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==Leben==
 
==Leben==
Er kam als lediges Kind ins Haus seiner Großeltern ins Almtal. Dieser, "Ahnl" genannt, war von Beruf Schneider und des Lesens mächtig, damals noch keine Selbstverständlichkeit. So kamen viele Leute aus der Umgebung zum Ahnl, um sich Briefe usw. vorlesen zu lassen. So verwundert es nicht, dass Kettenhuemer schon vor seiner Schulzeit lesen konnte. Erste Begegnung mit Gendarmen, wie er später selbst einer wurde, war ein von ihm beobachteter Diebstahl eines Schals von einer jungen Frau. Kettenhuemer meldete den Diebstahl bei der örtlichen Gendarmerie und bekam als Dank vom bestohlenen Standler ein "Weinberhörndl". Als er acht Jahre alt war starb sein von ihm geliebter Großvater. Er zog zu seiner Mutter und seinem Stiefvater, der ihn oft züchtigte. Doch schon bald starb auch seine Mutter und er, sowie seine Schwester, erhielten eine Stiefmutter.  
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Er kam als lediges Kind ins Haus seiner Großeltern ins Almtal. Der Großvater, "Ahnl" genannt, war von Beruf Schneider und des Lesens mächtig, damals noch keine Selbstverständlichkeit. So kamen viele Leute aus der Umgebung zum Ahnl, um sich Briefe usw. vorlesen zu lassen. Und so verwundert es nicht, dass Kettenhuemer schon vor seiner Schulzeit lesen konnte. Erste Begegnung mit Gendarmen, wie er später selbst einer wurde, war ein von ihm beobachteter Diebstahl eines Schals von einer jungen Frau. Kettenhuemer meldete den Diebstahl bei der örtlichen Gendarmerie und bekam als Dank vom bestohlenen Standler ein "Weinberhörndl". Als er acht Jahre alt war, starb sein von ihm geliebter Großvater. Er zog zu seiner Mutter und seinem Stiefvater, der ihn oft züchtigte. Doch schon bald starb auch seine Mutter und er, sowie seine Schwester, erhielten eine Stiefmutter.  
    
Während seiner Volksschulzeit ersparte sich Kettenhuemer, nach einem eindrucksvollen Vortrag seines Lehrers über das Sparen, so manchen "Groschen". Besonders während der Osterzeit florierte der "Handel" mit Palmbuschen. Zunächst begann er nach der Volksschule die Schneiderlehre bis zu seiner Einberufung zum Militärdienst am [[1. Oktober]] [[1891]] zur k.u.k. Batterie-Division Nr. 27 in Linz. Diesen beendete er am [[31. Dezember]] [[1894]] mit dem Dienstgrad eines Oberkanoniers in der Reserve.
 
Während seiner Volksschulzeit ersparte sich Kettenhuemer, nach einem eindrucksvollen Vortrag seines Lehrers über das Sparen, so manchen "Groschen". Besonders während der Osterzeit florierte der "Handel" mit Palmbuschen. Zunächst begann er nach der Volksschule die Schneiderlehre bis zu seiner Einberufung zum Militärdienst am [[1. Oktober]] [[1891]] zur k.u.k. Batterie-Division Nr. 27 in Linz. Diesen beendete er am [[31. Dezember]] [[1894]] mit dem Dienstgrad eines Oberkanoniers in der Reserve.
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Am [[1. Juni]] [[1907]] heiratete Kettenhueumer Elisabeth Grillmaier. Sie starb schon nach 10 kinderlosen Ehejahren im Februar 1917 nach kurzer, schwerer Krankheit im 41. Lebensjahr. So heiratete er am [[1. März]] [[1924]] ein zweites Mal: die 42jährige, aus dem Bezirk Troppau in Schlesien stammende Witwe Emilie Demel, geborene Essler. Im November [[1934]] zog er aus seiner Dienstwohnung in der Stadt Salzburg im Gendarmeriegebäude Kaigasse Nr. 18, 2. Stock, nach Anif in sein Einfamilienhaus, das er ''Aneva'' taufte. Er wohnte mit seiner Frau im Obergeschoss, das Erdgeschoss war an Familie Willer vermietet.  
 
Am [[1. Juni]] [[1907]] heiratete Kettenhueumer Elisabeth Grillmaier. Sie starb schon nach 10 kinderlosen Ehejahren im Februar 1917 nach kurzer, schwerer Krankheit im 41. Lebensjahr. So heiratete er am [[1. März]] [[1924]] ein zweites Mal: die 42jährige, aus dem Bezirk Troppau in Schlesien stammende Witwe Emilie Demel, geborene Essler. Im November [[1934]] zog er aus seiner Dienstwohnung in der Stadt Salzburg im Gendarmeriegebäude Kaigasse Nr. 18, 2. Stock, nach Anif in sein Einfamilienhaus, das er ''Aneva'' taufte. Er wohnte mit seiner Frau im Obergeschoss, das Erdgeschoss war an Familie Willer vermietet.  
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Aus diesem Haus musste das Ehepaar nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] am [[9. Juli]] [[1945]] ausziehen, weil es von den Alliierten beschlagnahmt wurde. Erst ein Jahr später konnten sie wieder darin einziehen. Die Amerikaner hatten allerdings erhebliche Schäden in der Wohnung angerichtet, worüber Kettenhuemer immer wieder klagte. Obwohl das Ehepaar sehr zurückgezogen lebte, kannte jedermann im Ort den "Herrn Inspektor".  Eine schwere Krankheit seiner Frau brachte in den letzten Lebensjahren finanzielle Sorgen, da Josef nicht mehr in er Lage war, mit Fotografieren etwas dazu zu verdienen. So begann er Ende der  [[1950er]]-Jahre mit dem Verkauf seiner Fotografien.  
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Aus diesem Haus musste das Ehepaar nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] am [[9. Juli]] [[1945]] ausziehen, weil es von den [[USFA|Alliierten]] beschlagnahmt wurde. Erst ein Jahr später konnten sie wieder darin einziehen. Die Amerikaner hatten allerdings erhebliche Schäden in der Wohnung angerichtet, worüber Kettenhuemer immer wieder klagte. Obwohl das Ehepaar sehr zurückgezogen lebte, kannte jedermann im Ort den "Herrn Inspektor".  Eine schwere Krankheit seiner Frau brachte in den letzten Lebensjahren finanzielle Sorgen, da Josef nicht mehr in er Lage war, mit Fotografieren etwas dazu zu verdienen. So begann er Ende der  [[1950er]]-Jahre mit dem Verkauf seiner Fotografien.  
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Seine Frau verstarb am [[16. Dezember]] [[1962]] nach langem Herzleiden. Er selbst kurz darauf am 27. Juni 1963.
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Seine Frau verstarb am [[16. Dezember]] [[1962]] nach langem Herzleiden; er selbst kurz darauf am 27. Juni 1963.
    
==Fotografie==
 
==Fotografie==
Doch schon [[1903]] wandte sich Kettenhuemer der damals noch wenig verbreiteten und kostenintensiven [[Fotografie]] zu. Er war aber offensichtlich in der finanziellen Lage, sich schon bald eine hochwertige Fotoausrüstung zuzulegen. So entwickelte er ein fotografisches "Verbrecher-Album", Vorläufer der heutigen Fahndungsbilder. Am [[28. September]] [[1927]] erhielt er die Gewerbeberechtigung für ''Photographie mit Ausnahme der Portraitphotographie".
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Schon [[1903]] wandte sich Kettenhuemer der damals noch wenig verbreiteten und kostenintensiven [[Fotografie]] zu. Er war aber offensichtlich in der finanziellen Lage, sich schon bald eine hochwertige Fotoausrüstung zuzulegen. So entwickelte er ein fotografisches "Verbrecher-Album", Vorläufer der heutigen Fahndungsbilder. Am [[28. September]] [[1927]] erhielt er die Gewerbeberechtigung für ''Photographie mit Ausnahme der Portraitphotographie".
    
Kettenhuemer hat rund 2.000 Glasplattennegative, meist im Format 10 x 15 cm, hinterlassen. Seine Liebe galt der Natur, wie zahlreiche Bilder von Pflanzen und Blumen beweisen.  
 
Kettenhuemer hat rund 2.000 Glasplattennegative, meist im Format 10 x 15 cm, hinterlassen. Seine Liebe galt der Natur, wie zahlreiche Bilder von Pflanzen und Blumen beweisen.  
    
==Bücher==
 
==Bücher==
* [[Salzburger Photographien 1900 - 1950]]
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In der [[Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg]]:
 
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*Bd. 8: ''[[Salzburger Photographien 1900 - 1950]] des Josef Kettenhuemer. [[Stadt Salzburg]] und Umland'', hg. v. [[Erich Marx]] und [[Heimo Greisl]], 3., verbesserte Auflage, Salzburg 2000.
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:Herausgeber: Stadt Salzburg
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:240 S., ISBN 3-901014-70-5
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*Bd. 10: ''Salzburger Photographien des Josef Kettenhuemer. Inner Gebirg'', hg. v. Erich Marx und Heimo Greisl, 2., verbesserte Auflage, Salzburg 2000.
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:Herausgeber: Stadt Salzburg
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:240 S., ISBN 3-901014-71-3
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*Bd. 12: ''Salzburg in alten Photographien. Kalender 2001. Aus der Sammlung des Josef Kettenhuemer im [[Archiv der Stadt Salzburg]]'', Salzburg 2000.
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:Herausgeber: Stadt Salzburg
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:14 S., ISBN 3-901014-67-5
 
==Quelle==
 
==Quelle==
 
* Buch [[Salzburger Photographien 1900 - 1950]]
 
* Buch [[Salzburger Photographien 1900 - 1950]]