Dienstbote

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Historische Personaldokumente#Heimatschein einer 1911 geborenen Dienstmagd, die in der Gemeinde Hintersee heimatberechtigt war

Dienstboten waren einst, vor allem in der Landwirtschaft, besitzlose Knechte und Mägde. Rund 300 000 Dienstboten gab es in den 1930er-Jahren noch in Österreich.

Geschichte

Der heute fast ganz in Vergessenheit geratene Georg Eberl aus Piesendorf hat in seinem Buch "Als ich noch Jungknecht war" das Leben als Dienstbote Innergebirg beschrieben. Franz Innerhofer, Sohn einer Magd in Krimml im Oberpinzgau, schildert in seinen Büchern den harten und trostlosen Alltag von Dienstboten im Salzburger Land, wie man ihn noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erleben konnte. Theresia Oblasser beschreibt in ihrem Text "Kneaicht seii" (Knecht sein) in berührender Weise das Leben eines Knechtes auf dem Brandstätthof in Taxenbach.

Innerhofer schreibt u. a., dass Pfarrer von der Kanzel in ihren Predigten gegen vorehelichen Geschlechtsverkehr wetterten und dabei nur die Dienstboten anschauten. Selbst die Kirche betrachtete sie nicht als Christen in dem Sinne, denn manche Dienstboten gingen nur zur Messe, weil sie von ihren Dienstherren dazu gezwungen wurden. Die Teilnahme an der österlichen Beichte mussten die Dienstboten mittels Vorlage des Beichtzettels nachweisen. Kirchgangverweigerung hätte dazu führen können, dass der Bauer die Person noch am selben Tag vom Hof verjagt.

Besonders die Frauen litten unter der Rechtlosigkeit ihres Standes. Mägde durften in den allermeisten Fällen nicht heiraten, weil sie als Arbeitskräfte notwendig waren. Nur heimlich konnten sie Liebschaften haben. Nahm beispielsweise eine Magd das Taschenmesser eines Knechts beim Jausnen, so konnte man davon ausgehen, dass der Knecht noch am selben Abend sie in ihrer Kammer besuchte. Auf jeden Fall wurden bei Liebesbeziehungen immer die Frauen verantwortlich gemacht. Kamen so genannte Ledige Kinder zur Welt, starben viele bereits im Säuglingsalter (eine Statistik zwischen 1901 und 1910 zeigt eine fast 50prozentige Sterberate auf). Bis zum letzten Tag in der Schwangerschaft mussten die Mägde arbeiten, und viele der Dienstboten-Kinder wurden ausgestiftet, das heißt, meist schon nach dem Wochenbett in Pflege gegeben. Solche Kinder wurden schon im Kindesalter als billige Arbeitskräfte zu Bauern in den Dienst geschickt. Die Schule konnte meist nur sporadisch besucht werden und im Alter von 12 Jahren endete die Schulpflicht. Kinder von Dienstboten wurden häufig als geringwertig betrachtet, wie eine Eintragung eines Lehrers in Zederhaus in der Schulchronik zeigt:

...Am 6. November 1923 starb der 13jährige Schüler Johann E., Ziehkind in Lamm. Er war ein Büffel, Trotzkopf und Strolch, um den nicht schade war. Zur Berechtigung sei angeführt, daß er mehrmals in der Woche in der 1. Klasse unter die Bank Haufen machte. Vom Urinieren sei gar nicht gesprochen...

Dienstbotenfeiertage waren ein Dorn im Auge mancher Bauern und Gemeindeverantwortlichen. Im Gemeindeausschussprotokoll in Ramingstein liest man 1930 und 1931: ... Seitens des Gemeindeamtes sind die nicht selten stattfindenden Winkeltänze während der Erntezeit auf das strengste zu verbieten und gegen Zuwiderhandeln mit entsprechenden Strafen vorzugehen. Tanzverbot vom 15. Juni bis zum 15. September...

Am 3. Februar 1923 fand ein ein seltenes Fest der Dienstbotenehrung auf Gut Brandlhof statt.

Dienstbotenbehandlung

Ein Beitrag aus der "Salzburger Wacht" vom 11. Jänner 1909:[1]

"Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" ist ein bekanntes Sprichwort. Oft bewahrheitet sich dasselbe, so auch in diesem Falle. Schlossermeister Schweiger in der Riedenburg ist bekannt als Oberscharfmacher; wie er mit den Gehilfen verfährt, so glaubt auch seine "Gnädige" mit den Dienstboten verfahren zu können. Sie schikaniert die Dienstmädel solange, bis sie notgedrungen den Posten momentan verlassen. So erging es auch dem Dienstmädchen A. L. Sie ging zur Polizei und bat um Hilfe; anstatt dieselbe zu erlangen, befahl ihr der Polizeikommissär, auf den Posten zurückzukehren und solange dort zu verweilen, bis die Frau Schweiger eine andere bekommt, widrigenfalls er sie acht Tage einsperrt. Eine recht nette Hilfe.

Was Frau Schweiger noch obendrein von den Dienstboten hält, beweist, dass sie letzterem Mädel auch noch den Koffer durchstöberte. Frau Schweiger hat schon im vorhinein zu keinem Mädel ein Vertrauen, da sie in jeder eine Diebin erblickt. Will in der Früh der Dienstbote, nachdem er bereits von sämtlichen Kleidern und Stiefeln der Herrenleute den Dreck weggeputzt hat, ein Frühstück haben, so muss der Dienstbote warten, bis die Kinder der "Gnädigen" gefrühstückt haben. Ein sehr empfehlenswerter Posten.

Die Töchter von Arbeiterfamilien warnen wir, sich dort zu verdingen. Lieber gar keinen als einen solchen, wo man nicht als Mensch behandelt wird.

Wechseltage

Der übliche Wechseltag von einem Hof zum anderen war Maria Lichtmess, für besonders Fleißige konnte dies aber schon am Michaelitag geschehen. Dazu wurden von den Heimatgemeinden der Dienstnehmer sogenannte Dienstbüchl ausgestellt, ohne die ein Wechsel nicht möglich war. In manchen Gegenden hieß dieses Dokument Leikaufschein, der zu Michaeli dem neuen Bauern ausgehändigt wurde. Damit hatte der Dienstbote sich und seine Arbeitskraft für ein Jahr dem Bauern verkauft.[2]

Besondere Fälle

Der unehelicher Sohn der Theresia Rieß, einer ledigen Dienstmagd, Rupert I. Rieß, heiratete am 19. November 1894 in Rauris die 23‑jährige Gertraud Schlick, eheliche Tochter des Joseph Schlick, gewesener Bauers am Weiner-Lehen, wo er als Knecht arbeitete.

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Literatur

Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ ANNO, "Salzburger Wacht", Ausgabe vom 11. Jänner 1909, Seite 3
  2. ↑ Quelle SALZBURGWIKI-Artikel Michaelitag und dortige Quellen
  3. ↑ Quelle www.zvab.com