Pferdeschwemme (Hofmarstallschwemme)

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Der Rossbändiger bei der Pferdschwemme
Karte
Salzburg (Kupferstich) Matthäus Seutter, ca. 1740
Die Marstallschwemme in ursprünglicher Form
Nachts während der Festspielzeit

Die Marstallschwemme, für die Salzburger Bevölkerungr die Pferdeschwemme, ist eine der beiden erhaltenen Salzburger Pferdeschwemmen.

Lage

Sie befindet sich am Herbert-von-Karajan-Platz nördlich des nordöstlichen Portals des Sigmundstors in der Salzburger Altstadt.

Name

Die Pferdeschwemme war die 'Marstallschwemme', weil sie zum Hofmarstall gehört, der sich südöstlich davon befand.

Geschichte

1696 ließ Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun hier im Zuge der Erweiterung des Hofmarstalles eine Schwemme (Bad) für die Pferde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichten. Weil am Mönchsberg schon der Schüttkasten für den Marstall stand, wurde die Pferdeschwemme mit einer eigenen Rückwand versehen, um dieses zu verbergen. Die Schauwand mit kunstvollen Pferdefresken stammt in der Erstanlage ebenfalls aus der Zeit Fischer von Erlachs.

Die Gliederung der Schauwand und ihre heutige Secco-Malerei wurde im Jahr 1732 vom namhaften Salzburger Barockmaler Franz Anton Ebner unter Fürsterzbischof Firmian neu gestaltet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Secco-Malerei übertüncht und Fensterdurchbrüche für die dahinter gelegene Militärbäckerei angelegt. Diese Malerei wurde in den Jahren 1915 bis 1917 durch den aus Vorarlberg stammenden Restaurator Florus Scheel wieder freigelegt. Die Fehlstellen wurden anhand der im Salzburger Museum Carolino-Augusteum erhaltenen Entwürfe rekonstruiert.

Beschreibung

Der Rossebändiger, ein sich aufbäumendes Pferd bändigend, befindet sich in der Mitte der Schwemme. Diese Skulpturengruppe ist ein frühes Hauptwerk von Bernhard Michael Mandl. Das Motiv des Pferdebändigers ist ein in der Barockzeit häufig dargestelltes Motiv, das den Wettstreit der Leidenschaft mit der überkommenen (aristokratischen) Ordnung symbolisiert.

Der Salzburger Rossebändiger weist thematisch einige besondere Bezüge und Symbole auf. Am Satteltuch, dass den Rossebändiger und das Pferd verbindet, befindet sich das erzbischöflich Wappen. Damit erscheint das Pferd als ein dem Fürsten gehöriges. Der Bezähmer ist auch nicht als ein beliebiger Pferdeknecht zu verstehen. Die Szene erinnert uns an Alexander den Großen und die Bezwingung seines Leibrosses Bukephalos. Damit wird auf den erzbischöflichen Auftraggeber angespielt, der mit lenkender Hand das unbändige Tier zügelte und ihm den schuldigen Gehorsam abverlangt. Die aus Marmor gefertigte besonders hochwertige Skulptur mit ihrem hohen Maß an Dynamik war ursprünglich auf den Hofmarstall hin ausgerichtet. Damit wurde der Eindruck erweckt, als ob der Rossebändiger im Begriff sei, dass widerstrebende Tier zu bändigen und dem Hofmarstall zuzuführen. Der Bezugspunkt der Skulpturengruppe war das gegenüberstehende prächtig gestaltete nördliche Portal am Hofmarstall, das unter anderem auch die allegorischen Figuren von Europa und Asien enthält. Der Fürsterzbischof erinnerte damit an seines fürstlichen Status als Primas Germania.

1732 unter Fürsterzbischof Firmian wurde die Hofstallschwemme umgebaut. Das Becken bekam eine marmorne Ballustrade mit Figurenschmuck. Das Standbild wurde um 90 Grad gedreht und mit einem neuen prunkvollen Sockel versehen, auf dem der Fürsterzbischof auch 'sein' Wappen anbringen ließ. Gleichzeitig wurde die Schauwand von Hofmaler Franz Anton Ebner phantasievoll mit 11 verschiedenen Pferden gestaltet. Die Anregungen dazu holte er sich aus dem Antwerpener Stichwerk "Equile seu speculum equorum" über Pferderassen. Gezeigt werden Pferde, die sie sich im offenen Gelände tummeln und unter freiem Himmel spielen, springen, tänzeln und galoppieren. Der portalähnliche Mittelteil der Schauwand zeigt ein ganz besonderes edles Pferd, das geflügelte Pferd Pegasos aus der griechischen Mythologie. Bellerophontes, mit Hilfe des geflügelten Pferdes die Fürstentochter Andromeda vor dem Meeresungeheuer Ladon gerettet hatte und auch die Chimera bezwungen hatte, versuchte zuletzt noch auf Pegasos in den Olymp zu gelangen und diesen zu erobern. Zeus entsandte eine Bremse, die den Pegasos stach. Er strauchelte und Bellerophontes stürzte ins Verderben. Mit dieser geänderten Darstellung entstand ein neuer Bezug. Im Vordergrund zeigt die Bändigung des Rosses eine Tugend. Das dahinter liegende Wandgemälde hingegen zeigt die Folge von ungezügelter Überheblichkeit.

Man kann sich aber auch nur vorstellen, welch prächtiges Schauspiel es gewesen sein muss, wenn die Pferde aus dem figurengeschmückten Tor des Hofmarstalls herauskamen und zur Schwemme geführt wurden.

Bildergalerie

Quellen

Lehrerarbeitsgemeinschaft am Pädagogischen Institut Salzburg unter der Leitung von Josef Hübl: Heimatkunde Stadt Salzburg, Salzburger Druckerei, Ausgabe Mai 1974