Franz de Paula Storch senior: Unterschied zwischen den Versionen
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Im Haupt=Sanitätsbericht für das Jahr [[1832]] sind alle öffentlich angestellten Ärzte mitsamt ihren Jahresgehältern angeführt, woraus sich entnehmen lässt, dass Dr. Storch als Badearzt sehr gut verdiente. Dr. [[Joseph August Susan|Susan]] als Kreisarzt erhielt 600 [[Gulden|fl]]. und alle Bezirksärzte (mit Ausnahme von [[Johann Baptist Tuaillon|Dr. Touaillon]]) 400 fl. Dr. [[Franz Ferchl|Ferchl]], der quieszierter<ref>in Ruhestand (Quieszenz) versetzen</ref> Landgerichtsarzt und [[Saline Hallein|Salinenarzt]] in [[Hallein]] war, erhielt 833 fl. 20 kr. und Dr. Storch als Badearzt in Gastein mit 853 fl. 20 kr. den höchsten Gehalt aller Salzburger Ärzte. Überdies genoss er freie Wohnung im [[Badeschloss]].<ref>SLA KR Akten B IX.9. Fasz 0212.</ref> [[1814]] wird er zum provisorischen - nicht zusätzlich besoldeten - Landgerichtsarzt in Gastein ernannt. Sehr selbstbewusst reicht er im Oktober 1814 seinen Schlussbericht beim Medizinalrat in Salzburg ein und bekundet, dass er nun aus Gastein abreisen wird. Persönlich wird er in [[München]] vorstellig, wo ihm dieses Vorgehen tatsächlich genehmigt wird. Sein Vorgesetzter in Salzburg, der Medizinalrat DR. [[Joseph von Barisani|Barisani]] schäumt: "... so ist doch dieses eigenmächtige ungehorsame Benehmen von der Art, daß ich E. K. M. alleruntertänigste bitten muß, denselben /zur verdienten Strafe ziehen/ wegen Verfluß der Reiselizenz umso mehr an seinen Bestimmungsort hin weisen zu wollen, als die hierbei gezeigte Widersetzlichkeit nur eine Folge seines Eigennutzes ist, indem er zu Glaneck im Landgericht Salzburg eine bedeutende Meyerey besitzt, die er während der fünf Wintermonaten selbst betreiben will..."<ref>SLA Gen Kr Kom B 26 II Gastein Nr 41 </ref> | Im Haupt=Sanitätsbericht für das Jahr [[1832]] sind alle öffentlich angestellten Ärzte mitsamt ihren Jahresgehältern angeführt, woraus sich entnehmen lässt, dass Dr. Storch als Badearzt sehr gut verdiente. Dr. [[Joseph August Susan|Susan]] als Kreisarzt erhielt 600 [[Gulden|fl]]. und alle Bezirksärzte (mit Ausnahme von [[Johann Baptist Tuaillon|Dr. Touaillon]]) 400 fl. Dr. [[Franz Ferchl|Ferchl]], der quieszierter<ref>in Ruhestand (Quieszenz) versetzen</ref> Landgerichtsarzt und [[Saline Hallein|Salinenarzt]] in [[Hallein]] war, erhielt 833 fl. 20 kr. und Dr. Storch als Badearzt in Gastein mit 853 fl. 20 kr. den höchsten Gehalt aller Salzburger Ärzte. Überdies genoss er freie Wohnung im [[Badeschloss]].<ref>SLA KR Akten B IX.9. Fasz 0212.</ref> [[1814]] wird er zum provisorischen - nicht zusätzlich besoldeten - Landgerichtsarzt in Gastein ernannt. Sehr selbstbewusst reicht er im Oktober 1814 seinen Schlussbericht beim Medizinalrat in Salzburg ein und bekundet, dass er nun aus Gastein abreisen wird. Persönlich wird er in [[München]] vorstellig, wo ihm dieses Vorgehen tatsächlich genehmigt wird. Sein Vorgesetzter in Salzburg, der Medizinalrat DR. [[Joseph von Barisani|Barisani]] schäumt: "... so ist doch dieses eigenmächtige ungehorsame Benehmen von der Art, daß ich E. K. M. alleruntertänigste bitten muß, denselben /zur verdienten Strafe ziehen/ wegen Verfluß der Reiselizenz umso mehr an seinen Bestimmungsort hin weisen zu wollen, als die hierbei gezeigte Widersetzlichkeit nur eine Folge seines Eigennutzes ist, indem er zu Glaneck im Landgericht Salzburg eine bedeutende Meyerey besitzt, die er während der fünf Wintermonaten selbst betreiben will..."<ref>SLA Gen Kr Kom B 26 II Gastein Nr 41 </ref> | ||
Im Schematismus von Oesterreich ob der Enns und Salzburg für das Jahr 1824 (dem ersten der auch die Ärzte anführt) ist folgendes zu lesen: "Gastein , k.k. Pfleggericht, Aerzte: Herr Doctor Franz Paul Storch, Med. Rath und k. k. Badarzt während den Sommer-Monaten zu Wildbad."<ref>Schematismus 1824, Bd. 2, 404.</ref> Ab dem Jahr 1834 ist Dr. Karl Kiene als Bezirksarzt zu Hofgastein dem mittlerweile 60-jährigen Badearzt Storch zur Seite gestellt.<ref>Schematismus 1834, 421.</ref> | |||
1840 scheint Dr. Storch letztmalig im Schematismus auf - er scheint dann in Pension gegangen zu sein.<ref>Schematismus 1840, 327.</ref> | |||
== Kritisches == | == Kritisches == | ||
Im Jahr [[1822]] hielt es das Kreisamt in Salzburg für nötig den Bericht des Badearztes Dr. Storch "über die Vorfälle im Wildbad von diesem Jahre nebst einer angehängten Krankengeschichte, dann einer Klage, und schließlich einen Ausfall gegen den Straubinger Wirth" mit einem Schreiben zu begleiten, das Dargestellte zu relativieren. Straubinger sei "bemüht, dem erst heuer übernommenen Anwesen durch neue kostspielige Bauten und Erweiterungen einen höheren Grad von Zweckmäßigkeit zu geben, er verdient so hin bei diesem Gemeinnützigen, soeben hohe Regierung vorgelegten Unternehmen viel mehr Unterstützung und Anerkennung, als Verunglimpfung." Das Kreisamt sprach von "Verworrenheit, mit der er die Krankheiten untereinander wirft" und von einem "sonderbaren Begriff von der Ansicht des Doktors Storch geben, der sich überhaupt der Deutlichkeit gar nicht befleißt." Die Berichte des nun 59-jährigen Arztes scheinen auch in medizinischer Hinsicht nicht mehr dem damaligen Stand der Wissenschaft entsprochen zu haben.<ref>OÖLA Landesregierungsarchiv 1787-1849 / Allgemeine Reihe Schachtel 150.</ref> | Im Jahr [[1822]] hielt es das Kreisamt in Salzburg für nötig den Bericht des Badearztes Dr. Storch "über die Vorfälle im Wildbad von diesem Jahre nebst einer angehängten Krankengeschichte, dann einer Klage, und schließlich einen Ausfall gegen den Straubinger Wirth" mit einem Schreiben zu begleiten, das Dargestellte zu relativieren. Straubinger sei "bemüht, dem erst heuer übernommenen Anwesen durch neue kostspielige Bauten und Erweiterungen einen höheren Grad von Zweckmäßigkeit zu geben, er verdient so hin bei diesem Gemeinnützigen, soeben hohe Regierung vorgelegten Unternehmen viel mehr Unterstützung und Anerkennung, als Verunglimpfung." Das Kreisamt sprach von "Verworrenheit, mit der er die Krankheiten untereinander wirft" und von einem "sonderbaren Begriff von der Ansicht des Doktors Storch geben, der sich überhaupt der Deutlichkeit gar nicht befleißt." Die Berichte des nun 59-jährigen Arztes scheinen auch in medizinischer Hinsicht nicht mehr dem damaligen Stand der Wissenschaft entsprochen zu haben.<ref>OÖLA Landesregierungsarchiv 1787-1849 / Allgemeine Reihe Schachtel 150.</ref> | ||
Im Jahresbericht [[1829]] schrieb der Salzburger Kreisarzt Dr. [[Johann Nepomuk von Bernberg]] über den nur vier Jahre älteren Kollegen: "Unter den Ärzten des Kreises steht, was praktischen Takt, und Gewandheit anbelangt, der Badearzt Dr. Storch obenan, in dieser seiner Eigenschaft darf er vorzüglich genannt werden, es ist aber auch die einzige, die ihn im höheren Kreise der Badegäste beliebt macht; übrigens behandelt er seine Stellung wie ein Mystiker, weicht allen Ärzten in seinem Wildbad als Monopolist auf das geflissendste aus, und steht denselben, wie den [[Wundarzt|Wundärzten]] feindselig gegenüber, trotz seinem vorgerückten Alter ist Dr. Storch ungemein thätig, [...]" Laut dem Bericht Bernbergs hatte er auch versucht die Leitung des Quellwassers nach [[Hofgastein]] zu verhindern. Einen anderen Kritikpunkt äußerte Dr. Bernberg bereits [[1826]], nämlich, dass Dr. Storch keine Publikation zu Gastein herausgebracht hatte. "[...] übrigens wäre sehr zu wünschen das Herr Badearzt Dr Storch, dem man gute praktische Kenntnisse der Wirkung dieses Bades nicht absprechen kann, endlich einmal das badelustigen Publikum mit dem Schatz seiner Erfahrungen vertraut machte, statt sich einfach damit zu begnügen, den eigenen Schutz zu vermehren, und feindselig allem gegenüberzustehen, was nicht durchaus mit ihm gleiche Meinung theilt"<ref>SLA KR Akten B IX.9. Fasz 0212.</ref> | Im Jahresbericht [[1829]] schrieb der Salzburger Kreisarzt Dr. [[Johann Nepomuk von Bernberg]] über den nur vier Jahre älteren Kollegen: "Unter den Ärzten des Kreises steht, was praktischen Takt, und Gewandheit anbelangt, der Badearzt Dr. Storch obenan, in dieser seiner Eigenschaft darf er vorzüglich genannt werden, es ist aber auch die einzige, die ihn im höheren Kreise der Badegäste beliebt macht; übrigens behandelt er seine Stellung wie ein Mystiker, weicht allen Ärzten in seinem Wildbad als Monopolist auf das geflissendste aus, und steht denselben, wie den [[Wundarzt|Wundärzten]] feindselig gegenüber, trotz seinem vorgerückten Alter ist Dr. Storch ungemein thätig, [...]" Laut dem Bericht Bernbergs hatte er auch versucht die Leitung des Quellwassers nach [[Hofgastein]] zu verhindern. Einen anderen Kritikpunkt äußerte Dr. Bernberg bereits [[1826]], nämlich, dass Dr. Storch keine Publikation zu Gastein herausgebracht hatte. "[...] übrigens wäre sehr zu wünschen das Herr Badearzt Dr Storch, dem man gute praktische Kenntnisse der Wirkung dieses Bades nicht absprechen kann, endlich einmal das badelustigen Publikum mit dem Schatz seiner Erfahrungen vertraut machte, statt sich einfach damit zu begnügen, den eigenen Schutz zu vermehren, und feindselig allem gegenüberzustehen, was nicht durchaus mit ihm gleiche Meinung theilt"<ref>SLA KR Akten B IX.9. Fasz 0212.</ref> | ||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||