Mozarteumorchester Salzburg: Unterschied zwischen den Versionen

Aus SALZBURGWIKI
Zur Navigation springen Zur Suche springen
K
(→‎Geschichte: Chefdirigent Hubert Soudant)
Zeile 16: Zeile 16:
 
Das Mozarteum Orchester formierte sich [[1945]] neu, um auf Anweisung der Amerikanischen Besatzer maßgeblich an den Salzburger Festspielen mitzuwirken. Am [[Salzburger Landestheater]] wurde [[Wolfgang Amadeus Mozart|Mozarts]] ''Entführung aus dem Serail'' gegeben. In den Jahren des Wiederaufbaus startete das Orchester erste Tourneen, zuerst nach Italien, dann nach Deutschland, aber schon [[1956]] auch zu einer 42 Konzerte umfassenden Tour Amerikas. Dem künstlerischen Erfolg der Tournee stand ein finanzielles Defizit von einer halben Million Schilling gegenüber.
 
Das Mozarteum Orchester formierte sich [[1945]] neu, um auf Anweisung der Amerikanischen Besatzer maßgeblich an den Salzburger Festspielen mitzuwirken. Am [[Salzburger Landestheater]] wurde [[Wolfgang Amadeus Mozart|Mozarts]] ''Entführung aus dem Serail'' gegeben. In den Jahren des Wiederaufbaus startete das Orchester erste Tourneen, zuerst nach Italien, dann nach Deutschland, aber schon [[1956]] auch zu einer 42 Konzerte umfassenden Tour Amerikas. Dem künstlerischen Erfolg der Tournee stand ein finanzielles Defizit von einer halben Million Schilling gegenüber.
  
Ab [[1960]] durften sich die Musiker des Orchesters als Landesbeamten bzw. Magistratsbeamten sehen und waren durch ihre Pragmatisierung unkündbar. Von [[1969]] bis [[1981]] stand das Mozarteum Orchester unter der Leitung von [[Leopold Hager]] und damit stand erstmals ein echter Salzburger dem Klangkörper vor. Unter ihm wurde das Orchester "schallplattenfähig", man begann Mozarts Jugendopern, die Konzertarien und Konzerte einzuspielen. Ein Werk, das [[Hans Graf]] in den [[1980er]] Jahren fortsetzte, indem es ihm gelang, alle Sinfonien einzuspielen.
+
Ab [[1960]] durften sich die Musiker des Orchesters als Landesbeamten bzw. Magistratsbeamten sehen und waren durch ihre Pragmatisierung unkündbar. Von [[1969]] bis [[1981]] stand das Mozarteum Orchester unter der Leitung von [[Leopold Hager]] und damit stand erstmals ein echter Salzburger dem Klangkörper vor. Unter ihm wurde das Orchester "schallplattenfähig", man begann Mozarts Jugendopern, die Konzertarien und Konzerte einzuspielen. Ein Werk, das [[Hans Graf]] in den [[1980er]] Jahren fortsetzte, indem es ihm gelang, alle Sinfonien einzuspielen. Mit 1. September 1994 war mit Hubert Soudant – nunmehr 1. Gastdirigent – der bislang zweite Niederländer in der Geschichte des Orchesters zum Chefdirigenten ernannt worden.
 +
Durch seine stilistische Vielfalt, beispielsweise die Wiener Klassik (Beethovens Klavierkonzerte mit Valéry Afanassiev), die Romantik – etwa in Berios Verfremdung von Schuberts letzten sinfonischen Skizzen zu Rendering oder der Sinfonik Bruckners – sowie das französische Repertoire betreffend, durch seine internationale Erfahrung und intensive Arbeit
 +
gelang es ihm, den künstlerischen Ruf des Klangkörpers über die Milleniumswende hinweg weiter zu festigen.
  
 
==Gegenwart==
 
==Gegenwart==

Version vom 10. Januar 2009, 00:36 Uhr

Das Mozarteum Orchester ist das Berufssinfonieorchester des Landes Salzburg.

Geschichte

Das Orchester ging 1881 mit der Gründung des Mozarteums aus dem Klangkörper des Dom-Musik-Vereins und Mozarteums hervor. Bis dahin war es ab 1841 unter der Leitung von Alois Taux gestanden, später von Heinz Schläger und Otto Bach übernommen worden, die beide Anton Bruckner als Leiter des Vereines vorgezogen worden waren.

Nachdem die Internationale Stiftung Mozarteum 1881 erfolgreich auf die Trennung von Dommusik und Mozarteum gedrängt hatte, formierte sich eine freie Orchestergemeinschaft ergänzt durch Schüler und Lehrer des Mozarteums unter der künstlerischen Leitung von Joseph Friedrich Hummel, dem mit 28 Jahren längst dienenden Vorstand des Orchesters. Hummel war gleichzeitig auch Leiter der Salzburger Liedertafel.

Obwohl rasch von renommierten Künstlern wie Gustav Mahler mit Lob bedacht, kam das Orchester schon bald in finanzielle Schwierigkeiten. Mit zeitgenössischer Musik (Brahms, Bruckner ...) konnte man nur wenige Salzburger dazu bewegen, regelmäßig die Konzerte des Mozarteum Orchesters zu besuchen. Die ISM musste jährlich mehr als 200 Gulden zuschießen, um den Betrieb nur annähernd aufrecht zu erhalten.

Ab 1908 lautet der Name nun offiziell Mozarteum Orchester, Joseph Reiter aus Braunau am Inn wird neuer Leiter des Ensembles. Weitere wirtschaftliche Misserfolge erzwingen nach drei Jahren seine Demission. Es folgen ebenso erfolglose Jahre unter Paul Graener und Franz Ledwinka. Mitten im Ersten Weltkrieg sollte sich aber mit der Bestellung von Bernhard Paumgartner, später auch künstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele, die Geschichte des Orchesters zum Besseren wenden.

Unter Paumgartner feierte Herbert von Karajan am 22. Jänner 1929 im Großen Saal des Mozarteums sein Dirigierdebüt in Salzburg.

Die Nationalsozialisten wandelten das Mozarteum Orchester 1938 endlich in ein Berufsorchester um, nach der Ausrufung des Totalen Krieges kam aber jede Konzerttätigkeit zum Erliegen.

Das Mozarteum Orchester formierte sich 1945 neu, um auf Anweisung der Amerikanischen Besatzer maßgeblich an den Salzburger Festspielen mitzuwirken. Am Salzburger Landestheater wurde Mozarts Entführung aus dem Serail gegeben. In den Jahren des Wiederaufbaus startete das Orchester erste Tourneen, zuerst nach Italien, dann nach Deutschland, aber schon 1956 auch zu einer 42 Konzerte umfassenden Tour Amerikas. Dem künstlerischen Erfolg der Tournee stand ein finanzielles Defizit von einer halben Million Schilling gegenüber.

Ab 1960 durften sich die Musiker des Orchesters als Landesbeamten bzw. Magistratsbeamten sehen und waren durch ihre Pragmatisierung unkündbar. Von 1969 bis 1981 stand das Mozarteum Orchester unter der Leitung von Leopold Hager und damit stand erstmals ein echter Salzburger dem Klangkörper vor. Unter ihm wurde das Orchester "schallplattenfähig", man begann Mozarts Jugendopern, die Konzertarien und Konzerte einzuspielen. Ein Werk, das Hans Graf in den 1980er Jahren fortsetzte, indem es ihm gelang, alle Sinfonien einzuspielen. Mit 1. September 1994 war mit Hubert Soudant – nunmehr 1. Gastdirigent – der bislang zweite Niederländer in der Geschichte des Orchesters zum Chefdirigenten ernannt worden. Durch seine stilistische Vielfalt, beispielsweise die Wiener Klassik (Beethovens Klavierkonzerte mit Valéry Afanassiev), die Romantik – etwa in Berios Verfremdung von Schuberts letzten sinfonischen Skizzen zu Rendering oder der Sinfonik Bruckners – sowie das französische Repertoire betreffend, durch seine internationale Erfahrung und intensive Arbeit gelang es ihm, den künstlerischen Ruf des Klangkörpers über die Milleniumswende hinweg weiter zu festigen.

Gegenwart

1991 wurde in der Erzabt-Klotz-Straße neben dem Petersbrunnhof des Schauspielhauses Salzburg das vom bekannten Salzburger Architekten Franz Fonatsch geplante neue Orchesterhaus eröffnet.

Seit 2004 ist der Engländer Ivor Bolton Chefdirigent des Mozarteum Orchesters.

Im künstlerischen Mittelpunkt steht die Musik der Wiener Klassik. So spielt das Mozarteum Orchester die Mozart-Matineen bei den Salzburger Festspielen und ist mit mehreren Konzerten einer der Hauptakteure in der Salzburger Mozartwoche. Als musikalischer Botschafter Salzburgs lässt das Orchester auch auf internationalen Tourneen Werke der Wiener Klassik erklingen.

Über das Kernrepertoire hinaus ist die stilistische Bandbreite des Orchesters groß. Bei den Salzburger Festspielen spielt das Orchester in großen Opernproduktionen. 2008 gibt der junge kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin in Gounods Roméo et Juliette mit dem Mozarteum Orchester sein Salzburg Debüt. 2007 feierte das Orchester mit Haydns Armida einen triumphalen Erfolg.

Im eigenen Konzertzyklus bringt das Orchester auch immer wieder neue oder selten gehörte Werke zur Aufführung. 2007/2008 stand der Zyklus mit Richard Strauss und Hector Berlioz als zentrale Komponisten unter dem Motto „Im Zauberkreis der Nacht“. 2008/2009 steht Ludwig van Beethoven im Mittelpunkt der Konzertreihe. Ergänzt wird der Zyklus mit Werken von Kaija Saariaho, Brett Dean und John Adams.

Für die Salzburger Kulturvereinigung spielt das Orchester großes symphonisches Repertoire, für das Salzburger Landestheater Musiktheatervorstellungen von großer Oper bis hin zu Operette und Musical. Darüber hinaus setzt sich das Mozarteum Orchester auch stark für zeitgenössisches Repertoire ein. So brachte das Orchester im Herbst 2008 sein erstes Auftragswerk an Kurt Schwertsik für professionelles Orchester und Jugendorchester zur Uraufführung.

Die Arbeit des Mozarteum Orchesters ist bestens auf Tonträgern dokumentiert. Die CD-Veröffentlichungen umfassen u.a. zahlreiche Werke Mozarts sowie einen begonnenen Zyklus mit den Symphonien Anton Bruckners. Erst kürzlich spielte das Orchester Haydns Oratorien Die Jahreszeiten und Die Schöpfung mit Ivor Bolton bei OehmsClassics ein und sorgte damit für internationale Aufmerksamkeit.

Offizieller Hauptsponsor des Mozarteum Orchesters ist Mercedes-Benz Österreich.

Chefdirigenten

Namhafte Gastdirigenten

Eine kleine Auswahl namhafter Gastdirigenten mit Salzburgbezug:

Quellen

  • Horst Erwin Reischenböck: Orchestergeschichte Mozarteum Orchester Salzburg
  • Adolf Haslinger, Peter Mittermayr (Hg.): Salzburger Kulturlexikon. Residenz Verlag. Salzburg-Wien-Frankfurt/Main 2001. ISBN 3-7017-1129-1
  • Cordula Bürgers: Pressereferat Mozarteum Orchester Salzburg.

Weblinks