Ladübertragen
Das Ladübertragen ist ein alter Brauch in der Lungauer Gemeinde Ramingstein.
Allgemeines
Das Ladübertragen wird in Ramingstein immer dann gefeiert, wenn ein Bürgermeisterwechsel stattfindet.
Beim Ladübertragen handelt es sich um einen uralten Brauch, bei dem eine Truhe vom alten zum neuen Bürgermeister übertragen wird. Früher befanden sich in dieser Lade wichtige Schriften, Urkunden und Bücher sowie die Gemeindekassa. Da es damals noch kein Gemeindeamt gab, wurden diese Dinge vom Bürgermeister in der Truhe aufbewahrt. Da das heute nicht mehr der Fall ist, befinden sich nun Anliegen von Vereinen und Brauchtumsgruppen in der Lade, die zum Amtswechsel an das neue Gemeindeoberhaupt gerichtet werden. Diese Tradition wird nur noch in der Gemeinde Ramingstein aufrechterhalten. Dabei wird die Truhe vom Haus des alten zur Liegenschaft des neuen Bürgermeisters gebracht.
Wichtiger Bestandteil des Ladübertragens ist das "Beschlagen" des Bürgermeisters. Dabei wird ein Hufeisen mit drei Nägeln – sie repräsentieren die drei Katastralgemeinden Ramingstein, Mitterberg und Mignitz – an der Schuhsohle befestigt. So soll das neue Oberhaupt einen guten Stand für seine Amtszeit haben. Daraufhin wird der Schlüssel übergeben und die Truhe in das Haus getragen. Der Festzug begibt sich zum Dorfplatz, wo der Umzug endet. Anschließend werden die Mitwirkenden vom Bürgermeister zu Speise und Trank eingeladen.
Anlässlich des Ladübertragens erscheint auch die Zeitschrift "Kiebitz", worin die "Untaten" der Ramingsteiner Gemeindebürger während der letzten Jahre in humorvoller Art auf das Korn genommen werden.
Beispiele
2014
Am 27. September 2014 übergab der scheidende SPÖ-Bürgermeister Franz Winkler Amt und Gemeindelade seinem ÖVP-Nachfolger Dipl.-Ing. Peter Rotschopf. 19 Gruppen gaben zu Ehren des neuen Gemeindeoberhauptes Darbietungen verschiedenster Art zum Besten.
2019
Nachdem Peter Rotschopf auf einen Wiederantritt verzichtet hatte, gewann der SPÖ-Kandidat Günther Pagitsch am 10. März 2019 die Bürgermeisterwahl 2019 gegen den ÖVP-Kandidaten Leonhard Kocher. Das Fest des Ladübertragens fand aber erst am 7. September 2019 statt.
Der ganze Ort war auf den Beinen, nachdem das Festkomitee unter Bernhard Kendlbacher zum großen Ladübertragen gerufen hatte. 19 Vereine und Organisationen mit 15 Festwagen erwiesen dem neugewählten Gemeindeoberhaupt die Ehre:
- Die Hochzeit des Bergbauernsohns Pagitsch mit seiner Manuela wurde von Bauern, Trachtenfrauen und Jägern des Ortes als Bauernhochzeit nachgestellt.
- Der Kameradschaftsbund nahm sich des Themas "Renovierung der Wallfahrtskirche Maria Hollenstein" an.
- Der USC Ramingstein, dessen Sektionsleiter Pagitsch über viele Jahre gewesen war, lud zum Torwandschießen.
- Die Feuerwehr thematisierte die Golfleidenschaft des neuen Bürgermeisters.
- Der Pfarrgemeinderat nahm das Verkaufen von Versicherungen aufs Korn – Pagitsch ist Versicherungskaufmann. Allerdings ging es bei Pfarrer DDDr. Manfred Thaler, der in diesem Sketch den Bürgermeister mimte, um die Vorteile einer Versicherung bei der Kirche.
- Viel Applaus ernteten auch der Bandltanz der Landjugend, die Großfamilie auf dem Bergbauernhof (Pensionistenverband) und eine brillant spielende Wahrsagerin der Rotkreuzgruppe.
Vier Stunden lang wurde für Pagitsch Theater gespielt, bevor die Schuhe des neuen Bürgermeisters beschlagen wurden. Nach Dankesworten übernahm Pagitsch von seinem Vorgänger symbolisch die Gemeindeschlüssel. Schließlich geleitete ihn die Musikkapelle mit der Gemeindelade, in der die Wünsche der Gemeindebürger verwahrt waren, zu seinem Haus, in dem die Truhe nun ihren Platz fand.
Quelle
- Salzburger Nachrichten
- Salzburger Nachrichten, Lokalteil vom 9. September 2019: Die Lade steht an einem neuen Platz (Franz Taferner)