Aus den alten Rechnungsbüchern der Stadt Salzburg
Aus den alten Rechnungsbüchern der Stadt Salzburg ist einen Zusammenstellung von Dr. Franz Martin, die in den Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde im Jahr 1934.
Bedeutung der Ratsprotokolle und Rechnungsbücher
Ratsprotokolle und Rechnungsbücher gelten als zentrale Quellen für die Kulturgeschichte einer Stadt. Das Salzburger Stadtarchiv besitzt Ratsprotokolle von 1512 bis 1809 (mit Lücken) sowie Rechnungsbücher von 1486 bis 1489 und von 1548 bis 1859.
Die "Kammeramtsrechnungen" listen Ausgaben für den Stadtbaumeister nur summarisch. Die "Bauamtsrechnungen" enthalten zwar wöchentliche Ausgaben, jedoch ohne detaillierte Aufschlüsselung. Dadurch ist die Baugeschichte aus diesen Quellen nur eingeschränkt rekonstruierbar.
Die alten, sorgfältig geführten Rechnungen sind eine reichhaltige Quelle für Stadt-, Kultur- und Alltagsgeschichte.
Gesellschaftliche und administrative Gepflogenheiten
Das Stadtregiment war patriarchalisch geprägt. Die Stadt beteiligte sich an Familienfesten ihrer Funktionäre.
Ratsmitglieder erhielten zu Hochzeiten oder Jubiläen wertvolle Goldschmiedearbeiten, die häufig in Augsburg gekauft wurden. Salzburger Goldschmiede durften meist nur Wappen und Widmung eingravieren. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden Sachgeschenke zunehmend durch Geldzuwendungen ersetzt.
Präsenzgelder und Ratsvergütungen
Ratsstellen waren nicht rein ehrenamtlich. Trotz ihres Wohlstands erhielten Stadtkämmerer und Stadtbaumeister beträchtliche jährliche Geldvergütungen. Seit 1688 erhielten die Stadträte Präsenzgelder. In diesem Jahr wurde der Gesamtbetrag von 300 Gulden für einen neuen Altar in Mülln gestiftet. In den Folgejahren behielten die Räte das Geld für sich.
1709 wurde die Summe auf 600 Gulden erhöht. Damit existierten bereits frühe Formen von Gemeinderatsdiäten.
Ausgaben für Bewirtung
Essen und Trinken spielten eine große Rolle. Bei nahezu jeder Gelegenheit (z. B. Besichtigungen, Jahresrechnungen) wurde ein gemeinsames Mahl abgehalten.
Im 18. Jahrhundert lud sich der Stadtrat regelmäßig bei Franziskanern, Kapuzinern, Augustinern und der Benediktineruniversität ein. Diese Gastmähler verursachten stetig steigende Kosten.
Ereignisse und gesellschaftliche Aktivitäten
Rechnungen dokumentieren:
- Durchreisen fürstlicher Personen (mit Ausrücken der Bürgergarde und Uniformerneuerungen)
- Teilnahme an Prozessionen und Gebeten
- "Hus-Ausläuten" und Einläuten der Dult
- Zahlungen an Ordensleute für die Verteilung religiöser Bildchen
- Besuche auswärtiger Stadtpfeifer bzw. Stadtturner
- Almosen für Bettler, verarmte Adelige, ehemalige Gefangene und Brandgeschädigte
Im 16./17. Jahrhundert noch namentlich, später pauschal.
Brände und städtische Infrastruktur
Feuersbrünste werden erwähnt, z. B. der Brand des Kreuzgangs von St. Peter 1680. Prämien wurden an jene gezahlt, die als Erste Löschwasser herbeibrachten. Hohe Kosten entstanden durch Reparaturen der Kanäle ("Gräben"). Sie verliefen in der Gassenmitte und waren mit Steinplatten abgedeckt. Erste Pflasterungen mit Kugelsteinen sind dokumentiert; ein Meister aus Augsburg wurde dafür engagiert.
Volkskunde und Theater
Erwähnt werden: Bauernspiele, Schwerttänze sowie Zahlungen an Schulmeister von St. Peter und dem Dom für Komödien. Diese endeten mit der Gründung des neuen Gymnasiums und der Universität.
Bildmedien
Kupferstiche dienten als Vorläufer moderner illustrierter Blätter. Sie wurden von auswärtigen Buchhändlern oder Stechern zu Staatsereignissen angefertigt und dem Stadtrat gewidmet.
Auszug
- 1686 Demselben wie vor für Johann Emmeram Grindtl, Stadtschreiber, zu dessen Hochzeit verehrt 55.—.—
- 1687 Herrn Augusto Erich, Hofmalern, für ein Contrafet Ihro hf. Gnaden in die Rathstuben 9.—
- 1688 Auf Verfertigung einer neuen Standard der bürg. Compagnie zu Pferd 164.3.24
- Christoph Stern, Tischler, für 2 Rahmen zu jetzig und gestorbenen Erzbischöfen Contrafet 3.—.—
- 1689 Für Herrn Bartlmä Bergamin, gemeiner Stadt Baumeister, für seine vielfältigen Bemühungen wegen der 1682 aufgerichten Triumphporten, dann mit Verfertigung des neuen Brunns am Marktplatz ein mehr 50 Loth schweres Silbergeschirr und 6 Silber verguldte Pecher bei Hans Jakoben Haidt, Goldschmied alhie 78.4.—
- Herrn Paul Söll, Sigillschneider, umb dass er auf obige 6 Pecher die Stadtwappen gestochen 4.4.—
- 1690 Zu dem neuen St. Nicolaus von Tolentin-Altar bei den PP. Augustinern in Mülln 300.—.—
- 1691 Auf gnädigste Intention Ihrer hf. Gnaden hat ein Stadtmagistrat das Grainerische Gärtl, Holzleg, Höfl und Stallung, Fleischbank und Circulschmidtwerkstätte auf der Gstätten wegen Erweiterung des Platzes zu Setzung des neuen Brunnens erhandelt und das Gepeu völlig abgebrochen und der Erden gleichgemacht. 600.—.—
- 1692 Matheusen Wagner, Buchdruckern zu Ulm, seind für die einem löbl. Stadtmagistrat verehrte 36 Markgräflich-Badische Sigs-Calender zu übermachen verwilligt worden. 21.—.—
- 1694 Christophen Zeiss, bgl. Illuministen, für das illuminierte und dem löbl. Magistrat verehrte 1682iste Saeculum zu einem Recompens 18.—.—
- 1695 Zu dem in U. L. Frauenkirchen zu Mülln zu Ehren des hl. Nicolai Tolentini aufgesetzten neuen Altar zu Ergresser- und Machung zweier Flüglen ein Beyhilf 60.—.—
- 1696 Den PP. Franciskanern zu deren Gepey im Garten Almosen 60.—.—
- 1698 Herrn Caspar Freyssauff des Raths und Rittmeister vor Wendt- und Wiederzurichtlassung der bürgerlichen Liberei zu Pferdt, auch für 2 neue Lageyröck 307.1.14
- Franz Andreen Groner, bgl. Buechführer von Wien, vor Verehrung etlicher Kupfer des Marianischen Gnadenbilds, so zu Pötsch in Oberungern anno 1696 den 4. November geweinet 12.—.—
- 1699 Herrn Joh. Bapt. Mayr, Buechdrucker alhie, für die bei Einzug der vermählten römischen Königin aufgeführte Ehrenporthen verehrte Exemplarien 32.—.—
- Für neue Huet für die bgl. Compagnie zu Pferdt 79.4.16
- 1705 Herrn Lic. Franz Wiser für dessen präsentierte Composition 24.—.—
Quelle
- ANNO, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 1934