Die Geschichte der Schulstadt in Nonntal in der Stadt Salzburg.

Ankauf der Berchtoldgründe durch die Stadtgemeinde

Ein Artikel aus der "Salzburger Chronik" vom 13. März 1928:[1]

Die seit längerer Zeit kursierenden Gerüchte, wonach die Gemeinde beabsichtige, die Berchtoldgründe in Nonntal anzukaufen, haben nun ihre Bestätigung gefunden. Der Finanzausschuss des Gemeinderates fasste gestern den einstimmigen Beschluss, diese Gründe um den Preis von 68 Schilling pro Quadratmeter, insgesamt also um 130.000 Schilling, zu erwerben. Es sei darauf hingewiesen, dass dieser Beschluss einstimmig und mit Zustimmung aller Mitglieder erfolgte. Die Genehmigung durch den Gemeinderat steht jedoch noch aus.

Seit der Übernahme des Finanzreferates durch Bürgermeister Hofrat Max Ott hat die Stadtgemeinde nicht weniger als 900.000 Schilling für Grundankäufe ausgegeben, sofern man den Ankauf der Berchtoldgründe bereits einrechnet. Der Kaufpreis soll dem Kontokorrentkredit entnommen werden, über dessen endgültige Form derzeit mit der Gemeinde Wien verhandelt wird.

Von dem Areal sollen etwa 6000 bis 7000 Quadratmeter dem Bund zur Errichtung eines Bundesgymnasiums und einer Lehrerbildungsanstalt zur Verfügung gestellt werden; der übrige Teil soll zu Spielplätzen ausgestaltet werden. Über die Notwendigkeit, beiden Lehranstalten anstelle der längst unzureichend gewordenen Gebäude entsprechende Neubauten zur Verfügung zu stellen, besteht kein Zweifel.

Die entscheidende Frage ist jedoch, ob die Berchtoldgründe in Nonntal hierfür tatsächlich geeignet sind. Die Entwicklung der Stadt verläuft deutlich in entgegengesetzter Richtung und hat sich vor allem der Elisabethvorstadt und Lehen bemächtigt. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis die Ausdehnung auch Itzling und Maxglan erreicht. Betrachtet man dieses vergrößerte Stadtgebiet, so ergibt sich als Zentrum etwa das Dreieck zwischen St. Julienstraße, Salzach und der bayrischen Bahn. Dort steht heute schon das völlig im Zentrum der neuen Stadt gelegene Areal des städtischen Schlachthofes, der über kurz oder lang verlegt werden dürfte.

Würde man vorausschauend handeln, könnte man dieses Areal unbedenklich für die Errichtung der beiden höheren Lehranstalten ins Auge fassen. Stattdessen sollen sie nun an einen abgelegenen Punkt, an die südliche Peripherie der Stadt, verlegt werden. Das Villenviertel von Nonntal, Kleingmain und Morzg wird niemals genügend Schülermaterial bieten, um eine solche Standortwahl zu rechtfertigen. Alle anderen Schüler müssten über viele Jahre hinweg den weiten Weg auf sich nehmen. Auch eine Verdichtung der städtischen Verkehrsmittel könnte diesen Nachteil kaum ausgleichen.

Der Plan, die Bildungsanstalten nach Nonntal zu verlegen, erscheint daher als Fehlentscheidung.

Schulstadt in Nonntal im Entstehen

Ein Artikel in der Salzburger Landes-Zeitung, Ausgabe vom 17. Oktober 1953[2] über die Grundsteinlegung am 15. Oktober:[3]

Feierliche Grundsteinlegung zum Neubau des Bundes‑Realgymnasiums für Mädchen, der Frauenoberschule und der Lehrerinnenbildungsanstalt

Im Jahre 1929, als die Stadtgemeinde Salzburg unter Bürgermeister Hofrat Max Ott vom seinerzeitigen österreichisch‑ungarischen Außenminister Leopold Graf Berchtold (der im Jahre 1942 starb) um rund 400.000 S dessen Besitz in Nonntal erwarb und die etwa 70.000 Quadratmeter großen Gründe für Zwecke der Schule und Jugenderholung widmete. Bereits vorher sind die großen Sportplätze des SAK 1914 und des damaligen Christlich‑deutschen Turnvereines, dessen Nachfolge hinsichtlich des Sportplatzes die Österreichische Turn‑ und Sportunion angetreten hat, entstanden. Die Nonntaler Volksschule war bereits im Jahre 1901 erbaut worden. Die Entwicklung zum Schul‑ und Jugendbezirk wurde in den jetzigen Nachkriegsjahren durch die Errichtung einer für Salzburger Verhältnisse viel zu bescheidenen Jugendherberge, den Bau der großen Turn‑ und Sporthalle der Österr. Turn‑ und Sportunion (mit einem Kostenaufwand von 1,5 Mill. S, zum überwiegenden Teil aus Eigenmitteln) und die Schaffung eines Bauhofes der Bundes‑Gewerbeschule fortgesetzt. Die neue Mädchen‑Hauptschule, deren offizielle Einweihung und Übergabe für anfangs März vorgesehen ist, in der aber bereits jetzt Schulklassen untergebracht sind, wird aus schultechnischen Gründen erst im Beginn des Schuljahres 1954/55 voll in Benützung genommen werden.

Einem großen Übel wird abgeholfen

Es wird noch allgemein in Erinnerung sein, welch große Protestaktionen der bauliche Zustand jenes Gebäudes am laufenden Bande auslöste, in dem derzeit das Bundes‑Realgymnasium für Mädchen, die Frauenoberschule und die Lehrerinnenbildungsanstalt untergebracht sind. Schülerstreiks wurden in Szene gesetzt, Protestnoten an Bund und Stadt überreicht und große Versammlungen der Elternschaft abgehalten, bei denen immer wieder die Forderung nach einer besseren Unterbringung der vielhundertköpfigen Schülerschar gefordert wurde. Landeshauptmann Doktor Klaus als Chef der mittelbaren Bundesverwaltung in Salzburg hat sich bald nach seiner Berufung an die Spitze der Landesregierung mit diesem schwierigen Schulproblem befasst und es auch schließlich nach tatkräftiger Förderung des Landes und der verschiedenen Bundesministerien (Finanzministerium, Handelsministerium und Unterrichtsministerium) mit dem am 15. Oktober erfolgten Spatenstich zu den Neubauten für diese drei Lehranstalten auf den Berchtoldsgründen in Nonntal auch zu einem vorläufigen glücklichen Abschluss gebracht.

Das Großprojekt im Detail

Von der Stadtgemeinde wurden dem Bund als Bauherrn für den Neubau dieser Schulen bzw. Lehranstalten etwas über 15.000 m² Grund kostenlos zur Verfügung gestellt, das sind um 300 Quadratmeter mehr als die benachbarte Union‑Sportanlage ausmacht. Das Bauvorhaben gliedert sich in zwei Etappen, wobei die erste für das Mädchen‑Bundesrealgymnasium und die Frauenoberschule bereits jetzt begonnen und mit Beginn des Schuljahres 1955/56 vollendet sein wird; anschließend an die Fertigstellung dieses Baues wird sofort mit der Errichtung der Lehrerinnenbildungsanstalt begonnen, die im Herbst 1956 bezugsfertig sein wird.

Bundesrealgymnasium und Frauenoberschule werden rund 30.000 Kubikmeter umbauten Raum umfassen. Das viergeschossige Objekt wird unmittelbar im rechten Winkel zum Seitenflügel der Mädchen‑Oberschule etwa 16 m eingerückt parallel zur prächtigen Linden‑ und Buchenallee der Berchtoldvilla errichtet. Es wird 97 m lang und 10,5 m breit sein, 24 Klassen, je zwei Säle für Zeichnen, Chemie, Physik, Naturgeschichte und Handarbeiten mit den dazugehörigen Nebenräumen sowie zwei Lehrküchen und ein Musikzimmer aufweisen. In gerader Flucht zur Hellbrunner Straße werden zwei, einen großen Pausenhof mit altem Baumbestand südwärts begrenzende Turnsäle mit Brausen errichtet. Nordseitig wird das Objekt vom Direktionstrakt und von Gemeinschaftsräumen mit gedeckten Spielplätzen abgeschlossen, während an der Hellbrunner Straße ein ausbaufähiger Wohnblock – vorläufig für zwei bzw. drei Wohnungen – gebaut wird. Außerhalb dieses eigentlichen Lernbezirkes befinden sich zwei Korbballfelder, Lauf‑ und Sprungbahnen sowie kleinere Spielwiesen. Für größere sportliche Übungen, Wettspiele und Veranstaltungen will man versuchen, die in engster Nachbarschaft befindliche Union‑Sportanlage bzw. den SAK‑Platz heranziehen zu können.

Auch Lehrerinnenbildung im neuen Haus

Das Objekt der Lehrerinnenbildungsanstalt ist etwa um die Hälfte kleiner als das Bundesrealgymnasium für Mädchen. Es umfasst 16.000 Kubikmeter umbauten Raum. Der Schultrakt wird, etwas mehr zur Allee gebracht, unmittelbar an das Gymnasium angebaut. Es sind elf Klassenzimmer vorgesehen, weiters ein Chemie‑ und Physiksaal, ein Zeichensaal, mehrere Musikzimmer und ein Handarbeitssaal. Auch ein Kindergarten wird der Lehrerinnenbildungsanstalt angeschlossen.

Ein Schritt vorwärts

Die Berchtoldsgründe in Nonntal waren am 15. Oktober 1953 anlässlich der Grundsteinlegung für die Neubauten des Bundesrealgymnasiums für Mädchen, der Frauenoberschule und der Lehrerinnenbildungsanstalt, die dort errichtet werden, Treffpunkt zahlreicher Schülerinnen, deren Eltern und der Vertreter hoher öffentlicher Körperschaften.

Als Chef der mittelbaren Bundesverwaltung wies als erster Redner Landeshauptmann Dr. Klaus, der u. a. Staatssekretär Dr. Bock als Vertreter der Bundesregierung, Seine Exzellenz Weihbischof Dr. Johannes Filzer, Sektionschef Dr. Schober vom Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau, Ministerialrat Dr. Hansel vom Unterrichtsministerium sowie die Behördenvertreter von Stadt und Land Salzburg begrüßen konnte, darauf hin, dass die seit Jahren erfolgten Bemühungen nach einer Abhilfe der gegenwärtigen untragbaren Zustände jenes Gebäudes, in dem obige Anstalten in Salzburg untergebracht sind, bei den zuständigen Stellen nicht unbeachtet blieben. Die von Salzburg ausgegangene Initiative war fruchtbringend und wird nun durch die Neubauten Abhilfe schaffen. Der Landeshauptmann sprach abschließend allen Beteiligten, vor allem dem BM für Unterricht, für Handel und Wiederaufbau und jenem für Finanzen sowie der Stadtgemeinde seinen besonderen Dank aus und fügte den Wunsch an, dass das Werk rasch vollendet werde.

Als Vertreter des Unterrichtsministers Dr. Kolb überbrachte Ministerialrat Doktor Hansel dessen Grüße und Glückwünsche. Sein Dank galt in erster Linie dem Landeshauptmann für seine Initiative, der Stadtverwaltung für die Zurverfügungstellung des Grundes und den beiden Architekten Hans Riedl und Wilhelm Hubatsch, deren geplantes Objekt allen modernen und pädagogischen Grundsätzen entspricht, und nicht zuletzt den beiden anderen Ministerien.

Daraufhin kam Bürgermeister Pacher auf die bisherigen untragbaren Zustände zu sprechen und betonte, dass die Abschaffung derselben eine Verpflichtung gegenüber unserer Jugend sei. Das positive Zusammenwirken von Stadt und Land Salzburg sowie dem Bund fand seine besondere Würdigung und er hoffe, dass dieses Beispiel sich wiederhole.

Unter den zahlreichen ähnlichen Festlichkeiten, so begann Staatssekretär Doktor Bock mit seinen Ausführungen als weiterer Redner, ist die Grundsteinlegung einer Schule eine der erfreulichsten. Das Beste sei für die Jugend nur gut genug und man müsse, um den Fortschritt und die Wissenschaft zu fördern, die Förderung solcher Kulturbauten immer im Auge behalten. Es bestehe jedoch zwischen einem begeisterten Bauwollen und der Möglichkeit der Durchführung ein Unterschied. Dieser Schulbau in Salzburg aber wird jedoch allen Erfordernissen entsprechen. Österreich hat in seinem Wiederaufbau schon Großes geleistet. Mit jeder neuen Schule und allem, was wir gebaut haben, wollen wir zeigen, dass wir selber in der Lage sind, unser "Haus" selbst zu errichten. In den Grundstein sei der Wunsch "möge die Arbeit wohl gelingen" mit eingemauert. Nach diesen Worten des Staatssekretärs erfolgte die Unterzeichnung der Urkunde, die dann in einer Kupferhülse versiegelt durch ihn in den Grundstein gelegt wurde. Mit drei Hammerschlägen wurde dieser Akt symbolisch vollzogen.

Als eine besonders große Freude empfand es Landesschulinspektor Dr. Laireiter, dass dieses Bauvorhaben, das – wie er ausführte – Landeshauptmann Dr. Klaus sich als sein Projekt vorgenommen hat, durchgeführt wird. Er bezeichnet dieses Jahr als ein Jahr der Erfüllung, umso mehr, da am 25. Oktober in Radstadt der 80. Volksschulbau im Lande Salzburg vollendet wird. Er brachte seinen Dank nicht nur den Ministerien, den Stadt‑ und Landesverwaltungen gegenüber, sondern auch den Eltern und Lehrern zum Ausdruck, weil gerade sie die Schulraumnot in der Öffentlichkeit aufgezeigt haben. Die mustergültige Pflichterfüllung der Lehrkräfte werde durch jene Neubauten in Nonntal belohnt, wo sie in absehbarer Zeit ihre Erzieherarbeit leisten können. Die Reform des überalteten Unterrichtsprogrammes für die Mädchen aber müsse als eine weitere dringliche Aufgabe angesehen werden. Die Ausbildung müsse nach dem Wesen, den Regungen und der Einheit der Frau ausgerichtet sein.

Zum Schluss richtete Dr. Pfitzner als Vertreter der Elternvereinigung einige tiefempfundene Dankesworte an die Versammelten. Die Elternschaft habe um diesen Neubau hart gekämpft. Die Dankesschuld an jene, die in Salzburg die große Schulraumnot erkannt haben, werden die Eltern und Schüler nicht vergessen. "Wir Eltern stehen feierlich vor diesem Grundstein, als stünden wir vor der Zukunft unserer Kinder. Jugendlicher Glaube und jugendliche Freude möge Generationen hindurch wie ein Strom des Lebens durch diese Schule ziehen." So die letzten Worte Dr. Pfitzners bei der Grundsteinlegung.

Als feierlichen Ausklang sang ein Mädchenchor die Landeshymne. (LK)

Quellen

  1. ANNO, "Salzburger Chronik", Ausgabe vom 13. März 1928, Seite 7
  2. ANNO, "Salzburger Landes-Zeitung", Ausgabe vom 17. Oktober 1953, Seite 1
  3. ANNO, "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 16. Oktober 1953, Seite 5