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Zwergelgarten - Neugestaltung 2017/2018
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Zeichnung der Originalanlage: : rechts unten war der Gartenteil, in dem die Zwerge ursprünglich standen. Links oben ist der Gartenteil, in dem sie heute aufgestellt sind. Der ursprüngliche Gartenteil war nur über eine Treppe vom heutigen aus erreichbar. Links verläuft die heutige Schwarzstraße

Der Zwergelgarten ist ein Teil des Mirabellgartens in der rechtsufrigen Altstadt von Salzburg.

Einleitung

Der Aufstellungsort der Zwerge auf der Wasserbastei ist nicht der ursprüngliche und es fehlen einige Zwerge. Ein originalgetreu wieder hergestellter Zwergelgarten wäre der größte und mit einer Unterbrechung von rund 200 Jahren die älteste Zwergensammlung der Welt. Eine Wiederherstellung nach den alten Plänen wäre unschwer möglich.

Geschichte

Originale

Der historische ursprüngliche Zwergelgarten befand sich südlich der Wasserbastei in einem Teil jener Gartenanlage, die Johann Ernst Graf Thun unter Leitung von Fischer von Erlach ausgestalten ließ. Die ersten Zwerge entstanden vermutlich um 1691/1692. Der Garten wurde um 1695 weitgehend fertig. Seine barocke Formgebung wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts zerstört, weil der maßgeblich von der Aristokratie Frankreichs mitbestimmte Barockstil damals als veraltet galt und er so einem englischen Landschaftsgarten weichen musste, der heute aber auch nicht mehr besteht. Die Zwerge des Gartens wurden 1811 entfernt. Die vielfältige Symbolsprache des Mirabellgartens wird maßgeblich auch vom Zwergelgarten mitbestimmt.

Ursprünglich bestand der historische Zwergelgarten aus 28 Skulpturen aus Untersberger Marmor (Untersberger Forelle). Jeder von ihnen wiegt etwa 300 bis 400 Kilogramm[1] Die Zwerge wurden vermutlich unter einem Künstlerkollektiv unter Leitung von Ottavio Mosto und Michael Bernhard Mandl geschaffen, in dem auch Sebastian Stumpfegger und Hans Schwäbl mitgearbeitet haben. Verwachsene und kleinwüchige Menschen wurden in der Barockzeit an vielen europäischen Fürstenhöfen angestellt; sie wurden ob ihrer Treue und Loyalität hoch geschätzt.

In der Zeit der Aufklärung gerieten die Figuren missgestalteter Menschen im Mirabellgarten immer mehr in Verruf. Dem aufgeklärten bayrischen Kronprinz Ludwig I. von Bayern missfielen während der kurzen bayrischen Regentschaft über Salzburg dem Zeitgeist entsprechend die hier aufgestellten Zwerge. Er wollte sie - fragwürdigen Gerüchten zufolge - als Rohmaterial in einen Kalkofen werfen lassen. Die Figuren wurden im Jahr 1811 größtenteils um den sehr geringen Betrag von nur zwei Gulden je Stück versteigert. So waren die Salzburger Zwerge bald in alle Winde verstreut.

Die Zwerge gerieten dann für mehr fast hundert Jahre in Vergessenheit. Am 20. Oktober 1919 fasste der Salzburger Gemeinderat den Beschluss, den einzigartigen Garten wiederzuerrichten. Zuvor hatte sich der Salzburger Verschönerungsverein, der heutige Salzburger Stadtverein, unermüdlich darum bemüht, dieses wichtige Stück Salzburger Kulturgeschichte wieder erlebbar zu machen. Auf Antrag des Vereines stellte die Stadt Salzburg die neun damals wieder im Besitz des Stadtvereines befindlichen Zwerge an ihrem angestammten Platz im Zwergelgarten auf. Wegen der dort zahlreich spielenden Kinder musste zum Schutz der Skulpturen aber bald ein Platz in der Nähe des alten Gartens gefunden werden. Damals suchte vor allem der Verschönerungsverein mit Nachdruck nach Spuren der verlorenen alten Zwerge und fand sie in Salzburger Hausgärten, aber auch in Bayern, im Hausruck und im Pongau. Heute findet man 15 der ursprünglich 28 Zwerge wieder im Kleinen Bastionsgarten, darunter den "Zwerg mit dem Spaten" oder den "Zwerg mit der Rettichtasche".

Zwei Zwerge befinden sich in der Stadt Salzburg an der Reichenhaller Straße und der Sinnhubstraße in Privatbesitz. Vier weitere Zwerge waren bis vor wenigen Jahren im Eigentum eines bayrischen Gartenbesitzers in Traunstein. Fünf Zwerge sind unbekannten Aufenthaltes. Es bleibt zu hoffen, dass es gelingt, 100 Jahre nach dem Beschluss von 1919 den weltweit einzigartigen Teil des vielschichtigen Gartens Fischer von Erlachs bald wieder originalgetreu zu errichten.

Restaurierung 2017/2018

Drei Jahre lang wurde - in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt - an einer Neugestaltung gearbeitet. "Wir sind auf die Geschichte der Wasserbastei eingegangen. Früher gab es eine barocke Brunnenanlage im Zentrum. Von hier aus hat man früher direkt auf die Salzach geblickt", erläutert die Gartenhistorikerin Barbara Bacher, die das neue Gestaltungskonzept entwickelt hat. Der Blick auf die Salzach ist folgerichtig, weil die Wasserbastei eine Wehranlage zur Sicherung des Stadt vor feindlichen Schiffen auf der Salzach war.

Die in dreijähriger Arbeit entstandene Gestaltung besteht im Wesentlichen darin, den bekannten Jahreskreis der Monatszwerge als sichtbaren Kreis darzustellen. Die nunmehrige Gestaltung besteht daher aus einer mittleren kreisförigen Rasenfläche, die von zwei bodengleichen Ringen aus Stein umgeben ist. Auf dem inneren Ring befinden sich die Monatszwerge, außerhalb desselben im geschotterten Bereich die Theaterzwerge. Sechs Sockel um den neuen kreisförimgen Rasen wurden leer gelassen, falls die Stadt doch noch den einen oder anderen Zwerg (zwei stehen in der Reichenhaller Straße, vier in Traunstein) erwerben, oder diese sechs Zwerge abgießen und als Kopie aufstellen kann. Darauf hofft auch Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP).[2]

Im Winter 2017/2018 wurden die mehr als 300 Jahre alten Zwerge vier Monate lang vom Steinmetzmeister und Restaurator Erich Reichl und seinem Team einer gründlichen Wartung und Restaurierung unterzogen. Sie reinigten die Zwerge und ergänzten vorhandene Fehlstellen. Nach der "Kur" blieb eine Rest-Patina erhalten, wie Reichl gegenüber den Salzburger Nachrichten erklärte. Denn das harmonische Gesamtbild steht im Vordergrund und man darf den Zwerge ihr Alter schon ansehen". Mit schonendem Mikrodampfstrahl und Partikelstrahlen wurde in der Werkstatt in Hallein-Gamp der oberflächliche Biofilm abgetötet. Aufgrund der schonenden Vorgehensweise sind einzelne dunkle Flecken nach wie vor zu sehen. Um die ältesten Gartenzwerge Europas bestmöglich zu erhalten, werden sie im Mirabellgarten in Zukunft im Winter mit einem Holzverschlag geschützt. Trotzdem ist die derzeitige Aufstellung vielfach im Schatten umgebender alten Kastanien denkmalpflegerisch nicht optimal, weil dadurch die Veralgung gefördert wird. Nach wie vor bleibt es das Ziel, den originalen Zwergelgarten Fischer von Erlachs wieder am originalen Standort aufzustellen und den ältesten Zwergengarten Europas damit wieder zu beleben.

Die Stadt Salzburg hat sich die Kur für die Zwerge mehrere Zehntausend Euro kosten lassen. Wie Reichl erklärte, war nicht allzu viel Arbeit nötig und die Zwerge befanden sich in gutem Zustand. Der Untersberger Marmor, aus dem die Zwerge gefertigt wurden, weist nur vereinzelte Gefügeauflockerungen auf."[1] Ein Zwerg im Zwergelgarten (der Mäher) ist ein Abguss und besteht aus Kunststein.

Am 25. Mai 2018 wurde der neu arrangierte Zwergelgarten mit einem "Zwergerlfest" wieder eröffnet, die fachliche Erläuterung der einzelnen Zwerge erfolgte durch Dr. Reinhard Medicus.[1] [3]

Die Zwerge im Einzelnen

  • die "Sonderzwerge":
    • der Türkenzwerg mit dem Turban.
    • (der fehlende zweite Türkenzwerg ist verschollen)
    • der Zwerg mit dem "Pallone"-Ball, am Eingang zum Zwergelgarten
    • der Zwerg mit dem Stachelärmel, am Eingang zum Zwergelgarten.
  • Die zwölf Monatszwerge:
    • Der Zwerg mit dem Huhn (Jänner).
      Das Huhn steht für den regsamen Neubeginn am Anfang des Jahres.
    • Zwerg fehlend (Februar).
      Die Zwergin mit dem ausgeschnittenen Mieder befindet sich in Traunstein und stellt eine Fastnachtstänzerin dar.
    • Der Zwerg mit dem Spaten (März).
      In diesen Monat fällt vielfach der Beginn der Gartenarbeit, wobei zuerst der Boden umzustechen und aufzubereiten ist.
    • Der Zwerg mit der Gartenvase (April).
      Im April dürfen die eingewinterten Topfpflanzen, vor allem die zahlreichen Zitrusbäumchen, wieder ins Freie.
    • Der Zwerg mit der Rettichtasche (Mai).
      Im Mai wurden als erste Früchte des Gartens vielfach die Mairettiche geerntet.
    • Der Zwerg mit dem Grabscheit (Juni, auch als träumender Gärtner bekannt).
      Er ruht sich von der Hitze des Tages aus.
    • Der Zwerg mit der Sense (Juli).
      Er symbolisiert mit der (fehlenden) Sense und dem Wetzstein den Juli, in den historisch die Zeit des ersten Schnittes der Wiesen fällt. Der Juli trug früher auch den Namen "Heumond".
    • Die Zwergin mit dem Zwiebelbund (August).
      Die freundlich blickende Zwergin bietet Wasser aus einer Kanne und zusätzlich als Gesundheitssymbol und Heilpflanze einen Bund mit Zwiebeln.
    • Die Zwergin mit der Obstschürze steht für den September, in dem auch die Obsternte beginnt.
    • Zwerg fehlend(Oktober).
      Der mutmaßliche "Jägerzwerg" ist verschollen.
    • Zwerg fehlend: (November).
      Der Zwerg mit der (Martini)-Gans befindet sich in Traunstein.
    • Der Zwerg mit dem Nockentopf (Dezember).
      Der Dezember ist ein Monat ohne Gartenarbeit. Es war die Zeit der Ruhe und zum Verzehr von köstlichen Nocken.
  • die zwölf Theaterzwerge aus dem Umfeld der Commedia dell arte.
    • Der Zwerg mit Dolch und Degen fehlt, er befindet sich in einem Garten in der Reichenhaller Straße. Er nimmt Bezug auf Vorlagen Callots und auf von Zwergenschauspielern gespielte Duellszenen.
    • Der Zwerg mit dem Strohtaschenhut gehört mit seiner grotesken Kopfbedeckung ebenfalls zu den duellierenden Zwergen.
    • Der Zwerg mit dem Holzbein. Ist ebenfalls eine Callotfigur. Trotz seiner Versehrheit bleibt der Zwerg frühlich und verteilt symbolisch Früchte aus seinem Obstkorb.
    • Der Zwerg mit dem Degen fehlt, dieser duellierende Zwerg befindet sich in Traunstein.
    • Der Zwerg mit den Kastagnetten ist eine Leihgabe. Der tanzende Zwerg gehört ebenfalls zu den typischen Figuren Callots.
    • Der Zwerg mit der Butte zeigt mit der seinerzeit dafür typischen Kopfbedeckung den braven Diener. Sein verschlagenes "Gegenstück" befindet sich in Traunstein.
    • Der Zwerg mit der Feldfasche fehlt. Der Brighella-Zwerg, das Gegenstück zum braven Diener befindet sich in Traunstein.
    • Der Zwerg mit der Löffelkappe fehlt ebenfalls. Dieser "Dottore" mit seinem typischen Ziegenbart und der Gürteltasche befindet sich in Traunstein.
    • Der Zwerg mit dem Zwicker. Der Tartaglia Zwerg sorgte wohl durch stotternde Wortverdrehungen für Heiterkeit. Er konnte stotternd Wahrheiten andeuten, ohne von einer Zensur erfasst zu werden.
    • (fehlend)
    • (fehlend)
    • (fehlend)

Duplikate, Nachahmungen und Verfilmung

Zwei Duplikate der Mirabellgartenzwerge - der Zwerg mit dem Spaten und die Zwergin mit der Obstschürze - sind neueren Ursprunges und stehen an der Südseite des Gebäude des ehemaligen Café Corsos am Giselakai neben dem Mozartsteg (Stand 2018).

Zwei heitere Weiterentwicklungen - der Zwerg mit dem Bierkrug und die Zwergin mit der Bierbretzel - befinden sich im Gastgarten des Stieglkellers in der Festungsgasse (Stand 2017).

Mit der Geschichte des Zwergelgartens beschäftigt sich der Film "Der Zwergengarten von Mirabell - Skurrile Meisterwerke aus Stein".

Bilder

Zwerge am Eingang des Kleinen Bastionsgartens

Zwerge im Kleinen Bastionsgarten

Die Bilder sind in Reihenfolge der Aufstellung der Zwerge, links beginnend im Uhrzeigersinn.

  • die 'Komödiantenzwerge'; die Szenen aus dem Stegreiftheater darstellen

Zwerge, die an anderen Orten aufgestellt sind

  • Der Zwerg mit den Kastagnetten (Salzburg-Mülln, Gasthaus Krimpelstätter) (?)
  • Der Zwerg in Kampfstellung (Salzburg-Riedenburg, Reichenhaller Straße)
  • Der Zwerg mit Schlapphut (Salzburg-Riedenburg, Reichenhaller Straße)
  • Der Zwerg mit der Feldflasche (Traunstein, Crailsheimerstraße)
  • Der Zwerg mit der Gans (Traunstein, Crailsheimerstraße)
  • Die freizügige Zwergin (Traunstein, Crailsheimerstraße)
  • Der Zwerg mit dem Löffel an der Kappe (Traunstein, Crailsheimerstraße)

weitere Bilder

  Zwergelgarten – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
  Zwergelgarten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 Quelle www.sn.at, Restaurierung 2018, abgefragt am 14. März 2018
  2. Quelle www.sn.at/salzburg/chronik, online, abgefragt am 20. Mai 2018
  3. www.stadt-salzburg.at
  4. data.onb.ac.at /Salzburger Zwerge