Friesacher Pfennig: Unterschied zwischen den Versionen
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| + | Die Friesacher Gepräge hatten nicht wie die [[Salzburger Pfennig]]e den Regensburger Denar zum Vorbild, sondern die Kölner Mark. Das erklärt sich daraus, dass sie anfangs von Münzmeistern hergestellt wurden, die - aus Köln eingewandert - das Münzgewicht und den Münzfuß der Kölner Mark mitgebracht hatten. Die ersten Friesacher Pfennige sind daher eine recht grobe Nachbildung der Kölner Mark. | ||
| − | + | Ab [[1168]] bis ca. [[1200]] wurden die ersten Münzen mit der Bezeichnung "Friesacher" auf der Vorderseite geprägt. Dieser bald recht beliebte Münztypus entwickelte sich zum häufigsten Gepräge, das in unzähligen Stempelvarianten von Friesach aus entlang der damaligen Handelswege in den Umlauf kam. Darüber hinaus entstanden unbefugte Nachahmungen, teils in [[Gurk]] hergestellt, teils von ungenannten Münzherren geprägt. | |
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| − | + | Bei einer weiteren Untersuchung der Fundstelle wurden auf nur rund zehn Quadratmetern an die tausend Stück bzw. Bruchstücke entdeckt. Der Typus der Münzen war nur durch zwei Stück aus einem Fund aus dem Jahr 1908 in Bayern bekannt.Wie die Münzen nach Bischofshofen kamen konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden. <br>[[2020]] übergab Hermine Ransmayer 800 Stück an die Stadtgemeinde. "''Diese Entscheidung ist mir leichtgefallen, die Münzen wurden auf Bischofshofner Boden gefunden und da gehören sie auch hin''", so die Finderin. 50 Münzen wurden dem [[Museum Bischofshofen|Museum am Schanzengelände]] zur Verfügung gestellt.<ref>{{Quelle SN|19. September 2020}}</ref> | |
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==Quellen== | ==Quellen== | ||
| − | * Beiträge im | + | * Beiträge im SALZBURGWIKI |
| − | * Günther Probszt | + | * Günther Probszt: ''Die Münzen Salzburgs'', 1975, Association Internationale des Numismates Proffessionnels, Kommissionsverlag Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz |
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Aktuelle Version vom 27. August 2024, 11:15 Uhr
Unter Friesacher Pfennig versteht man eine mittelalterliche Scheidemünze, die in der Münzstätte Friesach in Friesach in Kärnten, damals im Besitz des Erzbistums Salzburg, geprägt wurde. Sie zählte zu den bedeutendsten mittelalterlichen Zahlungsmitteln weit über das heutige Österreich hinaus.
Einführung
Die allererste Münzprägestätte des Erzbistums hatte ihren Standort nicht in der Stadt Salzburg sondern im damals salzburgischen Laufen an der Salzach, an der Strecke Salzburg – Mühldorf am Inn. Sie beginnt ihre Tätigkeit bereits vor Mitte des 12. Jahrhunderts, wurde aber aus politischen Gründen bald wieder geschlossen. Die Münzprägeanstalt des Erzbistums in Salzburg löste jene von Laufen ab und befand sich in der heutigen Altstadt von Salzburg im Bereich der Münzgasse. Die Münzstätte in Friesach in Kärnten, das damals Teil des Erzbistums war, begann die Ausmünzung etwa zur gleichen Zeit wie die Münzstätte in Laufen, vermutlich im Jahr 1125.
Die Münze wog bis 1,4 Gramm und hatte gut zwei Zentimeter im Durchmesser.
Entstehungsgeschichte der Friesacher Pfennige
Die Ausmünzung in Friesach erfolgte auf Basis des Privilegs von Otto II. aus dem Jahr 975, das aber erst ab 1125 ausgeübt wurde. Friesach beherbergte damals das Verwaltungszentrum der weiträumigen Salzburgischen Besitzungen in Kärnten und lag außerdem nahe Zeltschach, wo ergiebige Silbergruben zur Verfügung standen.
Die Friesacher Gepräge hatten nicht wie die Salzburger Pfennige den Regensburger Denar zum Vorbild, sondern die Kölner Mark. Das erklärt sich daraus, dass sie anfangs von Münzmeistern hergestellt wurden, die - aus Köln eingewandert - das Münzgewicht und den Münzfuß der Kölner Mark mitgebracht hatten. Die ersten Friesacher Pfennige sind daher eine recht grobe Nachbildung der Kölner Mark.
Ab 1168 bis ca. 1200 wurden die ersten Münzen mit der Bezeichnung "Friesacher" auf der Vorderseite geprägt. Dieser bald recht beliebte Münztypus entwickelte sich zum häufigsten Gepräge, das in unzähligen Stempelvarianten von Friesach aus entlang der damaligen Handelswege in den Umlauf kam. Darüber hinaus entstanden unbefugte Nachahmungen, teils in Gurk hergestellt, teils von ungenannten Münzherren geprägt.
Der Friesacher Pfennig erlebte unter der Regierung von Erzbischof Eberhard II. von Regensberg (1200/46) seine größte Bedeutung. Besonders erwähnenswert ist ein Stück aus der Vielzahl der eberhardinischen Gepräge, das auf der Vorderseite den Erzbischof in geistlichem Gewande mit dem Pallium, in jeder Hand ein Schwert an Stelle von Hirtenstab und Buch zeigt. (Probszt) Luschin hat dieses auffallende Gepräge als Gedenkpfennig auf die Erwerbung der beiden Grafschaften im Pinzgau im Jahr 1228 erklärt. Ab 1287 bestand eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Friesacher und St. Veiter Geprägen.
Um 1350 hört die Prägung in der Friesacher Münzstätte auf. Die Nebenmünzstätten der Salzburger Erzbischöfe in der Region Kärnten / Südsteiermark, nämlich in Pettau an der Drau (slowenisch Ptuj) und zu Rann und in Reichenburg, (slowenisch Brežice und Brestanica), blieben weiter in Betrieb, wobei vor allem die Ranner Gepräge eine gewisse Verbreitung erreichten.
Verbreitungsgebiet der Friesacher Pfennige
Die Friesacher Pfennige zirkulierten entlang der damaligen Handelswege und hatten von Anfang an ein größeres Umlaufgebiet als der Salzburger Pfennig. Der östlichste Punkt ihres Verbreitungsgebietes war die Walachei. Die älteren Gepräge sind hauptsächlich aus Münzschatzfunden in Ungarn bekannt.
Interessant ist, dass im Lungau, südlich des Tauernhauptkammes gelegen und durch diese geografische Lage vom Währungsgebiet nördlich des Tauern abgetrennt, nicht der Salzburger sondern der Friesacher Pfennig im Umlauf war.
Mit der Einstellung der Prägetätigkeit der Münzstätte Friesach im Jahr 1350 endete die Prägung von Friesacher Pfennigen, die schon ab 1335, als Kärnten unter die Herrschaft der Habsburger kam, zunehmend von den Wiener Pfennigen vom Geldmarkt verdrängt wurden.
Sensationsfund in Bischofshofen
Im Sommer 1985 waren Hermine und Hans Ransmayr aus Bischofshofen zum Schwammerlsuchen im Hörndlwald am Buchberg aufgebrochen. Auf dem Heimweg fiel der Frau am Waldboden zwischen abgefallenen Fichtennadeln ein glitzerndes Plättchen auf. Die Eheleute begannen zu graben und in kurzer Zeit hatten sie rund 150 lehmverschmierte Münzen eingesammelt. Erst konnten sich gar nicht einschätzen, worum es sich handelt, erst zu Hause hatten sie gesehen, dass da eine Prägung war. Sie schickten den Fund nach Wien ins Kunsthistorische Museum. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Es handelte sich um eine wissenschaftliche Sensation, so das Fazit der Experten.
Bei einer weiteren Untersuchung der Fundstelle wurden auf nur rund zehn Quadratmetern an die tausend Stück bzw. Bruchstücke entdeckt. Der Typus der Münzen war nur durch zwei Stück aus einem Fund aus dem Jahr 1908 in Bayern bekannt.Wie die Münzen nach Bischofshofen kamen konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden.
2020 übergab Hermine Ransmayer 800 Stück an die Stadtgemeinde. "Diese Entscheidung ist mir leichtgefallen, die Münzen wurden auf Bischofshofner Boden gefunden und da gehören sie auch hin", so die Finderin. 50 Münzen wurden dem Museum am Schanzengelände zur Verfügung gestellt.[1]
Quellen
- Beiträge im SALZBURGWIKI
- Günther Probszt: Die Münzen Salzburgs, 1975, Association Internationale des Numismates Proffessionnels, Kommissionsverlag Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz
- "Salzburger Nachrichten", 18. August 2012
Einzelnachweis
- ↑ "Salzburger Nachrichten", 19. September 2020