Städtisches Leihhaus
Das Städtische Leihhaus (auch Hochfürstliches Versatzhaus) war ein Gebäude, das sich von etwa 1750 bis 1907 auf Makartplatz in Salzburg befand.
Geschichte
Stiftung
Fürsterzbischof Jakob Ernst Graf Liechtenstein stiftete in seinem Todesjahr am 5. Jänner 1747 das Kapital von 33.000 Gulden - je 1.000 zum Gedächtnis, dass der Erlöser die Welt in 33 Jahren in größter Armut gewandert sei - für eine mildtätige Stiftung, die nach dem Vorbild der "monti di pietá" (italienisch) oder "mons pietatis" (lateinisch), dem "Berg der Barmherzigkeit", gestaltet werden sollte. Die Stiftung hatte den Zweck und die Aufgabe, den Bedürftigen Geldmittel gegen Pfand und geringe Zinsen zur Verfügung zu stellen, sodass diese nicht auf Wucherer angewiesen waren. Die Stiftung hatte ihren Sitz vorerst in einem Haus in der Getreidegasse. Der Fürsterzbischof hatte zudem in seinem Testament ein Legat von 22.000 Gulden für den Bau eines neuen Gebäudes zugewendet. Die Satzung der Leihhaus-Stiftung wurde 1749 von seinem Nachfolger, Fürsterzbischof Andreas Jakob Graf von Dietrichstein, genehmigt und eine Leihhaus-Inspektion eingesetzt. [1]
Baugeschichte
Die Leihhaus-Stiftung erwarb 1749 um 7.500 Gulden ein älteres Gebäude, das sich Hannibalgarten (heute: Makartplatz) - unmittelbar vor der Dreifaltigkeitskirche befand und bereits 1680 errichtet worden war. Das baufällige Gebäude wurde um 4.000 Gulden in Stand gesetzt, um einen Stock erhöht und für den neuen Zweck baulich adaptiert.
Das neue "Hochfürstliches Versatzhaus" oder "Milde Leihhaus" wurde im Jänner 1751 bezogen und damit das mildtätige Werk tatsächlich begonnen. Der erste Leihhaus-Verwalter war Franz Jenner.
Leihhaus-Stiftung
Aus dem Jahr 1785 ist von Judas Thaddäus Zauner eine Leihhaus-Ordnung überliefert. [2]
1808 und 1822 war Christian Pauernfeind der Leihhaus-Verwalter.
Vinzenz Maria Süß war von 1841 bis 1863 städtischer Leihhausverwalter. Die Leihhaus-Stiftung unterstand unter der Direktion des jeweiligen Bischof von Chiemsee und des jeweiligen Bürgermeister der Stadt Salzburg und hatte einen Verwalter. Nach dem Untergang des Erzstift Salzburg ging die Zuständigkeit auf das Herzogtum Salzburg über. Der Landesausschuss für das Herzogtum Salzburg stellte mit Beschluss vom 24. März 1875 fest, dass das Leihhaus als "Städtische Anstalt" anzusehen ist.
Demolierung
Anfang des 20. Jahrhunderts stand das Leihhaus dem zunehmenden Verkehr im Weg. Für die Straßenbahn vom Mirabellplatz Richtung Schwarzstraße war die Kurve zu eng. 1907 wurde das Gebäude abgerissen und damit auch der ein verbesserter Blick auf die Dreifaltigkeitskirche möglich. Die Architektur dieses Gebäudes war aber auf die Dreifaltigkeitsgasse hin ausgerichtet, durch Entfernung des Leihhauses (und die Erhöhung der Türme) wirkt sie vielfach nicht sehr schlüssig. Das Leihamt übersiedelte in die Linzer Straße 72 a und blieb dort bis 1938.
Portal
Vom dem Gebäude übrig geblieben ist alleine das prächtige Rokoko-Portal aus rosa Marmor mit dem Wappen von Fürsterzbischof Liechtenstein und der Inschrift "Mons pietatis, quem Jac. Ern. Archiep. et Princ. Salisb. ex comit. de Liechtenstein etc. fundavit Ao. MDCCXLVII.".
Unter dem geschwungenen Türsturz ist ein kunstvoll geschmiedetes Gitter eingefügt, das einen Pelikan zeigt, der sich die Brust aufreißt, um mit seinem Blut die Jungen zu ernähren. Das Pelikanmotiv sollte - dem Motto der Barmherzigkeit gleich - über dem Eingang stehen und gleichzeitig auf das Wappentier des Stifters Fürsterzbischof Jakob Ernst Graf von Liechtenstein hindeuten.
Das Portal wurde zuerst 1908 im Gebäude Rudolfskai 42 (Gewerbeschule, heute Universität, Institutsgebäude für Gesellschaftswissenschaften) eingemauert.
Seit 1952 ist es das Portal der Salzburger Sparkasse am Alten Markt Nr. 3.
Bildlink
Quellen
- Dorn, Herbert: Spurensuche in Salzburg. Verschwundene Bauwerke und vergessene Kunstschätze aus acht Jahrhunderten. SMCA 1997
- www.salzburg.com
- Salzburgwiki-Artikel Vinzenz Maria Süß