Tobias Reiser d. Ä.
Tobias Reiser der Ältere (* 1. März 1907, St. Johann im Pongau, † 31. Oktober 1974 in Kaprun) war der Begründer des Salzburger Adventsingens.
Leben
In eine musikalische Familie hineingeboren, lernt Reiser schon während seiner Schulzeit Geige, Gitarre und Xylophon. Nach der Metzgerlehre in St. Johann zieht er in die Stadt Salzburg.
Fasziniert von der Volksmusik schließt er sich dem Gebirgs-Trachten-Verein Alpinia und den Original Salzburger Sängern an. In den frühen 1930er Jahren gründet er den 1. Salzburger Volkslied-Vierklang und führt mit Otto Eberhard die Volksliedstunden ein. Eine Weiterentwicklung des diatonischen Hackbretts, die er gemeinsam mit dem Instrumentenbauer Heinrich Bandzauner vorantreibt, wird das Salzburger Hackbrett, das es im Gegensatz zu seinem Vorgänger nun ermöglicht, in allen Tonarten zu spielen.
1934 gründet Reiser die noch heute existierenden Flachgauer Musikanten, aus deren ursprünglicher Besetzung 1953 das "Tobi Reiser Quintett" entsteht.
Bis zum Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 arbeitet Tobi Reiser als Metzger in Salzburg, die Nationalsozialisten ermöglichen ihm dann aber, sein Hobby zum Beruf zu machen: Am 1. November 1938 wird er Volksmusikpfleger, ab Jänner 1939 gehört er der NSDAP an. Er setzt sich für die Pflege der Volkskultur ein und warnt vor volksfremden jüdischen Ballast.
Im Juli 1944 stirbt sein Sohn Josef an der Westfront.
1946 gründet er das Salzburger Heimatwerk, ein dem Kunsthandwerk und der heimischen Volkskultur gewidmetes Wirtschaftsunternehmen.
Im November 1946 schart Tobi Reiser in einem ungeheizten Raum des Gemeinschafterheims am Rudolfskai in Salzburg einige Freunde um sich. Mit einem Adventsingen wollte er in der kalten und schwierigen Nachkriegszeit Herzenswärme schenken. 40 Zuhörer waren gekommen und die Akteure waren sich einig: "Das wird im nächsten Jahr wiederholt." Aus einem nächsten Jahr wurden viele weitere. Man wechselte in den Kaisersaal der Residenz, in die Große Aula der Universität und 1960 gar in das Große Salzburger Festspielhaus.
1952 holt er Karl Heinrich Waggerl mit ins Boot des Adventsingens. Mit ihm prägt er die Veranstaltung bis zu Waggerls Tod 1973.
Um 1960 entsteht die "Tobi Reiser Geigenmusik".
Nach ihm sind der Tobi-Reiser-Preis, der vom Verein der Freunde des Salzburger Adventsingens seit 1992 vergeben wird, und die Tobi-Reiser-Straße im Salzburger Stadtteil Maxglan benannt.
Tobi Reiser starb in den Armen seines Sohn Tobias Reiser, der das Adventsingen nach 1974 weiterführte. Tobi Reiser ist auf dem Friedhof Morzg begraben.
Quellen
- Haslinger, Adolf, Mittermayr, Peter (Hrsg.): "Salzburger Kulturlexikon", Residenz Verlag, Salzburg-Wien-Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-7017-1129-1
- Salzburger Volkskultur [1]