Stieglbrauerei zu Salzburg: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 23. Januar 2013, 09:54 Uhr
Die Stieglbrauerei zu Salzburg in Salzburg Maxglan wurde 1492 erstmals in der Altstadt erwähnt und gilt somit als die älteste in Betrieb befindliche Brauerei im Bundesland. Stiegl ist gleichzeitig auch die größte Privatbrauerei in Österreich.
Geschichte
Das Haus Bey der Stiegen
Die Geschichte von Stiegl ist untrennbar mit der Stadt Salzburg verbunden. Denn bereits im Jahr 1492, als Christoph Columbus in eine neue Welt segelte, wurde die Stieglbrauerei zu Salzburg gegründet. Die kleine Gasthausbrauerei entwickelte sich in den über 500 Jahren zu Österreichs größter und führender Privatbrauerei. Der Gasthof mit Brauereibetrieb stand nächst der Gstättengasse, etwa dort, wo sich bis vor kurzem das Gesundheitsamt befand. Er stand einst nach Süden hin an der heute ebenfalls nicht mehr bestehenden schmalen Stieglgasse, die nach einer zum Städtischen Arm des Almkanals hinunter führenden kleinen Stiege benannt war. Der dortige Almkanalarm verläuft heute verrohrt im Gehsteigbereich vor dem Haus der Natur zur Salzach.
1863 übersiedelte Stiegl nach Maxglan. 1909 wurde das alte Gebäude an der Gstättengasse an die Stadtgemeinde Salzburg veräußert, die das sanierungsbedürftige Gebäude an das Ursulinenkloster weiterverkaufte. Die Ursulinen ließen es abreißen und erbauten hier ein kirchliches Mädchen-Realgymnasium. Das Gebäude wurde nach Übersiedelung der Ursulinenschule in den Jahren nach 1970 bis 2008 vom Gesundheitsamt Salzburg genutzt. Nach dem Umbau (2010) zog die Kinder- und Jugendanwaltschaft ein.
Seit vielen Generationen wird die Brauerei als „echtes“ Familienunternehmen geführt. Die Eigentümerfamilie Kiener lebt Tradition, bekennt sich zu nachhaltigem Wirtschaften und geht außerdem einen kompromisslosen Weg der besten Qualität. Mit einem Bierausstoß von rund einer Million Hektoliter und rund 700 MitarbeiterInnen in ganz Österreich ist Stiegl heute Österreichs größte Privatbrauerei.
Wie die Stieglbrauerei zu ihrem Namen kam
Die Traditionsbrauerei hieß im 15. Jahrhundert noch „Prewhaus bey dem Stieglein“. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der Name „Stieglbrauerei“. Das Stieglein („kleine Treppe“), das der Brauerei und seinem Produkt den Namen gibt, führte damals als öffentliche Stiege zum Almkanal, aus dem man sich das notwendige Brauwasser holte. Die Stieglbrauerei übersiedelte zwar im 19. Jahrhundert aus Kapazitätsgründen an die Peripherie der Stadt, die kleine Treppe wurde irgendwann entfernt und der Almkanal verläuft heute unterirdisch, doch: Die legendäre „rote Stiege“ hat sich als Firmen- und Bierbezeichnung bis zum heutigen Tag erhalten.
Der Stieglkeller
Knapp vor Übersiedlung des Betriebes nach Maxglan wurden 1820 in der Festungsgasse (am Fuße der Festung Hohensalzburg) mit dem Stieglkeller neue Lagerkapazitäten geschaffen. Der damalige Stieglbrauer Josef Schreiner gestaltete den Keller schließlich um und nutzte den anliegenden Garten zur Ausschank des Kellerbiers während der Sommermonate. Das war die "Geburtsstunde" des Stieglkellers.
Stiegl in Maxglan
1863 übersiedelte der damalige Besitzer Josef Schreiner (* 1812, † 1880) die Stiegelbrauerei aus der Gstättengasse in den von ihm neu errichteten Maxglaner Brauereikomplex, der freilich schon 12 Jahre später einem dreitägigen Brand zum Opfer fiel.
Nach Schreiners Tod kam Franz Huemer an die Spitze des damaligen Besitzerkonsortiums. Er und sein Neffe Heinrich Kiener (* 1870 † 1950) schufen die Voraussetzungen, dass die Brauerei schon 20 Jahre später ihren Ausstoß verfünffachen konnte. Das Talent von Heinrich Kiener I. in organisatorischen und geschäftlichen Dingen ließen aus der Brauerei einen Musterbetrieb entstehen, der auch schwierige Zeiten überstand. Kiener erlebte praktisch jeden Zustand des Unternehmens mit: von der „Wiedererweckung“ durch seinen Onkel Franz Huemer und den Aufschwung zur Jahrhundertwende über die Notjahre während und nach dem 1. Weltkrieg, den Höhenflug der zwanziger Jahre bis zur darauffolgenden Wirtschaftskrise, schließlich wieder Kriegsjahre verbunden mit Beschlagnahme und Ausverkauf. Nach dem 2. Weltkrieg durfte Heinrich Kiener noch die ersten Erfolge des neuerlichen Aufbaus des Brauunternehmens miterleben.
Heinrich Kiener I. war bis zu seinem Tod 1950 im Unternehmen tätig. Die Leitung ging dann auf seinen Stiefsohn Ing. Heinrich Kiener (* 1911 † 1990) über, unter dessen Führung die Stieglbrauerei zu Salzburg zur größten Privatbrauerei Österreichs wurde.
In den 40 Jahren, die Heinrich Kiener II der Stieglbrauerei vorstand, wurde der Betrieb laufend erneuert und modernisiert. Die Investitionen fanden ihren Niederschlag natürlich in der Bierproduktion, die sich in dieser Zeit fast vervierfachte: Waren es 1950 runde 130.000 Hektoliter Stiegl-Bier, die erzeugt wurden, steigerte sich der Ausstoß auf 511.000 Hektoliter im Jahr 1990.
Einen wichtigen Schritt tat Stiegl-Direktor Kiener 1954 mit der Gründung der „Salzburger Getränkeindustrie“ (Coca-Cola-Salzburg), der er ebenfalls als geschäftsführender Gesellschafter vorstand. Der Stiegl-Schwesterbetrieb (heute Stiegl Getränke & Service Gesellschaft) entwickelte sich zur bedeutendsten alkoholfreien Getränkefirma im Land Salzburg.
Seit 1991 leitet Dr. Heinrich Dieter Kiener III. die Geschicke der Stieglbrauerei zu Salzburg. Als Großneffe und Adoptivsohn von Heinrich Kiener II trat er 1985 in die Brauerei ein und wurde bereits in Jugendjahren auf seine zukünftige Aufgabe als Stiegl-Chef vorbereitet. Er studierte an der Universität Innsbruck Rechtswissenschaften sowie Betriebswirtschaft und sammelte Erfahrungen in Brauereien und Banken. Seine fachspezifische Ausbildung erhielt er an der Doemens-Schule, einer Lehr- und Versuchsanstalt für Brauer in Gräfelfing bei München. Im April 1985 trat er in die Brauerei ein, wo er bald als rechte Hand des Chefs agierte. Als Marketingstratege war er schon damals offen für Neues. Nach dem Ableben von Heinrich Kiener II. 1990 übernahm er die Position des geschäftsführenden Gesellschafters. Im Mai 2010 heiratete er seine Lebensgefährtin Mag. Alessandra Kiener, die ebenfalls im Unternehmen tätig ist.
Rochushof
Der Rochushof, in dem sich heute ein Bio-Feinkostladen und das "Haus der Meister" befinden, erinnert an den Pestpatron, den Heiligen Rochus, und das dortige Pesthaus (Lazareth zum Heiligen Rochus) samt Pestfriedhof. Fürsterzbischof Paris Lodron hatte 1636 Pesthaus und Friedhof hier errichten lassen.
Österreichs größte und erfolgreichste Privatbrauerei
Am 16. Dezember 2009 wurde in Maxglan der Millionste Hektoliter Stieglbier gebraut. Die Menge entspricht 200 Millionen Stiegl-Halben.[1]
Stiegl heute
Stiegl ist die einzige Brauerei in Österreich, die auch heute noch täglich ihre Biere (und andere Getränke aus dem Sortiment) in den Salzburger Stadtteilen Maxglan, Riedenburg und Wals-Siezenheim mit der Pferdekutsche ausliefert. Gebraut werden die Stiegl-Biere mit Untersberger Quellwasser. Außerdem bezieht Stiegl die Gerste von heimischen Bauern in Niederösterreich und den Hopfen von Mühlviertler Bauern. Mit den Lieferanten wurden langfristige Abnahmeverträge geschlossen, die faire Preise garantieren sollen.
Stiegl Brauwelt
- Hauptartikel: Stiegl-Brauwelt
In der Stiegl-Brauwelt, Europas größter Biererlebniswelt, erwartet die Besucher auf rund 5000 Quadratmetern mehr als 500 Jahre Salzburger Braukunst zum Anfassen. Das Herzstück des Museums ist die Erlebnisbrauerei,in der unter anderem die saisonalen Stiegl-Bierspezialitäten, wie die Stiegl-Hausbiere, in Handarbeit entstehen
Stiegl Braugewölbe
- Hauptartikel: Stiegls Braugewölbe
Im 370 qm großen ehemaligen Braugewölbe finden und fanden zahlreichen Veranstaltungen statt, unter anderen auch der Salzburger Jazzherbst.
Stiegl-Terminal
- Hauptartikel: Stiegl-Terminal
Der Stiegl-Terminal ist ein im Dezember 2010 eröffnetes Lokal im Eingangsbereich des Salzburg Airport.
Stiegl-Gelände als Veranstaltungsort für Brauchtumsveranstaltungen
Das alljährliche Aufstellen des Maibaums bei der Stieglbrauerei stellt eine schon zur Tradition gewordene und beliebte Veranstaltung dar. Beim Stiegl-Maibaumfest 2012 wurden 4000 Besucher gezählt.
Verurteilung
Die Brauerei wurde zusammen mit dem Marktführer Brau Union Österreich AG und der Brauerei Ottakringer im Zusammenhang eines seit 1999 geltenden Lieferboykotts für Fassbier für Cash- & Carry-Märkte von der Bundeswettbewerbshörde (BWB) geklagt und vom Kartellgericht im Februar 2012 rechtskräftig verurteilt. Demnach musste Stiegl 170 000 Euro Strafe zahlen, Brau Union 750 000 und Ottakringer 190 000 Euro. Der Brauereiverband hatte 1999 beschlossen, wegen Qualitäts- und Hygienebedenken Großverbrauchermärkte nicht mehr mit Fassbier zu beliefern. Das wurde vom Kartellgericht im Februar 2012 letztlich für nicht zulässig befunden. Das bemängelte Verhalten sei bereits 2011 abgestellt worden[2].
Geschäftsführung
Seit 1991 leitet der promovierte Jurist und Betriebswirtschaftler Dr. Heinrich Dieter Kiener die Geschicke der Stieglbrauerei.
Produktpalette
- Alkoholgehalt: 4,9 Vol.% Stammwürze: 12°
- Alkoholgehalt: 4,9 Vol.% Stammwürze: 11,6°
- Alkoholgehalt: 3,3 Vol.% Stammwürze: 7,9°
- Alkoholgehalt: 5,0 Vol.% Stammwürze: 12°
- Stiegl-Radler Zitrone / Himbeer / Grapefruit
- Alkoholgehalt: 2,5 Vol.%
- Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12°
- Alkoholgehalt: 2,0 Vol.%
- alkoholfrei
- Brau-Limonade mit Aronia-Beeren
Sonderprodukte
- handgemachte saisonale Bio-Bier-Spezialitäten
- Alkoholgehalt: 5,2 Vol.% Stammwürze: 12,6°
- Alkoholgehalt: 7 Vol.% Stammwürze: 16,5°
Frühere Biere
- Stiegl-Weizengold "Hefefein" (eingestellt 2011 zugunsten der Stiegl Weisse)
- Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12°
- Stiegl-Weizengold "Dunkel" (eingestellt 2011 zugunsten der Stiegl Weisse)
- Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12°
Bildergalerie
Stiegl-Werkseinfahrt bei der Kendlerstraße
Literatur
- Harald Waitzbauer (Text), Gerhard Trumler (Illustrationen): 500 Jahre Salzburger Stiegl-Bier, 1492 - 1992, Wien 1992, ISBN 3-85447-406-7
Quellen
- Stieglbrauerei zu Salzburg
- Geschichte von Maxglan
- 900 Jahre Festung Hohensalzburg, Landesfest 4. bis 12. Juni 1977, Schriftenreihe des Landespressebüro Salzburg, 1977
- Salzburger Fotografien 1880 - 1918 aus dem Atelier Würthle, Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 18, 2003, ISBN 3-901014-93-4
- ↑ Stiegl Presseaussendung
- ↑ Quellen: "Salzburger Nachrichten", 6. März 2012 , diepresse.com