Schüttkasten beim Sigmundstor: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Schüttkasten''' ist ein [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschütztes]] Gebäude des ehemaligen [[Hofmarstall]]s in der [[Salzburg]]er [[Altstadt]].
[[Datei:Salzburg (Kupferstich) Matthäus Seutter 1740 Detail Nr 08 Hofstall Pferdeschwemme.jpg|thumb|Salzburg, Kupferstich von [[Matthäus Seutter]], ca. [[1740]]: die [[Pferdeschwemme (Hofmarstallschwemme)|Pferdeschwemme]] in ursprünglicher Form, links der [[Hofmarstall]] mit Schüttkasten vor dem [[Mönchsberg]]]]
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Der '''Schüttkasten''' ist ein [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschütztes]] Gebäude in der [[Salzburger Altstadt]].


== Lage ==
== Geschichte ==
Das Gebäude befindet sich südwestlich hinter der [[Pferdeschwemme (Marstallschwemme)|Pferdeschwemme]] nördlich des [[Sigmundstor]]s unmittelbar an den Felswänden des [[Mönchsberg]]s.  
Das Gebäude befindet sich am [[Herbert-von-Karajan-Platz]] Nr. 11 östlich des [[Sigmundstor]]s und westlich hinter der [[Pferdeschwemme (Hofmarstallschwemme)|Pferdeschwemme]].


== Das Gebäude ==
Zuvor befand sich hier ein Steinbruch, aus dem der [[Nagelfluh]] für den [[Salzburger Dom]] gebrochen wurde. Ab [[1695]] ließ [[Fürsterzbischof]] [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein]] dort unmittelbar an der Felswand des [[Mönchsberg]]s einen [[Schüttkasten|Getreide- und Heuspeicher]] für den gegenüberliegenden [[Hofmarstall]] errichten. Dieses Gebäude schien aber dem Fürsterzbischof zu einfach und er betraute daher den großen [[Barock]]architekten [[Johann Bernhard Fischer von Erlach]] etwa zeitgleich mit dem Bau der [[Kollegienkirche]] ([[1694]]–[[1707]]) und dem Bau der [[Felsenreitschule]] ([[1693]]) mit der Planung einer Prospektwand. Diese sollte den bestehenden Schüttkasten verdecken und wurde direkt an den Marstall angebaut.
Im Gebäude befindet sich heute das [[Kartenbüro der Salzburger Festspiele]].


== Quelle ==
Weil das funktionale Gebäude gegenüber der Prunkfassade des Hofmarstalls vergleichsweise einfach war, wurde es durch eine Prospektwand kaschiert, die mit [[Pferdegemälde von Franz Anton Ebner (Hofmarstallschwemme)|Gemälden]] geschmückte wurde.
* [http://www.openstreetmap.org/relation/2135966#map=19/47.79906/13.04115 www.openstreetmap.org]
 
Auf einem Grundrissplan aus dem Jahr [[1806]] kam man an der Rückseite der Prospektwand ein eingeschossiges Militär-Verpflegs-Magazin mit einer Bäckerei erkennen. Diese Bäckerei ist bei späteren Umbauten bis auf die Grundmauern, insbesondere [[1957]] und [[1984]], niedergerissen und umgebaut worden. Das Blindtor in der Prospektwand, das man noch heute sehen kann, wurde damals geschlossen. Im Rahmen des [[Salzburger Festspielbezirk Projekt 2030|Salzburger Festspielbezirk Projekts 2030]] soll in Zunft dieses Tor wieder in seiner ursprünglichen Funktion als Tor zur Altstadt zurückerhalten.
 
[[1860]] wurde das südliche Seitentor mit den flankierenden Bildern, zwei Pferdebilder abgebrochen, um den Verkehr durch das Sigmundstor zu ermöglichen. Ein drittes Bild musste dann [[1915]] abgerissen werden, um Platz für die [[Gelbe Elektrische]], eine [[Straßenbahn]], zu gewinnen. Dabei wurden auch die Giebelfassaden von Schüttkasten und Magazin abgerissen und 2,5 Meter zurückversetzt neu errichtet.
 
Um [[1940]] wurden in das Magazin, einem Nebengebäude, das 1806 errichtet worden war, Garagen eingebaut. Auf Plänen von [[1957]] sind zwei Torbauten, angebaut an Schüttkasten und Magazinbau, zu erkennen. Heute besteht jedoch nur noch Torbau neben dem ehemaligen  Café Niemetz, das von [[1984]] bis [[1988]] bestand. Beim Umbau für das Café ging ein Großteil der Altstadtsubstanz verloren.
 
[[1987]] erwarb der [[Salzburger Festspielfonds]] den Schüttkasten von der Bundesgebäudeverwaltung, den er bereits zuvor als Requisitenlager angemietet hatte. Dr. [[Heinrich Wiesmüller]], bis [[1995]] [[Präsident der Salzburger Festspiele]], hatte während seiner Amtszeit maßgeblich den Weg dafür bereitet, dass der Schüttkasten, dieses letzte noch verfügbare Hofstallgebäude, für die Salzburger Festspiele Verwendung fand. Es wurde als modernes Kommunikationszentrum umgebaut, in dem Ausstellungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen und auch Konzerte stattfinden. Zudem wurden im Schüttkasten das Kartenbüro, das Festspiel- und Max-Reinhardt-Archiv sowie der größte Probensaal der Festspiele untergebracht.
 
Im Zuge der Errichtung des [[Festspielzentrum am Herbert von Karajan-Platz|Festspielzentrums am Herbert von Karajan-Platz]] im Schüttkasten-Komplex soll auch das renovierungsbedürftige Kartenbüro neugestaltet und publikumsfreundlicher gemacht werden.
 
== Beschreibung ==
Der Schüttkasten hat drei Geschoße. Im Erdgeschoß befinden sich sechs Rundbogenportale und darüber zwei Geschoße mit den ehemaligen Lagern und Speichern.
 
An der Vorderseite befindet sich ein Wappen mit der lateinischen Inschrift:
<blockquote>"''Ioannes Ernestus Archiep:(iscopus) et P(ri)n(se)ps Salzb:(urgensis) S:(ancta) Sed:(is) Ap:(ostolicae) Leg:(atus) Nat:(us) − ex fundamento exstruxit A:(nn)o M.DC.XCVII"''</blockquote> Die Übersetzung lautet: ''[[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein|Johann Ernst]] [[Fürsterzbischof|Bischof und Fürst]] von Salzburg, geborener Legat des Heiligen Apostolischen Stuhls − hat von Grund auf dieses Gebäude errichten lassen im Jahr des Herrn [[1697]].''
 
Heute befindet sich in dem ehemaligen Schüttkasten das [[Kartenbüro der Salzburger Festspiele]].
 
== Quellen ==
* [https://www.salzburgerfestspiele.at/blog/die-entstehung-eines-festspielzentrums-3 www.salzburgerfestspiele.at], die Geschichte im Blogbeitrag "Die Entstehung eines Festspielzentrums", abgerufen am 29. August 2024
* [https://www.openstreetmap.org/relation/2135966#map=19/47.79906/13.04115 www.openstreetmap.org]
* "[[Salzburger Nachrichten]]", [[Salzburger Festspiele]] Spezial, Juli 2919
 
== Einzelnachweis ==
<references/>


[[Kategorie:Stadt Salzburg]]
[[Kategorie:Stadt Salzburg]]
[[Kategorie:Altstadt]]
[[Kategorie:Altstadt]]
[[Kategorie:Festspielbezirk]]
[[Kategorie:Kultur und Bildung]]
[[Kategorie:Architektur]]
[[Kategorie:Architektur]]
[[Kategorie:Gebäude Stadt Salzburg]]
[[Kategorie:Gebäude]]
[[Kategorie:Gebäude]]
[[Kategorie:historisches Gebäude]]
[[Kategorie:historisches Gebäude]]
[[Kategorie:Denkmalschutz]]
[[Kategorie:Denkmalschutz]]
[[Kategorie:Denkmalschutz (Stadt Salzburg)]]
[[Kategorie:Denkmalschutz (Stadt Salzburg)]]

Aktuelle Version vom 29. August 2024, 09:11 Uhr

Salzburg, Kupferstich von Matthäus Seutter, ca. 1740: die Pferdeschwemme in ursprünglicher Form, links der Hofmarstall mit Schüttkasten vor dem Mönchsberg
Karte

Der Schüttkasten ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in der Salzburger Altstadt.

Geschichte

Das Gebäude befindet sich am Herbert-von-Karajan-Platz Nr. 11 östlich des Sigmundstors und westlich hinter der Pferdeschwemme.

Zuvor befand sich hier ein Steinbruch, aus dem der Nagelfluh für den Salzburger Dom gebrochen wurde. Ab 1695 ließ Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein dort unmittelbar an der Felswand des Mönchsbergs einen Getreide- und Heuspeicher für den gegenüberliegenden Hofmarstall errichten. Dieses Gebäude schien aber dem Fürsterzbischof zu einfach und er betraute daher den großen Barockarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach etwa zeitgleich mit dem Bau der Kollegienkirche (16941707) und dem Bau der Felsenreitschule (1693) mit der Planung einer Prospektwand. Diese sollte den bestehenden Schüttkasten verdecken und wurde direkt an den Marstall angebaut.

Weil das funktionale Gebäude gegenüber der Prunkfassade des Hofmarstalls vergleichsweise einfach war, wurde es durch eine Prospektwand kaschiert, die mit Gemälden geschmückte wurde.

Auf einem Grundrissplan aus dem Jahr 1806 kam man an der Rückseite der Prospektwand ein eingeschossiges Militär-Verpflegs-Magazin mit einer Bäckerei erkennen. Diese Bäckerei ist bei späteren Umbauten bis auf die Grundmauern, insbesondere 1957 und 1984, niedergerissen und umgebaut worden. Das Blindtor in der Prospektwand, das man noch heute sehen kann, wurde damals geschlossen. Im Rahmen des Salzburger Festspielbezirk Projekts 2030 soll in Zunft dieses Tor wieder in seiner ursprünglichen Funktion als Tor zur Altstadt zurückerhalten.

1860 wurde das südliche Seitentor mit den flankierenden Bildern, zwei Pferdebilder abgebrochen, um den Verkehr durch das Sigmundstor zu ermöglichen. Ein drittes Bild musste dann 1915 abgerissen werden, um Platz für die Gelbe Elektrische, eine Straßenbahn, zu gewinnen. Dabei wurden auch die Giebelfassaden von Schüttkasten und Magazin abgerissen und 2,5 Meter zurückversetzt neu errichtet.

Um 1940 wurden in das Magazin, einem Nebengebäude, das 1806 errichtet worden war, Garagen eingebaut. Auf Plänen von 1957 sind zwei Torbauten, angebaut an Schüttkasten und Magazinbau, zu erkennen. Heute besteht jedoch nur noch Torbau neben dem ehemaligen Café Niemetz, das von 1984 bis 1988 bestand. Beim Umbau für das Café ging ein Großteil der Altstadtsubstanz verloren.

1987 erwarb der Salzburger Festspielfonds den Schüttkasten von der Bundesgebäudeverwaltung, den er bereits zuvor als Requisitenlager angemietet hatte. Dr. Heinrich Wiesmüller, bis 1995 Präsident der Salzburger Festspiele, hatte während seiner Amtszeit maßgeblich den Weg dafür bereitet, dass der Schüttkasten, dieses letzte noch verfügbare Hofstallgebäude, für die Salzburger Festspiele Verwendung fand. Es wurde als modernes Kommunikationszentrum umgebaut, in dem Ausstellungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen und auch Konzerte stattfinden. Zudem wurden im Schüttkasten das Kartenbüro, das Festspiel- und Max-Reinhardt-Archiv sowie der größte Probensaal der Festspiele untergebracht.

Im Zuge der Errichtung des Festspielzentrums am Herbert von Karajan-Platz im Schüttkasten-Komplex soll auch das renovierungsbedürftige Kartenbüro neugestaltet und publikumsfreundlicher gemacht werden.

Beschreibung

Der Schüttkasten hat drei Geschoße. Im Erdgeschoß befinden sich sechs Rundbogenportale und darüber zwei Geschoße mit den ehemaligen Lagern und Speichern.

An der Vorderseite befindet sich ein Wappen mit der lateinischen Inschrift:

"Ioannes Ernestus Archiep:(iscopus) et P(ri)n(se)ps Salzb:(urgensis) S:(ancta) Sed:(is) Ap:(ostolicae) Leg:(atus) Nat:(us) − ex fundamento exstruxit A:(nn)o M.DC.XCVII"

Die Übersetzung lautet: Johann Ernst Bischof und Fürst von Salzburg, geborener Legat des Heiligen Apostolischen Stuhls − hat von Grund auf dieses Gebäude errichten lassen im Jahr des Herrn 1697.

Heute befindet sich in dem ehemaligen Schüttkasten das Kartenbüro der Salzburger Festspiele.

Quellen

Einzelnachweis