Gruber-Orgel

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Gruber-Orgel
Inschrift: Laudate Eum [in] Chordis & Organo[1]

Die Gruber-Orgel ist die Hauptorgel der Pfarrkirche der Stadt Hallein und soll bis 2018 erneuert werden.
Die Bezeichnung Stille-Nacht-Orgel[2] trägt das 1982 errichtete Instrument der Stadtpfarrkirche Oberndorf.[3]

Geschichte

Die Orgel geht auf das Instrument zurück, das 1704 angeschafft wurde und das vermutlich vom Salzburger Hoforgelmacher Christoph Egedacher stammte. Das Gehäuse, welches in etwas veränderter Form erhalten geblieben ist, lieferte der Halleiner Tischler Jacob Daigl um 80 Gulden, 1707 wurde es vergoldet.[4] Sie hatte 13 Register auf zwei Manualen und Pedal, anstelle des Tondos mit dem Ölbild der hl. Cäcilia war das Zifferblatt einer Uhr Bestandteil des Orgelprospektes. Das Zifferblatt mit römischen Ziffern ist auf einer 1927 veröffentlichen Abbildung noch zu sehen.[5]
In der Zeit um 1770 muss das Instrument von einem „betrügerischen Orgelbauer“ verhunzt worden sein, wie der Halleiner Stadtpfarrorganist (1791–1806) Franz Treml klagte. In einer Eingabe der Kirchenverwaltung ist zu lesen: Seit einiger Zeit hatten sich diese Gebrechen derart vermehrt und sind so gravierend geworden, daß fünf Register, worunter einige der nothwendigsten, z.B. Koppel, Flöte, Subbaß ganz zugesteckt und außer Gebrauch gesetzt werden mußten.[6] Anscheinend hatte der „betrügerischen Orgelbauer“, um für sich wertvolles Zinn abzuzweigen, jede Zinnpfeife gekürzt, sodass dann ihr Stimmton um einen Halbton höher als der ohnehin schon hohe Cornettton[7] war. Außerdem war das Gotteshaus vor 1800[8] aufwändig in eine klassizistische Hallenkirche umgebaut worden: sie wurde u.a. um 30 Schuch (ca. 9,5 Meter)[9] nach Westen zu verlängert.[10] Naturgemäß muss die Orgel auch wegen dieser Baumaßnahmen glitten haben.
Um 1805 bekam der Orgelmachergeselle Joachim Brugger den Auftrag, die Orgel zu reparieren, und erhielt dafür 300 fl. Brugger war der sogenannte „wirkliche Provisor“ als Orgelbauer: die Witwe des 1804 verstorbenen Hoforgelmachers Johann Ev. Schmidt führte den Orgelbau-Betrieb mit Gesellen mehrere Jahre weiter. Bruggers Arbeit dürfte auch nur Flickwerk gewesen sein, denn die alten Mängel traten bald wieder zu Tage.
1837 erweiterte Carl Mauracher die Orgel auf 19 Register, wobei er allein für das Hauptwerk zehn Stimmen vorgesehen hatte. Für das Positiv reichte allerdings das Geld nicht mehr aus und er erneuerte nur die „wurmstichige Flöte“.[11] Doch die Unzufriedenheit mit der Orgel wuchs und die Halleiner Kirchenverwaltung formulierte Kritik. So hätte die Orgel zu viele scharfe Stimmen, die zusammen einen grellen Ton bewirkten. Es besteht kein Zweifel, dass die Mitglieder der Kirchenverwaltung hier die Meinung ihres Organisten Franz Xaver Gruber artikulierten. Gruber war seit 1833 Regens chori und Organist an der Stadtpfarrkirche Hallein und verfolgte. „seit längerer Zeit schon die Gebrechen der Orgel bemerkend“, einen Umbau nach seinen Intentionen. Da Carl Mauracher 1844 gestorben war, hatte er sich an dessen Söhne Ludwig Mauracher und J.N.C. Mauracher gewandt, danach noch an deren Konkurrenten Matthäus Mauracher. Dieser sandte daraufhin an den einen Sohn Grubers, Franz Xaver jun., einen Kostenvoranschlag.[12]
Am 13. April 1861 schrieb Franz Xaver Gruber sen. an Matthäus Mauracher einen langen Brief, in dem er zum Kostenvoranschlag Maurachers Stellung bezieht, seine klanglichen Vorstellungen einfordert und in Maurachers Dispositionsvorschlag eingreift.[13]

Dispositionsvorschlag von Matthäus Mauracher I. 1861

Franz Xaver Gruber gibt ihn in seinem Brief an Matthäus Mauracher I. wider und leitet ihn höflich ein:
Daher vernehmen sie in Geduld meine Ansichten. Ihre Disposition, die Sie meinem Sohn zusandten, gefällt mir sehr, und sie lautet folgender Maßen:[14]

Hauptwerk
1) Principal 8'
2) Gamba 8'
3) Waldflöte 8'
4) Gedackt 8'
5) Octav 4'
6) Flöte 4'
7) Quint 22/3'
8) Octav 2'
9) Mixtur 5fach 2'
10) Cornet 3fach 11/2'
11) Principal 16'
12) Philomela 8'
13) Fugara 4'
NB.[Anm. 1] weite Mensuren
kräftige und prompte
Intonation.
Nebenwerk
1) Principal 8'
2) Salicet 8'
3) Lieblich Gedackt 8'
4) Octav 4'
5) Flauto dolce 4'
6) Octavino 2'
NB. enge Mensuren
zarte liebliche
Intonation.
Pedal
1) Subbaß 16'
2) Pincipalbaß 16'
3) Bombard 16'
4) Octavbaß 8'
5) Quintbaß 52/3'
Weite Mensuren
Starke Intonation
imposante Kraft
entwickelnd
Anmerkungen
  1. = Nebenbemerkung

Gruber verlangte von Mauracher Änderungen in jedem Werk:
Hauptwerk: Den Principal 16' im Hauptwerk wollte Mauracher offenbar erst ab B ausbauen, Franz Xaver Gruber sen. schlug den vollen Ausbau der großen Oktav mit eng mensurierten und gedeckten Holzpfeifen vor.
Nebenwerk: sollte seiner Meinung nach eine Klangkrone erhalten, er schlug eine Mixtur 2Fuß 3fach oder (eine Erfindung des 19. Jahrhunderts) Progressio harmonika 2Fuß 1,2,3fach vor, sowie ein 16'-Register, gebildet aus dem alten Gedackt 8' plus neuen Pfeifen, mit der Bezeichnung Stillgedackt 16Fuß.
Pedal: Den Wegfall der Posaune 8' von Karl Mauracher aus dem Jahre 1837 wollte Gruber verhindern, ([…] wegwerfen dürfen wir sie nicht!), zudem verlangte er einen Quintbass 102/3Fuß.

Gruber erlebte die Fertigstellung der Orgel im Oktober 1864 nicht mehr, seine Wünsche waren von Matthäus Mauracher erfüllt worden. Als Gratisleistung hatter er zudem ein drittes Manual für eine Physharmonika mit Piano-Zug eingebaut. Mit 32 Registern (incl. Nebenzügen) war die Halleiner Orgel damit, nach der Salzburger Domorgel und bis zur Fertigstellung der Orgel der Kollegienkirche 1868, die zweitgrößte Orgel Salzburgs.[15]
1962/63 wurde die Matthäus-Mauracher-Orgel aus dem Jahre 1864 durch die Firma Dreher & Rheinisch so umfassend verändert, dass sie einem Neubau glich.

Disposition der Dreher & Rheinisch-Orgel von 1963

I. Manual C–g3, 56 Töne
Bordun 16'
Prinzipal 8'
Holzflöte 8'
Gemshorn 8'
Oktav 4'
Rohrflöte 4'
Quinte 22/3'
Superoktav 2'
Mixtur 2' IV–V
Mixtur 11/3' IV
Trompete 8'
II. Manual C–g3, 56 Töne
Weit Gedackt 8'
Oktav 8'
Quintatön 8'
Salizional 8'
Schwebung 8'
Prästant 4'
Waldflöte 4'
Nasard 22/3'
Prinzipal 2'
Terz 13/5'
Scharf 11/3' IV
Cimbel 1' III
Krummhorn 8'
Pedal C–f1, 30 Töne
Prinzipalbass 16'
Subbass 16'
Zartbass 16' (Windabschwächung des Subbass‘)
Oktavbas 8'
Gedacktbass 8'
Choralbass 4'
Posaune 16'
  • Elektropneumatische Traktur, Manuale Schleifladen, Pedal Kegelladen, Brüstungspositiv nicht klingend, Spieltisch fahrbar, Temulant für II. Manual.
  • Koppeln (II/I, I/P, II/P), Crescendo-Walze, Freie Kombination, Tutti, Handreg. ab, Crescendo ab, Zungen ab, Automatisches Piano-Pedal an.

Allgemeines

Das 1963 eingebaute und nach dem Komponisten des weltbekannten Weihnachtsliedes „Stille Nacht, Heilige Nacht“, Franz Xaver Gruber, benannte Instrument ist so desolat, dass nur eine neue Orgel im alten Gehäuse möglich ist. Eine Sanierung würde nach Ansicht aller Experten unabsehbare weitere Kosten verursachen! Orgel am End, Sanierung unmöglich – das sind die Gründe für die Initiative „Neue Halleiner Stille Nacht-Orgel“, die von der Initiative Halleiner Stille Nacht-Orgel betrieben wird.

Schon die Zerlegung, die Reinigung und der Ersatz kaputter Teile, so haben Experten festgestellt, könnten bis zu 200.000 Euro kosten. Nicht in dieser Summe berücksichtigt sind die Kosten für die Behandlung des Holzwurmbefalls. Die zum Zeitpunkt der Errichtung verwendeten elektromagnetischen und elektropneumatischen Steuerungen waren ein nur kurzlebiges Experiment und sind heute prinzipiell überholt.

Zitate

Aus Kirchenrechnungen

1704: Jacoben Daigl, Tischler, wegen Machung des Orgelkastens 80 fl (Gulden)

Aus Schriftstücken

„Endlich wurde unsere Orgelbau-Angelegenheit, die bereits in Schlummer zu sinken begann, wieder aufgeregt, um mit erneuter Kraft betrieben zu werden. Sie Herr Meister, haben das Vertrauen von seiner Hochwürden und Gnaden Herrn Dechant und Stadtpfarrer Johann Baptist Wichtlhuber, der den Bau beschleinigt wissen und auf eine gediegene Weise ausgeführt haben will, erhalten...“

  • Diözesane Orgelkommission 1990

„Es ist für die Mitglieder der diözesanen Orgelkommission bedauerlich, feststellen zu müssen, dass diese Orgel nach einer Verwendungszeit von nicht einmal 30 Jahren ausgedient hat: Sie entspricht weder in ihrer Funktion und noch weniger in ihrer Präzision, ihrem Material und der Materialverarbeitung, ihrer Intonation und akustischen Wirkung heutigen Ansprüchen für Liturgie und Kirchenmusik. Dieses Werk gereicht weder Hallein noch der Dekanatspfarrkirche und ihrem ehemaligen Chorleiter und Organisten F.X. Gruber zur Ehre...“[16]

Benefizveranstaltungen

Erneuerung der Halleiner Stille Nacht-Orgel, August 2013

Der Initiative Halleiner Stille Nacht-Orgel veranstaltete und veranstaltet immer wieder Benefizveranstaltungen, deren Reinerlöse zum Ankauf einer neuen Orgel dienen. Placido Domingo sang am 24. Dezember 1976 in der Stadtpfarrkirche das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“, damals war er im Kurhotel Vollererhof in Puch zu Gast. Domingo spendete 10.000 Euro und erteilte der Initiative das Recht, seinen Namen und sein Konterfei im Zusammenhang mit der Orgelinitiative verwenden zu dürfen.

Am 1. Dezember 2010 gab Angelika Kirchschlager, von Markus Stepanek am Klavier begleitet, einen Benefiz-Liederabend zugunsten der Gruber-Orgel. Insgesamt wurde an diesem Abend ein Erlös von 16.000 Euro für den Orgelneubau von 555 Konzertbesuchern gespendet. Die beiden Künstler bekamen als Gage für diesen Abend ein Bschoadpackerl, gefüllt mit allerlei Halleiner Köstlichkeiten.

Literatur

Quellen


Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Preist ihn mit Saiten- und Orgel-[Spiel]
  2. Gerhard Walterskirchen: Eine „Stille-Nacht-Orgel“ für Oberndorf. In: Blätter der Stille-Nacht-Gesellschaft, Folge 6, Jg. 1980, S. 4.
  3. Wikipedia, Stille-Nacht-Orgel: [1], aufgerufen am 11. November 2015.
  4. Österreichische Kunsttopographie 20: Die Denkmale des politischen Bezirkes Hallein (ÖKT 20), hg. vom Kunsthistorischen Institute des Bundesdenkmalamtes, Wien / Augsburg / Köln 1927, S. 88.
  5. Österreichische Kunsttopographie 20: Die Denkmale des politischen Bezirkes Hallein (ÖKT 20), hg. vom Kunsthistorischen Institute des Bundesdenkmalamtes, Wien / Augsburg / Köln 1927, Abb. 83, S. 97.
  6. AES: Akte Hallein 6/78 (Hallein, 2. August 1804). Zitiert nach: Gerhard Walterskirchen: „… WEIL DER ORGANIST DOCH IMMER AM BESTEN VERSTEHT, WAS SEIN BEDARF IST“. EIN UNBEKANNTES ORGELGUTACHTEN VON FRANZ XAVER GRUBER, in: De Editione Musices, Salzburg 1992, S. 339.
  7. Wikipedia[2]
  8. Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hrsg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 187.
  9. Der Wiener Fuß betrug 0,316102 Meter. In: Franc Močnik: Lehrbuch des gesammten Rechnens: für die vierte Classe der Hauptschulen in den k.k. Staaten. Wien: k.k. Schulbücher-Verschleiß-Administration bey St. Anna 1848, S. 131.
  10. Gruber, Franz: Chronologisch-statistische Beschreibung der Stadt Hallein und ihrer Umgebung, Salzburg 1870, S. 89f.
  11. Walterskirchen: „… WEIL DER ORGANIST DOCH IMMER AM BESTEN VERSTEHT, WAS SEIN BEDARF IST“, Salzburg 1992, S. 340.
  12. Walterskirchen: „… WEIL DER ORGANIST DOCH IMMER AM BESTEN VERSTEHT, WAS SEIN BEDARF IST“, Salzburg 1992, S. 341f.
  13. Salzburg, Privatbesitz, in: Walterskirchen: „… WEIL DER ORGANIST DOCH IMMER AM BESTEN VERSTEHT, WAS SEIN BEDARF IST“, Salzburg 1992, S. 342.
  14. Salzburg, Privatbesitz, in: Walterskirchen: „… weil der Organist doch immer am besten versteht, was sein Bedarf ist“, Salzburg 1992, S. 343.
  15. Walterskirchen: „… WEIL DER ORGANIST DOCH IMMER AM BESTEN VERSTEHT, WAS SEIN BEDARF IST“, Salzburg 1992, S. 345–347.
  16. Quelle MMag. Michael Neureiter, Präsident der Stille Nacht Gesellschaft