| Zeile 1: |
Zeile 1: |
| − | [[Datei:Steingasse_Tändlerei_2013_08_24.JPG|thumb|Die Tändlerei im Sommer 2013.]] | + | [[File:TändlereiSalzburgSteingasse.JPG|thumb|Tändlerei 2012]] |
| | [[Datei:Tändlerei_Salzburg_Steingasse_Mai_2016.jpg|thumb|Die Tändlerei im Mai 2016.]] | | [[Datei:Tändlerei_Salzburg_Steingasse_Mai_2016.jpg|thumb|Die Tändlerei im Mai 2016.]] |
| − | [[Datei:Tändlerei_Steingasse_01_Mai_2019.jpg|thumb|Die Tändlerei im Mai 2019.]] | + | [[Datei:Tändlerei_Steingasse_Oktober_2019.jpg|thumb|Die Tändlerei im Oktober 2019.]] |
| | Das ehemalige Geschäft namens '''Tändlerei''' befindet sich in der [[Steingasse]] 33 in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechtsufrigen]] [[Altstadt]] der [[Stadt Salzburg]]. | | Das ehemalige Geschäft namens '''Tändlerei''' befindet sich in der [[Steingasse]] 33 in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechtsufrigen]] [[Altstadt]] der [[Stadt Salzburg]]. |
| | | | |
| | ==Etymologisches== | | ==Etymologisches== |
| − | Tändlerei leitet sich von „Tand“, in der Bedeutung von ''tant'' = ''leeres Geschwätz, Possen, Spielzeug'' ab. Die Wortherkunft ist unklar, scheint aus dem Spanischen entlehnt zu sein – spanisch ''tanto'' „Spielgeld“(?). Die Bezeichnungen tändeln und Tändelei sind seit dem [[17. Jahrhundert]] bekannt. | + | Tändlerei leitet sich von "Tand", in der Bedeutung von ''tant'' = ''leeres Geschwätz, Possen, Spielzeug'' ab. Die Wortherkunft ist unklar, scheint aus dem Spanischen entlehnt zu sein – spanisch ''tanto'' "Spielgeld"(?). Die Bezeichnungen tändeln und Tändelei sind seit dem [[17. Jahrhundert]] bekannt. |
| | | | |
| − | ==Beschreibung== | + | ==Geschichte == |
| − | Was heute von dieser Lokalität übrig ist, ist die Fassade mit dem ehemaligen Geschäftseingang. Welche Ware hier einmal angeboten und verkauft wurde, ist gegenwärtigen Passanten unbekannt. Im [[Erwerbsverzeichnis der Stadt Salzburg im Jahr 1942]] scheinen Geschäfte aller Art, jedoch keine Tändlerei auf. Am ehesten wäre sie wohl unter den damals existierenden 356 Gemischtwaren- (Lebensmittel-)händler (siehe auch Delikatessenhandlungen, Kleinhändler, nichtprotokollierte und Kurzwarenhändler) zu suchen und zu finden.
| + | Nach den Ausführungen von [[Rudolph Klehr]] über die Steingasse waren im Haus 33, das [[1406]] erstmals erwähnt wird, verschiedene Weber tätig: um [[1800]] der Weber Gruber, [[1858]] heißt es Weber-Esterle-Haus. Im [[20. Jahrhundert]] war eine Ausspeiserei – heute würde man Kantine sagen – hier zu finden, die Mathias und Maria Aistleitner vor dem [[Ersten Weltkrieg]] führten. In diesem Lokal befand sich während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] die Milchhandlung Klingseis, wo man die wegen ihrer Farbe auch "blaue Adria" genannte Magermilch beziehen konnte. Zuletzt war im Haus Nummer 33 eine Tändlerei, ein Kramerladen, untergebracht. Erst führte Georg Hartl das Geschäft, auf ihn folgte Markus Aufleger, der es bis [[1984]] aufrecht hielt. |
| | | | |
| − | Seit Jahren ist das altertümliche Geschäftsportal ein fotografisches Objekt für Liebhaber alter Stadtansichten und eine Fläche, die mehr oder weniger ambitionierte [[Graffiti]]künstler zu Taten veranlasst. Das nebenstehend platzierte, im Jahr 2012 aufgenommene Bild ist daher – was seine „Dekoration“ betrifft - nicht mehr aktuell. | + | Was heute von dieser Lokalität übrig ist, ist die Fassade mit dem ehemaligen Geschäftseingang. Seit Jahren ist das altertümliche Geschäftsportal ein begehrtes Fotomotiv und ein Objekt für mehr oder weniger ambitionierte [[Graffiti]]künstler. |
| | | | |
| − | == 2019: Die TÄNDLEREI - ein verlassener Ort als Blickfang ==
| + | In der Serie "[[Kulturklauberin]]" in den [[Salzburger Nachrichten]] in der Ausgabe vom [[25. Oktober]] [[2019]] ging [[Daniele Pabinger]] auf Spurensuche - "Die TÄNDLEREI - ein verlassener Ort als Blickfang". Sie fand heraus, dass in der Steingasse 33 seit Ewigkeiten nicht mehr getandelt wird. Erwähnt wird die Tändlerei in alten Salzburger Zeitungen erstmals in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Um [[1900]] hingegen dürfte am gleichen Standort eine "Ausspeiserei" bestanden haben, [[1938]] ein "Speisehaus". Das Portal ist auf alle Fälle älter als die Tändlerei. |
| − | Ein Beitrag von [[Daniele Pabinger]] in der Serie "[[Kulturklauberin]]" in den [[Salzburger Nachrichten]] in der Ausgabe vom 25. Oktober 2019
| |
| | | | |
| − | ''Das historische Haus mit dem Schild "Stein Gasse 33" verfällt zusehends. Der Putz hat sich schon an vielen Stellen gelöst. Blickfang ist aber immer noch das alte Geschäftsportal mit dem Schriftzug TÄNDLEREI. Die Rollläden wurden vor mehr als drei Jahrzehnten heruntergelassen, der nostalgische Charme ist geblieben.
| + | Im Spätherbst berichtete Daniele Pabinger, dass das Künstlerehepaar Jana & JS zum vierten Mal das Frauenmotiv an der Fassade der Tändlerei erneuert hatten. |
| − | | |
| − | ''Zum Reiz des verlassenen Ortes trägt auch die Geschäftsbezeichnung bei: Unter einer Tändlerei ist so etwas wie ein Altwarengeschäft oder Trödelladen zu verstehen. Das Wort leitet sich von Tand ab, was soviel wie unnützes Zeug bedeutet. Auch vom Tändler oder der Tandlerin ist heute nur mehr selten die Rede. In Mundartausdrücken wie "umadumtandeln" hat sich der Begriff aber erhalten. Dabei geht es darum, sich spielerisch mit etwas zu beschäftigen, das scheinbar nutzlos ist - oder halt (zu) viel Zeit braucht.
| |
| − | | |
| − | ''In der Steingasse 33 wird seit Ewigkeiten nicht mehr getandelt. Erwähnt wird die Tändlerei in alten Salzburger Zeitungen erstmals in den Jahren nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]]. Um [[1900]] hingegen dürfte am gleichen Standort eine "Ausspeiserei" bestanden haben, [[1938]] ein "Speisehaus". Das Portal ist auf alle Fälle alter als die Tändlerei.
| |
| − | | |
| − | ''Spuren von Graffiti-Sprayern finden sich zuhauf auf dem Geschäftsportal. Einen auffälligen Akzent hat jedoch das Straßenkunst-Duo JANA & JS mit ihrem Motiv gesetzt: Eine sitzende junge Frau in Rückenansicht schaut in Richtung der ehemaligen Auslage. Ihr rotes, rückenfreies Kleid sorgt für einen Farbtupfer auf der verwitterten Fassade. Die Arbeit von JANA & JS auf dem Tändlereiportal besteht schon seit einigen Jahren, wurde heuer aber erneuert. Wer durch die Straße flaniert - und etwas Zeit zu vertandeln hat - kann sich an dem Zusammenspiel von alt und neu erfreuen. Zum beliebten Fotomotiv ist das Sujet längst geworden.
| |
| − | | |
| − | Weitere Motive des Künstlerpaars JANA & JS - sie gebürtige Salzburgerin, er Franzose - sind auch am Haus [[Gaswerkgasse]] 3 zu sehen oder entlang des Wanderwegs auf den [[Nockstein]] in [[Koppl]].
| |
| | | | |
| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
| − | *Friedrich Kluge: ''Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache'', Walter de Gruyter, Berlin, New York 1989, S. 720. | + | * Friedrich Kluge: ''Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache'', Walter de Gruyter, Berlin, New York 1989, S. 720. |
| − | *Eigene Beobachtung von [[Benutzer:Wald1siedel|Christina Nöbauer]] | + | * Eigene Beobachtung von [[Benutzer:Wald1siedel|Christina Nöbauer]] |
| − | *{{Quelle SN|25. Oktober 2019}} | + | * {{Quelle SN|25. Oktober 2019 und 12. Dezember 2025}} |
| | + | * {{Kulturklauberin|https://www.sn.at/kolumne/kulturklauberin/die-taendlerei-ein-verlassener-ort-als-blickfang-78086629}} |
| | + | * {{Kulturklauberin|https://www.sn.at/kolumne/kulturklauberin/verlassener-ort-in-salzburger-altstadt-wieder-neues-frauenmotiv-auf-der-alten-taendlerei-art-622812}} |
| | + | * {{Quelle SW-SN|26. November 2015}} |
| | | | |
| | [[Kategorie:Stadt Salzburg]] | | [[Kategorie:Stadt Salzburg]] |