Laufkraftwerk Eichetmühle: Unterschied zwischen den Versionen

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== Geschichte ==
 
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Die Geschichte dieses Kraftwerks reicht bis ins [[15. Jahrhundert]] zurück. Damals hatte sie ''Aichetmühle'' geheißen und war im Besitz des Salzburger [[Domkapitel]]s. 1898 von den [[Städtische Elektrizitätswerke Salzburg|Städtischen Elektrizitätswerken Salzburg]]  erworben und zum Wasserkraftwerk ausgebaut.
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=== Getreide- und Sägemühle ===
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Etwa seit dem [[15. Jahrhundert]] bestand an dieser Stelle die [[Azetmühle]] (später:''Aichetmühle''), eine Getreidemühle mit Sägewerk. Diese stand im Besitz des Salzburger [[Domkapitel]]s.  
  
Ein Drehstromgenerator lieferte Strom über eine 3 000-Volt-Leitung in die Stadt und ein Gleichstromgenerator sorgte ab 1908 für den Betrieb der "[[Rote Elektrische|Roten Elektrischen]]" [[Salzburger Lokalbahn]].
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=== Wasserkraftwerk ===
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[[1898]] wurde die Sägemühle von den [[Städtische Elektrizitätswerke Salzburg|Städtischen Elektrizitätswerken Salzburg]] erworben und zu einem Wasserkraftwerk zur Produktion von elektrischen Strom umgebaut. Der Betrieb wurde [[1899]] aufgenommen.
  
==Kraftwerk ==
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[[1908]] erfolgte der maschinelle Ausbau für den Betrieb der [[Rote Elektrische]]n, sowie zur Elektrifizierung der [[Gelbe Elektrische]]n.
Heute ist es eines von 15 Kraftwerken am Almkanal bis zur Mündung in die [[Salzach]] und noch heute in fast originalem Zustand am Netz. Schon [[1899]] wurde es in Betrieb genommen. Der Name stammt von seiner früheren Funktion: An dieser Stelle stand die [[Azetmühle]] – eine Getreidemühle mit Sägewerk. Nach dem Ankauf durch die Elektrizitätswerke ([[Salzburg AG]]) entstand an ihrer Stelle ein Laufkraftwerk mit einer Francis-Turbine. Ursprünglich wurde das Kraftwerk zur Elektrifizierung der [[Stadtbus|Stadt-]] und [[Salzburger Lokalbahn|Lokalbahn]] benötigt.
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In die Anlage wurde eine Francis-Turbine von Voith mit stehender Welle eingebaut. Durch eine Kammradübersetzung wurde die Kraft auf eine horizontale Welle übertragen, die, durch eine flexible Zodel-Voith-Kupplung verbunden, einen Drehstromgenerator für 3&nbsp;000 V und 50 Per/s und einen Gleichstrom-Bahndynamo auf gemeinsamer Welle mit aufgebauter Erregerdynamo antrieb. Jede Maschine war für die volle Turbinenleistung erbaut und lieferte 120 kW. Der erzeugte 3&nbsp;000 Volt Drehstrom wurde über eine Bedienungsschalttafel mit den nötigen Instrumenten und Apparaten versehen, direkt in das Überlandnetz mit gleicher Spannung abgegeben. Der von der Bahndynamo erzeugte Gleichstrom 850 Volt, diente zur Stromversorgung der Roten Elektrischen, einer Lokalbahn von Salzburg nach Berchtesgaden, soweit die Strecke auf österreichischen Boden lag. Zur Reserve diente ein Drehstrom-Gleichstrom-Umformer-Aggregat für eine Leistung von 100 kW. Für Bahnzwecke diente ferner eine Pufferbatterie, bestehend aus 410 Zellen, Type J. S. 12 Tudor mit einer Kapazität von 222 A/li, sowie ein Pirani-Umformer-Aggregat, bestehend aus 1 Gleichstrom Gleichstrommotor 53 PS, 850 V, 50 Ampere, 900 U. p. min., 1 Generator 30 kW, 90/140 Volt, 108/240 Ampere und 1 Erregerdynamo 0,45 kW, 110/850 Volt, 4 Ampere auf gemeinsamer Welle. In der Anlage wurden im abgelaufenen Jahr 732&nbsp;000 kWh Drehstrom und 185&nbsp;000 kWh Gleichstrom, zusammen 917&nbsp;000 kWh erzeugt, was bestätigte, dass die Anlage ständig voll ausgenützt lief.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=emb&datum=19220004&query=(((text:almkanal)+AND+(text:Eichetm%c3%bchle)))&seite=213 ANNO], Elektrotechnik und Maschinenbau, 1922, Seite 213</ref>
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[[1953]] wurde nach der Stilllegung der Lokalbahn-Südstrecke der Umformersatz, der diesen versorgte, abgestellt.
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Heute ist es eines von 15 Kraftwerken am Almkanal bis zur Mündung in die [[Salzach]] und noch heute in fast originalem Zustand am Netz.  
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Betrieben wird es heute von der [[Salzburg AG]].
  
 
Heute produziert das Kraftwerk mit der aus [[1908]] stammenden Ausrüstung noch immer Strom und ist ein historisch besonders wertvolles Industriedenkmal. Etwas Besonderes ist auch das 2,45 m große Kammrad mit 126 Kammreihen aus Weißbuche, der Triebling hat 36 Zähne.
 
Heute produziert das Kraftwerk mit der aus [[1908]] stammenden Ausrüstung noch immer Strom und ist ein historisch besonders wertvolles Industriedenkmal. Etwas Besonderes ist auch das 2,45 m große Kammrad mit 126 Kammreihen aus Weißbuche, der Triebling hat 36 Zähne.
 
[[Datei:Kammzähne aus Weißbuche.jpg|thumb|Kammzähne aus Weißbuche]]  
 
[[Datei:Kammzähne aus Weißbuche.jpg|thumb|Kammzähne aus Weißbuche]]  
[[1908]] maschineller Ausbau für den Betrieb der [[Salzburger Lokalbahn]].
 
 
[[1953]] wurde nach der Stilllegung der Lokalbahn-Südstrecke der Umformersatz, der diesen versorgte, abgestellt.
 
  
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:Kraftwerkstype: Laufkraftwerk  
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: Kraftwerkstype: Laufkraftwerk  
:Durchschnittliche Jahreserzeugung: 950 MWh  
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: Generatornennleistung 165 kW mit horizontaler Welle über Kammrad und Triebling
:Ableitung über die Umspannstation Eichetmühle in das Mittelspannungsnetz der Salzburg AG
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: Ableitung über die Umspannstation Eichetmühle in das Mittelspannungsnetz der Salzburg AG
  
 
Besichtigungen sind nach Vereinbarung möglich (Salzburg AG).
 
Besichtigungen sind nach Vereinbarung möglich (Salzburg AG).
  
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* [[Salzburg AG]], Kraftwerksgruppe Flachgau/Tennengau
 
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* [https://stiftsarm.jimdo.com/geschichte/kraftwerk-eichetm%C3%BChle/ stiftsarm.jimdo.com/]
 
* [https://stiftsarm.jimdo.com/geschichte/kraftwerk-eichetm%C3%BChle/ stiftsarm.jimdo.com/]
 
* [http://www.almkanal.at/  Homepage der Almkanalgenossenschaft]
 
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==== Einzelnachweise ====
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Version vom 21. April 2020, 10:34 Uhr

Kraftwerk Eichetmühle am Almkanal in Grödig-Eichet
Kraftwerk Eichetmühle mit Untersberg

Das Kraftwerk Eichetmühle am Almkanal in der Marktgemeinde Grödig (Flachgau) ist das älteste Laufkraftwerk Salzburgs, das noch im Betrieb ist. Seit über 900 Jahren wird der Almkanal bei Hangendenstein-Pass von der Königsseeache ausgeleitet. Es zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Marktgemeinde.

Geschichte

Getreide- und Sägemühle

Etwa seit dem 15. Jahrhundert bestand an dieser Stelle die Azetmühle (später:Aichetmühle), eine Getreidemühle mit Sägewerk. Diese stand im Besitz des Salzburger Domkapitels.

Wasserkraftwerk

1898 wurde die Sägemühle von den Städtischen Elektrizitätswerken Salzburg erworben und zu einem Wasserkraftwerk zur Produktion von elektrischen Strom umgebaut. Der Betrieb wurde 1899 aufgenommen.

1908 erfolgte der maschinelle Ausbau für den Betrieb der Rote Elektrischen, sowie zur Elektrifizierung der Gelbe Elektrischen.

In die Anlage wurde eine Francis-Turbine von Voith mit stehender Welle eingebaut. Durch eine Kammradübersetzung wurde die Kraft auf eine horizontale Welle übertragen, die, durch eine flexible Zodel-Voith-Kupplung verbunden, einen Drehstromgenerator für 3 000 V und 50 Per/s und einen Gleichstrom-Bahndynamo auf gemeinsamer Welle mit aufgebauter Erregerdynamo antrieb. Jede Maschine war für die volle Turbinenleistung erbaut und lieferte 120 kW. Der erzeugte 3 000 Volt Drehstrom wurde über eine Bedienungsschalttafel mit den nötigen Instrumenten und Apparaten versehen, direkt in das Überlandnetz mit gleicher Spannung abgegeben. Der von der Bahndynamo erzeugte Gleichstrom 850 Volt, diente zur Stromversorgung der Roten Elektrischen, einer Lokalbahn von Salzburg nach Berchtesgaden, soweit die Strecke auf österreichischen Boden lag. Zur Reserve diente ein Drehstrom-Gleichstrom-Umformer-Aggregat für eine Leistung von 100 kW. Für Bahnzwecke diente ferner eine Pufferbatterie, bestehend aus 410 Zellen, Type J. S. 12 Tudor mit einer Kapazität von 222 A/li, sowie ein Pirani-Umformer-Aggregat, bestehend aus 1 Gleichstrom Gleichstrommotor 53 PS, 850 V, 50 Ampere, 900 U. p. min., 1 Generator 30 kW, 90/140 Volt, 108/240 Ampere und 1 Erregerdynamo 0,45 kW, 110/850 Volt, 4 Ampere auf gemeinsamer Welle. In der Anlage wurden im abgelaufenen Jahr 732 000 kWh Drehstrom und 185 000 kWh Gleichstrom, zusammen 917 000 kWh erzeugt, was bestätigte, dass die Anlage ständig voll ausgenützt lief.[1]

1953 wurde nach der Stilllegung der Lokalbahn-Südstrecke der Umformersatz, der diesen versorgte, abgestellt.

Kraftwerk heute

Heute ist es eines von 15 Kraftwerken am Almkanal bis zur Mündung in die Salzach und noch heute in fast originalem Zustand am Netz. Betrieben wird es heute von der Salzburg AG.

Heute produziert das Kraftwerk mit der aus 1908 stammenden Ausrüstung noch immer Strom und ist ein historisch besonders wertvolles Industriedenkmal. Etwas Besonderes ist auch das 2,45 m große Kammrad mit 126 Kammreihen aus Weißbuche, der Triebling hat 36 Zähne.

Kammzähne aus Weißbuche

Technische Daten

Kraftwerkstype: Laufkraftwerk
Durchschnittliche Jahreserzeugung: 950 MWh
Engpassleistung: 135 kW
Turbine: Francis-Schachtturbine mit senkrechter Welle
Nennleistung: 154 kW
Ausbaudurchfluss: 6,2 m³/s
Bauzeit: 1899
Generatornennleistung 165 kW mit horizontaler Welle über Kammrad und Triebling
Ableitung über die Umspannstation Eichetmühle in das Mittelspannungsnetz der Salzburg AG

Besichtigungen sind nach Vereinbarung möglich (Salzburg AG).

Bildergalerie

weitere Bilder

 Laufkraftwerk Eichetmühle – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI

Quellen

Einzelnachweise

  1. ANNO, Elektrotechnik und Maschinenbau, 1922, Seite 213