Bistum Chiemsee

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Wappen des Bistums Chiemsee
Bistum Chiemsee, gegründet 1215/1216

Das Bistum Chiemsee war eines der (ursprünglich) vier Eigenbistümer des Erzbischofs von Salzburg.

Geschichte

Am 28. Jänner 1216 erhielt Erzbischof Eberhard II. von Regensberg, der das Bistum 1215 gegründet hatte, das Privileg der selbstständigen Besetzung des Eigenbistums Chiemsee. Das Bistum bestand von 1215 bis 1808 und gehörte zum Erzbistum Salzburg.

Im Jänner 2009 wurde das Bistum Chiemsee von Papst Benedikt XVI. als Titularbistum (historische Diözese, die einem Titularbischof zugeordnet ist) wieder errichtet.

Bischof

Die Bischöfe von Chiemsee waren Weihbischöfe der Salzburger Erzbischöfe und wurden aus den Mitgliedern des Domkapitels gewählt. Der Bischof galt als Lehnsmann des Salzburger Erzbischofs und wurde von diesem nominiert, konfirmiert, konsekriert und investiert. Er residierte zeitweise nicht nur in St. Johann in Tirol, sondern auch außerhalb seiner Diözese in Bischofshofen, auf Schloss Fischhorn und seit dem 14. Jahrhundert in Salzburg im Chiemseehof. Da der Bischof von Chiemsee Vasall des Erzbischofs war, hatte er Sitz und Stimme auf den Salzburger Landtagen und war kein Reichsfürst.

Bischofskirche war die Kirche des Klosters Herrenchiemsee auf der Herreninsel im Chiemsee. Die Augustiner-Chorherren des Klosters Herrenchiemsee bildeten das Domkapitel.

Gebietsumfang und -einteilung

Grenzen

Das Gebiet des Bistums Chiemsee war gänzlich vom Erzbistum Salzburg umschlossen. Die Bistumsgrenzen verliefen vom Südostende des Chiemsees südwärts, die heutige tirolisch-salzburgische Landesgrenze entlang und danach, noch die Nebentäler des Brixentals in sich schließend, wieder nordnordostwärts, immer östlich des Inns, über das Kaisergebirge, bis zum Nordufer des Chiemsees.

Im heutigen Tirol umfasst das ehemalige Diözesangebiet das Gebiet des Dekanats St. Johann in Tirol und fast das gesamte Gebiet des Dekanats Brixen im Thale (mit Ausnahme der Pfarren Wörgl, Bruckhäusl und Itter, deren Gebiet damals zur Kirchbichl gehörte).

Hingegen behielt der Erzbischof – der nicht wünschte, dass das Bistums Chiemsee an eine auswärtige Diözese grenze – alle dem Inn anrainenden Pfarren (im heutigen Tiroler Teil der Erzdiözese die Pfarren Kirchbichl, Ebbs und Erl sowie nördlich von Erl die heute bayrische (münchen-freisingische) Pfarre Rohrdorf) bei der Erzdiözese.

Pfarreien

Das Bistum bestand ursprünglich aus zehn Pfarreien; davon lagen

(bis 1504 zu Bayern gehörig): Kirchdorf, St. Ulrich am Pillersee, St. Johann im Leukental [das ist St. Johann in Tirol] und Söll
(bis 1816 zu Salzburg gehörig): Brixen im Thale

1804 bestand das Bistum aus elf Pfarreien mit 16 Vikariaten, zehn Kuratien, zehn Kooperaturen, elf Kaplaneien und Benefizien, einem Priesterhaus, einem Chorherrenstift, einem Kapuzinerkloster und 38 818 Katholiken.

Archidiakonate

Die Augustiner-Chorherren des Klosters Herrenchiemsee bildeten das Domkapitel; der Dompropst war zugleich Archidiakon des älteren Archidiakonats Chiemsee. Da der Bistumssprengel innerhalb dieses Archidiakonats lag und die Rechte des Archidiakons bei der Errichtung des Bistums bestätigt wurden, kam es zu langanhaltenden Kompetenzstreitigkeiten zwischen Bischof und Archidiakon. Diese konnten erst 1613 weitgehend beigelegt werden.

Der Salzburger Erzbischof erkannte dem Bischof von Chiemsee schließlich das volle Recht eines Ordinarius in seinem Bistum zu. In der Folge wurde das Archidiakonat in einen erzbischöflich-salzburgischen und einen bischöflich-chiemseeischen Teil geteilt.[1]

Durch die Errichtung eines Dekanates in St. Johann im Leukental wurde der Einfluss des Dompropstes 1621 erneut verringert.

Weiterführend

Für Informationen zum Thema Bistum Chiemsee, die über den Bezug zu Salzburg hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema.

Literatur

  • Fürst, Max: Das Bistum Chiemsee und seine Bischöfe. In: Heimatbilder aus dem Chiemgau, Nr. 49 (Traunstein, Historischer Verein für den Chiemgau, 1927) S. 226-240.
  • Wallner, Engelbert: Das Bistum Chiemsee im Mittelalter "1215-1508" (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim, Bd. 5). Rosenheim, Verlag des Historischen Vereins Rosenheim, 1967.
  • Moy, Johannes Graf von: Das Bistum Chiemsee, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 122 (1982) S. 1–50.
  • Naimer, Erwin: Das Bistum Chiemsee in der Neuzeit (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim, Bd. 11). Rosenheim, Verlag des Historischen Vereins Rosenheim, 1990.
  • Naimer, Erwin: Kirchengeschichte von St. Johann, in: Hye, Franz-Heinz; Trockenbacher, Franz; Marktgemeinde St. Johann in Tirol (Hrsg.): St. Johann in Tirol, Natur und Mensch in Geschichte und Gegenwart. St. Johann in Tirol, Verlag der Marktgemeinde, 1990.
  • Heim, Manfred: Bischof und Archidiakon, geistliche Kompetenzen im Bistum Chiemsee (1215-1817). St. Ottilien, EOS-Verlag, 1992.
  • Ritschel, Karl Heinz: Das Bistum Chiemsee. 2000.
  • Heim, Manfred: Das Bistum Chiemsee in der Germania Sacra, in: Bayerische Geschichte – Landesgeschichte in Bayern. Festgabe für Alois Schmid zum 60. Geburtstag, hg. v. Konrad Ackermann und Hermann Rumschöttel (Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 68), München 2005, S. 393–406.

Quelle

  • Fischer, Peter: St. Johann war einst bischöfliche Residenz. Vor 200 Jahren wurde das Bistum Chiemsee aufgelöst. In: Heimatkundliche Beiträge des Museums- und Kulturvereines St. Johann in Tirol Nr. 12, Frühjahr 2008 (PDF, 683 kB) = Tiroler Heimatblätter, 84 (2009), H. 1, S. 36–39.

Einzelnachweis

  1. erzbistum-muenchen.de, pdf, Pfarreien im ehem. Erzbistum Salzburg, bayerischer Anteil