Marie Andeßner

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Marie Andeßner (* 1833 in Eberschwang, OÖ; † 1. März 1906 in Gries bei Bozen, Südtirol) war eine österreichische Weltreisende. Sie unternahm Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ausgedehnte Reisen durch Europa, Afrika, Amerika und Asien.

Leben

Marie Andeßner wurde 1833 als Tochter von Karl und Maria Andeßner in Eberschwang in Oberösterreich geboren. 1842 übersiedelte die Familie in die Stadt Salzburg, wo ihr Vater als Holzhändler, Mühlenbesitzer und Bauunternehmer wirtschaftlich sehr erfolgreich war. Die Familie lebte im Haus Nr. 17 an der Schwarzstraße, das die unverheiratet gebliebene Marie Andeßner bis an ihr Lebensende bewohnte.

Nach dem Tod von Karl Andeßner 1893 erbten seine Tochter, sein Sohn und sein Enkel den Familienbesitz zu je einem Drittel. Zwei Jahre später begann die 62-jährige, materiell abgesicherte Salzburgerin große Fernreisen zu unternehmen, meist allein und ohne Begleitung. Ihre erste Reise führte sie nach Indien und Ceylon, dem heutigen Sri Lanka. Ein Jahr später reiste sie nach Nordamerika und besuchte unter anderem Chicago, die Niagara-Fälle, das Yosemite Valley und San Francisco.

Am 23. September 1897 berichtete die "Salzburger Zeitung":

Fräulein Marie Andeßner ist gestern Nachmittag im besten Wohlsein und durchaus nicht Amerika müde, vielmehr hochbefriedigt von ihrer Reise wieder angekommen.

1899 unternahm sie ihre längste und weiteste Reise, auf der sie von New York aus bis nach Vancouver mit der Eisenbahn und danach mit dem Schiff nach Japan reiste. Auf ihrer fünften Tour ging es im Jahr 1900 nach China, Singapur und Java. Mit 70 Jahren brach Marie Andeßner zu ihrer letzten großen Fahrt nach Südamerika auf. Von ihren Reisen schickte sie Briefe an die "Salzburger Zeitung", die diese kommentierend veröffentlichte.

Während eines Aufenthalts in Bozen starb Marie Andeßner am 1. März 1906 an Lungenlähmung. Ihr Leichnam wurde nach Salzburg überführt und auf dem Salzburger Kommunalfriedhof begraben.

Sowohl ihre finanziellen Möglichkeiten als auch ihr Alter hatten es ihr erleichtert, vorherrschende Geschlechterzuschreibungen zu überschreiten und fremde Welten zu erkunden. Durch ihre in der "Salzburger Zeitung" abgedruckten Reise berichte war sie "in und außerhalb Salzburgs sehr bekannt" und machte ihre Grenzüberschreitungen öffentlich. Damit trug sie zumindest zu einer Relativierung von starren Rollenbildern bei.

Ehrung

Seit 2004 vergibt die Universität Salzburg im Rahmen ihres Frauenförderprogramms nach Marie Andeßner benannte Preise und Stipendien an Wissenschaftlerinnen.

2017 wurde im Salzburger Stadtteil Lehen der Marie-Andeßner-Platz nach ihr benannt.

Quelle