Kunigunde Thalhammer
Kunigunde Thalhammer (* 28. September 1838 in Salzburg-Nonntal;[1] † 25. November 1899 in Innsbruck, Nordtirol)[2] war Lehrerin in der Stadt Salzburg und Leiterin der Mädchenschule St. Andrä.
Aus ihrem Leben
Kunigunde (Taufnamen: Anna Kunigunde Magdalena) war Tochter des Kaufmanns Franz Paul Thalhammer und der Salzburger Gärtnerstochter Kunigunde geb. Susan.[1]
Kunigunde Thalhammer war spätestens 1856 Aushilfslehrerin, und zwar spätestens 1857 an der Mädchenschule St. Andrä, und erhielt eine jährliche Remuneration zuerst von 50 fl., 1858/59 von 63 fl.[3] Die Mädchenschule leitete sie von 1862 (oder allenfalls bereits seit dem Tod ihrer Vorgängerin Kathrina Fuchs im Jahr 1861) bis in die 1870er-Jahre .[4] Zu Beginn des Schuljahrs 1873 wurde sie als Lehrerin an die damals neue Volks- und Bürgerschule (eine Bürgerschule, mit der eine Mädchen-Volksschule vereinigt war)[5] in der Altstadt ernannt,[6] im nachfolgenden Sommer zur Fachlehrerin an der genannten Bürgerschule[5]. In späteren Jahren war sie auch an einem Privatinstitut tätig und ertheilte in den ersten und besten Familien Salzburgs den nicht schulbesuchenden Töchtern Privatunterricht.
Im Jahr 1882 kehrte sie dem Lehrberuf und ihrer Heimatstadt den Rücken, heiratete und lebte glücklich an der Seite ihres Gatten Thomas Islitzer, eines Gymnasialprofessors und späteren Direktors des Innsbrucker Gymnasiums. Das Reisen nahm einen bedeutenden Teil ihres Lebens ein.
Kunigunde Islitzer geb. Thalhammer starb im Alter von 61 Jahren an einem Novembertag plötzlich an Herzlähmung. Die Leiche der Verblichenen wurde, ihrem Wunsche gemäß, nach Salzburg überführt und hier in der Familiengruft beigesetzt.[2]
Mehr als ihrem äußeren Leben ist die nachfolgend wiedergegebene "Erinnerung" ihrer Persönlichkeit und ihrer Bedeutung für ihre Schülerinnen gewidmet:
Eine Erinnerung
- "Es war in den sechziger Jahren, ein kalter, aber schöner Märzmorgen. Frisch gefallener Schnee bedeckte die Straßen und die Dächer der Häuser, und die Berge ringsherum glitzerten und flimmerten im hellen Märzsonnenschein.
- Wenige Menschen waren auf dem Wege, denn die Uhr zeigte eine noch ziemlich frühe Stunde. Einige Herren gingen raschen Schrittes ins Geschäft oder in das Amt, sehr fleißige, früh aufstehende Musterhausfrauen begaben sich auf den Markt, um, wenn möglich, als die Ersten auch das Beste und Billigste einzukaufen, und Kinder sah ich zur Schule hasten, denn es war nahe acht Uhr, zur alten, lieben Andräschule.
- Liebliche Mädchengestalten im Festkleide, die Gesichtchen roth von der Kälte und strahlend vor Freude und Aufregung. Die meisten trugen Sträuße in den Händen, auch Blumenstöcke, Veilchen, Hyacinthen, Tulpen,— die ersten zarten Frühlingsboten. Fröhlich plauderten sie und eilten dahin, so schnell sie ihre Füßchen trugen.
- Was mochte es wohl geben? Neugierig frug ich eine der Kleinen.
- Sie schien ganz erstaunt zu sein, daß es Jemanden in Salzburg geben könne, der in Unkenntniß sei über die Bedeutung des heutigen Tages, doch gab sie bereitwillig Auskunft. "Es ist ja dritte März, der Namenstag von unserem Fräulein,— Fräulein Kunigunde", und fort war sie, ihren Mitschülerinnen nachstürmend, daß sie ja nicht die Letzte unter den Gratulantinnen. Ich aber wußte und verstand, denn der Name von Fräulein Kunigunde Thalhammer hatte einen guten Klang in der ganzen Stadt Salzburg bei Arm und Reich, Alt und Jung, als der einer guten, pflichtgetreuen Lehrerin, die durch Ernst und Milde dar Kinderherz an sich zog und mächtigen Einfluß auf dasselbe ausübte,— einer Lehrerin, welche ihren Beruf heilig hielt und hochgeachtet war von ihren Vorgesetzten und allen Eltern ihrer Schülerinnen,— und deren Zahl war groß, denn die Thätigkeit von Fräulein Kunigunde erstreckte sich nicht nur auf die Andräschule, sie wirkte auch in späteren Jahren an der Bürgerschule und einem Privatinstitute, und ertheilte in den ersten und besten Familien Salzburgs Privatunterricht den die Schule nicht besuchenden Töchtern.
- An diesen dritten März dachte ich, als ich am 29. Nov. vergangenen Jahres am Central-Friedhof jenes kleine Mädchen als Frau und Mutter wieder erblickte unter einer. Schaar anderer Frauen und Mädchen, die weinend an der offenen Gruft der einstigen, so geliebten Lehrerin standen, die sie dankbar auf dem letzten Lebenswege begleitet hatten und der sie den letzten Liebesgruß nachsandten.
- Kunigunde Thalhammer war nicht in ihrer Heimatstadt gestorben, im Jahre 1882 schon hatte, sie dieselbe verlassen, dem Rufe der Liebe folgend. Siebzehn glückliche Jahre verbrachte sie in der Ferne an der Seite ihres sie hoch schätzenden Gatten, doch ihr theueres Salzburg vergaß sie nie. Sie besuchte es, so oft sie konnte, und ihr letzter Wunsch war einst dort zu ruhen, wo sie so viele Jahre segensreich gewirkt hatte und so viele Herzen ihr dankbar entgegen schlugen.
- Halb Europa hatte die Verstorbene mit ihrem Gatten durchreist, ja selbst über dessen Grenzen hinaus führte sie ihr Reisetrieb, mit offenem Blick und hellem Verstand hat sie die Welt geschaut, auch die Gabe gehabt, in Freundeskreisen das Gesehene lebhaft und anschaulich wieder zu erzählen, so daß es ein Genuß war. ihr zuzuhören, wenn sie an der Hand zahlreicher Photographien Andern ein getreues Bild von dem zu geben suchte, was sie selbst beglückt und begeistert hatte. Natur und Kunst waren für sie reiche Quellen steten neuen Entzückens, und sie war überaus begeistert beim Anblicke einer herrlichen Gegend, einer großartigen Naturschönheit in nahen und fernen Landen, als in den Kunstsälen von Florenz auf dem Forum von Rom, oder der Akropolis von Athen.
- Allein auch in ihren glücklichsten Tagen bewahrte die Verstorbene eine treue Erinnerung an ihren einstigen Beruf als Lehrerin, dem sie. die Tage ihrer Jugend gewidmet hatte. Sie hatte ein beispielloses Gedächtniß für jede ihrer vielen Schülerinnen, denen sie stets die wärmste Theilnahme und das regste Interesse entgegenbrachte. Rührend war das Wiedersehen von Lehrerin und Schülerinnen oft nach langen Jahren und in den verschiedensten Theilen der Monarchie, und unendlich das Vertrauen, welches die einstigen Kinder noch als Frauen und Mütter ihrer hochgeschätzten Lehrerin entgegenbrachten.
- Fräulein Kunigunde Thalhammer waren, als Gattin des ehemaligen Professors, jetzigen Gymnasialdirectors Thomas Islitzer, eines gleichgesinnten edlen Mannes, schöne sonnige Jahre eines ungetrübten, glücklichen Daseins beschieden und ein beneidenswerther, sanfter Tod, der sie aus einem Leben, erfüllt von wahrer Liebe und innerer Zufriedenheit, ahnungslos hinübertrug in das Land ohne Thränen, ohne Schmerz.
- Sicher werden diese wenigen Zeilen, bestimmt das Andenken einer ausgezeichneten, charaktervollen Frau zu ehren, Wiederhall finden in den Herzen von vielen unserer Salzburger Frauen und Mädchen, ihnen die Tage der Kindheit und Jugend ins Gedächtniß rufen, schöne unvergeßliche Tage, und mit ihnen das Bild einer Frau, die zu verehren sie nie aufgehört haben, der Bildnerin ihrer Jugend, der erprobten Freundin und treuen Beratherin ihrer späteren Jahre.
- Der dritte März bleibe ein Tag ihrer Erinnerung wie er ihrer einst ein Tag der Freude gewesen ist. Fräulein Kunigunde, denn unter diesem Namen kennen wir sie alle, ruhe sanft, ihr Andenken wird uns theuer bleiben. —r—"
Quellen
- Salzburger Volksblatt, 3. März 1900, S. 17: Eine Erinnerung
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Taufbuch der Stadtpfarre Salzburg-Nonntal, Bd. IV S. 238
- ↑ 2,0 2,1 Neuigkeits-Welt-Blatt, 3. Dezember 1899, S. 4
- ↑ Salzburger Zeitung, 29. September 1856, S. 3; Neue Salzburger Zeitung, 16. September 1857 (Abendblatt), S. 3; Salzburger Zeitung, 21. September 1859, S. 4
- ↑ Artikel "Volksschule Campus Mirabell", abgerufen am 16. April 2026
- ↑ 5,0 5,1 Salzburger Kirchenblatt, 23. Juli 1874, S. 235
- ↑ Salzburger Volksblatt, 17. September 1873, S. 3
| Vorgängerin |
Leiterin der Mädchenschule St. Andrä 1862–1873? |
Nachfolger |
[Kategorie:Salzburgs Töchter und Söhne]]