Geplante Bahnverbindung zwischen Lofer und Bad Reichenhall

Aus SALZBURGWIKI
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1899 war eine Bahnverbindung zwischen Lofer und Bad Reichenhall geplant.

Geschichte

In der Chronik der Marktgemeinde Saalfelden aus dem Jahr 1992 wird berichtet, dass die Gemeindevorstehung von Lofer das alte Projekt einer Bahnverbindung zwischen der Stadt Salzburg und St. Johann in Tirol mit einer Abzweigung von Lofer nach Saalfelden nach dem Ersten Weltkrieg initiieren wollte[1]. Dabei bezog sich die Gemeinde auf ein Projekt, über das bereits im Jahr 1885 in der „Wiener Zeitung“ erstmals berichtet wurde [2]. Dort steht zu lesen, dass der Wiener Zivilingenieur Karl Smetana und der Fabriksbesitzer Nikolaus Lauer aus St. Johann in Tirol um die Bewilligung zur Vornahme technischer Vorarbeiten für eine normalspurige Lokalbahn zwischen Saalfelden über Weißbach nach Lofer angesucht haben, um diese Strecke an die bereits projektierte Bahn zwischen St. Johann in Tirol und Reichenhall anzubinden. Erst um die Jahrhundertwende finden wir weitere Informationen zu diesem Projekt.

Die „Österreichische Touristenzeitung“ berichtete in ihrer Ausgabe von 1899:[3]

Bahnverbindung zwischen Lofer-Saalfelden-St. Johann i. T. und Reichenhall. Bei der am 31. December v. J. in Lofer stattgefundenen Sitzung des »Salzburg-Tiroler Actions-Comités« zur Verwirklichung der vorgenannten Bahnprojecte wurde nachfolgender Beschluss gefasst: Die heutige Versammlung der Interessenten (Actions-Comités) der Eisenbahn Saalfelden-Lofer-St. Johann i. T. und Lofer-Reichenhall erklärt und beschliesst einstimmig, dass nach dem Ergebnisse der Audienz bei Sr. Excellenz dem Herrn k. k. Eisenbahn Eisenbahnminister ­mit allem Nachdruck die Herstellung der Eisenbahn Saalfelden-Lofer-St. Johann i. T. als normalspurige Vollbahn unbedingt anzustreben ist, dass ferner die Linie Lofer-Reichenhall als schmalspurige Bahn gleichfalls anzustreben ist, wenn diese als normalspurige Vollbahn nicht erreichbar sein sollte. Doch soll in diesem Falle das Project Lofer-Reichenhall derart ausgearbeitet werden, dass die Schmalspur ohne besondere Abweichungen in die Normalspur umgewandelt werden kann, wobei ganz besonders auf die Brücken, Durchlässe, Tunnels, Bögen und Steigungen Rücksicht genommen werden soll. Herr Hermann Schmidtmann auf Schloss Grubhof erklärte die Kosten der Projectirung beider Linien einstweilen zu bestreiten.

Etwa zehn Jahre später lassen sich weitere Hinweise zu dieser Bahn finden. In der „Neuen Freien Presse“ vom 22. Oktober 1910 wird über dieses Projekt berichtet.[4] In den Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins aus dem Jahr 1912 wird über die „Bedeutung des Saalachtalbahnprojekts für den Turistenverkehr“ (sic!) berichtet.[5]

Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte die Marktgemeinde Lofer einen Pinzgau-Besuch des damaligen Bundespräsidenten Michael Hainisch, um ein Ansuchen für dieses Projekt zu stellen.[6] Georg Zwanowetz schreibt dazu, dass die Salzburger Landesregierung dieses Ansuchen dem Bundesministerium für Handel und Verkehr zur Kenntnis brachte. Dieses habe jedoch dazu eine negative Antwort an die Landesregierung gegeben. Dabei bezog sich das Ministerium auf eine ablehnende Haltung seitens der bayerischen Staatsregierung und auf die schwere Schädigung für die bestehende zweigleisige und vor der Elektrifizierung stehende Linie Salzburg - Saalfelden - St. Johann in Tirol durch die „Wegkürzung“ hinwies. Außerdem würde die erwartete Verminderung der Reise- und Beförderungsdauer wegen der „zweimaligen Überschreitung der Zollgrenze“ nicht voll zur Geltung kommen und durch die Ablenkung eines großen Teiles der Reise- bzw. Fremdenverkehrs von der bestehenden Hauptlinie würde dem Land Salzburg ein den Nutzen des Marktes Lofer und seiner Umgebung bedeutend überwiegender wirtschaftlicher Schaden erwachsen. Daher könne die angestrebte Bahnverbindung schwerlich im Interesse des Landes Salzburg liegen.[7]

Im Buch über die Salzburger Eisenbahnen von Adalbert Müller[8] wird berichtet, dass kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine Anzahl Tiroler Interessenten unter Führung ihres damaligen Landtagspräsidenten die Forderung aufstellten, eine wesentliche Verkürzung der Verbindung mit Salzburg, Linz und Wien durch eine Hauptbahn von St. Johann in Tirol über Lofer entlang der Bundesstraße 1 zu errichten. Das einzige konkrete Ergebnis dieser fünfzigjährigen Bemühungen sei der an ein Bahnhofsgebäude erinnernde Gasthof Auvogel in Weißbach bei Lofer, stellt Georg Zwanowetz fest.[9] Dieses Gebäude enthält heute das Café Auvogel und einen Spar-Markt.[10]

Quellen

  1. Zwanowetz, Georg (1992): „Zur Geschichte des Bahnhofs Saalfelden, der Strecke Zell am See – Kitzbühel und des Bahnprojektes Saalfelden – Lofer – Reichenhall – Salzburg.“ – In: Marktgemeinde Saalfelden (Hrsg.): „Chronik Saalfelden.“ Band I. Saalfelden: Eigenverlag, S. 291–303
  2. ANNO, „Wiener Zeitung“, Nr. 60/1885, 14. März 1885, S. 7, Mitte oben
  3. ANNO, Österreichische Touristenzeitung, Ausgabe 1899, Seite 65
  4. ANNO, „Neue Freie Presse“, Morgenblatt, Nr. 16583/1910, 22. Oktober 1910, S. 21, Mitte rechts.
  5. www.literature.at, Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1912, Band XXXVIII, S. 123-124
  6. Zwanowetz 1992, S. 300
  7. ebd., S. 300f
  8. Müller, Adalbert (1979): „Die Eisenbahnen in Salzburg. Geschichte der Schienen- und Seilbahnen.“ 2. erweiterte und verbesserte Auflage. Salzburg, S. 149, zitiert nach G. Zwanowetz 1992, S. 302
  9. ebd., S. 301
  10. Homepage Café Auvogel