bereich, wo gerade das Dach erneuert wurde. Sie konnte rasch lokalisiert werden und um 21:30 Uhr hieß es "Brand aus". Rund 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz, verletzt wurde niemand.<ref>{{Quelle SN|30. Juni 2004, Titelseite und Seite 5}}</ref> | ||
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| + | === Das Bräustübl im Corona-Jahr === | ||
| + | Aufgrund der [[Infektionskrankheit Covid-19]] (Corona) musste das Bräustübl bei seiner Wiedereröffnung am [[15. Mai]] [[2020]] einige Änderungen vornehmen. Anstelle von normalerweise 1 500 Gästen konnten im Gastgarten des Müllner Bräustübls ab [[15. Mai]] nur 500 Platz nehmen. In den Räumen im Bräustübl waren es nur 400 statt 1 100. Das bedeutete, dass die Zahl der Gäste um fast ein Drittel auf knapp 38 Prozent reduziert werden musste. Rund 600 000 Besucher zählt das Traditionshaus pro Jahr - da sind nur jene gezählt, die ihr Bier an der Kassa bezahlen und anschließend selbst an der Schank abholen. Man hoffte, dass möglichst viele Gäste ihre Getränke künftig am Tisch bestellen, damit die Abstandsvorgaben eingehalten werden können. Sich das Bier selbst abzuholen werde aber weiterhin möglich sein. Rund 1 400 Hektoliter Bier monatlich werden im Müllner Bräu durchschnittlich verkauft - etwa die Hälfte davon über den Rampenverkauf. Dort habe man in den vergangenen Wochen trotz eingeschränkter Öffnungszeiten Zuwächse verbucht.<ref>[[Salzburger Nachrichten]] vom [https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/muellner-braeustuebl-in-salzburg-muss-zahl-der-gaeste-drosseln-87124501 5. Mai 2020]</ref> | ||
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| + | === 2022: Eigene Briefmarke === | ||
| + | [[Datei:Augustiner Bräustübl Mülln Sonderbriefmarke 2022.jpg|thumb|left|Augustiner Bräustübl Mülln Sonderbriefmarke 2022]] | ||
| + | Das Augustiner Bräustübl erhielt seine eigene Sonderbriefmarke. Veröffentlicht wurde diese am [[10. Juni]] [[2022]]. | ||
==Daten und Öffnungszeiten== | ==Daten und Öffnungszeiten== | ||
| − | Das ''Müllner Bräustübl'' ist heute die größte Biergaststätte Österreichs (mit über | + | [[Datei:Müller Bräustübl, Gastgarten Panoramabild.jpg|thumb|Müllner Bräustübl, Gastgarten Panoramabild]] |
| + | Das ''Müllner Bräustübl'' ist heute die größte Biergaststätte Österreichs (mit über 5 000 m² Nutzfläche) und bietet seinen Gästen darüber hinaus im schattigen Gastgarten weitere 1 500 Sitzgelegenheiten. | ||
Das Bräustübl ist täglich geöffnet: | Das Bräustübl ist täglich geöffnet: | ||
: Montag bis Freitag von 15 bis 23 Uhr. | : Montag bis Freitag von 15 bis 23 Uhr. | ||
| − | : Samstag, Sonn- und Feiertag von 14 | + | : Samstag, Sonn- und Feiertag von 14:30 bis 23 Uhr. |
| − | Bis zu 400 Parkplätze für | + | Bis zu 400 Parkplätze für Pkw und Reisebusse sind auf dem [[Parkplatz Augustiner Bräu]] vorhanden. Auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Müllnerbräu einfach zu erreichen ([[Landeskrankenhaus (Haltestelle)]] sowie die [[S-Bahn Salzburg|S-Bahnlinie]] {{Symbol-S-Bahn|S3|#19B24B}}). Für sportliche Gäste steht ein Fahrradabstellplatz zur Verfügung. Und für Kinder gibt es eine Spielecke im Gastgarten. Weiters steht ein Wickeltisch im Garten-WC zur Verfügung. |
==Säle== | ==Säle== | ||
| + | [[Datei:Strockhammersaal.jpg|thumb|Stockhammersaal]] | ||
* Stockhamersaal mit 270 bis 380 Sitzplätzen | * Stockhamersaal mit 270 bis 380 Sitzplätzen | ||
* Augustinersaal, eröffnet [[1911]], dieser Saal ist ein Nichtrauchersaal mit 200 bis 240 Sitzplätzen | * Augustinersaal, eröffnet [[1911]], dieser Saal ist ein Nichtrauchersaal mit 200 bis 240 Sitzplätzen | ||
* Gambrinussaal mit 260 bis 300 Sitzplätzen | * Gambrinussaal mit 260 bis 300 Sitzplätzen | ||
* Michaelbeuernstüberl mit 30 Plätzen | * Michaelbeuernstüberl mit 30 Plätzen | ||
| − | * Lehrerstüberl mit 40 Plätzen, dieses Stüberl verdankt seinen Namen der ursprünglichen Nutzung: bis Ende der [[1950er]] Jahre war hier das Konferenzzimmer der angrenzenden Schule beheimatet | + | * Lehrerstüberl mit 40 Plätzen, dieses Stüberl verdankt seinen Namen der ursprünglichen Nutzung: bis Ende der [[1950er]]-Jahre war hier das Konferenzzimmer der angrenzenden Schule beheimatet |
| − | * Schlappstüberl: In einem stilleren Eck des Augustiner Bräustübls befindet sich ein kleines Extrazimmer – das Schlappstüberl, die Heimat eines der ältesten existierenden Vereine Salzburgs – der [[Schlappgesellschaft]]. Dieses Stüberl ist ausschließlich für diesen Verein reserviert | + | * Schlappstüberl: In einem stilleren Eck des Augustiner Bräustübls befindet sich ein kleines Extrazimmer – das Schlappstüberl, die Heimat eines der ältesten existierenden Vereine Salzburgs – der [[Schlappgesellschaft]]. Dieses Stüberl ist ausschließlich für diesen Verein reserviert |
| + | * [[Abt Nicolaus-Saal]]; der ehemalige [[Marmorsaal des Salzburger Hauptbahnhofs]], 150 Sitzplätze | ||
==Quellen== | ==Quellen== | ||
| − | * ''Salzburger Miniaturen 3'' | + | * [[Karl Heinz Ritschel|Ritschel, Karl Heinz]]: ''Salzburger Miniaturen 3'', 2004, [[Otto Müller Verlag]], ISBN 3-7013-1086-6 |
| + | * [[Harald Waitzbauer|Waitzbauer, Harald]] (Red.): ''375 Jahre Augustiner Bräu Kloster Mülln in Salzburg'', Salzburg, 1996, ISBN 3-9500518-001-8 | ||
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| + | Datei:Augustiner Bier.jpg|Augustiner Bier im Original-Bierkrug. | ||
| + | Datei:Johann Piger, Christus mit Dornenkrone, Augustiner Bräu Mülln.jpg|''Christus mit der Dornenkrone'' von [[Johann Piger]] im Augustinersaal. | ||
| + | Datei:Die Bühne 1934 34.jpg|Blicke in das Augustiner Bräustübl zum Verkauf von ''[[Rettiche|Radi]], [[Ei]]er und Laberl'' sowie der Schrank mit den [[Bier]]<nowiki>krügen</nowiki> im [[Salzburger Festspiele 1934|Festspielsommer 1934]]. | ||
| + | Die Bühne 1934 31.jpg|Bierausschank und Schrank mit den Bierkrügen im [[Salzburger Festspiele 1934|Festspielsommer 1934]]. | ||
| + | Datei:Augustiner Bräustübl Mülln Risch-Lau.jpg|Eine Aufnahme aus den 1950er- oder 1960er-Jahren, man beachte den noch kleinen Parkplatz. | ||
| + | Augustiner Bräustübl Mülln um 1925.jpg|Aufnahmen um 1925. | ||
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Aktuelle Version vom 7. Februar 2025, 09:46 Uhr
Das Augustiner Bräustübl Mülln (auch Müllner Bräustübl) ist eine aus Salzburg-Stadt nicht mehr wegzudenkende Institution Stadtteil Mülln im ehemaligen Augustinerkloster Salzburg. Es ist das einzige Bräustübl in der Stadt Salzburg, in das man sich noch selbst die Jause mitnehmen darf. Es wird von der Augustiner Bräu Kloster Mülln OG betrieben. Das Gebäude zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt Salzburg.
Geschichte
Als Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau 1605 aus München (Bayern) die Augustiner-Eremiten nach Salzburg holte, brachten diese noch etwas Wichtiges im Zusammenhang mit München und den Augustiner-Eremiten nach Salzburg: das Bierbrauen verstanden sie sehr gut (noch heute ist es in München die älteste Münchner Braustätte). 1621 eröffnete also das "Augustiner Bräu". Der Verkauf des Bieres erfolgte aber auch an der Klosterpforte. Und bald besaßen die Augustiner-Eremiten so viel Geld, dass sie das in Mülln gelegene Wirtshaus am Bach, das auch eine Fleischhauerei besaß, erwerben konnten. 1663 folgte noch das "Wirtshaus zum Schwarzen Bären", der heutige Bärenwirt beim Bärengässchen – ebenfalls noch heute im Besitz der Mönche.
Doch nach einer Blütezeit des Klosters und Bräus erfolgte im Zuge der Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts ein Niedergang. Der Nachwuchs blieb aus und die in Salzburg einmarschierenden napoleonischen Truppen besetzten das riesige Gebäude für ihre Einheiten. Kaum waren die Franzosen abgezogen, brauchte es der in Salzburg regierende Kurfürst Ferdinand III. von Toskana für das Regiment Jordis.
Bis 1851 dauerte dann die Nutzung als Kaserne. Dann war es Erzbischof Augustin Gruber, der einen Neubeginn einleitete. Zunächst versuchte er über das Mutterhaus der Augustiner Nachwuchs nach Salzburg zu bekommen. Doch dieses sah sich außerstande das Kloster mit Patres zu besetzen. Daher wandte sich der Erzbischof an die Benediktinerabtei Michaelbeuern, die gerade wirtschaftlich hart zu kämpfen hatte. Am 9. Juni 1835 übernahm dann die Benediktinerabtei Michaelbeuern Kloster und Bräu in Mülln. Als 1851 das Militär ausgezogen war, wurden Teile der Gebäude zu Mietwohnungen umgebaut. Die Erweiterung des Gastgartens, genannt "Gambrinushain", aber brachte den Durchbruch bei der Salzburger Bevölkerung. Regelrecht gestürmt wurde das 'Augustiner Bräu sonn- und feiertags.
Die Mönche aus Michaelbeuern investierten auch kräftig. So entstand dann 1912 das Brauhaus, wie es heute noch steht. Pro Jahr werden dort etwa 9 000 Hektoliter Bier gebraut, das nach wie vor aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser besteht. Es wird nicht pasteurisiert, was die Haltbarkeit zwar begrenzt, aber neben den 70 Prozent in Fässern gelagerten Bier gehen die restlichen 30 Prozent über Ladentische ausgewählter Betriebe – und zwar sehr schnell, denn das Augustiner Bier ist auch heute noch etwas Besonderes.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte das beschlagnahmte Bräustübl ein jüdisches Flüchtlingslager und eine jüdische Berufsschule. Am 3. Mai 1949 wurde es in österreichische Verwaltung übergeben und eröffnete wieder am Pfingstsamstag, den 4. Juni 1949. Eine wahre Völkerwanderung setzte an diesem Tag zum Bräu ein und am Abend waren 2 056 Liter Bier ausgeschenkt. In diesem Jahr erwarben die Benediktiner auch das Gasthaus Krimpelstätter, das schon seit 1548 bestand. Der letzte Schritt zur noch heute bestehenden Autarkie war der Erwerb einer alten Fasspicherei, die dann im Brauhaus aufgestellt wurde. So werden nun im Haus die Holzfässer innen geharzt, was man gepicht nennt.
Neben dem Märzenbier werden ausschließlich von Aschermittwoch bis Ostern das Fastenbier und von Advent bis Weihnachten das Weihnachtsbockbier gebraut und ausgeschenkt. Beide Biere haben jeweils eine höhere Stammwürze und einen etwas höheren Alkoholgehalt.
2004: Großbrand
Am 29. Juni 2004 brach um 19:30 Uhr im Dachstuhl im Bräustübl ein Großbrand aus. Die Brandstelle lag in einem Bereich, wo gerade das Dach erneuert wurde. Sie konnte rasch lokalisiert werden und um 21:30 Uhr hieß es "Brand aus". Rund 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz, verletzt wurde niemand.[1]
Das Bräustübl im Corona-Jahr
Aufgrund der Infektionskrankheit Covid-19 (Corona) musste das Bräustübl bei seiner Wiedereröffnung am 15. Mai 2020 einige Änderungen vornehmen. Anstelle von normalerweise 1 500 Gästen konnten im Gastgarten des Müllner Bräustübls ab 15. Mai nur 500 Platz nehmen. In den Räumen im Bräustübl waren es nur 400 statt 1 100. Das bedeutete, dass die Zahl der Gäste um fast ein Drittel auf knapp 38 Prozent reduziert werden musste. Rund 600 000 Besucher zählt das Traditionshaus pro Jahr - da sind nur jene gezählt, die ihr Bier an der Kassa bezahlen und anschließend selbst an der Schank abholen. Man hoffte, dass möglichst viele Gäste ihre Getränke künftig am Tisch bestellen, damit die Abstandsvorgaben eingehalten werden können. Sich das Bier selbst abzuholen werde aber weiterhin möglich sein. Rund 1 400 Hektoliter Bier monatlich werden im Müllner Bräu durchschnittlich verkauft - etwa die Hälfte davon über den Rampenverkauf. Dort habe man in den vergangenen Wochen trotz eingeschränkter Öffnungszeiten Zuwächse verbucht.[2]
2022: Eigene Briefmarke
Das Augustiner Bräustübl erhielt seine eigene Sonderbriefmarke. Veröffentlicht wurde diese am 10. Juni 2022.
Daten und Öffnungszeiten
Das Müllner Bräustübl ist heute die größte Biergaststätte Österreichs (mit über 5 000 m² Nutzfläche) und bietet seinen Gästen darüber hinaus im schattigen Gastgarten weitere 1 500 Sitzgelegenheiten.
Das Bräustübl ist täglich geöffnet:
- Montag bis Freitag von 15 bis 23 Uhr.
- Samstag, Sonn- und Feiertag von 14:30 bis 23 Uhr.
Bis zu 400 Parkplätze für Pkw und Reisebusse sind auf dem Parkplatz Augustiner Bräu vorhanden. Auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Müllnerbräu einfach zu erreichen (Landeskrankenhaus (Haltestelle) sowie die S-Bahnlinie S3). Für sportliche Gäste steht ein Fahrradabstellplatz zur Verfügung. Und für Kinder gibt es eine Spielecke im Gastgarten. Weiters steht ein Wickeltisch im Garten-WC zur Verfügung.
Säle
- Stockhamersaal mit 270 bis 380 Sitzplätzen
- Augustinersaal, eröffnet 1911, dieser Saal ist ein Nichtrauchersaal mit 200 bis 240 Sitzplätzen
- Gambrinussaal mit 260 bis 300 Sitzplätzen
- Michaelbeuernstüberl mit 30 Plätzen
- Lehrerstüberl mit 40 Plätzen, dieses Stüberl verdankt seinen Namen der ursprünglichen Nutzung: bis Ende der 1950er-Jahre war hier das Konferenzzimmer der angrenzenden Schule beheimatet
- Schlappstüberl: In einem stilleren Eck des Augustiner Bräustübls befindet sich ein kleines Extrazimmer – das Schlappstüberl, die Heimat eines der ältesten existierenden Vereine Salzburgs – der Schlappgesellschaft. Dieses Stüberl ist ausschließlich für diesen Verein reserviert
- Abt Nicolaus-Saal; der ehemalige Marmorsaal des Salzburger Hauptbahnhofs, 150 Sitzplätze
Quellen
- Ritschel, Karl Heinz: Salzburger Miniaturen 3, 2004, Otto Müller Verlag, ISBN 3-7013-1086-6
- Waitzbauer, Harald (Red.): 375 Jahre Augustiner Bräu Kloster Mülln in Salzburg, Salzburg, 1996, ISBN 3-9500518-001-8
Bildergalerie
Christus mit der Dornenkrone von Johann Piger im Augustinersaal.
Blicke in das Augustiner Bräustübl zum Verkauf von Radi, Eier und Laberl sowie der Schrank mit den Bierkrügen im Festspielsommer 1934.
Bierausschank und Schrank mit den Bierkrügen im Festspielsommer 1934.
weitere Bilder
Augustiner Bräustübl Mülln – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Quelle
Einzelnachweise
- ↑ "Salzburger Nachrichten", 30. Juni 2004, Titelseite und Seite 5
- ↑ Salzburger Nachrichten vom 5. Mai 2020