Pferdeschwemme (Hofmarstallschwemme): Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 21. August 2019, 08:58 Uhr
Die Marstallschwemme in ursprünglicher Form
Hofmarstall, im Bild: links
Die Marstallschwemme, für viele Salzburger die Pferdeschwemme, ist eine der beiden erhaltenen Salzburger Pferdeschwemmen und ein Brunnen in der Salzburger Altstadt. Sie zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt Salzburg.
Lage
Sie befindet sich am Herbert-von-Karajan-Platz nördlich des nordöstlichen Portals des Sigmundstors in der Salzburger Altstadt.
Name
Diese Pferdeschwemme heißt eigentlich 'Marstallschwemme', weil sie zum Hofmarstall gehört, der sich südöstlich davon befand.
Geschichte
1695 bis 1696 ließ Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun hier im Zuge der Erweiterung des Hofmarstalles eine Schwemme (Bad) für die Pferde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichten. Weil am Mönchsberg schon der Schüttkasten für den Marstall stand, wurde die Pferdeschwemme mit einer eigenen Rückwand versehen, um diesen zu verbergen. Die Schauwand mit kunstvollen Pferdefresken stammt in der Erstanlage ebenso aus der Zeit Fischer von Erlachs.
Beschreibung
Der Rossebändiger
Der Rossebändiger, ein sich aufbäumendes Pferd bändigend, befindet sich in der Mitte der Schwemme. Die Skulpturengruppe wurde 1695 geschaffen und ist ein frühes Hauptwerk von Michael Bernhard Mandl. Das Motiv des Pferdebändigers ist ein in der Barockzeit häufig dargestelltes Motiv, das den Wettstreit der Leidenschaft mit der überkommenen (aristokratischen) Ordnung symbolisiert.
Der Salzburger Rossebändiger weist thematisch einige besondere Bezüge und Symbole auf. Am Satteltuch, dass den Rossebändiger und das Pferd verbindet, befindet sich das erzbischöflich Wappen. Damit erscheint das Pferd als ein dem Fürsten gehöriges. Der Bezähmer ist auch nicht als ein beliebiger Pferdeknecht zu verstehen. Die Szene erinnert uns an Alexander den Großen und die Bezwingung seines Leibrosses Bukephalos. Damit wird auf den erzbischöflichen Auftraggeber angespielt, der sinnbildlich mit lenkender Hand das Unbändige zügelt und ihm den schuldigen Gehorsam abverlangt. Die aus Marmor gefertigte besonders hochwertige Skulptur mit ihrem hohen Maß an Dynamik war ursprünglich auf den Hofmarstall hin ausgerichtet. Damit wurde der Eindruck erweckt, als ob der Rossebändiger im Begriff sei, dass widerstrebende Tier zu bändigen und dem Hofmarstall zuzuführen. Der Bezugspunkt der Skulpturengruppe war das gegenüberstehende prächtig gestaltete nördliche Portal am Hofmarstall, das unter anderem auch die allegorischen Figuren von Europa und Asien enthält. Der Fürsterzbischof erinnerte damit an seinen fürstlichen Status als Primas Germania.
1732 unter Fürsterzbischof Firmian wurde die Hofstallschwemme umgebaut. Das Becken bekam eine marmorne Ballustrade mit Figurenschmuck. Das Standbild wurde um 90 Grad gedreht und mit einem neuen prunkvollen Sockel versehen, auf dem der Fürsterzbischof auch sein Wappen anbringen ließ.
Schauwand
- Hauptartikel: Pferdegemälde von Franz Anton Ebner (Marstallschwemme)
Die plastische Gliederung der Schauwand und ihre heutige Secco-Malerei wurde im Jahr 1732 vom namhaften Salzburger Barockmaler Franz Anton Ebner unter Fürsterzbischof Firmian phantasievoll mit elf verschiedenen Pferden neu gestaltet.
Kunstgeschichte
- Salzburg (Kupferstich) Matthäus Seutter, ca. 1740, Die Marstallschwemme in ursprünglicher Form
- Johann Michael Sattler, "Die Pferdeschwemme bei den Hofstallungen in Salzburg (Kosmorama)", 1828, Öl auf Leinwand, Salzburg Museum, Inv.-Nr. 53-25
Bildergalerie
- Pferdeschwemme Marstallschwemme 01.jpg
Rossebändiger als Kampf von Mäßigung (Tugend) und Unmaß (Wildheit, Untugend)
Nachts während der Festspielzeit
- Pferdeschwemme Marstallschwemme 02.jpg
Inschrift mit Jahreszahl von Michael Bernhard Mandl
- Pferdeschwemme Marstallschwemme 03.jpg
Ross, Rossebändiger und Rossdecke mit dem erzbischöflichen Wappen
Bilder
Pferdeschwemme (Hofmarstallschwemme) – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Quellen
- Lehrerarbeitsgemeinschaft am Pädagogischen Institut Salzburg unter der Leitung von Josef Hübl: Heimatkunde Stadt Salzburg, Salzburger Druckerei, Ausgabe Mai 1974
- Buch Salzburg in alten Fotografien
- Lieselotte Eltz-Hoffmann: Salzburger Brunnen, Schriftenreihe des Stadtvereins Salzburg, 1979, Seite 77-81.