Schloss Hellbrunn

Aus SALZBURGWIKI
Version vom 9. Januar 2016, 10:36 Uhr von Peter Krackowizer (Diskussion | Beiträge) (Park-Texte zusammengefügt mit vorhandenem, Literaturhinweise auf Wikistandard, {{SORTIERUNG}}, letzten Absatz Schlossnutzung neutraler gehalten (Eigenschaftswörter entfernt))
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schloss Hellbrunn, Westseite
Alte Schlosszufahrt mit Mauer und Nebengebäuden
Datei:Schloss Hellbrunn mit Einhorn.jpg
Schloss Hellbrunn mit Einhorn
äußerer Schlossvorplatz in Hellbrunn
Hellbrunner Schlosspark, Ansicht vom Hellbrunner Berg

Das Schloss Hellbrunn war die Sommerresidenz der Salzburger Fürsterzbischöfe und befindet sich im Stadtgebiet von Salzburg in Hellbrunn. Es ist Mitglied der Dachmarke hello salzburg.

Allgemeines

Das Schloss wurde im Auftrag des Salzburger Fürsterzbischofs Markus Sittikus von Hohenems vom italienischen Architekten Santino Solari in den Jahren 16131615 erbaut. Mit einem Vertrag vom 21. Juni 1922 sind Schloss und Park von Hellbrunn an die Stadt Salzburg übergegangen. Vorher waren sie in kaiserlichem Besitz, nach 1918 im Besitz des Kriegsgeschädigtenfonds.

Das Schloss

Das Schloss, die Nebengebäude und der Garten haben ihre ursprüngliche Form im Wesentlichen bewahrt. Um die Gesamtkonzeption zu erfassen, ist es notwendig, sich dem Schloss von vorne zu nähern. Von der Stadt Salzburg durch die Hellbrunner Allee kommend zweigt man unerwartet nach rechts auf die Zufahrt ein, die geradeaus zum Schloss führt - beidseits begleitet von Mauern, die in niedrige Gebäude übergehen und sich zuletzt zu einen Ehrenhof öffnen - bis vor die breite Front des Schlosses.

Dort blickt der Besucher auf das wuchtige Schlossgebäude, das nach Palladio klassisch symmetrisch aufgebaut ist und aus zwei Geschossen mit je zwölf Fenstern besteht. Die Frontseite hat eine Breite von 38 Meter. Ein Treppenaufgang mit Säulen-Ballustrade führt zum Mittelportal hinauf, das halb aus der Erde ragende Kellergeschoss größtenteils kaschierend. Die Fassade ist klassisch gegliedert mit Gesimsen und Lisenen, die Fenster des fürstlichen Wohntraktes mit Spitzgiebeln verziert. Darüber ein Zeltdach mit einer großen Gaupe und Rundgiebel. Das Ensemble ist frühes Barock, im architektonischen Ausdruck auf klare Formen konzentriert und die Schmuckelemente zurückhaltend eingesetzt. Das mächtige Gebäude beeindruckt durch seine Dimensionen, die Grundfläche von 700 Quadratmetern jedoch nicht erkennbar. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Gartenseite noch größer sein muss, den links und rechts zu sehen, etwas zurückversetzt, aber hervortretend, stehen zwei turmartige Erker mit Zeltdächern. Auf der Gartenseite angelangt, hinter dem Sternweiher oder Brunnen Altemps stehend, blicken wir nun auf dasselbe Schloss in gleichartig kolossaler Gliederung, jedoch mit einer Front von 55 Metern, daraus hervortretend, ein hoch aufragender Mittelrisalit mit einem Prunkportal, das Gebäude etwa zurückgesetzt, flankiert von zwei eckigen Türmen.

Manieristisch, d. h. zerstückelt und zusammengesetzt, sind auch die Grundachsen der Anlage. Zufahrtachse und Gartenachse bilden einen spitzen Winkel. Eigen ist auch die formelle Gestaltung der Natur. Nach Norden liegen zwei Quellwasserteiche und ein kleines Amphitheater. Wir blicken auf das Schloss zurück und sehen einen eisernen Balkon, der von drei Atlanten getragen wird, die jedoch Orientalen sind. Eigenartig auch das mächtige Rundbogenportal aus versetzten Blockquadern, mit zwei Halbsäulen, in die links ein Mann mit Vollbart und rechts eine Frau ein geschlossen sind und deren nackte Füße an der Säulenbasis zu sehen sind. Spätestens hier ahnt oder erkennt man, dass der Erbauer und damalige Schlossherr nicht nur für die Baukunst seiner Epoche aufgeschlossen war, sondern für Gaukeleien und Scherze auch etwas übrig hatte.[1]

Markus Sittikus, ein Vetter zu seinem Onkel und Vorgänger Fürsterzbischof Wolf Dietrich, ist in Italien aufgewachsen und lernte den damaligen, in Italien aufkommenden Zeitgeist kennen, sich auf dem Land eine Villa für den Sommer zu errichten.

So ließ er Santino Solari neben anderen Bauten auch das Schloss und den Park von Hellbrunn erbauen, um dort des Sommers große Feste zu feiern. Die original Ausstattung des Schlosses, z. B. die einst nach Räumen farbig wechselnden, goldgepressten Ledertapeten, die ebenso eigenartig gewirkt haben müssen, ist nicht erhalten geblieben.

2007 kehrten drei Kunstfriese wieder in den Carabinierisaal des Schlosses zurück. Vermutlich ließ sie Markus Sittikus als Kopien der vom Raffael-Schüler Giulio Romano (*1499, † 1546) für den Palazzo del Te in Mantua, Lombardei, Italien (einer der größten Paläste Italiens), geschaffenen kleineren Wandfriese anfertigen. Wer die Hellbrunner Nachbildungen schuf, ist unbekannt.

Diese Wandfriese hingen bis 1960 im Schloss, wurden dann für eine geplante Restaurierung in ein Depot des Salzburg Museums gebracht und gerieten in Vergessenheit. Erst als sich 1990 ein Selbstmörder mit seinem Fahrzeug vom Mönchsberg auf das Dach des Spielzeug Museums stürzte, fand man bei den Aufräumungsarbeiten die Bilder. Und man begann endlich mit der Restaurierung. Die Kosten von € 66.000,− teilten sich Stadt und Bundesdenkmalamt.

Das Schloss ist heute für Besucher zugänglich und kann mittels Audio-Guide ohne Führung besichtigt werden. Darüber hinaus gilt Schloss Hellbrunn als Ort für Feste wie etwa Hochzeitsbankette, Kammerkonzerte, Sommernachtsfeste und lädt in der Vorweihnachtszeit zum Besuch des Hellbrunner Adventmarkts ein.

Wasserspiele

Hauptartikel: Wasserspiele Hellbrunn

Markus Sittikus von Hohenems baute mit den Wasserspielen eine Anlage, mit der er seine Gäste hervorragend unterhielt.

Der Schlosspark

Hauptartikel: Schlosspark Hellbrunn

Zum Schloss gehört der 60 Hektar große historische Schlosspark. Darunter sind der historische, künstlich angelegte Lustgarten Markus Sittikus', ein Naturpark sowie ein Spielplatz für Kinder. In diesem historischen Schlosspark besteht auch ein Fitnessparcours und Raum für zahlreiche Sportmöglichkeiten: Laufrouten, Nordic Walking, Yoga, Frisbee, Federball und im Winter eine Langlaufloipe mit kostenloser Benützung. Zum denkmalgeschützten Schlosspark gehören ebenso das Steintheater, das Monatsschlössl Hellbrunn und der heute als gemeinnützige GmbH geführte Zoo Salzburg.

Der große historische Schlosspark besteht aus folgenden Teilen:

  • dem manieristischen Garten (Wasserparterre) mit den Wasserspielen
  • dem Hellbrunner Berg
  • den großen Wiesenflächen östlich desselben, die bis 1800 Teil des fürsterzbischöflichen Jagdgatters waren, in denen sich auch Liegewiese und Kinderspielplatz befinden
Der manieristische Garten
Hauptartikel: Schlosspark Hellbrunn

Die großzügige ornamentale Gartenanlage des "Wasserparterres" ist frei zugänglich.

Der Hellbrunner Berg
Hauptartikel: Hellbrunner Berg

Hier finden sich das Monatsschlössl und das Steintheater.

Der ehemalige Jagdgarten auf den Auwiesen
Hauptartikel: Schlosspark Hellbrunn
Der sakrale Park
Hauptartikel: Schlosspark Hellbrunn

Als Gegenpol zum fürstlich-prunkvollen Lustgarten angelegt.

Literatur und Quellen

  • Information über die Wandfriese aus einem Beitrag von Bernhard Strobl in den Salzburger Nachrichten, Kleinteil am 26. Juli 2007
  • NE: Schaber, Wilfried: Hellbrunn - Schloss, Park und Wasserspiele, März 2004, ISBN: 3-200-00075-9, Schloss Hellbrunn Verwaltung (offizieller Führer)
  • Fischer, Friedrich Johann: Höhle und Gesicht - Mythisches Hellbrunn, Verlag der Salzburger Druckerei, um 1980
  • Medicus, Reinhard: Der Kreuzwegberg in Hellbrunn und der Anifer Alterbach, in: Bastei − Zeitschrift des Stadtvereines Salzburg für die Erhaltung und Pflege von Bauten, Kultur und Gesellschaft, 54 Jg., Salzburg, 2005, 2. Folge, S. 31−35
  • Homepage Schloss Hellbrunn
  • Etzendorfer, Hans (Hrsg. und Verleger): Hellbrunn, Broschüre, 60 Seiten, Reihe: Salzburg - Natur - Kultur - Geschichte, 2. Jahrgang, Folge 1, Verlag Etzendorfer & Co., Salzburg, 1961
  • Hellbrunn, Führer durch Wasserkünste, Schloss und Park, Herausgeber und Verleger Stadtgemeinde Salzburg, 24. Auflage, 1959[2]

Weblinks

  1. Beschreibung und kunstgeschichtliche Interpretation von Mag. Thomas Schmiedbauer
  2. http://data.onb.ac.at/rec/AC05778518