Halbstundenbrücke

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Die Halbstundenbrücke, eine ehemalige Brücke über die Salzach im Marktgemeindegebiet von Taxenbach, wurde durch ein Ereignis während der Koalitionskriege im Jahr 1809 berühmt.

Lage

Die Brücke lag zwischen Embach – einer bis 1938 selbstständigen Gemeinde – und Taxenbach und querte oberhalb der Mündung des Trattenbachs die Salzach. Sie ist heute abgerissen, aber bei Niederwasser sieht man noch Pfähle des ehemaligen Tragwerks aus dem Wasser der Salzach ragen.

Die Schlacht an der Halbstundenbrücke

Österreich verlor im Jahr 1809 den Krieg und musste am 12. Juli einen Waffenstillstand in Znaim (Tschechien) schließen. Salzburg war zu diesem Zeitpunkt faktisch zweigeteilt: Im Norden regierte die von den Franzosen eingesetzte und kontrollierte "Generallandesadministration" (GLA), die sich jedoch südlich des Passes Lueg trotz der Unterstützung durch etliche Pfleger und Pfarrer nicht durchsetzen konnte. Diese GLA verkündete am 15. Juli den erwähnten Waffenstillstand. Den Aussagen und Aufrufen der GLA sowie der Nachricht über den Friedensschluss wurde jedoch in weiten Kreisen – auch von Wallner, Roschmann-Hörburg und Andreas Hofer selbst – nicht geglaubt; vielmehr wurden sie als Kriegslist – heute würde man Fake News dazu sagen – eingeschätzt. Erst am 27. Juli gelangte im Westen eine von Erzherzog Johann beglaubigte Information über den Waffenstillstand an.[1] Wallner hatte davon keine Kenntnis.

Nachdem durch Einflussnahme und Druck seitens des Bischofs von Chiemsee, dem Vorsitzenden der GLA, der Pass Lueg von den Landesverteidigern freigegeben worden war, rückten die Bayern unter General Deroy im Salzachtal in Richtung Oberpinzgau und Tirol vor. Wallner sowie sein Freund und Vorpostenkommandant Johann Panzl stellten sich – gegen den Widerstand des als bayerfreundlich geltenden Taxenbacher Pflegers und Pfarrers Ludwig von Mayregg – zahlenmäßig weit unterlegen bei der sogenannten Halbstundenbrücke den bayerischen Invasoren mit Schützen aus Mittersill, Saalfelden und Tirol erfolgreich entgegen und verzögerten Deroys Vormarsch mit geringsten eigenen Verlusten um fast neun Stunden. Erst als die Gefahr einer Umgehung bestand, zogen sich Wallner und Panzl gemeinsam mit ihren Schützen zurück.[2]

Die disziplinlosen bayerischen Soldaten plünderten nach der Besetzung Taxenbachs den Ort und ermordeten sechs Personen.[3] Militärisch gesehen war der guerillaartige Hinhaltekampf Wallners und Panzls zur Verzögerung des feindlichen Vormarsches unter maximaler Vermeidung eigener Verluste von weitsichtiger Verantwortung geprägt.

Details zu den Kampfhandlungen

Am 27. Juli 1809 drangen die mit den Franzosen verbündeten Bayern unter General Deroy aus Richtung Lend in den Pinzgau ein. Der Pinzgauer Schützenhauptmann Anton Wallner stellte sich an der Halbstundenbrücke am orographisch linken Salzachufer mit seinen Schützen den Bayern entgegen. Die Bayern kamen mit ca. 7 000 Soldaten von Embach her, die Pinzgauer verfügten über etwa 400 Schützen. Die zahlenmäßige Unterlegenheit wurde eine Zeit lang durch Ortskundigkeit und Entschlossenheit der im eigenen Land Bedrohten wettgemacht.

Als die Bayern über die Halbstundenbrücke marschieren wollten, begannen die gut gedeckten Pinzgauer auf sie zu feuern, und die bayerischen Soldaten waren ohne jede Deckung leichte Ziele. Unter den Pinzgauern kämpfte auch Johann Panzl aus Mühlbach im Pinzgau, der beim sogenannten Mutzgruebgut Stellung bezogen hatte. Die Bayern setzten nun auf Embacher Boden Artillerie ein, und eine Granate traf das Bauernhaus so schwer, dass es in Flammen aufging. Zum Glück kamen dabei keine Pinzgauer ums Leben. Drei Pinzgauer Schützen gelang es daraufhin, ungesehen auf einen Felsvorsprung vorzurücken und das Bedienungspersonal der zwei Kanonen zu töten, worauf die Kanonen schwiegen.

Fünfmal stürmten die Bayern die Brücke, wurden aber jedes Mal von den Pinzgauern zurückgeschlagen. Gegen Abend wendete sich das Blatt. Die Bayern hatten den Daxbach-Bauern in Eschenau gezwungen, ihnen einen Umgehungsweg zu zeigen. Als Wallner davon benachrichtigt wurde, dass die Bayern aus dem Trattenbachgraben anrücken, wodurch die bisher strategisch günstige Lage angesichts der Überzahl der gegnerischen Kräfte aussichtslos wurde, befahl er den Rückzug. Er selbst hielt mit Panzl und einigen Schützen an der Brücke aus, um den Abzug der Schützen zu decken.

Auf diese Weise hatten Wallner und Panzl mit 400 Mann 7 000 Bayern sieben Stunden lang in Schach gehalten. Vor dem Einzug der bayerischen Truppen in Taxenbach verloren aufgrund der Wut der Bayern unterwegs sechs unbewaffnete Taxenbacher ihr Leben. Unter ihnen befand sich auch der Abergbauer. Man wollte auch den Markt Taxenbach niederbrennen, was Dechant Mayregg, der ihnen mit der Monstranz entgegenging, durch seine Bitte um Schonung verhindern konnte.

1903 setzte die Gemeinde Taxenbach dem Schützenhauptmann Wallner zum Dank ein Denkmal.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Pirker, Franzosenkriege, S. 138, S. 140; Thonhauser, Josef: Osttirol im Jahre 1809. Innsbruck-München 1968, S. 44f
  2. Erwin Wieser, Joachim Klammer: Widerstand im Pfleggericht Taxenbach. Salzburg 1809–2009. In: Friederike Zaisberger, Fritz Hörmann (Hrsg.): Frieden – Schützen 1809–2009. Franzosenkriege im Dreiländereck Bayern-Salzburg-Tirol 17921816. S. 209–213; Pirker, Franzosenkriege, S. 140; Schallhammer, S. 221–224, S. 274f; Felix Redolf: Der Kampf an der Halbstundenbrücke bei Taxenbach 1809. In: Pallasch, Zeitschrift für Militärgeschichte, Heft 14, Salzburg 2002, S. 65–82.
  3. Wieser, Klammer, Widerstand. In: Zaisberger, Hörmann, Frieden – Schützen, S. 212.