Pyrgus armoricanus: Unterschied zwischen den Versionen

Aus SALZBURGWIKI
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Seite wurde neu angelegt
 
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
 
Zeile 1: Zeile 1:
'''Pyrgus armoricanus''' (''Syrichthus armoricanus'' Oberthür, 1910: 411-413, 681, Taf. LVII, Fig. 509-520) ist eine [[Glossar Biologie#A|Art]] aus der [[Glossar Biologie#O|Ordnung]] [[Lepidoptera]] ([[Schmetterling]]e), [[Glossar Biologie#F|Familie]] [[Hesperiidae]] (Dickkopffalter).
'''Pyrgus armoricanus''' (''Syrichthus armoricanus'' Oberthür, 1910: 411-413, 681, Taf. LVII, Fig. 509-520) ist eine [[Insekten|Insekt]]⁣en[[Glossar Biologie#A|art]] aus der [[Glossar Biologie#O|Ordnung]] [[Lepidoptera]] (Schmetterlinge), [[Glossar Biologie#F|Familie]] [[Hesperiidae]] (Dickkopffalter).


==Diagnose==
==Diagnose==
Die Art weist, so wie ''[[Pyrgus alveus]]'' auf der Oberseite der Hinterflügel diffus begrenzte helle Flecken auf, im Gegensatz zu dieser ist die weiße Mittelbinde der Hfl.-Unterseite schmäler, nach der Mitte weniger deutlich, gelblich. Eine sichere Unterscheidung ist oft nur durch Genitaluntersuchung möglich (Stettmer et a. 2022).
Die Art weist, so wie ''[[Pyrgus alveus]]'', auf der Oberseite der Hinterflügel diffus begrenzte helle Flecken auf, im Gegensatz zur Oberseite ist die weiße Mittelbinde der Hinterflügel-Unterseite schmäler, nach der Mitte weniger deutlich, gelblich. Eine sichere Unterscheidung ist oft nur durch Genitaluntersuchung möglich (Stettmer et a. 2022).


==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie==
==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie<ref>siehe [[Glossar Biologie#P|Phänologie]]</ref>==
Mit Ausnahme des Lungaues wurde ''P. armoricanus'' in Salzburg zwar bereits in allen Landesteilen nachgewiesen, die Art tritt aber immer nur selten und einzeln auf und ist in den Zonen I (Alpenvorland und Flyschzone, Zoneneinteilung nach Embacher et al. 2025) und Ia (Stadt Salzburg) seit den 1950er Jahren verschollen. In Zone I gab es zudem ohnehin nur zwei Funde aus Bergheim und vom Plainberg, beide am Nordrand der Stadt Salzburg, und in der Stadt Salzburg stammten die Funde hauptsächlich aus Kasern und vom Gaisberg. Die Höhenverbreitung im Land ist von rund 400 bis 1500 m dokumentiert, mit Einzelfunden bis 2100 m. Zum Lebensraum liegen kaum Daten aus Salzburg vor, die Tiere benötigen aber, wie ihre Verwandten, blütenreiche, eher trockene, magere Wiesen und Magerweiden mit nicht zu hohem Graswuchs. Die Imagines fliegen von Mai bis Anfang Oktober, wobei zumindest in tieferen Lagen zwei Generationen mit den Maxima im Juni und im September auftreten (Kurz & Kurz 2026).
Mit Ausnahme des [[Lungau]]es wurde ''P. armoricanus'' in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] zwar bereits in allen Landesteilen nachgewiesen, die Art tritt aber immer nur selten und einzeln auf und ist in den Zonen I ([[Alpenvorland]] und [[Flyschzone]], Zoneneinteilung nach Embacher et al. 2025) und Ia ([[Stadt Salzburg]]) seit den [[1950er]]-Jahren verschollen. In Zone I gab es zudem ohnehin nur zwei Funde aus [[Bergheim]] und vom [[Plainberg]], beide am Nordrand der Stadt Salzburg, und in der Stadt Salzburg stammten die Funde hauptsächlich aus [[Kasern]] und vom [[Gaisberg]]. Die Höhenverbreitung im Land ist von rund 400 bis 1500 m dokumentiert, mit Einzelfunden bis 2100 m. Zum Lebensraum liegen kaum Daten aus Salzburg vor, die Tiere benötigen aber, wie ihre Verwandten, blütenreiche, eher trockene, magere Wiesen und Magerweiden mit nicht zu hohem Graswuchs. Die [[Glossar Biologie#I|Imag]]ines fliegen von [[Mai]] bis Anfang Oktober, wobei zumindest in tieferen Lagen zwei Generationen mit den Maxima im [[Juni]] und im [[September]] auftreten (Kurz & Kurz 2026).


==Nachbarfaunen==
==Nachbarfaunen==
Bei Huemer (2013) wird ''P. armoricanus'' zwar aus allen österreichischen Bundesländern angegeben, aus Osttirol, Wien und dem Burgenland allerdings nur fraglicher Weise. In Oberösterreich sind ebenfalls Funde aus allen drei Landesteilen bekannt, aber auch hier tritt die Art nur selten und einzeln auf (Kusdas & Reichl 1973). Im Mühlviertel wurde sie in neuerer Zeit nur mehr an den Hängen zum Donautal gefunden (GBIF Austria 2026). In Bayern datieren die letzten Nachweise aus dem ostbayerischen Grundgebirge vor dem Jahr 1970, in den übrigen drei Naturräumen sind rezente Funde bekannt (Haslberger & Segerer 2021).
Bei Huemer (2013) wird ''P. armoricanus'' zwar aus allen österreichischen Bundesländern angegeben, aus [[Osttirol]], [[Wien]] und dem [[Burgenland]] allerdings nur fraglicher Weise. In [[Oberösterreich]] sind ebenfalls Funde aus allen drei Landesteilen bekannt, aber auch hier tritt die Art nur selten und einzeln auf (Kusdas & Reichl 1973). Im Mühlviertel wurde sie in neuerer Zeit nur mehr an den Hängen zum Donautal gefunden (GBIF Austria 2026). In [[Bayern]] datieren die letzten Nachweise aus dem ostbayerischen Grundgebirge vor dem Jahr 1970, in den übrigen drei Naturräumen sind rezente Funde bekannt (Haslberger & Segerer 2021).


==Biologie und Gefährdung==
==Biologie und Gefährdung==
Zur Biologie der Imagines liegen aus Salzburg praktisch keine Informationen vor. Die tageszeitliche Flugaktivität ist in drei Fällen zwischen 9 und 16 Uhr MEZ dokumentiert. Zu den Nektarpflanzen sind aus Salzburg keine Daten bekannt. Die Eiablage wurde von Gros (1998) Ende August an ''[[Potentilla erecta]]'' und ''[[Potentilla reptans]]'' beobachtet. Nach Lepiforum (2026) werden auch noch weitere ''Potentilla''-Arten genutzt.
Zur Biologie der Imagines liegen aus Salzburg praktisch keine Informationen vor. Die tageszeitliche Flugaktivität ist in drei Fällen zwischen 9 und 16 Uhr MEZ dokumentiert. Zu den Nektarpflanzen sind aus Salzburg keine Daten bekannt. Die Eiablage wurde von Gros (1998) Ende [[August]] an ''[[Potentilla erecta]]'' (Blutwurz) und ''[[Potentilla reptans]]'' (Kriechendes Fingerkraut) beobachtet. Nach Lepiforum (2026) werden auch noch weitere ''Potentilla''-Arten genutzt.


Das Vorkommen der Nahrungspflanzen, die in Salzburg weit verbreitet und häufig sind, spielt für das Vorkommen von ''P. armoricanus'' im Land keine Rolle, sondern wohl eher der Lebensraum und die klimatischen Bedingungen, die nur an wenigen Stellen in Salzburg als für das Auftreten dieser zweibrütigen Art als geeignet erscheinen (Gros 1998). Aus diesem Grund und wegen der daraus resultierenden Seltenheit wird ''P. armoricanus'' als stark gefährdet eingestuft (Einstufung EN nach Embacher et al. 2025). Im Alpenvorland und im Salzburger Becken gilt die Art zudem als verschollen (RE nach Gros 2023).
Das Vorkommen der Nahrungspflanzen, die in Salzburg weit verbreitet und häufig sind, spielt für das Vorkommen von ''P. armoricanus'' im Land keine Rolle, sondern wohl eher der Lebensraum und die klimatischen Bedingungen, die nur an wenigen Stellen in Salzburg als für das Auftreten dieser zweibrütigen Art als geeignet erscheinen (Gros 1998). Aus diesem Grund und wegen der daraus resultierenden Seltenheit wird ''P. armoricanus'' als stark gefährdet eingestuft (Einstufung EN nach Embacher et al. 2025). Im [[Alpenvorland]] und im [[Salzburger Becken]] gilt die Art zudem als verschollen (RE nach Gros 2023).


==Weiterführende Informationen==
==Weiterführende Informationen==

Aktuelle Version vom 21. Februar 2026, 19:36 Uhr

Pyrgus armoricanus (Syrichthus armoricanus Oberthür, 1910: 411-413, 681, Taf. LVII, Fig. 509-520) ist eine Insekt⁣enart aus der Ordnung Lepidoptera (Schmetterlinge), Familie Hesperiidae (Dickkopffalter).

Diagnose

Die Art weist, so wie Pyrgus alveus, auf der Oberseite der Hinterflügel diffus begrenzte helle Flecken auf, im Gegensatz zur Oberseite ist die weiße Mittelbinde der Hinterflügel-Unterseite schmäler, nach der Mitte weniger deutlich, gelblich. Eine sichere Unterscheidung ist oft nur durch Genitaluntersuchung möglich (Stettmer et a. 2022).

Verbreitung, Lebensraum und Phänologie[1]

Mit Ausnahme des Lungaues wurde P. armoricanus in Salzburg zwar bereits in allen Landesteilen nachgewiesen, die Art tritt aber immer nur selten und einzeln auf und ist in den Zonen I (Alpenvorland und Flyschzone, Zoneneinteilung nach Embacher et al. 2025) und Ia (Stadt Salzburg) seit den 1950er-Jahren verschollen. In Zone I gab es zudem ohnehin nur zwei Funde aus Bergheim und vom Plainberg, beide am Nordrand der Stadt Salzburg, und in der Stadt Salzburg stammten die Funde hauptsächlich aus Kasern und vom Gaisberg. Die Höhenverbreitung im Land ist von rund 400 bis 1500 m dokumentiert, mit Einzelfunden bis 2100 m. Zum Lebensraum liegen kaum Daten aus Salzburg vor, die Tiere benötigen aber, wie ihre Verwandten, blütenreiche, eher trockene, magere Wiesen und Magerweiden mit nicht zu hohem Graswuchs. Die Imagines fliegen von Mai bis Anfang Oktober, wobei zumindest in tieferen Lagen zwei Generationen mit den Maxima im Juni und im September auftreten (Kurz & Kurz 2026).

Nachbarfaunen

Bei Huemer (2013) wird P. armoricanus zwar aus allen österreichischen Bundesländern angegeben, aus Osttirol, Wien und dem Burgenland allerdings nur fraglicher Weise. In Oberösterreich sind ebenfalls Funde aus allen drei Landesteilen bekannt, aber auch hier tritt die Art nur selten und einzeln auf (Kusdas & Reichl 1973). Im Mühlviertel wurde sie in neuerer Zeit nur mehr an den Hängen zum Donautal gefunden (GBIF Austria 2026). In Bayern datieren die letzten Nachweise aus dem ostbayerischen Grundgebirge vor dem Jahr 1970, in den übrigen drei Naturräumen sind rezente Funde bekannt (Haslberger & Segerer 2021).

Biologie und Gefährdung

Zur Biologie der Imagines liegen aus Salzburg praktisch keine Informationen vor. Die tageszeitliche Flugaktivität ist in drei Fällen zwischen 9 und 16 Uhr MEZ dokumentiert. Zu den Nektarpflanzen sind aus Salzburg keine Daten bekannt. Die Eiablage wurde von Gros (1998) Ende August an Potentilla erecta (Blutwurz) und Potentilla reptans (Kriechendes Fingerkraut) beobachtet. Nach Lepiforum (2026) werden auch noch weitere Potentilla-Arten genutzt.

Das Vorkommen der Nahrungspflanzen, die in Salzburg weit verbreitet und häufig sind, spielt für das Vorkommen von P. armoricanus im Land keine Rolle, sondern wohl eher der Lebensraum und die klimatischen Bedingungen, die nur an wenigen Stellen in Salzburg als für das Auftreten dieser zweibrütigen Art als geeignet erscheinen (Gros 1998). Aus diesem Grund und wegen der daraus resultierenden Seltenheit wird P. armoricanus als stark gefährdet eingestuft (Einstufung EN nach Embacher et al. 2025). Im Alpenvorland und im Salzburger Becken gilt die Art zudem als verschollen (RE nach Gros 2023).

Weiterführende Informationen

Allgemeine Informationen und Hilfe:

Naturkundliche Gesellschaft

Über das SALZBURGWIKI-Projekt Fauna und Flora
Das SALZBURGWIKI-Projekt Fauna und Flora möchte eine Übersicht über alle Pflanzen-, Pilz- und Tierarten des Landes Salzburg erstellen. Wer eine Art beschreiben will, kann sich die hier hinterlegte Formatvorlage kopieren und für einen neuen Artikel verwenden. Im Abschnitt "Material und Methoden" wird erklärt, wann deutsche und wann lateinische Namen als Artikelnamen verwendet werden sollen.


Quellen

  • GBIF Austria 2026. Global Biodiversity Information Facility, participant node Austria. URL: https://www.gbif.at/ [online 2026.02.16].
  • Gros, P. 1998. Eiablage und Futterpflanzen der Falter der Gattung Pyrgus Hübner, 1819 im Bundesland Salzburg, unter besonderer Berücksichtigung von Pyrgus andromedae (Wallengren, 1853) (Lepidoptera: Hesperiidae, Pyrginae). Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen 50 (1/2): 29-36.
  • Gros, P. 2023. Rote Liste der Tagfalter Salzburgs - Evaluierung des Gefährdungszustands der in Salzburg nachgewiesenen Tagfalterarten, Datenstand 2021 45/23. Naturschutzbeitrag: 1-81.
  • Haslberger, A. & A.H. Segerer 2021. Fünf Jahre "Checkliste der Schmetterlinge Bayerns". Eine Erfolgsgeschichte der bayerischen Insektenfaunistik auf neuestem Stand (Insecta: Lepidoptera). Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 111. Online-Supplement S6. Aktualisierte Checkliste (Hauptkatalog). Stand: 15.09.2021: 74 pp.
  • Huemer, P. 2013. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematische und faunistische Checkliste. Studiohefte 12. Tiroler Landesmuseum Innsbruck: 304 pp.
  • Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2026. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2026.02.16].
  • Kusdas, K. & E. R. Reichl 1973. Die Schmetterlinge Oberösterreichs. Teil 1. Tagfalter. Entomologische Arbeitsgemeinschaft am O.Ö. Landesmuseum Linz: 1-266.
  • Lepiforum e.V. [Hrsg.] 2008-2026: Pyrgus armoricanus (Oberthür, 1910). URL: https://lepiforum.org/wiki/ [online 2026.02.16].
  • Stettmer, C., M. Bräu, P. Gros & O. Wanninger 2022. Die Tagfalter Deutschlands und Österreichs. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL): 3-355.

Einzelnachweis