Jedermann (Salzburg): Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 25. Februar 2013, 15:41 Uhr
Jedermann von Hugo von Hofmannsthal ist ein Theaterstück, das anlässlich der Salzburger Festspiele alljährlich aufgeführt wird, und gehört zu Salzburg wie Mozart.
Allgemeines
Während Mozart als ein Salzburger Original, ein Musikgenie und ein Geschenk Gottes an die Welt angesehen werden darf, stellt sich der "Jedermann" eher zwiespältig dar.
Bei Hugo von Hofmannsthals Jedermann handelt es sich um eine Neufassung des mittelalterlichen "Everyman".
Die Geschichte des Stückes erzählt vom reichen Mann, der sein Leben lang in Saus und Braus gelebt hat, rücksichtslos gegenüber seinen Mitmenschen und gottlos. Erst als der Tod nach ihm ruft, packt ihn die Angst vor der Verdammnis und er wird aus Selbstsucht reuig. Damit erwirkt er die Gnade Gottes und den Einlass in den Himmel.
In der Religiosität des Mittelalters war der Inhalt des Stückes durchaus konform mit dem Zeitgeist. Zu Lebzeiten Hofmannsthals herrschten aufgeklärte Neuzeit und ein anderer Zeitgeist.
Es erhebt sich also die Frage, warum der Salzburger Kunst- und Kulturbetrieb seit Jahrzehnten diese Verherrlichung der Niedertracht, der Gottlosigkeit und des Gottesbetruges mit vorgetäuschter Reue in alle Welt hinaus als Teil des Weltkulturerbes exportiert.
Weiters stellt sich die Frage nach der rechten Interpretation von Hofmannsthals Stück. Der Salzburger Festspielbetrieb hängt der Interpretation an, welche mittelalterliches Glaubensverständnis in unsere Zeit transportiert. Hofmannsthals Stück kann aber mit mindestens ebenso großer Berechtigung als eine Persiflage dieser mittelalterlichen Religiosität und des Reuebetruges aufgefasst werden.
Jedermann in Salzburg
Am 22. August 1920 wurde das Stück zum ersten Mal in Salzburg aufgeführt. Seine Uraufführung hatte es bereits 1911 in Berlin erlebt. Seither wurde es jährlich bei den Salzburger Festspielen aufgeführt, nur von 1922 bis 1925 sowie kriegsbedingt von 1938 bis 1945 fiel es aus.
Regie
- Max Reinhardt, 1920, 1921, 1926 - 1937
- Heinz Hilpert, 1946
- Helene Thimig, 1947 - 1951, 1963 - 1968
- Ernst Lothar, 1952 - 1959
- William Dieterle, 1960
- Gottfried Reinhardt, 1961 - 1962
- Leopold Lindtberg, 1969 - 1972
- Ernst Haeusserman, 1969 - 1983
- Gernot Friedel, 1984 - 2001
- Christian Stückl, 2002 - 2004 und 2007 - 2012
- Martin Kušej, 2005
- Henning Bock, 2006
- Julian Crouch und Brian Mertes, ab 2013
Jedermann
- Alexander Moissi, 1920, 1921, 1926 - 1931: 69 mal
- Paul Hartmann, 1932 - 1934: 20 mal
- Attila Hörbiger, 1935 - 1937, 1947 - 1951: 50 mal
- Ewald Balser, 1946: sechs mal
- Will Quadflieg, 1952 - 1959: 56 mal
- Walther Reyer, 1960 - 1968: 55 mal
- Ernst Schröder, 1969 - 1972: 25 mal
- Curd Jürgens, 1973 - 1977: 30 mal
- Maximilian Schell, 1978 - 1982: 31 mal
- Klaus Maria Brandauer, 1983 - 1989: 46 mal
- Helmut Lohner, 1990 - 1994: 36 mal
- Gert Voss, 1995 - 1998: 43 mal
- Ulrich Tukur, 1999 - 2001: 26 mal
- Peter Simonischek, 2002 - 2009: 91 mal
- Nicholas Ofczarek, 2010 - 2012: 38 mal
- Cornelius Obonya, ab 2013
Buhlschaft
- Johanna Terwin, 1920, 1921
- Dagny Servaes, 1926 - 1937
- Grete Zimmer, 1946
- Elfe Gerhart, 1947
- Maria Becker, 1948, 1949
- Judith Holzmeister, 1950, 1951
- Lola Müthel, 1952
- Heidemarie Hatheyer, 1953 - 1955
- Martha Wallner, 1956 - 1959
- Sigrid Marquardt, 1960
- Ellen Schwiers, 1961, 1962
- Maria Emo, 1963
- Anna Smolik, 1964
- Eva Kerbler, 1965, 1966
- Nadja Tiller, 1967, 1968
- Christiane Hörbiger, 1969 - 1972, 1974 (abwechselnd mit Senta Berger)
- Nicole Heesters, 1973
- Senta Berger, 1974 (abwechselnd mit Christiane Hörbiger), 1975 - 1978, 1980 - 1982
- Christine Buchegger, 1979
- Marthe Keller, 1983 - 1986
- Elisabeth Trissenaar, 1987 - 1989
- Sunnyi Melles, 1990 - 1993
- Maddalena Crippa, 1994 - 1997
- Sophie Rois, 1998
- Dörte Lyssewski, 1999 - 2001
- Veronica Ferres, 2002 - 2004
- Nina Hoss, 2005, 2006
- Marie Bäumer, 2007
- Sophie von Kessel, 2008, 2009
- Birgit Minichmayr, 2010 - 2012
- Brigitte Hobmeier, ab 2013
Teufel
- Erwin Faber, 1946
- Georg Hohensinn, 25. August 1946
- Karl Paryla, 1947-1948
- Karl Blühm, 28. August 1949
- Werner Krauß, 1949
- Harald Kreutzberg, 1950
- Franz Böheim, 1951
- Peer Schmidt, 1952
- Erik Frey, 1953
- Otto Eduard Hasse, 1954
- Kurt Meisel, 1955 - 1956
- Ernst Ginsberg, 1957 - 1960
- Albin Skoda, 27. Juli 1958
- Heinrich Schweiger, 1961 - 1968
- Heinz Reincke, 1969 - 1972
- Martin Benrath, 1973 - 1977
- Otto Schenk, 1978 - 1982, 1991 - 1992
- Helmuth Lohner, 1983 - 1987
- Walter Schmidinger, 1988 - 1989
- Ekkehard Schall, 1990
- Udo Samel, 1993 - 1994
- Ulrich Mühe, 1995 - 1997
- Branko Samarovski, 1998 - 2001
- Tobias Moretti, 2002 - 2005
- Norman Hacker, 2006
- Sven-Eric Bechtolf, 2007 - 2008
- Peter Jordan, 2009 - 2012
- Simon Schwarz, ab 2013
Faszinierender Bestandteil jeder Aufführung sind auch die unsichtbaren Jedermannrufer, die aus verschiedenen Richtungen rund um den Domplatz ohne Verstärker ihr durch Mark und Bein gehendes Jedermann anstimmen.
Jedermann an anderen Orten
Das Spiel vom Leben und Sterben des reichen Mannes wird auch noch an zahlreichen anderen Orten regelmäßig aufgeführt, so zum Beispiel in Mondsee, Faistenau, St. Veit im Pongau oder in Sankt Michael im Lungau am Neuhauser-Teich im Ortsteil Oberweißenburg[1].
Quellen
- Bernhard Schlögl
- SMCA (angeführter Link war bei Kontrolle 20. Juli 2012 nicht mehr existent)
- Archiv der Salzburger Festspiele
- ↑ Quelle Sankt Michael im Lungau: Salzburger Woche, Ausgabe 28. Juni 2012