VERBUND-Projekt "Kaprun 2029"

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Die zum Einsatz kommende Tunnelbohrmaschine.

Das VERBUND-Projekt "Kaprun 2029" umfasst ein Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro in Kaprun im Pinzgau.

Über das Projekt "Kaprun 2029"

Im Zuge der Modernisierungsmaßnahmen für die Wiederverleihung der Wasserbenutzungsrechte der Kraftwerksgruppe Kaprun im Jahr 2029 plant VERBUND die Errichtung eines weiteren Pumpspeicherkraftwerks. Das Projekt "Pumpspeicherkraftwerk Schaufelberg" ist ein wichtiger Baustein für die Energietransformation und bietet zusätzlich einen ökologischen Mehrwert durch die Schwall-Sunk-Entlastung der Kapruner Ache. Gemeinsam mit den Pumpspeichern Kaprun-Oberstufe, Limberg II und Limberg III wird es die grüne Batterie im Herzen Österreichs nochmals stärken, die Netze entlasten und mit den Kraftwerken Kaprun Hauptstufe und Klammsee 1 860 MW zur Versorgungssicherheit Österreichs beitragen.

Als zentrales Element des rund 370 Millionen Euro arbeits- und investitionsintensiven Projekts wird der in den 1940er- und 1950er-Jahren errichtete Druckstollen des Kraftwerks Kaprun Hauptstufe komplett neu errichtet. Die Arbeiten dazu wurden 2025 gestartet: Im Zuge der behördlich vorgeschriebenen Speicherentleerung Wasserfallboden im ersten Halbjahr 2024 konnten neben den Anschlussarbeiten für Limberg III auch jene Bauteile für die Anbindung des geplanten neuen Triebwasserwegs umgesetzt werden. Damit wurde eine zusätzliche Speicherentleerung vermieden.

Die Arbeiten an der Errichtung des neuen Triebwasserweges von der Schieberkammer Limberg bis zur bestehenden Schieberkammer Maiskogel begannen Anfang 2025. In Summe werden dort knapp neun Kilometer neue Stollen errichtet. Davon wird der Großteil mit einer Tunnelbohrmaschine und der Rest im Sprengvortrieb hergestellt. Die Arbeiten finden fast zur Gänze untertage statt.

Zusätzlich zu einer Vielzahl an baulichen, maschinenbautechnischen und elektrotechnischen Modernisierungen werden auch wichtige gewässerökologische Anpassungen im Hinblick auf die Anforderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie vorgenommen. Dazu gehört die Schwall-Sunk-Reduzierung und die Herstellung der Fischpassierbarkeit in der Kapruner Ache.

Neuer Triebwasserweg von der Schieberkammer Limberg bis zur bestehenden Schieberkammer Maiskogel

Mit dem traditionellen Bergmannsgruß "Glück Auf" startete am 18. Februar 2025 die Tunnelbohrmaschine ihren 5,6 Kilometer langen Weg von der Schieberkammer Limberg bis zum Wasserschloss tief unter dem Maiskogel.

Die "Andrehfeier" war ein wichtiger Moment für das VERBUND-Projekt "Kaprun 2029". Rund 200 Gäste waren mit dabei, als die VERBUND Wasserkraftgeschäftsführung Michael Amerer und Karl Heinz Gruber gemeinsam mit der Tunnelpatin Kathrin Aberger-Dick und den ARGE Vertretern Jürgen Raschendorfer (COO Porr AG) und Bernd Raderbauer (Marti Tunnel AG) per Knopfdruck den Bohrkopf zum Drehen brachten. Bis Ende 2027 entsteht im Zuge der Modernisierung des VERBUND-Kraftwerks Kaprun Hauptstufe ein neuer Triebwasserweg, der dafür sorgt, dass das Wasser auch die kommenden Jahrzehnte sicher und effizient vom Speicher Wasserfallboden bis zum Kraftwerk im Talboden strömt.

Der Einsatz einer Tunnelbohrmaschine ist eine bewährte Vortriebsmethode zum Ausbruch von Triebwasserwegen. Die in Kaprun zum Einsatz kommende Maschine wurde bereits erfolgreich bei den Projekten Limberg II und Limberg III verwendet, wobei wesentliche Komponenten sowie der Bohrkopf erneuert und an das aktuelle Vorhaben angepasst wurden. Die Dimensionen sind gigantisch. Der 100 Tonnen schwere Bohrkopf mit einem Durchmesser von 6,90 Metern ist mit 42 Stück Schneidrollen ausgestattet, wovon jede einen Durchmesser von 43 cm hat und 130 Kg auf die Waage bringt. Die gesamte Tunnelbohrmaschine hat eine Länge von rund 190 Metern und ein Gewicht von 1 200 Tonnen. Die Einzelkomponenten wurden mit 90 herausfordernden Transporten in die Montagekaverne gebracht und in rund acht Wochen vor Ort zusammengebaut.

In den kommenden Monaten wird sich die Tunnelbohrmaschine mit einem durchschnittlichen Vortrieb von ca. 15 Metern pro Tag durch das Gestein fräsen, bis sie in etwa einem Jahr ihr Ziel am neuen Wasserschloss erreicht. Der neue Druckstollen hat eine Länge von rund 5 600 Metern mit einer durchschnittlichen Neigung von 0,50 % und einen Ausbruchsdurchmesser von 6,90 Metern.

Die Versorgung der Tunnelbohrmaschine erfolgt gleisgebunden per Bahn. Dazu werden im Stollen Schienen installiert. Eine besondere Herausforderung ist der Abtransport der rund 200 000 m³ Aushub. Die Meißel zerbrechen den Fels in kleine Gesteinschips, die von Räumern hinter den Bohrkopf befördert werden. Von dort erfolgt der Abtransport mit Förderbändern durch den Tunnel bis zu einer Umladestation bei der Schieberkammer Limberg und weiter über das bestehende Tunnelsystem zu einer Deponie im Tal. Damit wird der Verkehr in der Region entlastet und die Beeinträchtigung durch den Bau auf ein Minimum reduziert.

Quellen

  • verbund.com, 21. November 2024: VERBUND investiert eine Milliarde Euro in Kaprun
  • verbund.com, 19. Februar 2025: Neuer Druckstollen für das Speicherkraftwerk Kaprun-Hauptstufe – ab heute beginnt der Vortrieb!


Tauernkraftwerke Kaprun