Der Zwergelgarten vor seiner Neugestaltung im Mai 2018

Der Zwergelgarten war ein Teil des barocken Mirabellgartens in der rechtsufrigen Altstadt von Salzburg.

Einleitung

Der derzeitige Aufstellungsort der Zwerge ist nicht der Originalaufstellungsort und es fehlen einige Zwerge. Ein originalgetreu wieder hergestellter Zwergelgarten wäre der größte und (mit einer Unterbrechung von rund 200 Jahren)älteste Zwergengarten der Welt. Eine Wiederherstellung nach den maßstabgerechten alten Pläne wäre problemlos möglich. Die Zwerge befinden sich derzeit provisorisch ohne ihren Sockeln auf der Wasserbastei (historisch auch Kleiner Bastionsgarten genannt).

Geschichte

Originale

Der historische Zwergelgarten südlich der Wasserbastei ist ein Teil jener Gartenanlage, die Johann Ernst Graf Thun unter Leitung von Fischer von Erlach ausgestalten ließ. Die ersten Zwerge entstanden vermutlich 1691/1692, der Garten war dann um 1695 weitgehend fertig. Er wurde in der barocken Formgebung Ende des 18. Jahrhunderts zerstört, weil der maßgeblich von der Aristokratie Frankreichs geförderte Barockstil damals als hoffnungslos veraltet galt und auch hier einem englischen Landschaftsgarten weichen musste, der heute ebenfalls nicht mehr besteht. Die Zwerge des Gartens wurden 1811 entfernt. Der Garten ist der älteste Zwergengarten Europas und auch daher von besonders hoher kultureller Bedeutung. Die vielfältige Symbolsprache des Mirabellgartens wird maßgeblich auch vom Zwergengarten mitbestimmt.

Ursprünglich waren es 28 aus Untersberger Marmor gehauene Steinstatuen, die den historischen Zwergelgarten bevölkerten. Jeder von ihnen wiegt etwa 300 bis 400 Kilo [1] Die Zwerge wurden vermutlich unter einem Künstlerkollektiv unter Leitung von Ottavio Mosto und Michael Bernhard Mandl geschaffen, in dem auch Sebastian Stumpfegger und Hans Schwäbl mitarbeiteten. An vielen europäischen Fürstenhöfen wurden in der Barockzeit verwachsene und kleinwüchige Menschen angestellt, die jedoch - ob ihrer Treue und Loyalität - dabei hoch geschätzt wurden.

In der Zeit der Aufklärung gerieten die Marmorfiguren missgestalteter Menschen im Mirabellgarten immer mehr in Verruf. Dem schöngeistige bayrische Kronprinz Ludwig I. von Bayern missfielen während der kurzen bayrischen Regentschaft über Salzburg die hier aufgestellten Marmorzwerge. Er wollte sie - fragwürdigen Gerüchten zufolge - als Kalkrohmaterial in einen Kalkofen werfen lassen. Die Figuren wurden im Jahr 1811, größtenteils um den sehr geringen Betrag von nur zwei Gulden je Stück versteigert. So waren die Salzburger Zwerge bald in alle Winde verstreut.

Die Zwerge gerieten danach für mehr als hundert Jahre in Vergessenheit. Aber am 20. Oktober 1919 fasste der Salzburger Gemeinderat den Beschluss den einzigartigen Garten wieder zu errichten. Schon zuvor bemühte sich der Salzburger Verschönerungsverein, der heutige Salzburger Stadtverein, unermüdlich, dieses wichtige Stück Salzburger Kulturgeschichte erneut erlebbar zu machen. Auf Antrag des Vereines stellte die Stadt Salzburg die neun damals wieder im Besitz des Stadtvereines befindlichen Zwerge an ihrem angestammten Platz im Zwergelgarten auf. Wegen der zahlreich dort spielenden Kinder musste zum Schutz der Skulpturen aber bald ein Platz in der Nähe dieses alten Gartens gefunden werden. Damals suchte vor allem der Verschönerungsverein mit Nachdruck Spuren der verlorenen alten Zwerge und fand sie in Salzburger Hausgärten, aber auch in Bayern, im Hausruck und im Pongau. Heute findet man 15 der ursprünglich 28 Zwerge wieder im Kleinen Bastionsgarten, darunter den "Zwerg mit dem Spaten" oder den "Zwerg mit der Rettichtasche".

Zum Aufenthalt von Salzburger Zwergen an anderen Orten: Vier Zwerge binden sich in der Stadt Salzburg an der Reichenhaller Straße und der Sinnhubstraße in Privatbesitz. Vier weitere Zwerge waren bis vor wenigen Jahren im Eigentum eines bayrischen Gartenbesitzers in Traunstein. Fünf Zwerge sind unbekannten Aufenthaltes.

Der derzeitige Aufstellungsort ohne Sockeln und ohne den zugehörigen Barockgarten wird den wertvollen Figuren in keiner Weise gerecht. Hoffentlich gelingt es bis zum 100-Jahr-Jubiläum des Beschlusses von 1919 den weltweit einzigartigen Teil des vielschichtigen Gartens Fischer von Erlachs wieder originalgetreu zu errichten.

Duplikate

Zwei Duplikate - der Zwerg mit dem Spaten und die Zwergin mit der Obstschürze - stehen an der Südseite des Gebäude des ehemaligen Café Corsos am Giselakai neben dem Mozartsteg. (Stand 2018).

Nachahmungen

Zwei Nachahmungen - der Zwerg mit dem Bierkrug und die Zwergin mit der Bierbretzel - befinden sich im Gastgarten des Stieglkellers in der Festungsgasse. (Stand 2017).

Restaurierung

Im Winter 2017/2018 wurden die mehr als 300 Jahre alten Zwerge vier Monate lang vom Steinmetzmeister und Restaurator Erich Reichl und seinem Team einer gründlichen Behandlung und Restaurierung unterzogen. Sie reinigten die Zwerge und ergänzten vorhandene Fehlstellen. Nach der "Kur" blieb eine Rest-Patina erhalten, wie Reichl gegenüber den Salzburger Nachrichten erklärte. Denn das harmonische Gesamtbild steht im Vordergrund und man darf den Zwerge ihr Alter schon ansehen". Mit schonendem Mikrodampfstrahl und Partikelstrahlen wurde in der Werkstatt in Hallein-Gamp der oberflächliche Biofilm abgetötet. Aufgrund der schonenden Vorgehensweise sind einzelne dunkle Flecken nach wie vor zu sehen. Um die ältesten Zwerge Europas bestmöglich zu erhalten, werden sie im Mirabellgarten in Zukunft im Winter mit einem Holzverschlag geschützt.

Die Stadt Salzburg hat sich die Kur für die Zwerge mehrere Zehntausend Euro kosten lassen. Wie Reichl erklärte, war nicht allzu viel Arbeit nötig und die Zwerge befanden sich in gutem Zustand. Der Untersberger Marmor, aus dem die Zwerge gefertigt wurden, weist nur vereinzelte Gefügeauflockerungen auf. " [1]

Die 15 barocken Zwerge kamen nicht mehr auf den ursprünglichen Platz, sondern wurden nach Themen und Gruppen neu angeordnet.

  • ein großer 'Jahreskreis mit zwölf Monaten'; eine Gruppe, gebildet aus zehn vorhandenen Zwergen je Monat
  • die 'Duellanten'; eine Gruppe aus fechtenden Zwergen
  • die 'Komödianten'; eine Gruppe von Zwergen, die Szenen aus einem historischen Stehgreiftheater darstellen
  • die 'Ballspieler', die beiden Ball spielenden Zwerge im Eingangsbereich, welche ihre Standorte beibehielten.

Am 25. Mai 2018 wurde der neu arrangierte Zwergerlgarten mit einem "Zwergerlfest" wieder eröffnet. [1] [2]

Film

Mit der Geschichte des Zwergelgartens beschäftigt sich auch der Film "Der Zwergengarten von Mirabell - Skurrile Meisterwerke aus Stein".

Bilder

Zwerge am Eingang des Kleinen Bastionsgartens

Zwerge im Kleinen Bastionsgarten

Die Bilder sind in Reihenfolge der Aufstellung der Zwerge, linksbeginnend im Uhrzeigersinn.

Zwerge in anderen Orten

  • Der Zwerg mit den Kastagnetten (Salzburg-Mülln, Gasthaus Krimpelstätter)
  • Der Zwerg in Kampfstellung (Salzburg-Riedenburg, Reichenhaller Straße)
  • Der Zwerg mit Schlapphut (Salzburg-Riedenburg, Reichenhaller Straße)
  • Der Zwerg mit dem Wetzstein (Salzburg-Riedenburg, Sinnhubstraße)
  • Der Zwerg mit der Feldflasche (Traunstein, Crailsheimerstraße)
  • Der Zwerg mit der Gans (Traunstein, Crailsheimerstraße)
  • Die freizügige Zwergin (Traunstein, Crailsheimerstraße)
  • Der Zwerg mit dem Löffel an der Kappe (Traunstein, Crailsheimerstraße)

weitere Bilder

  Zwergelgarten – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
  Zwergelgarten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 Quelle www.sn.at, Restaurierung 2018, abgefragt am 14. März 2018
  2. www.stadt-salzburg.at
  3. data.onb.ac.at /Salzburger Zwerge