Hotelprojekt beim Wasenmoos am Pass Thurn
Das Hotelprojekt beim Wasenmoos am Pass Thurn sorgt seit November 2019 für Aufregung.
Das Projekt
Das Hoteldorf entsteht an der Landesgrenze zu Tirol auf 1 200 Metern Seehöhe auf einem vor rund zehn Jahren (~ 2009) gewidmeten Zweitwohnsitzgebiet. Am Pass Thurn im nördlichen Stadtgebiet von Mittersill wurden im Herbst 2019 zwei Hektar Wald gerodet und anschließend war Baubeginn. Bis 2021 sollten hier auf einer Gesamtfläche von vier Hektar luxuriöse Chalets und ein Hotel entstehen. Zum Teil besteht eine Zweitwohnsitzwidmung.
Vor allem, dass die Fläche auf einer Seite an das international anerkannte Ramsar-Schutzgebiet Wasenmoos Mittersill grenzt, sorgte für Widerstand. Der Landesgeschäftsführer des Salzburger Naturbundes Hannes Augustin sagte, das Wasenmoos und viele weitere Gebiete seien durch dieses und weitere Projekte bedroht. Ohne Rücksicht auf Natur, Klima, Verkehr und zukünftige Generationen werde gebaut und gebaut.
Initiator des Projekts ist der Hollersbacher Baumeister und Besitzer der Panoramabahn Franz Wieser. Zunächst wollte er sich nicht mehr zu seinem Projekt äußern, da er keine Lust mehr habe sich mit Leuten auseinanderzusetzen, die weit weg wohnten und keine Ahnung hätten. Er meinte ergänzend, dass es ohne diesem Projekt das Wasenmoos gar nicht gäbe.
Die Luxus-Chalets sollen zwischen 5,1 Millionen bis zu 8,5 Millionen Euro (Villa mit 400 Quadratmetern) kosten, den Elektro-Porsche gibt es für die Käufer geschenkt, hieß es 2019. Appartments gibt es bereits ab 1,5 Millionen Euro. Das Projekt besteht aus einem Hotel mit 77 Zimmern und 45 Appartements - zu den 13 Chalets bzw. Villen gibt es den E-Porsche Taycan gratis dazu. Erbauer ist die Gruppe Six Senses mit Sitz in Thailand, die weltweit Fünfsterne-Resorts betreiben.
Im September 2019 wurde dann der Spatenstich gesetzt. In ihrer Ausgabe vom 17. März 2021 berichten die Salzburger Nachrichten:[1]
Die Baustelle am Pass Thurn ruht derzeit - und viele im Pinzgau fragen sich, ob es überhaupt jemals weitergehen wird. Die Fläche ist gerodet. Der Lärmschutz ist noch nicht ganz fertiggestellt. Das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete vor zwei Wochen, dass nach Auskunft eines (nicht näher genannten) Investors derzeit nicht mehr gebaut werde. Das Magazin sprach von einer "Investitionsruine" zwischen Tirol und Salzburg.
Walther Staininger, Projektbetreiber der Six Senses Kitzbuehel Alps, antwortete auf SN-Anfrage schriftlich. Wer sich hinter diesem "Investor" verberge, sei ihm nicht bekannt. Der derzeitige Stillstand auf der Baustelle sei schlichtweg den seit September gegebenen Schneeverhältnissen geschuldet. "Daneben sind die Gründe die allgemein und allseits bekannten Covid-19-Probleme inklusive Reisebeschränkungen und so weiter."
Ursprünglich sollten die ersten Chalets schon in der Wintersaison 2021/22 übergeben werden. So stand es in einer Pressemitteilung bei Baubeginn. Der Zeitplan wird nicht halten, so viel steht fest. Staininger spricht von einer geplanten Fertigstellung und Eröffnung des Ressorts Mitte 2023. Von der Pressestelle der in Thailand ansässigen Six-Senses-Gruppe heißt es, dass die geplante Eröffnung für 2022 nicht bestätigt werden könne, das Projekt aber im Laufen sei.
2021: In den vergangenen Monaten war es ruhig geworden, die Bautätigkeit wurde phasenweise eingestellt. Weshalb rasch Gerüchte kursierten, dass das Projekt wohl doch nicht verwirklicht wird. Wegen einer fehlenden Bankgarantie hatte das Land den Bau einer Lärmschutzgalerie sogar kurzzeitig gestoppt. Im Juli 2021 schien alles auf Schiene zu sein. Das Bauvorhaben werde fortgesetzt. Anfang August werden die Bauarbeiten planmäßig weitergeführt, wie es in der Einladung zu einem Medientermin im Juli hieß. Die Eröffnung sei für Dezember 2023 angesetzt.[2]
Doch kein Porsche beim Kauf eines Chalets
Die Betreiber des umstrittenen Six-Senses-Projekts riefen am Freitag, 30. Juli 2021, den Neustart aus. Mit dem Generalunternehmer sei ein neuer Finanzierungspartner an Bord. Das Wort "Chalets" wurde durch "Villen" ersetzt. Die Kooperation mit Porsche ist beendet. Da luden die Projektentwickler zu einem Medientermin, um den Neustart auszurufen. Ursprünglich sollte der Termin vor Ort in Mittersill stattfinden. Weil die Anreise aller Beteiligten dorthin aber umständlich gewesen wäre und gleichzeitig Proteste und unliebsame Begegnungen mit Aktivisten "drohten", verschob die PR-Agentur nach Anif.
Projektentwickler Michael Staininger präsentierte am Freitag den Generalunternehmer für das Projekt, die Lindner Group aus Bayern. Das Wort "Chalet" wurde gestrichen. Stattdessen spricht Staininger nun von "Residences" und Villen. "Das Projekt ist vollumfänglich genehmigt. Es handelt sich auch nicht um ein Chaletdorf, sondern um ein Hotel und Residenzen. Die teilen sich in 45 Appartements und 13 frei stehende Villen", erklärt Staininger. Das Haupthaushotel beherberge 77 Zimmer und Suiten sowie ein Spa auf drei Ebenen. Zwei Penthäuser und eine Villa sind schon verkauft.
Auch die Salzburg Wohnbau wird in der Umsetzung des Six-Senses-Projekts involviert sein und wohl das Personalhaus bauen und die Vermietung bzw. Hausverwaltung dessen übernehmen. Geschäftsführer Christian Struber betont, dass die Gespräche dazu noch am Anfang stünden.
"Überraschungsgast" konfrontierte Projektbetreiber
Doch auch der Medientermin am Freitag lief nicht ganz friktionsfrei ab. Als Zuhörer war Lois Hechenblaikner nach Anif gekommen. Der österreichische Fotograf ist bekannt für seine Bilder, mit denen er die Auswüchse des Tourismus dokumentiert und anprangert. Hechenblaikner meldete sich am Ende der Projektpräsentation zu Wort. "Ich würde Ihnen gern applaudieren wollen, aber ich kann es nicht. Wenn ein Projekt eine solche Lüge beinhaltet." Hechenblaikner zeigte Ausdrucke von früheren Projektpräsentationen, als im Hintergrund der Visualisierungen die Dolomiten zu sehen waren. "Es ist eine Schande. Sie blamieren sich selbst." Man arbeite mit manipulierten Bildern, warf Hechenblaikner den Projektbetreibern vor.
Walther Staininger entgegnete: "Das ist doch lächerlich. Wir weisen das mit Nachdruck zurück." Toni Santner von der engagierten PR-Agentur P8, der den Medientermin moderierte, hatte alle Hände voll zu tun. Doch er konnte Hechenblaikner nicht zum Schweigen bringen. Eine transalpine Ölleitung laufe durch das Projektgebiet, meinte der Fotograf. "Sie arbeiten hier mit Mitteln, die unseriös sind. Sie wollen nur die Brandschutzdecke des Schweigens darüberbreiten. Da gehört die Wahrheit her", forderte Hechenblaikner durchaus lautstark. "Ein Projekt, das mit einem Lärmschutztunnel beginnt, denken S' mal nach, meine Herren", meinte er.
Bevor der Streit auf offener Bühne eskalierte und nach einem Rauswurf durch den Hausherrn verlangt wurde, wurde das Pressegespräch beendet.[3]
Wie es zu diesem Projekt gekommen ist
Bürgermeister Wolfgang Viertler hatte mit Rückendeckung der Kitzbüheler Bergbahnen um 2000 der Gemeinde ein Konzept vorgelegt. Es sah neben dem Bau der Panoramabahn Kitzbüheler Alpen, mit der man von Hollersbach direkt in das Skigebiet Kitzbühel einsteigen kann, bei der Mittelstation am Pass Thurn 500 bis 1 000 neue Betten vor. Der Verkauf von Apartments sollte die Bahn mitfinanzieren. Die Fläche sei schon davor im Räumlichen Entwicklungskonzept für eine touristische Nutzung vorgesehen gewesen, so Viertler. 2003 stimmte die Gemeindevertretung dem Plan zu. Die Bahn wurde mit Millionenunterstützung von Gemeinde und Land Salzburg gebaut. Wie Viertler ausführt, wäre vorher in Mittersill alles gestanden: Es gab keinen Hochwasserschutz, kein Nationalparkzentrum, kein neues Schulzentrum, der Fremdenverkehr stagnierte. Damals war Mittersill SPÖ-geführt und Nur die FPÖ, bei der Viertler damals gewesen sei, habe gegen die Beteiligung der Gemeinde gestimmt.
Am 12. Juli 2017 unterzeichneten Dr. Walther Staininger und Franz Wieser von der Kitzbüheler Alps Projekt GmbH. als Projektentwickler und Bernhard Bohnenberger, President Six Senses Hotels Resorts Spas, als künftiger Projektbetreiber einen Vertrag, der den Beginn einer neuen Ära des Alpinen Luxustourismus einleitet.[4]
Rettung des Wasenmooses
Die Rodung für das Hotelprojekt wurde schon 2009 von der Bezirkshauptmannschaft Zell am See genehmigt. Die naturschutzrechtliche Bewilligung folgte 2013. Die Projektfläche Jagafeld gehörte, so wie das Wasenmoos noch heute, den Bundesforsten (ÖBf), die sie an Wieser verkauften. In einer Stellungnahme beim Naturschutzverfahren schrieben die ÖBf, man hätte, wäre mit Verwertungseinschränkungen der an das Wasenmoos grenzenden Grundstücke zu rechnen gewesen, die sehr aufwendige Renaturierung und Besucherlenkung im Moos "aus einem anderen Gesichtspunkt betrachtet". Wieser habe einen persönlichen und finanziellen Beitrag zur Weidefreistellung des Mooses geleistet. Die Weiderechte von Dutzenden Bauern im Moos wurden zusammen mit jenen auf dem Jagafeld abgelöst. Durch die Verbesserungen im Moos kam es 2006 zur Anerkennung als Ramsar-Schutzgebiet.
Weblinks
- www.pm1.at Projektbeschreibung mit Bildern
- www.sn.at Kein Chalet? Kein Porsche? Rätsel ums "Six Senses"-Projekt, [[Pinzgauer Nachrichten], 19. Mai 2020
- www.sn.at Luxusprojekt am Pass Thurn: Land Salzburg bereitet Klage vor, 24. Juni 2020