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'''Phyllonorycter salicicolella''' (''Argyromiges salicicolella'' Sircom, 1848) ist eine Art aus der Ordnung [[Lepidoptera]], Familie [[Gracillariidae]].
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'''Phyllonorycter salicicolella''' (''Argyromiges salicicolella'' Sircom, 1848: 2271-2272) ist eine [[Glossar Biologie#A|Art]] aus der [[Glossar Biologie#O|Ordnung]] [[Lepidoptera]] (Schmetterlinge), [[Glossar Biologie#F|Familie]] [[Gracillariidae]] (Miniermotten oder Blatt-Tütenmotten).
  
==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie==
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==Diagnose==
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''P. salicicolella'' ist habituell nicht immer sicher anzusprechen, ebensowenig die Minen an breitblättrigen Weiden. Auch eine Genitaluntersuchung erlaubt keine sichere Zuordnung. Typisch gezeichnete Exemplare besitzen eine etwas gewellte weiße Basallinie und stark nach außen gebogene, bzw. geknickte erste weiße Häkchen an Vorderrand und Innenrand. Es gibt aber auch Exemplare mit einer feinen weißen, gewellten Basallinie, und die beiden ersten weißen Häkchen an Vorder- und Innenrand sind über einen weißen Fleck bzw. eine Verlängerung des Innenrandsflecks nach außen zu einer stark gewinkelten Binde verbunden.
  
Das Vorkommen von ''P. salicicolella'' in Salzburg ist bisher nicht sicher belegt (Kurz & Embacher 2019). Lediglich ein stark abgeflogens Weibchen aus [[Thalgau]] (Zone I, [[Alpenvorland]] und [[Flyschzone]] nach Embacher et al. 2011) vom 2.6.1987 ist bisher bekannt, das aber nicht zweifelsfrei bestimmt werden konnte. Minenfunde an Salweide in der Stadt Salzburg (Zone Ia) vom 27.7.2016 sind ebenfalls sehr fraglich. Die beiden möglichen Fundorte decken einen Höhenbereich von rund 400 bis 680 m ab. Lebensraum in [[Thalgau]] ist ein Laubmischwald, in Salzburg ein Waldrand. Die Generationsfolge im Land ist unbekannt: Neben dem Imaginalfund aus dem Juni datieren die möglichen Minen aus dem Juli (Kurz & Kurz 2021).
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==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie<ref>siehe [[Glossar Biologie#P|Phänologie]]</ref>==
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Das Vorkommen von ''P. salicicolella'' in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] ist bisher nicht sicher belegt (Kurz&nbsp;&amp;&nbsp;Embacher 2019). [[Friedrich Mairhuber|Mairhuber]] (1965) meldete die Art erstmals für Salzburg, es gibt aber keinen Beleg. Auf dieser Meldung beruhend fand die Art auch Eingang in die Listen von Huemer & Tarmann (1993), Embacher et al. (2011) und Huemer (2013), wenn auch fraglicherweise. Weitere sehr fragliche Funde wurden von Kurz & Embacher (2019) und in der Folge von Embacher et al. (2024) publiziert. Diese beruhten auf einem stark abgeflogenen Weibchen aus [[Thalgau]] (Zone I, [[Alpenvorland]] und [[Flyschzone]]) vom [[2. Juni]] [[1987]] und auf einem Minenfund an Salweide in der [[Stadt Salzburg]] (Zone Ia) vom [[27. Juli]] [[2016]]. Diese letzten Funde werden jetzt aber eher ''[[Phyllonorycter dubitella]]'' zugeordnet (siehe dort), sodass ''P. salicicolella'' bei Kurz (2026) aus der Liste der Schmetterlinge Salzburgs gestrichen wird. Ein Vorkommen der Art in Salzburg ist aber durchaus möglich.
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==Nachbarfaunen==
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Neben dem fraglichen Fund für Salzburg gibt Huemer (2013) ''P. salicicolella'' in Österreich noch für [[Nordtirol|Nord]]- und [[Osttirol]], die [[Steiermark]], [[Oberösterreich|Ober-]] und [[Niederösterreich]] sowie [[Wien]] und das [[Burgenland]] an. In Oberösterreich gilt die Art als selten und ist nur aus dem Mühlviertel und dem Alpenvorland bekannt (Klimesch 1990). In [[Bayern]] fehlen Funde aus dem voralpinen Hügel- und Moorland (Alpenvorland) und dem [[Alpen]]gebiet, im ostbayrischen Grundgebirge sind solche nur vor dem Jahr 2000 nachgewiesen. In den beiden anderen Naturräumen ist die Art rezent vertreten (Haslberger&nbsp;&amp;&nbsp;Segerer 2016).
  
 
==Biologie und Gefährdung==
 
==Biologie und Gefährdung==
 
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Über die Biologie der Art ist aus Salzburg mangels zweifelsfreier Nachweise nichts bekannt. Die Raupen leben üblicherweise in Minen auf der Blattunterseite von breitblättrigen Weiden (Lepiforum 2025), der oben genannte Fund aus Salzburg stammt von Salweide (''[[Salix caprea]]''). Eine Beurteilung einer eventuellen Gefährdung der Art ist mangels eindeutiger Nachweise im Land zur Zeit ebenfalls nicht möglich (Einstufung DD nach Embacher et al. 2024).
Über die Biologie der Art ist aus Salzburg mangels zweifelsfrei bestimmter Belege nichts bekannt. Die Raupen leben üblicherweise in Minen auf der Blattunterseite von breitblättrigen Weiden (lepiforum 2012), der mögliche Fund aus Salzburg stammt von Salweide (''[[Salix caprea]]''). Eine Beurteilung einer eventuellen Gefährdung der Art ist mangels eindeuiger Nachweise im Land zur Zeit ebenfalls nicht möglich.
 
  
 
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==Quellen==
 
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*{{Quelle Embacher et al.}}{{Quelle Embacher et al. 2024}}
*Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2021. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 05 Februar 2021].
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*Haslberger, A. &amp; A.H. Segerer 2016. Systematische, revidierte und kommentierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns (Insecta: Lepidoptera). Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 106. Supplement: 336 pp.
*Seite "Phyllonorycter salicicolella". Lepiforum: Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten [online 2021.02.11].
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*Huemer, P. 2013. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematische und faunistische Checkliste. Studiohefte 12. Tiroler Landesmuseum Innsbruck: 304 pp.
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*Huemer, P. & G. Tarmann 1993. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematisches Verzeichnis mit Verbreitungsangaben für die einzelnen Bundesländer. Beilageband 5 zu den Veröffentlichungen des Museums Ferdinandeum, Innsbruck: 1-224.
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*Klimesch, J. 1990. Die Schmetterlinge Oberösterreichs, Teil 6. Microlepidoptera I. Entomologische Arbeitsgemeinschaft am O.Ö. Landesmuseum Linz: 1–332.
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*Kurz, M. A. 2026. Die Schmetterlinge des Landes Salzburg. Teil III: Tineoidea und Gracillarioidea (Insecta: Lepidoptera). Herausgegeben von der Naturkundlichen Gesellschaft, Salzburg, in preparation.
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*Kurz, M. A. &amp; G. Embacher 2019. Die Lithocolletinae (Lepidoptera: Gracillariidae) des Bundeslandes Salzburg, Österreich. Beiträge zur Entomofaunistik 20: 93-104.
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*Lepiforum e.V. [Hrsg.] 2008-2025: <i>Phyllonorycter salicicolella</i> (Sircom, 1848). URL: https://lepiforum.org/wiki/ [online 2025.07.08].
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*[[Friedrich Mairhuber|Mairhuber, F.]] 1965. Zur Mikrolepidopterenfauna des Bundeslandes Salzburg (1. Beitrag). Nachrichtenblatt der bayerischen Entomologen 14: 33-38.
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== Einzelnachweis ==
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<references />
  
 
[[Kategorie:Wissenschaft]]
 
[[Kategorie:Wissenschaft]]

Aktuelle Version vom 6. Oktober 2025, 17:46 Uhr

Phyllonorycter salicicolella (Argyromiges salicicolella Sircom, 1848: 2271-2272) ist eine Art aus der Ordnung Lepidoptera (Schmetterlinge), Familie Gracillariidae (Miniermotten oder Blatt-Tütenmotten).

Diagnose

P. salicicolella ist habituell nicht immer sicher anzusprechen, ebensowenig die Minen an breitblättrigen Weiden. Auch eine Genitaluntersuchung erlaubt keine sichere Zuordnung. Typisch gezeichnete Exemplare besitzen eine etwas gewellte weiße Basallinie und stark nach außen gebogene, bzw. geknickte erste weiße Häkchen an Vorderrand und Innenrand. Es gibt aber auch Exemplare mit einer feinen weißen, gewellten Basallinie, und die beiden ersten weißen Häkchen an Vorder- und Innenrand sind über einen weißen Fleck bzw. eine Verlängerung des Innenrandsflecks nach außen zu einer stark gewinkelten Binde verbunden.

Verbreitung, Lebensraum und Phänologie[1]

Das Vorkommen von P. salicicolella in Salzburg ist bisher nicht sicher belegt (Kurz & Embacher 2019). Mairhuber (1965) meldete die Art erstmals für Salzburg, es gibt aber keinen Beleg. Auf dieser Meldung beruhend fand die Art auch Eingang in die Listen von Huemer & Tarmann (1993), Embacher et al. (2011) und Huemer (2013), wenn auch fraglicherweise. Weitere sehr fragliche Funde wurden von Kurz & Embacher (2019) und in der Folge von Embacher et al. (2024) publiziert. Diese beruhten auf einem stark abgeflogenen Weibchen aus Thalgau (Zone I, Alpenvorland und Flyschzone) vom 2. Juni 1987 und auf einem Minenfund an Salweide in der Stadt Salzburg (Zone Ia) vom 27. Juli 2016. Diese letzten Funde werden jetzt aber eher Phyllonorycter dubitella zugeordnet (siehe dort), sodass P. salicicolella bei Kurz (2026) aus der Liste der Schmetterlinge Salzburgs gestrichen wird. Ein Vorkommen der Art in Salzburg ist aber durchaus möglich.

Nachbarfaunen

Neben dem fraglichen Fund für Salzburg gibt Huemer (2013) P. salicicolella in Österreich noch für Nord- und Osttirol, die Steiermark, Ober- und Niederösterreich sowie Wien und das Burgenland an. In Oberösterreich gilt die Art als selten und ist nur aus dem Mühlviertel und dem Alpenvorland bekannt (Klimesch 1990). In Bayern fehlen Funde aus dem voralpinen Hügel- und Moorland (Alpenvorland) und dem Alpengebiet, im ostbayrischen Grundgebirge sind solche nur vor dem Jahr 2000 nachgewiesen. In den beiden anderen Naturräumen ist die Art rezent vertreten (Haslberger & Segerer 2016).

Biologie und Gefährdung

Über die Biologie der Art ist aus Salzburg mangels zweifelsfreier Nachweise nichts bekannt. Die Raupen leben üblicherweise in Minen auf der Blattunterseite von breitblättrigen Weiden (Lepiforum 2025), der oben genannte Fund aus Salzburg stammt von Salweide (Salix caprea). Eine Beurteilung einer eventuellen Gefährdung der Art ist mangels eindeutiger Nachweise im Land zur Zeit ebenfalls nicht möglich (Einstufung DD nach Embacher et al. 2024).

Weiterführende Informationen

Über das SALZBURGWIKI-Projekt Fauna und Flora
Das SALZBURGWIKI-Projekt Fauna und Flora möchte eine Übersicht über alle Pflanzen-, Pilz- und Tierarten des Landes Salzburg erstellen. Wer eine Art beschreiben will, kann sich die hier hinterlegte Formatvorlage kopieren und für einen neuen Artikel verwenden. Im Abschnitt "Material und Methoden" wird erklärt, wann deutsche und wann lateinische Namen als Artikelnamen verwendet werden sollen.

Bilder

  Phyllonorycter salicicolella – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Quellen

  • Haslberger, A. & A.H. Segerer 2016. Systematische, revidierte und kommentierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns (Insecta: Lepidoptera). Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 106. Supplement: 336 pp.
  • Huemer, P. 2013. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematische und faunistische Checkliste. Studiohefte 12. Tiroler Landesmuseum Innsbruck: 304 pp.
  • Huemer, P. & G. Tarmann 1993. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematisches Verzeichnis mit Verbreitungsangaben für die einzelnen Bundesländer. Beilageband 5 zu den Veröffentlichungen des Museums Ferdinandeum, Innsbruck: 1-224.
  • Klimesch, J. 1990. Die Schmetterlinge Oberösterreichs, Teil 6. Microlepidoptera I. Entomologische Arbeitsgemeinschaft am O.Ö. Landesmuseum Linz: 1–332.
  • Kurz, M. A. 2026. Die Schmetterlinge des Landes Salzburg. Teil III: Tineoidea und Gracillarioidea (Insecta: Lepidoptera). Herausgegeben von der Naturkundlichen Gesellschaft, Salzburg, in preparation.
  • Kurz, M. A. & G. Embacher 2019. Die Lithocolletinae (Lepidoptera: Gracillariidae) des Bundeslandes Salzburg, Österreich. Beiträge zur Entomofaunistik 20: 93-104.
  • Lepiforum e.V. [Hrsg.] 2008-2025: Phyllonorycter salicicolella (Sircom, 1848). URL: https://lepiforum.org/wiki/ [online 2025.07.08].
  • Mairhuber, F. 1965. Zur Mikrolepidopterenfauna des Bundeslandes Salzburg (1. Beitrag). Nachrichtenblatt der bayerischen Entomologen 14: 33-38.

Einzelnachweis