ehemaliger Hochofen in Bundschuh

Der Hochofen Franzenshütte im Lungau ist ein Montandenkmal. Er zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in Thomatal und ist eines der Museen und Privatsammlungen im Bundesland Salzburg. Es erinnert an die einst bedeutende Lungauer Eisenindustrie.

Geschichte

Der Salzburger Domdechant Wilhelm von Trautmannsdorf, der selbst Gewerke bei mehreren Lungauer Bergbauen war, besaß das Eisenwerk in Bundschuh. 1562 verkaufte das Eisenwerk mit allen anderen Einrichtungen sowie den Drahthammer samt Blahaus in Mauterndorf um 3.400 Gulden und 100 Taler an die Gewerken Urban Mayr aus Schwaz in Tirol, Ludwig Plaphart und Christof Gressing in Tamsweg.

Ab 1633 scheint mit dem Mauterndorfer Gewerken Karl Jocher ein neuer Besitzer auf. Es folgten weitere Besitzer. Unter den steirischen Gewerken Franz X. Neuper und Josef Pesendorfer begann 1839 ein kontinuierlicher Betrieb des Werkes. Es kam zur Gründung der Lungauer Eisengewerkschaft.

1771 wurde in Bundschuh eine neue Schichtenordnung eingeführt, die dann ein Jahr lang Gültigkeit hatte. Häuer und Förderer mussten demnach in 14 Tagen 110 Stunden bei der Arbeit zubringen. Ungefähr 100 Arbeiter waren in diesem Hüttenbetrieb angestellt.

Der Hochofen wurde von den Gewerken Neuper und Pesendorfer im Jahre 1862 errichtet und war damals einer der modernsten in ganz Österreich. Die Besonderheit des Bundschuher Hochofens besteht darin, dass dieser bereits mit einem gichtgasbeheizten Röhren-Winderhitzer ("Staffordshire-Apparat") arbeitete, der heute als das wahrscheinlich einzige in situ erhaltene Gerät dieser Art im deutschsprachigen Raum, wenn nicht in ganz Europa, gilt. Er wurde um 1885 errichtet und stellt heute eine wahre Rarität der Technikgeschichte dar.

Um 1880 war das Gebiet um Bundschuh eines der größten Bergbaureviere Salzburgs. Eisenerz wurde damals in Kendlbruck und in Schönfeld abgebaut. Der Konkurrenzdruck steirischer Hütten und die schwefelhaltigen, schwer verhüttbaren Erze hier in Bundschuh führten 1885 zur Einstellung der Bundschuher Roheisenproduktion. Der gesamte Werkskomplex wurde verkauft, da die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben war.

Von 1901 bis 1903 wurde unter den Pächtern der steirische Firma E. Bleckmann’s Phönix–Stahlwerke nochmals Roheisen erzeugt, danach wurde das Werk endgültig stillgelegt. Seit 1926 befindet sich die Herrschaft Ramingstein-Bundschuh samt der Hochofenanlage Franzenshütte in Schwarzenberg’schem Eigentum.

Das Museum

Die Hochofenanlage in Bundschuh stellt ein Wirtschaftsdenkmal aus dem industriellen Bereich und eine montanhistorische Besonderheit dar. 1975 wurde er vom Verein zur Erhaltung der Schmelzanlage Bundschuh erstmals restauriert. Seit 1984 ist in der „Franzenshütte“, Gebläsehaus der Schmelzanlage, ein sehenswertes „Hochofenmuseum Franzenshütte“ eingerichtet.

Im Museum werden interessante Gerätschaften, Knappengezähe (Werkzeug), Stollenfundstücke, eine Bergschmiede, Schlitten für den Erz- und Kohlebetrieb, Lungauer Mineralien, Bundschuher Roheisen und vieles andere mehr gezeigt. Der Besucher erhält einen Einblick in die Arbeitswelt der Bergleute um 1860. Mit Röstöfen, Teilen des Kohlenbarrens, Gebläsehaus, Hochofen, Gewerken- und Personalhaus, Gasthaus für die Hüttenarbeiter und dem Kalkofen ist es ein weitgehend vollständiges Industrie-Ensemble und steht unter Denkmalschutz.

1994 wurde auf Initiative von Dr. Wolfgang Vetters und Felix Lackner das Projekt "Schätze aus Salzburgs Boden" aus der Taufe gehoben. 1997 wurde der gleichnamige Verein unter dem Obmann Univ. Prof. Dr. Heinz Dopsch gegründet, mit dem Ziel, die noch vorhandenen Spuren des ehemaligen Bergbaues im ganzen Land Salzburg sichtbar zu machen sowie die geowissenschaftlich interessanten Punkte für die Öffentlichkeit aufzubereiten. Thomatal-Bundschuh konnte, aufgrund des Vorhandenseins so vieler montanhistorisch bedeutender Baulichkeiten, als Modellgemeinde für diese einheitliche Darstellung den Zuschlag erhalten. Das Projekt hat sich in weiterer Folge über den gesamten Lungau erstreckt.

Im Jahr 2011–2012 wurde das Museum ausgebaut und unter fachlicher Anleitung neu gestaltet. Seit der Wiedereröffnung am 2. Juni 2012 erwartet den Besucher in der Hochofenanlage "Franzenshütte" ein komplett neues, alle Sinne ansprechendes Museum.

Bildergalerie

Weblinks

Quellen