Ziehbrunnen Kapitelplatz: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | Unter [[Fürsterzbischof]] [[Paris Lodron]] (1613–1653) wurden Holzrohre in den Brunnen eingesetzt, der Schacht mit Holzpfosten zugedeckt und ein eisernes Leierwerk angebracht. Die Anlage wurde mit einer achteckigen Verschalung mit spitzen Dach umkleidet. Unter dem Auslauf wurde eine Brunnenschale aus [[Konglomerat]] gesetzt. Das Trinkwasser war als eines der besten in der Stadt Salzburg bekannt und daher war der Brunnen stark frequentiert. Frauen, Mägde und | + | Unter [[Fürsterzbischof]] [[Paris Lodron]] (1613–1653) wurden Holzrohre in den Brunnen eingesetzt, der Schacht mit Holzpfosten zugedeckt und ein eisernes Leierwerk angebracht. Die Anlage wurde mit einer achteckigen Verschalung mit spitzen Dach umkleidet. Unter dem Auslauf wurde eine Brunnenschale aus [[Konglomerat]] gesetzt. Das Trinkwasser war als eines der besten in der Stadt Salzburg bekannt und daher war der Brunnen stark frequentiert. Frauen, Mägde und "Von- und Zugeherinnen" holten dort das Wasser und trugen es in Schaffeln aus Holz oder Kupfer auf dem Kopf tragend weg. Auch die Jugend half mit Pitschen und Krügen beim Holen des täglichen Trinkwasserbedarfes. So blieb es bis in die [[1870er]]-Jahre. |
| − | Im Jahr [[1811]] wurde das [[Domkapitel]] durch die [[Königreich Bayern|bayrische]] Regierung [[Säkularisierung|säkularisiert]] und so wurde das Kastengebäude überflüssig. [[1830]] kaufte Georg Bichler das Kastenverwalterhaus und errichtete darin eine Groß-Fuhrwerkerei. Ihm folgte [[1840]] Johann Blüml und [[1851]] [[Bartholomäus Angelberger]]. Für den Fuhrwerk-Betrieb war der Brunnen von besonderer Wichtigkeit, sowohl zum Tränken der Pferde als auch für das Wagenwaschen. Die Erhaltung des Brunnens, um die sich niemand kümmerte, besorgte Angelberger. Der Brunnen hieß nun der | + | Im Jahr [[1811]] wurde das [[Domkapitel]] durch die [[Königreich Bayern|bayrische]] Regierung [[Säkularisierung|säkularisiert]] und so wurde das Kastengebäude überflüssig. [[1830]] kaufte Georg Bichler das Kastenverwalterhaus und errichtete darin eine Groß-Fuhrwerkerei. Ihm folgte [[1840]] Johann Blüml und [[1851]] [[Bartholomäus Angelberger]]. Für den Fuhrwerk-Betrieb war der Brunnen von besonderer Wichtigkeit, sowohl zum Tränken der Pferde als auch für das Wagenwaschen. Die Erhaltung des Brunnens, um die sich niemand kümmerte, besorgte Angelberger. Der Brunnen hieß nun der "Angelberger-Brunnen". Mit Eröffnung der [[Fürstenbrunner Wasserleitung]] im Jahre [[1875]] verlor der Brunnen als Trinkwasserquelle für die Nachbarschaft seine Bedeutung. Er war dann nur mehr für die Lohn-Kutscherei notwendig. In Folge der sich immer mehr ausbreitenden Automobile gingen die Fuhrwerksbetriebe sukzessive zurück. Zuletzt musste auch die Angelberger'sche Lohn-Kutscherei samt dem Postfuhrwerk den Betrieb Anfang der [[1920er]]-Jahre einstellen. Der alte Ziehbrunnen war nun vollkommen überflüssig geworden und verfiel allmählich. Zudem war auch die [[Kapitelschwemme]] undicht geworden, sodass ihr verunreinigtes Wasser in den Brunnenschacht einsickerte und dort das Trinkwasser gesundheitsschädlich war. Damit niemand Unbefugter Wasser entnehmen konnte wurde das Leierwerk zunächst mit einer Kette abgesperrt. |
[[1933]] wurde der Brunnenschacht zugeschüttet und so verschwand der letzte öffentliche Brunnen aus der Salzburger Altstadt. | [[1933]] wurde der Brunnenschacht zugeschüttet und so verschwand der letzte öffentliche Brunnen aus der Salzburger Altstadt. | ||
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Aktuelle Version vom 25. Februar 2023, 10:08 Uhr
Der Ziehbrunnen Kapitelplatz war ein heute nicht mehr existierender Brunnen für die Wasserversorgung am Kapitelplatz in der Salzburger Altstadt.
Geschichte
Am 'Domhof' (dem späteren Kapitelplatz) gab es zur Zeit des Domklosters (12. bis 17. Jahrhundert) einen kleiner Weiher, der nach Entstehung des Almkanals (12. Jahrhundert) von diesem gespeist wurde. Hinter dieser kleinen Wasserfläche gegen das domkapitelsche Kastengebäude, das aus der Dompfisterei (Bäckerei), der Kastnerwohnung und dem großen Getreidekasten bestand, befand sich ein mit Quadern ausgemauerter, überdachter Brunnen. Er hatte eine Walze mit Rad und ein Kettengestänge. Zwei Holzkübel beförderten das Wasser zu Tage.
Die Pfisterei von St. Peter, der Dompfarrhof, das domkapitel'sche Kastengebäude und der zugehörige Stall, die ganze 'Hundsgasse' und die andere Nachbarschaft wurden aus diesem Brunnen mit Trinkwasser versorgt.
Unter Fürsterzbischof Paris Lodron (1613–1653) wurden Holzrohre in den Brunnen eingesetzt, der Schacht mit Holzpfosten zugedeckt und ein eisernes Leierwerk angebracht. Die Anlage wurde mit einer achteckigen Verschalung mit spitzen Dach umkleidet. Unter dem Auslauf wurde eine Brunnenschale aus Konglomerat gesetzt. Das Trinkwasser war als eines der besten in der Stadt Salzburg bekannt und daher war der Brunnen stark frequentiert. Frauen, Mägde und "Von- und Zugeherinnen" holten dort das Wasser und trugen es in Schaffeln aus Holz oder Kupfer auf dem Kopf tragend weg. Auch die Jugend half mit Pitschen und Krügen beim Holen des täglichen Trinkwasserbedarfes. So blieb es bis in die 1870er-Jahre.
Im Jahr 1811 wurde das Domkapitel durch die bayrische Regierung säkularisiert und so wurde das Kastengebäude überflüssig. 1830 kaufte Georg Bichler das Kastenverwalterhaus und errichtete darin eine Groß-Fuhrwerkerei. Ihm folgte 1840 Johann Blüml und 1851 Bartholomäus Angelberger. Für den Fuhrwerk-Betrieb war der Brunnen von besonderer Wichtigkeit, sowohl zum Tränken der Pferde als auch für das Wagenwaschen. Die Erhaltung des Brunnens, um die sich niemand kümmerte, besorgte Angelberger. Der Brunnen hieß nun der "Angelberger-Brunnen". Mit Eröffnung der Fürstenbrunner Wasserleitung im Jahre 1875 verlor der Brunnen als Trinkwasserquelle für die Nachbarschaft seine Bedeutung. Er war dann nur mehr für die Lohn-Kutscherei notwendig. In Folge der sich immer mehr ausbreitenden Automobile gingen die Fuhrwerksbetriebe sukzessive zurück. Zuletzt musste auch die Angelberger'sche Lohn-Kutscherei samt dem Postfuhrwerk den Betrieb Anfang der 1920er-Jahre einstellen. Der alte Ziehbrunnen war nun vollkommen überflüssig geworden und verfiel allmählich. Zudem war auch die Kapitelschwemme undicht geworden, sodass ihr verunreinigtes Wasser in den Brunnenschacht einsickerte und dort das Trinkwasser gesundheitsschädlich war. Damit niemand Unbefugter Wasser entnehmen konnte wurde das Leierwerk zunächst mit einer Kette abgesperrt.
1933 wurde der Brunnenschacht zugeschüttet und so verschwand der letzte öffentliche Brunnen aus der Salzburger Altstadt.
Quellen
- Quelle ist der Originalartikel, der ursprünglich von einem nun anonymen Benutzer als erster Bearbeiter erstellt wurde. Näheres siehe → hier.
- Josef Eder: Der Leierbrunnen am Kapitelplatz ANNO, Salzburger Volksblatt, 3. Juni 1933, Seite 9