Augustiner-Chorfrauen

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Die drei letzten Augustiner-Chorfrauen von Schloss Goldenstein bei ihrer Abfahrt am 4. September 2025 von der Seniorenresidenz Schloss Kahlsperg von links: von links: Sr. Regina, Sr. M. Rita und Sr. Bernadette.

Die Augustiner-Chorfrauen (lat Congregatio Beatae Mariae Virginis), Ordenskürzel CBMV, waren ein römisch-katholischer Frauenorden. Das letzte Kloster wurde 2023 aufgelöst.

Geschichte

Der Orden wurde 1597 in Frankreich vom heiligen Pierre Fourier und von der seligen Alix le Clerc gegründet. Sie sind in Frankreich unter dem Namen Congrégation de Notre-Dame de chanoinesses de Saint Augustin, kurz Congrégation Notre-Dame, bekannt. In Deutschland wurden sie zur Zeit ihrer ersten deutschen Niederlassungen auch als Welschnonnen oder Lotharinger Chorfrauen bezeichnet. Im deutschen Sprachraum gibt es heute noch Klöster in Essen, in Offenburg und in Paderborn.[1]

Augustiner-Chorfrauenstift Rastatt

1767 wurde in Rastatt, damals Residenzstadt des Markgrafen von Baden-Baden, von Maria Viktoria Pauline von Arenberg (* 1714; † 1793), der Gattin des letzten Markgrafen von Baden-Baden, ein Augustiner-Chorfrauen-Kloster gegründet. Die Schwestern kamen aus Alt-Breisach am Rhein und gehörten zur Kongregation Notre-Dame. 1877 wurde im Rahmen der Reform des Schulsystems das Rastatter weibliche Lehr- und Erziehungsinstitut aufgelöst und dem öffentlichen Volksunterricht der katholischen weiblichen Jugend übergeben.[2]

Die Augustiner-Chorfrauen in Salzburg

Im Jahr 1877 überließ das Benediktinerstift St. Peter den aus dem badischen Rastatt vertriebenen Augustiner-Chorfrauen Schloss Goldenstein in der Flachgauer Gemeinde Elsbethen, wo sie das Augustinerinnen-Kloster Goldenstein einrichteten. Die Augustiner-Chorfrauen betrieben dort die Mädchenhauptschule Goldenstein. Weiters waren sie 40 Jahre bis 2023 in Maria Kirchental im Pinzgau vertreten. Ende 2023 wurde nach 147 Jahren auch der Standort in Schloss Goldenstein aufgegeben.

Jener Teil, der zuletzt als Kloster genutzt wurde, befindet sich in der südwestlichen Ecke des Gebäudekomplexes. Die anderen Teile des Schlosses werden noch heute als Schule genutzt. Unmittelbar östlich dieses Klostergebäudes befindet sich die Schlosskapelle.

 
Die Gebäudeteile, die den Klostertrakt bilden.

Neuorganisation der Schule von Goldenstein

2015 wurde der Internatsbetrieb im Schloss Goldenstein eingestellt. 2017 wurden in der bisherigen Mädchenschule auch erstmals Buben aufgenommen. Bei hoher Nachfrage nahm die Zahl der Schwestern immer weiter ab. 2019 wurde eine päpstliche Kommission eingesetzt, zu der auch Erzbischof Franz Lackner gehörte. Da die Kongregation in Goldstein nur noch vier Chorfrauen zählte, konnte sie nach Kirchenrecht die Schule nicht mehr allein lenken. Da dringende Sanierungsmaßnahmen, vor allem der Einbau von Fluchtstiegen notwendig war und das Land Salzburg die Unterstützung eines solchen Umbaus nur bei einer gesichterten Trägerschaft zusagte, entwickelte die Kommission gemeinsam mit der Klostergemeinschaft Goldenstein ein Zukunfsszenario.[3] 2022 einigten sich Erzdiözese Salzburg und Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg, die Trägerschaft für die private Mittelschule in Schloss Goldenstein zu übernehmen. Für die dringend notwendige Sanierung der Klassenräume und dem mit dem Bundesdenkmalamt geplanten Anbaus des behördlich vorgeschriebenen Fluchtstiegenhauses waren Mittel in der Höhe von 5,8 Millionen Euro veranschlagt.[4]

Auflösung von Kloster Goldenstein

Im Sommer 2023 besuchte Schwester M. Beate Brandt, Augustiner Chorfrau in Essen und Präsidentin der Föderation des Ordens, zu dem auch die drei verbliebenen Chorfrauen, Rita Hörtenhuber, Bernadette Bangler, und Regina Rechbergergehören, Kloster Goldenstein. Dabei bermekte sie, dass die Schwestern Probleme mit der Bewältigung des Alltags hatten. Gesundheitliche Probleme führten zu Behandlungen in einem Krankenhaus und es wurde eine ärtzliche Empfehlung abgegben, die Schwester nicht autonom im Kloster wohnen zu lassen. Auch nach Einschätzung von Schwester Beate Brandt schien es unmöglich, dass sich die Schwestern weiterhin dort selbst versorgen könnten.[5]

im Dezember 2023 übersiedelten die Schwestern in die Seniorenresidenz Schloss Kahlsperg.[6] 2024 wurde mit der Generalsanierung des Schlossgebäudes Goldenstein begonnen und auch Räumlichkeiten für eine Arztpraxis geschaffen.[7] Am 8. Februar 2024 feierten die Schwestern in der Kapelle von Schloss Kahlsperg mit einer Messe ihren Einzug in die Seniorenresidenz.[8] An der Messe nahmen die Schwestern Rita und Bernadette persönlich Teil, Schwester Regina verfolgte diese via einer Übertragung von ihrem Zimmmer aus.

Ehrenbürgerinnen von Elsbethen

Rita Hörtenhuber (80), Bernadette Bangler (87) und Regina Rechberger (85) wurden am Sonntag, den 2. Juni 2024, die Elsbethner Ehrenbürgerschaft verliehen. Die drei Schwestern vom Orden der Augustiner-Chorfrauen Goldenstein seien durch ihr Wirken in der Schule eng mit dem Ort verbunden, betonte Bürgermeister Matthias Herbst. Die Verleihung fand im Rahmen einer Festmesse in der Kapelle der Seniorenresidenz Schloss Kahlsperg statt.[9] Schwester Rita und Schwester Bernadette nahmen an der Messe und dem Festempfang persönlich teil, Schwester Regina war nocht bettlägerig, ihr wurde die Urkunde in ihrem Zimmer übergeben.[10]

Nach der Auflösung des Kloster

Seit Weihnachten 2023 lebten die drei verbliebenen Schwestern Rita, Bernadette und Regina nicht mehr in ihrem Kloster in Elsbethen, sondern in der rund acht Kilometer südlich gelegenen Seniorenresidenz Schloss Kahlsperg in Oberalm, die von der Caritas betrieben wird. Der Gesundheitszustand der drei Schwestern hatte sich in den letzten Monaten 2023 rapide verschlechtert, so die offizielle Begründung für die Umquartierung. Markus Grasl, Propst des Augustiner-Chorherrenstifts Reichersberg, der seit Oktober 2022 für das Kloster Goldenstein als Apostolischer Kommissar zuständig ist, veranlasste dies. Das Kloster blieb vorerst bestehen, die Messen in der Schlosskapelle von Goldenstein waren aber ausgesetzt. Schwester Rita verbrachte die Weihnachtszeit 2023 im Stift Reichersberg und zog 2024 in die Seniorenresidenz Kahlsperg, nachdem sie zuvor im Kloster der Augustiner-Chorfrauen in Essen in Deutschland gelebt hatte.

 
Kloster Schloss Goldenstein 2025.

2025 wurde von Medien berichtet, dass die drei Schwestern gegen ihren Willen in die Seniorenresidenz Schloss Kahlsperg übersiedelt worden seien. Grundlage war ein Übergabevertrag, den Markus Grasl im März 2022 mit ihnen abgeschlossen hatte. Darin wurde ihnen ein lebenslanges Wohnrecht im Kloster zugesichert, jedoch nur "solange dies gesundheitlich sowie geistlich vertretbar ist". Seit der Übersiedelung in die Seniorenresidenz kämpften die Schwestern, unterstützt von ehemaligen Schülerinnen, um ihre Rückkehr in ihr Kloster. Probst Grasl verwies neulich auf eine rapide Verschlechterung des Gesundheitszustands der Schwestern im Dezember 2023. Ein selbstständiges Leben im Kloster sei aufgrund von Alter, Gesundheit, ordensspirituellen Anforderungen und baulichem Zustand nicht mehr möglich gewesen. Offiziell hat nur Schwester Regina (86) die Pflegestufe 4, Schwester Bernadette (88) wurde von Stufe 4 auf 3 zurückgestuft, und Schwester Rita (81) hat keine Pflegestufe.

 
Bei der Rückkehr am 4. September 2025.

Am Donnerstag, 4. September 2025, wurden im Klausurtrakt der Schwestern, der seit fast zwei Jahren unbewohnt war, Strom und Wasser wiederhergestellt; einzig, das Warmwasser fehlte noch, da der Boiler in einem anderen Teil des Schlosses stand. Bereits zuvor war das Türschloss zu ihren Räumen erneut ausgewechselt worden, nachdem es nach ihrem "Umzug" in die Seniorenresidenz ausgetauscht worden war.

 
Bei der Rückkehr am 4. September 2025.

Die drei Schwestern leben seither wieder in ihrem Kloster, wo sie u. a. von ehemaligen Schülerinnen betreut werden. Mitte September 2025 berichtete die British Broadcasting Corporation (BBC) über die drei Ordensschwestern, die gegen den Willen ihrer Obrigkeit wieder in ihr Kloster zurückgekehrt waren.[11] Auch CNN, private Filmteams und weitere internationale Medien besuchten die Nonnen im Kloster Goldenstein. Die Geschichte ihres Widerstands gegen die Übersiedelung ins Altersheim sorgte weltweit für Aufmerksamkeit. Der US-Dokumentarfilmer Brad Bailey recherchierte vor Ort, ebenso reisten Interessierte aus dem Ausland an.

Mehrere Medien wählten zugespitzte Titel, etwa die "Bild" mit "Die Nonnen-Revolte von Österreich". Die Salzburger Nachrichten berichteten über den Besuch eines Reporters der New York Times bei Bürgermeister Matthias Herbst.[12] Auf Instagram erreichten die "nonnen_goldenstein" zu diesem Zeitpunkt über 26.700 Follower.

 
27. September 2025: Dankgottesdienst

Das Land Salzburg forderte im November 2025 vom Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg Sozialleistungen zurück, die für die Unterbringung der drei Schwestern im Pflegeheim Oberalm beantragt worden waren. Der Behörde war der Übergabevertrag des Klosters, der auch die finanzielle Lage regelte, zunächst nicht vorgelegt worden. Nach Bekanntwerden wurden die Zahlungen eingestellt. In einem Gespräch am 18. November vereinbarten Soziallandesrat Wolfgang Fürweger und Propst Markus Grasl, dass das Stift die Rückforderung von rund 64.000 Euro übernimmt.[13][14]

Am 26. November legte Propst Grasl den Schwestern über seinen Sprecher Harald Schiffl eine Vereinbarung vor, die von den Schwestern lehnten am 28. November abgelehnt wurde. Ihr Anwalt bezeichnete das Dokument als unzumutbar und rechtlich nachteilig. Die Nonnen verwiesen darauf, dass ihnen lebenslanges Wohnrecht zugesichert worden sei. Propst Grasl kündigte an, die Angelegenheit dem Ordensdikasterium im Vatikan vorzulegen. Im äußersten Fall könnte eine Exkommunikation drohen. Zugleich müsse in Rom auch über das Vermögen der Schwestern entschieden werden, da sie die letzten Mitglieder ihres Ordens in Österreich sind. Grasl betonte jedoch, er wolle keine Exkommunikation und schätze das Wirken der Schwestern.[15]

Am Mittwoch, 3. Dezember 2025, berichteten die "Salzburger Nachrichten", dass ehemalige Schülerinnen das Bild über ihre Schulzeit in Goldenstein zurechtrücken wollen. Eine frühere Internatsschülerin schilderte, in den 1970er-Jahren unter dem strengen Erziehungsstil von Schwester Bernadette gelitten zu haben.[16] Die Reaktionen auf die Berichte über frühere Erziehungsmethoden fielen unterschiedlich aus: Einige ehemalige Schülerinnen beschrieben die damalige Strenge als Teil der "Normalität" jener Zeit, andere berichteten von belastenden Erfahrungen. Wiederum andere erinnerten Schwester Bernadette als engagierte Lehrerin, die ihnen in schwierigen Situationen geholfen habe.[17]

Quellen

  • www.sn.at, 2. Juni 2024
  • infomediaworx.wordpress.com. 5. September 2025: Erzwungenes "Kirchenasyl" – Klosterschwestern kehren ins Schloss zurück
  • www.podcast.de "Die Dunkelkammer", #213 Die Nonnen von Goldenstein #1 "Unsere Menschenrechte werden mit Füßen getreten"
  • www.podcast.de "Die Dunkelkammer", #215 Die Nonnen von Goldenstein #2 "Die Wahrheit wird herauskommen"
  • www.katholisch.at, 19. August 2025: Goldensteiner Schwestern: Erzdiözese und Stift weisen Kritik zurück
  • www.ordensgemeinschaften.at, 19. August 2025: Stellungnahmen zur Berichterstattung über die Goldensteiner Schwestern
  • www.sn.at, 5. September 2025: Nonnen zogen eigenmächtig wieder vom Heim ins Kloster: Nun spricht ihr Ordensoberer
  • www.sn.at, 22. September 2025: Nonnen von Goldenstein "wollten die Aufmerksamkeit nicht"

Einzelnachweise

  1. Augustiner Chorfrauen auf der Seite Ordensgemeinschaften in Deutschland
  2. Augustiner-Chorfrauenstift Rastatt auf den Seiten des Landesarchivs Baden-Württemberg
  3. Goldenstein: Schule sucht Weg in Zukunft In: Katholische Kirche Erzdiözse Salzburg
  4. Zukunft der Privaten Mittelschule Goldenstein ist langfristig gesichert In: Katholische Kirche Erzdiözese Salzburg
  5. Ordensfrauen wollen zurück in ihr Kloster – Warum das nicht mehr geht Interview mit Schwester Beate Brandt vom 28. August 2025
  6. Neuerungen für Kloster Goldenstein in: Katholische Kirche Erdziözese Salzburg
  7. Sicherer Zugang zur Schlossordination Jänner 2025
  8. Dankgottesdienst mit den Goldensteiner Schwestern In: Neuigkeiten, Website Stift Reichersberg
  9. Ehrenbürgerschaft an Goldensteiner Augustiner Chorfrauen verliehen In Ordensgemeinsachften Österreich vom 11. Juni 2024
  10. Verleihung der Ehrenbügerschaft In: Neuigkeiten, Website Stift Reichersberg
  11. www.sn.at, 13. September 2025
  12. www.sn.at, 17. September 2025
  13. sn.at, 30. Oktober 2025
  14. sn.at, 18. November 2025
  15. sn.at, 29. November 2025
  16. sn.at, 3. Dezember 2025
  17. sn.at, 3. Dezember 2025